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Arena Zwei Morgan Rice Trilogie Des Überlebens #2 In ARENA ZWEI sind Brooke, Ben, Logan, Bree und Rose auf der Flucht. Sie sind gerade der heimtückischen Insel, die früher einmal Manhattan war, entkommen und fahren den Hudson in einem gestohlenen Boot flussaufwärts. Sie sind mangelhaft ausgerüstet: Sie haben wenig Benzin, nicht genug zu Essen und keinen Schutz vor der Kälte. Ihnen auf den Fersen sind die Sklaventreiber, die sie einfangen und wieder zurückbringen wollen. Während der Fahrt flussaufwärts in eine mythische Stadt in Kanada, brauchen die vier in dieser post-apokalyptischen, Action-reichen Geschichte, ihren kompletten Einfallsreichtum und alle ihre Fähigkeiten, um zu überleben. Auf ihrem Weg meistern sie verschiedenste Herausforderungen: Überlebende, die durchgedreht sind, umherstreichende Räuberbanden, Kannibalen, wilde Tiere, öde Wildnis und ein unerbittlicher Schneesturm. Sie werden verletzt oder krank, und der Hudson friert zu, als sie alles geben um den Sklaventreibern zu entkommen. Schließlich finden sie eine kleine Insel und meinen, dass sie sich dort ausruhen können – doch wie so oft, laufen die Dinge anders als geplant. Irgendwann haben sie alles verloren, bis auf ihr Leben, und können sich nicht vorstellen, dass es noch schlimmer kommen könnte. Als sie auf einen geheimnisvollen Zug ins Nirgendwo aufsteigen, merken sie, dass sie sich geirrt haben… Unterwegs werden Brooks Gefühle für Logan stärker und auch für Ben. Sie ist zwischen den beiden hin- und her gerissen, steht häufig zwischen ihnen, muss ihre Eifersucht ausgleichen und ist sich nicht sicher, was sie fühlt – bis die Zeit ihr die Entscheidung abnimmt. Als sie sich in einer neuen Arena befinden, können sie kaum fassen, dass diese Arena Zwei noch schlimmer ist als die Arena Eins. Morgan Rice ARENA ZWEI (Band #2  der Trilogie des Überlebens) AUSGEWÄHLTE KOMMENTARE ZU MORGAN RICE „Ich gebe zu, dass ich vor ARENA EINS, noch nie irgendetwas post-apokalyptisches gelesen hatte. Ich dachte nicht, dass mir dieses Genre so viel Spaß macht…Ich war positiv überrascht,  wie sehr mich dieses Buch in seinen Bann gezogen hat. ARENA EINS ist eines der Bücher, dass man bis spät in die Nacht hinein liest bis die Augen brennen, weil man es einfach nicht aus der Hand legen kann…Es ist kein Geheimnis, dass mir Bücher mit starken Helden gefallen….Brooke war stark, taff, unerbittlich, und obwohl es in der Geschichte auch um Liebe geht, war das nicht das Entscheidende für Brooke….ich kann ARENA EINS nur empfehlen.“ –-Dallas Examiner „Rice hat das Talent, einen von Anfang an von einer Geschichte gefangen nehmen zu lassen. Das liegt an ihrer Kunst sehr lebendig und anschaulich zu schreiben…gut geschrieben und sehr schnell zu lesen.“ –-Black Lagoon Reviews (über Turned) „Sehr gut geeignet für junge Leser. Morgen Rice ist es gelungen eine interessante Wendung auszudenken…einmalig und erfrischend zu lesen. Die Serie konzentriert sich auf sein Mädchen…ein ganz besonderes Mädchen…Sie ist leicht zu lesen und hat ein sehr schnelles Tempo…nur bedingt jugendfrei.“ –-The Romance Reviews (über Turned) „Hat mich gleich von Anfang an gefesselt und nicht nachgelassen…es ist die Geschichte eines großartigen Abenteuers, sie hat ein gutes Tempo und ist von Anfang an Action geladen. Es gibt keinen einzigen Moment.“ –-Paranormal Romance Guild (über Turned) „Randvoll mit Action, Liebe, Abenteuer und Spannung. Wenn man das Buch in die Hände nimmt, wird man gleich mitgerissen.“ –-vampirebooksite.com (über Turned) „Ein großartiger Spannungsaufbau! Das ist genau die Art von Büchern, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Das Buch endet an der spannendsten Stelle, so dass man sofort losrennen will, um das nächste Buch zu kaufen, nur um zu wissen, wie es weiter geht.“ –The Dallas Examiner (über Loved) “Ein Buch, das es mit TWILIGHT und den VAMPIRE DIARIES aufnehmen kann, ein Buch, das man bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen will! Wenn man Abenteuer-, Liebes- und Vampirgeschichten mag, ist das Buch genau die richtige Wahl!“ –-Vampirebooksite.com (über Turned) “Morgan Rice beweist sich wieder als extrem begnadete Erzählerin….diese Geschichte wird einem großen Publikum gefallen, darunter auch jüngeren Fans die das Genre Vampire/Fantasy schätzen. Das Buch bricht in einer der spannendsten Szenen ab und lässt den Leser empört zurück.“ –-The Romance Reviews{über Loved} “THE SORCERER’S RING hat alle Zutaten, die eine Geschichte erfolgreich machen: Wendepunkte, Gegenwendepunkte, Geheimnisse, tapfere Ritter und erblühende Liebschaften mit gebrochenen Herzen, Täuschung und Betrug. Es reißt einen für Stunden in seinen Bann und gefällt allen Altersgruppen. Ich empfehle das Buch für die permanente Bibliothek aller Fantasy Leser.“ –-Books and Movie Reviews, Roberto Mattos Über Morgan Rice Morgan Rice schrieb die Nr. 1 Bestseller Serie DER WEG DER VAMPIRE, eine elfteilige Serie für junge Leser. Ihrer Feder entstammt auch die Nr. 1 Bestseller Serie TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, eine post-apokalyptischer Thriller-Serie aus derzeit zwei Büchern (man darf auf das Dritte gespannt sein) und die epische Fantasy-Serie DER RING DER ZAUBEREI, das derzeit aus dreizehn Büchern besteht und die Bestsellerlisten anführt. Morgans Bücher gibt es als Audio oder Print-Editionen die in vielen Sprachen erschienen sind: Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Japanisch, Chinesisch, Schwedisch, Holländisch, Türkisch, Ungarisch, Tschechisch und Slowakisch – mehr Sprachen werden folgen. Morgan freut sich, von ihren Lesern zu hören, darum besuchen Sie bitte www.morganricebooks.com (http://www.morganricebooks.com/) um sich für Email-Updates zu registrieren. Erhalten sie ein kostenloses Buch, Geschenke, laden sie die kostenlose App herunter und erhalten sie exklusiv die neusten Nachrichten. Oder folgen Sie Morgan auf Facebook und Twitter. Morgan freut sich auf Ihren Besuch! Bücher von Morgan Rice DER RING DER ZAUBEREI QUESTE DER HELDEN (Band #1) MARSCH DER KÖNIGE (Band #2) LOS DER DRACHEN (Band #3) RUF NACH EHRE (Band #4) SCHWUR DES RUHMS (Band #5) ANGRIFF DER TAPFERKEIT(Band #6) A RITE OF SWORDS – RITUS DER SCHWERTER (Band #7) A GRANT OF ARMS – GEWÄHR DER WAFFEN (Band #8) A SKY OF SPELLS – HIMMEL DER ZAUBER (Band #9) demnächst auf Deutsch erhältlich A SEA OF SHIELDS – MEER DER SCHILDE (Band #10) A REIGN OF STEEL – REGENTSCHAFT DES STAHLS (Band #11) A LAND OF FIRE – LAND DES FEUERS (BAND #12) A RULE OF QUEENS – DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13) DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1) demnächst auf Deutsch erhältlich ARENA TWO –  ARENA ZWEI (Band #2) DER WEG DER VAMPIRE GEWANDELT (Band #1 Der Weg Der Vampire) VERGÖTTERT (Band #2 Der Weg Der Vampire) VERRATEN (Band #3 Der Weg Der Vampire) BESTIMMT (Band #4 Der Weg Der Vampire) BEGEHRT (Band #5 Der Weg Der Vampire) BETROTHED – VERMÄHLT (Band #6) VOWED – GELOBT (Band #7) demnächst auf Deutsch erhältlich FOUND  – GEFUNDEN (Band #8) RESURRECTED  – ERWECKT (Band #9) CRAVED  – ERSEHNT (Band #10) FATED  – BERUFEN (Band #11) Hier gibt es die TRILOGIE DES ÜBERLEBENS als Hörbuch: Amazon (http://www.amazon.com/arena-one-slaverunners-survival-trilogy/dp/b00bpbx2e4/ref=tmm_aud_title_0?ie=utf8&qid=1402588021&sr=1-1) Audible (http://www.audible.com/pd/teens/arena-one-slaverunners-audiobook/b00bi1l59a/ref=a_search_c4_1_1_srttl?qid=1402587928&sr=1-1) iTunes (https://itunes.apple.com/de/artist/morgan-rice/id417552527?mt=11&uo=4) Copyright © 2012 von Morgan Rice Alle Rechte vorbehalten. Abgesehen von den Ausnahmen der U.S. Copyright Act von 1976, darf kein Teil dieser Veröffentlichung kopiert, verbreitet oder in irgendeine andere Form übertragen werden, etwa in einer Datenbank oder einem Datenabfragesystem gespeichert werden, ohne ausdrückliche Erlaubnis des Autors. Dieses eBuch ist nur für Ihre persönliche Nutzung lizensiert. Es darf nicht weiter verkauft oder an anderer weiter gegeben werden. Wenn Sie das Buch mit weiteren Personen teilen möchten, kaufen Sie bitte für jede weitere Person eine eigene Kopie. Wenn Sie das Buch lesen, ohne es gekauft zu habe, oder wenn es nicht ausschließlich für Ihren Gebrauch gekauft wurde, geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie eine eigene Kopie für sich. Wir danken Ihnen, dass Sie die Arbeit der Autorin respektieren. Bei diesem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Figuren, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Begebenheiten entspringen ausschließlich der Vorstellungskraft der Autorin oder werden fiktiv gebraucht. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen, ob tot oder lebendig, sind rein zufällig. Das Copyright © der Umschlagsgestaltung fällt unter die Lizenz von shutterstock.com. "Feiglinge sterben viele Male vor ihrem Tod; der Held schmeckt den Geschmack des Todes nur einmal. Von allen erstaunlichen Dingen, von denen ich bislang gehört habe, scheint mir die Idee merkwürdigsten, dass Männer sich fürchten sollten, wenn sie den Tod, das notwenige Ende, sehen. Es wir kommen, wann immer es kommen wird."     --Shakespeare, Julius Caesar EINS An einigen Tagen ist die Welt einfach nur perfekt. An diesen Tagen liegt eine gewisse Stille über der Welt, eine ruhige Decke, die dich so komplett umhüllt, dass du das Gefühl hast, du könntest einfach verschwinden. Dann fühlt man Frieden, ist vor allen Sorgen der Welt geschützt. Geschützt von Angst. Vor morgen. Ich kann diese Momente an einer Hand abzählen. Einer von ihnen ist genau jetzt. Ich bin 13 Jahre alt, Bree ist sechs, und wir stehen auf einem Strand mit feinem, weichen Sand. Mein Vater hält meine Hand, und meine Mutter hält Brees, und wir vier gehen über den heißen Sand zum Meer. Die kühle Gischt der Wellen fühlt sich gut an auf meinem Gesicht an, sie lässt die Hitze des Augusttages langsam verschwinden. Wellen brechen um uns herum, mein Vater und meine Mutter lachen unbeschwert. Ich habe sie noch nie so entspannt gesehen. Ich ertappe sie dabei, wie sie einander liebevoll anschauen, und ich pflanze das Bild fest in meinen Kopf ein. Es ist eines der wenigen Male, dass ich sie so glücklich miteinander sehe, und ich möchte es nicht vergessen. Bree schreit vor Freude, begeistert über die brechenden Wellen, die ihr bis zur Brust gehen, über den ziehenden Sog, der ihr bis an die Oberschenkel reicht. Meine Mutter hält Bree fest, und mein Vater drückt meine Hand, um uns vor der Strömung des Meeres zu schützen. „EINS! ZWEI! DREI!“ ruft mein Vater. Ich werde hoch in die Luft gehoben, als mein Vater an meiner Hand zieht und meine Mutter an Brees. Ich gehe hoch, über eine Welle, und schreie, als ich sie durchstoße und sie hinter mir bricht. Ich staune, dass mein Vater einfach so da stehen kann, wie ein Fels in der Brandung, scheinbar ohne die Gewalt der Natur überhaupt zu spüren. Wenn eine neue Welle kommt, bekomme ich Angst. Ich fühle das kalte Wasser an meiner Brust. Ich drücke die Hand meines Vaters fester, als der Sog wieder kommt, und wieder hält er mich fest. Ich fühle in diesem Moment, dass er mich vor allem beschützen wird, für immer. Welle um Welle bricht, und zum ersten Mal seit ich mich erinnern kann, sind meine Mutter und mein Vater nicht in Eile. Sie heben uns immer wieder hoch, Bree schreit vor Freude. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergeht, an diesem herrlichen Sommertag, an diesem friedlichen Strand, unter dem wolkenlosen Himmel, die Gischt in meinem Gesicht. Ich will, dass die Sonne nie untergeht, dass sich niemals irgendetwas ändert. Ich will hier sein, genau so, für immer. Und in diesem Moment fühle ich, wie ich sein könnte. Ich öffne langsam meine Augen, irritiert durch das, was ich vor mir sehe. Ich bin nicht am Meer, sondern sitze auf dem Beifahrersitz eines Motorbootes, das flussaufwärts rast. Es ist nicht Sommer, sondern Winter, und die Ufer sind von Schnee bedeckt. Ab und zu schwimmen Eisbrocken an uns vorbei. Mein Gesicht wird zwar von Wasser bespritzt, aber das ist nicht der kühle Sprühregen der Wellen im Sommer, sondern die kalte Gischt des eisigen Hudson im Winter. Ich blinzelte einige Male, bis ich merke, dass es sich nicht um einen wolkenlosen Sommermorgen, sondern um einen trüben Winternachmittag handelt. Ich versuche herauszufinden, was passiert ist, wie sich alles verändert hat. Ich setze mich mit einem Frösteln auf und schaue mich um, bin gleich auf der Hut. Ich bin nicht mehr bei Tageslicht eingeschlafen, solange ich mich erinnern kann, und es überrascht mich. Schnell gehe ich in Position und schaue zu Logan, der stoisch hinter dem Steuer steht. Er fixiert den Fluss und steuert den Hudson entlang. Ich drehe mich und sehe Ben, wie er, den Kopf auf seine Hände gestützt, auf den Fluss hinaus starrt, ganz in seiner eigenen Welt. Auf der anderen Seite des Bootes sitzt Bree, die Augen geschlossen, zurückgelehnt auf ihrem Stuhl. Ihre neue Freundin Rose hat sich an sie gekuschelt und ist an ihrer Schulter eingeschlafen. Auf ihrem Schoß schläft unser neues Haustier, ein einäugiger Chihuahua. Ich bin erstaunt, dass ich es zulassen habe einfach einzuschlafen. Aber als ich eine halb leere Flasche Champagner in meiner Hand sehe, habe ich eine Erklärung. Mich hat wohl der Alkohol, den ich seit Jahren nicht angerührt habe, außer Gefecht gesetzt – in Verbindung mit vielen schlaflosen Nächten und vielen Tagen im Adrenalinrausch. Mein Körper ist so zerschlagen, voller Schmerzen und blauen Flecken, so dass er wohl wie von selbst eingeschlafen sein muss. Ich fühle mich schuldig: Ich habe Bree nie zuvor aus den Augen gelassen. Aber wie ich zu Logan herüber schaue und seine starke Gegenwart wahrnehme, denke ich, dass ich mich bei ihm wohl sicher genug gefühlt haben muss, um einschlafen zu können. In gewisser Weise ist es, als wäre mein Vater wieder zurück. Habe ich deshalb von ihm geträumt? „Schön, dass du wieder da bist“ tönt die tiefe Stimme von Logan. Er schaut zu mir herüber, ein kleines Lächeln umspielt seine Mundwinkel. Ich lehne mich nach vorne und schaue auf den Fluss vor uns, den wir wie Butter durchschneiden. Das Röhren des Motors ist ohrenbetäubend, und das Boot fährt mit der Strömung, bewegt sich auf und ab in seltsamen Bewegungen und schaukelt dabei ein kleines bisschen. Die kalte Gischt spritzt mir direkt ins Gesicht. Ich schaue an mir herunter und sehe, dass ich immer noch die gleichen Kleider anhabe, die ich seit Tagen trage. Meine Kleider kleben praktisch an meiner Haut, durchtränkt von Schweiß, Blut und Dreck, jetzt auch noch feucht durch die Gischt. Ich bin nass und hungrig, außerdem ist mir kalt. Ich würde alles tun für eine heiße Dusche, eine heiße Schokolade, ein prasselndes Feuer, frische Kleidung. Ich suche den Horizont ab: Der Hudson liegt vor uns wie ein großes, weites Meer. Wir halten uns in der Mitte, weit weg von beiden Ufern, Logan hält uns klugerweise fern von möglichen Feinden. Als ich mich erinnere, drehe ich mich sofort um, um nach den Sklaventreibern Ausschau zu halten. Ich sehe keine. Ich drehe mich um und suche den Horizont vor uns nach Booten ab. Nichts. Ich scanne die Ufer nach Anzeichen für Bewegung ab. Nichts. Es ist, als gehöre die Welt nur uns. Es ist tröstlich und trostlos zugleich. Langsam gehe ich aus meiner Hab-Acht-Stellung. Ich fühle mich als hätte ich ewig geschlafen, aber an der Position der Sonne am Himmel sehe ich, dass es erst Nachmittag ist. Ich kann nicht länger als eine Stunde geschlafen haben, wenn überhaupt. Ich schaue mich nach irgendeinem Orientierungspunkt um. Schließlich sind wir fast wieder in der Nähe meines Zuhauses. Aber ich sehe keinen. „Wie lange habe ich geschlafen?“ frage ich Logan. Er zuckt mit den Achseln „Vielleicht eine Stunde." Eine Stunde, denke ich. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Ich prüfe den Benzinstand, er ist halb leer. Das sieht nicht gut aus. „Gibt es irgendwo Benzin?“, frage ich. In dem Moment, in dem ich frage, merke ich, dass es eine dumme Frage ist. Logan sieht zu mir herüber, als wolle er wirklich? sagen. Natürlich, wenn er eine Tankstation gesehen hätte, hätte er sie angefahren. „Wo sind wir?“ frage ich. „Das ist dein Bereich,“ sagt er. „Ich wollte dich das gleiche fragen.“ Ich suche den Fluss wieder ab, aber kann immer noch nichts wieder erkennen. So ist das mit dem Hudson – er ist so breit und zieht sich ewig lang hin, man kann schnell die Orientierung verlieren. „Warum hast du mich nicht geweckt?" frage ich. „Warum sollte ich? Du hast den Schlaf gebraucht." Ich weiß nicht recht, was ich sonst noch zu ihm sagen soll. Das ist die Sache mit Logan: Ich mag ihn, ich spüre, dass er mich mag, aber ich weiß nicht, ob wir uns viel zu sagen haben. Es hilft nicht, dass er vorsichtig sein muss und ich auch. Wir fahren fort in der Stille, das wilde Wasser schäumt unter uns, und ich frage mich, wie viel weiter wir gehen können. Was machen wir, wenn uns der Treibstoff ausgeht? In der Ferne sehe ich etwas am Horizont. Es sieht aus wie eine Art Gebäude im Wasser. Zunächst frage ich mich, ob ich vielleicht anfange Dinge zu sehen, aber dann reckt Logan aufmerksam den Hals, und ich merke, dass er es auch sehen muss. „Ich denke, es ist eine Brücke,“ sagt er. „Eine herunter gestürzte Brücke." Er hat Recht. Während wir immer näher kommen, sehen wir ein Stück gedrehtes Metall hoch aus dem Wasser ragen, wie eine Art Höllendenkmal. Ich erinnere mich an diese Brücke: wie sie einst den Fluss überspannt hat. Schön sah das aus. Nun ist sie ein riesiger Haufen Schrott, dessen ausgezackte Stahlwinkel ins Wasser stürzen. Logan verlangsamt das Boot. Der Motor wird leiser, als wir näher kommen. Unsere Geschwindigkeit nimmt ab, und das Boot schaukelt wild. Von allen Seiten ragen Metallzacken aus dem Wasser, und Logan steuert, lenkt das Boot nach links und rechts, und schafft so seinen eigenen kleinen Weg. Ich schaue hoch als die Überreste der Brücke über uns aufragen. Es sieht aus, als würden sie mehr als hundert Meter aufragen, zum Gedenken an die Fähigkeiten der Menschheit, bevor wir begannen, uns gegenseitig zu töten. „Die Tappan Zee Brücke,“ stelle ich fest. „Wir sind etwa eine Stunde nördlich der Stadt. Wir haben einen guten Sprung, wenn sie überhaupt noch hinter uns her sind." „Sie sind hinter uns her", sagte er. „Darauf kannst du wetten." Ich schaue ihn an. „Wie kannst du so sicher sein?" „Ich kenne sie. Sie vergessen nie. " Als wir am letzten Metallschrott vorbei sind, nimmt Logan an Fahrt auf, und ich lehne mich zurück, als wir beschleunigen. „Was meinst du, wie weit sind sie hinter uns?“ frage ich. Er schaut stoisch auf den Horizont. Schließlich zuckt er mit den Schultern. „Schwer zu sagen. Hängt davon ab, wie lange es gedauert hat, die Truppen zu sammeln. Der Schnee ist schwer, und das ist gut für uns. Vielleicht drei Stunden? Vielleicht sechs, wenn wir Glück haben? Unser Glück ist, dass dieses Baby schnell ist. Ich denke, dass wir ihnen entkommen können, solange wir Benzin haben.“ „Aber wir haben kein Benzin", sage ich und weise auf das Offensichtliche hin. „Wir sind mit einem vollen Tank losgefahren, jetzt ist er halb leer. In ein paar Stunden wird er leer sein. Kanada ist noch weit entfernt. Was schlägst du vor um an Benzin zu kommen?“ Logan starrt auf das Wasser und denkt nach. „Wir haben keine Wahl", sagt er. „Wir müssen irgendwo Benzin finden. Es gibt keine Alternative. Wir können nicht einfach anhalten." „Wir müssen uns irgendwann ausruhen“, sage ich. „Wir werden Essen brauchen und eine Art Unterkunft. Wir können nicht Tag und Nacht bei diesen Temperaturen draußen bleiben.“ „Lieber hungern und frieren, als von den Sklaventreibern gefangen werden“, sagt er. Ich denke an mein Elternhaus, weiter flussaufwärts. Wir werden direkt daran vorbeikommen. Ich erinnere mich, dass ich meinem alten Hund Sascha geschworen habe, sie zu begraben. Ich denke an all die Lebensmittel dort oben in dem Steinhaus – wir könnten uns retten, und es würde uns tagelang versorgen. Ich denke an all die Werkzeuge in der Garage meines Vaters, alle die Dinge, die wir gebrauchen können. Nicht zu vergessen die zusätzliche Kleidung, Decken und Streichhölzer. „Ich will anhalten." Logan dreht sich um und schaut mich an, als ob ich verrückt wäre. Ich kann sehen, dass ihm die Idee nicht gefällt. „Was redest du da?" „Mein Elternhaus, in Catskill. Etwa eine Stunde nördlich von hier. Ich will dort anhalten. Es gibt eine Menge Dinge, die wir mitnehmen können. Dinge, die wir brauchen. Wie zum Beispiel Essen. Und, “ ich mache eine Pause" ich will meinen Hund begraben." „Deinen Hund begraben?“ fragt er, und seine Stimme wird lauter. „Spinnst du? Willst du, dass wir alle deswegen umgebracht werden?" „Ich habe es ihr versprochen“, sage ich. „Versprochen?" schreit er zurück. „Deinem Hund? Deinem toten Hund? Das kann nicht dein Ernst sein.“ Ich starre ihn an, und er merkt ziemlich schnell, dass es mein Ernst ist. „Wenn ich etwas verspreche, halte ich das auch. Ich würde dich auch begraben, wenn ich es versprochen hätte." Er schüttelt den Kopf. „Hör zu“, sage ich bestimmt „du wolltest nach Kanada. Wir könnten überall hingegangen sein. Das war dein Traum. Nicht meiner. Wer weiß, ob diese Stadt überhaupt existiert? Ich folge dir aus einer Laune heraus. Und das Boot gehört nicht nur dir. Alles, was ich will ist bei meinem Elternhaus anzuhalten. Ein paar Sachen holen, die wir brauchen können und meinen Hund begraben. Das dauert nicht lange. Wir sind den Sklaventreibern einen großen Schritt voraus. Nicht zu vergessen, wir haben einen kleinen Kanister Benzin dort oben. Es ist nicht viel, aber es wird uns weiterhelfen. " Logan schüttelt langsam den Kopf. „Ich würde lieber auf das Benzin verzichten und das Risiko nicht eingehen. Du redest von den Bergen, du sprichst von etwa zwanzig Meilen landeinwärts, oder? Wie schlägst du vor, sollen wir dorthin kommen, sobald wir angelegt haben? Wandern?“ „Ich weiß, wo ein alter Lieferwagen steht, ein Pickup. Das Blech ist verrostet, aber er läuft. Und er hat gerade genug Benzin, um uns zu meinem Elternhaus zu bringen und wieder zurück. Es liegt versteckt, durch den Flusslauf. Der Fluss wird uns direkt dorthin bringen, dann bringt uns der Lieferwagen nach oben und zurück. Das geht schnell. Und dann können wir unsere lange Reise nach Kanada fortsetzen. Und wir sind besser vorbereitet.“ Für lange Zeit starrt Logan schweigend ins Wasser, die Fäuste fest um das Steuer geballt. Schließlich sagt er „Wie auch immer. Es ist dein Leben, das du riskierst. Aber ich bleibe im Boot. Du hast zwei Stunden, wenn du nicht pünktlich zurück bist, fahre ich ohne dich weiter.“ Ich wende mich von ihm ab und schaue auf das Wasser, stinksauer. Ich wollte, dass er mitkommt. Ich habe das Gefühl, dass er nur an sich denkt, und das enttäuscht mich. Ich hatte mehr von ihm erwartet. Ich dachte, er war besser als die. „Du kümmerst dich also nur um dich selbst, ist es das?", frage ich. Es beunruhigt mich auch, dass er mich nicht zu meinem Elternhaus begleiten will; daran hatte ich nicht gedacht. Ich weiß, dass Ben nicht mitkommen wird, und ich hätte gerne etwas Unterstützung. Wie auch immer, noch bin ich entschlossen. Ich habe ein Versprechen gegeben, und ich werde es halten. Mit oder ohne ihn. Er antwortet nicht, und ich kann sehen, dass er sich ärgert. Ich schaue auf das Wasser, denn ich will ihn nicht sehen. Während der Motor heult und das Wasser aufschäumt merke ich, dass ich nicht nur sauer auf ihn bin, weil ich enttäuscht bin, sondern weil ich tatsächlich angefangen hatte ihn zu mögen und mit ihm zu rechnen. Es ist lange her, seitdem ich von jemandem abhängig war, und ich fühle mich betrogen. „Brooke?“ Mein Herz hebt sich beim Klang der vertrauten Stimme. Ich drehe mich um und sehe wie meine kleine Schwester aufwacht. Rose wacht auch auf. Die beiden gleichen sich schon wie ein Ei dem anderen, als wären sie Glieder ein und derselben Person. Ich kann immer noch kaum glauben, dass Bree wieder hier ist, zurück bei mir. Es ist wie ein Traum. Als sie genommen wurde, war ein Teil in mir sicher, dass ich sie nie mehr lebendig wieder sehen würde. In jedem Moment, den ich mit ihr verbringe, fühle ich mich als hätte ich eine zweite Chance bekommen. Und ich bin mehr entschlossen denn je auf sie aufzupassen. „Ich bin hungrig", sagt Bree und reibt sich die Augen mit den Handrücken. Penelope setzt sich auch auf, in Brees Schoß. Sie hört nicht auf zu zittern, und sie hebt ihr gutes Auge und schaut mich an, als ob auch sie Hunger hätte. „Ich erfriere", sagt Rose und reibt ihre Schultern. Sie trägt nur ein dünnes T-Shirt, und ich fühle mich schrecklich für sie. Ich verstehe sie. Auch ich habe Hunger und mir ist kalt. Meine Nase ist rot, und ich kann sie kaum noch fühlen. Die leckeren Sachen, die wir im Boot gefunden haben, waren unglaublich, aber nicht gerade sättigend, besonders auf leeren Magen. Und das ist schon stundenlang her. Ich denke wieder an die Lebensmittelkiste, wie wenig wir noch übrig haben, und frage mich, wie lange es noch dauert, bis wir nichts mehr haben. Ich weiß, dass ich das Essen rationieren sollte. Andererseits sind wir alle schon halb verhungert, und ich kann es nicht ertragen, Bree wie jetzt leiden zu sehen. „Es ist nicht viel Essen übrig, “ sage ich zu ihr, "aber ich kann euch jetzt ein Bisschen was geben. Wir haben ein paar Kekse und ein paar Cracker. " „Kekse!“ schreien sie beide auf einmal. Penelope bellt. „Ich würde das nicht tun“, tönt Logins Stimme neben mir. Ich schaue auf, und er schaut missbilligend zurück. „Wir müssen die Lebensmittel rationieren." „Bitte!" ruft Bree „Ich brauche etwas. Ich bin am verhungern.“ „Ich muss ihnen etwas geben", sage ich fest entschlossen zu Logan. Ich verstehe, was er meint, aber mich ärgert sein mangelndes Mitgefühl. „Ich verteile jetzt an jeden einen Keks. An jeden von uns." „Was ist mit Penelope?" fragt Rose. „Der Hund bekommt nichts von unseren Lebensmitteln", zischt Logan. „Sie ist auf sich selbst gestellt." Ich fühle einen weiteren Anflug von Verstimmung gegenüber Logan, obwohl ich weiß, dass er einfach nur rational ist. Trotzdem, als ich den niedergeschlagenen Ausdruck auf den Gesichtern von Rose und Bree sehe, und als ich Penelope wieder bellen höre, kann ich den Gedanken nicht ertragen, sie hungern zu lassen. Ich werde ihr heimlich etwas von meinen Essensrationen geben. Ich öffne die Vorratskiste und betrachte noch einmal unsere Lebensmittel. Ich sehe zwei Schachteln Kekse, drei Kisten Cracker, mehrere Tüten Gummibärchen, und ein halbes Dutzend Schokoladenriegel. Ich wünschte, wir hätten nahrhafteres Essen, und ich weiß nicht, wie es für drei Mahlzeiten am Tag für fünf Personen reichen soll. Ich ziehe die Kekse heraus und gebe jedem von uns einen. Beim Anblick des Essens greift Ben schließlich zu und nimmt einen Keks. Er hat schwarze Ringe unter den Augen und sieht aus, als hätte er nicht geschlafen. Es tut weh seinen Gesichtsausdruck zu sehen. Er ist durch den Verlust seines Bruders am Boden zerstört, und ich schaue weg, als ich ihm seinen Keks gebe. Ich gehe zur Vorderseite des Bootes und gebe Logan seinen Keks. Er nimmt ihn und steckt ihn leise in seine Tasche, natürlich um ihn für später aufzuheben. Ich weiß nicht woher er immer diese Kraft nimmt. Ich dagegen werde schon schwach beim Geruch eines Schokoladenkekses. Ich weiß, dass auch ich sparen sollte, aber ich bin hilflos. Ich nehme einen kleinen Bissen und beschließe den Keks dann wegzustecken, aber er schmeckt so gut, dass ich mich nicht beherrschen kann. Ich verschlinge das ganze Ding und hebe nur den letzten Bissen auf – für Penelope. Das Essen fühlt sich gut an. Ich merke den Zucker gleich Kopf, dann in meinem ganzen Körper, und ich wünschte, ich hätte noch ein Dutzend Kekse. Ich nehme einen tiefen Atemzug, fülle meinen knurrenden Magen mit Luft und versuche mich zu beherrschen. Der Fluss wird enger, die Ufer kommen immer näher zueinander, als er sich windet und dreht. Wir sind nah am Land, und ich bin in höchster Alarmbereitschaft. Ich suche die Ufer ab nach irgendwelchen Anzeichen von Gefahr. Als wir eine Biegung nehmen sehe ich zu meiner Linken, hoch oben auf einer Klippe, die Ruinen einer alten Festung, die jetzt ausgebombt ist. Ich bin schockiert, als ich erkenne, was es einmal war. „West Point", sagt Logan. Er muss es genau zur der gleichen Zeit wie ich erkannt haben. Es ist erschreckend zu sehen, was von dieser Bastion amerikanischer Stärke übrig geblieben ist. Jetzt ist sie noch ein Trümmerhaufen, ihre umgebogene Fahnenstange hängt schlaff über dem Hudson. Kaum etwas ist, wie es war. "Was ist das?" fragt Bree mit klappernden Zähnen. Sie und Rose sind auf die Vorderseite des Bootes geklettert, neben mich, und sie folgt meinem Blick. Ich will es ihr nicht sagen. "Es ist nichts, meine Süße, “ sage ich.“Nur eine Ruine.“ Ich lege meinen Arm um sie und drücke sie fest an mich, den anderen Arm lege ich um Rose und drücke auch sie. Ich versuche die beiden aufzuwärmen und reibe ihre Schultern so gut ich kann. „Wann gehen wir nach Hause?“ fragt Rose. Logan und ich wechseln einen Blick. Ich weiß keine Antwort. „Wir gehen nicht nach Hause“ sage ich zu Rose, so vorsichtig wie ich kann „aber wir werden ein neuen Zuhause finden“. „Kommen wir an unserem alten Haus vorbei?” fragt Bree. Ich zögere. „Ja,” sage ich. „Aber wir gehen nicht dorthin zurück, richtig?” fragt sie. „Richtig“, sage ich. „Es ist zu gefährlich, dort jetzt zu leben." „Ich will nie wieder dort zu leben“, sagt sie. "Ich hasste diesen Ort. Aber wir können Sascha nicht einfach zurücklassen. Können wir halten und sie begraben? Du hast versprochen." Ich denke an meinen Streit mit Logan. „Du hast Recht“, sage ich leise. „Ich habe es versprechen. Und ja, wir werden anhalten. " Logan dreht sich weg, sichtlich verärgert. „Und was dann?" fragt Rose. „Wohin gehen wir dann?" „Wir fahren weiter flussaufwärts“, erkläre ich. „Soweit wir kommen." „Und wie wird es enden?" fragt sie. Es ist eine gute Frage, und ich nehme es als eine viel tiefere Frage. Wo wird das alles ein Ende nehmen? Mit unserem Tod? Mit unserem Überleben? Wird es überhaupt enden? Ist ein Ende in Sicht? Ich habe keine Antwort. Ich drehe mich zu ihr, knie mich hin und schaue ihr in die Augen. Ich muss ihr Hoffnung geben. Etwas, für das man leben kann. „Wir werden an einem schönen Ort enden“ sage ich „Dort, wo wir hingehen, ist alles wieder gut. Die Straßen sind so sauber, dass sie glänzen, und alles ist perfekt und sicher. Dort wird es Menschen geben, freundliche Leute, und sie werden uns aufnehmen und uns beschützen. Außerdem gibt es dort Essen, richtiges Essen, soviel du haben willst, und zwar immer. Es wird der schönste Ort, den Du je gesehen hast“. Rose schaut mich mit großen Augen an „Ist das wahr?“ fragt sie. Ich nicke. Langsam beginnt sie ein breites Lächeln. „Wie lange dauert es noch, bis wir da sind?“ Ich lächle „Das weiß ich nicht, Liebes“. Bree dagegen ist kritischer als Rose. „Ist das wirklich wahr?“ fragt sie leise. „Gibt es diesen Ort wirklich?“ „Ja,“ sage ich zu ihr und versuche überzeugend zu klingen „Stimmt doch Logan, oder?“ Logan schaut zu uns, nickt kurz und schaut wieder weg. Immerhin ist er derjenige, der glaubt Kanada sei das gelobte Land. Wie kann er jetzt widersprechen? Der Hudson dreht und windet sich, wird immer enger, dann wieder weiter. Schließlich kommen wir in vertrautes Terrain. Wir fahren an Orten vorbei, die ich erkenne, während wir immer näher und näher an mein Elternhaus herankommen. Wir drehen um einen Damm herum, und ich sehe eine kleine, unbewohnte Insel, eigentlich ist es nur ein Felsvorsprung. Auf ihm befinden sich die Überreste eines Leuchtturms, seine Lampe ist zerbrochen, das Gebäude kaum mehr als eine Fassade. Wir nehmen eine weitere Biegung des Flusses, und in der Ferne sehe ich die Brücke, auf der ich vor wenigen Tagen gewesen bin, bei der Jagd vor den Sklaventreibern. Die Mitte der Brücke ist wie weggeblasen, ein riesiges Loch, als ob eine Abrissbirne durch die Mitte gefallen wäre. Ich erinnere mich daran wie Ben und ich mit dem Motorrad über sie gerast sind und fast abgerutscht wären. Ich kann es kaum glauben. Wir sind fast da. Das lässt mich an Ben denken, wie er mir an diesem Tag das Leben gerettet hat. Ich drehe mich um und schaue ihn an. Er starrt verdrießlich ins Wasser. „Ben?” frage ich. Er dreht sich um und schaut mich an. „Erinnerst du dich an die Brücke?” Er dreht sich um und schaut, und ich sehe Angst in seinen Augen. Er erinnert sich. Bree stößt mich mit dem Ellbogen an „Ist es in Ordnung, wenn ich Penelope ein Stück von meinem Keks gebe?“ fragt sie. „Und ich auch?” echot Rose. „Klar ist es das,” sage ich so laut, dass Logan es hören kann. Er ist nicht der einzige, der hier etwas zu sagen hat, und wir können mit unserem Essen machen, was wir wollen. Der Hund sitzt auf Roses Schoß und spitzt die Ohren, als würde sie jedes Wort verstehen. Es ist unglaublich. Ich habe noch nie ein so kluges Tier gesehen. Brie lehnt sich vor um dem Hund ein Stück von ihrem Keks zu geben, aber ich stoppe ihre Hand. „Warte mal,” sage ich. “Wenn du sie fütterst, sollte sie wenigstens einen Namen haben, findet ihr nicht?“ „Aber sie hat kein Halsband,” sagt Rose „ihr Name könnte praktisch alles sein“. „Jetzt ist sie dein Hund,” sage ich. „Gib ihr einen neuen Namen” Rose und Bree wechseln einen aufgeregten Blick. „Wie sollen wir sie nennen?” fragt Bree. „Wie wäre Penelope?” sagt Rose. „Penelope!” schreit Bree “Mir gefällt das.” „Mir auch,” sage ich. „Penelope!” ruft Rose nach dem Hund. Erstaunlicherweise dreht sich der Hund tatsächlich zu ihr um, als sie ihn ruft. Es sieht aus, als ob das schon immer ihr Name gewesen wäre. Bree lächelt, streckt ihren Arm aus und füttert Penelope mit einem Stück Keks. Penelope schnappt es ihr aus der Hand und verschlingt es in einem Bissen. Bree und Rose kichern hysterisch, und Rose füttert sie mit dem Rest ihres Kekses. Sie schnappt sich auch den, und dann füttere ich sie mit dem letzten Bissen von meinem Keks. Penelope schaut uns drei aufgeregt an, zittert und bellt dreimal. Wir lachen alle. Für einen Moment hätte ich fast unsere Probleme vergessen. Aber dann sehe ich etwas in der Ferne, über Brees Schulter hinweg. „Da,“ sage ich zu Logan, gehe auf ihn zu und zeige nach links. „Dorthin müssen wir. Dreh hier!“ Ich entdecke die Halbinsel, auf der Ben und ich mit dem Motorrad losgefahren sind, über das Eis auf dem Hudson. Schon bei dem Gedanken zucke ich zusammen, was war das für eine verrückte Jagd! Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe. Logan prüft mit einem Blick über die Schulter, ob uns jemand folgt; dann geht er widerwillig vom Gas und dreht zur Seite, um uns zu der Bucht zu bringen. Ich schaue mich vorsichtig am Ufer um, als wir die Mündung der Halbinsel erreichen. Wir gleiten an ihr vorbei, während sie sich krümmt und ins Landesinnere übergeht. Wir sind jetzt sehr nah am Land und fahren an einem verfallenen Wasserturm vorbei. Wir fahren weiter und gleiten bald an den Ruinen einer Stadt vorbei, bis zum Herzen der Stadt. Catskill. Überall ausgebrannte Gebäude, es sieht aus, als habe eine Bombe eingeschlagen. Wir stehen vorne im Boot, als wir langsam in die Bucht hineinfahren, immer weiter ins Landesinnere. Die Bucht wird schmaler, und das Ufer ist jetzt nur wenige Meter von uns entfernt. Jetzt sind wir jedem Hinterhalt ausgesetzt, und ich stelle fest wie ich unbewusst die Hand sinken lasse und auf meine Hüfte lege, auf mein Messer. Ich merke, dass Logan das gleiche macht. Ich drehe mich über meine Schulter zu Ben um; aber er ist immer noch in einem nahezu katatonischen Zustand. „Wo ist der Lieferwagen?" fragt Logan, mit scharfer Stimme. „Ich gehe nicht weit ins Landesinnere, das sage ich dir gleich. Wenn etwas passiert, müssen wir  zurück auf den Hudson und zwar schnell. Das hier ist eine tödliche Falle,“ sagt er und beäugt argwöhnisch das Ufer. Ich schaue auch, aber das Ufer ist leer, öde, eingefroren. Es ist kein Mensch in Sicht, soweit das Auge reicht. „Schau mal,“ sage ich und deute mit dem Finger. „Der verrostete Schuppen? Da drinnen steht er“. Logan fährt uns weitere dreißig Meter oder so, dann dreht er auf der Höhe des Schuppens. Dort gibt es ein altes, bröckelndes Dock. Logan schafft es unser Boot soweit an Land zu bringen, bis es nur noch ein paar Fuß vom Ufer entfernt ist. Er würgt den Motor ab, packt den Anker und wirft ihn über Bord. Dann nimmt er ein Seil aus dem Boot, macht einen lockeren Knoten an einem Ende, und wirft es um einen der verrosteten Metallpfosten. Er trifft und zieht uns die ganze Strecke bis ans Dock, bis der Abstand so klein ist, dass wir auf das Dock steigen können. „Steigen wir aus?" fragt Bree. „Ich steige aus,“ sage ich. „Warte hier auf mich, im Boot. Es ist zu gefährlich für dich mitzukommen. Ich werde bald zurück sein, und ich werde Sascha begraben. Das verspreche ich. " „Nein!" schreit sie. „Du hast mir versprochen, dass wir nie wieder getrennt sein werden. Du hast es versprochen! Du kannst mich hier nicht allein lassen! Das KANNST du nicht machen!" „Ich lasse dich nicht allein,“ antworte ich, und es bricht mir das Herz. „Du bist hier mit Logan, Ben und Rose. Du bist vollkommen sicher, das verspreche ich.“ Aber Bree steht auf. Zu meiner Überraschung nimmt sie Anlauf und springt vom Bug auf das sandige Ufer. Dort landet sie mitten im Schnee. Sie steht an Land, die Hände auf den Hüften, und starrt mich trotzig an. „Wenn du gehst, gehe ich auch,“ sagt sie. Ich atme tief ein und sehe, dass es ihr egal ist. Ich kenne sie, wenn sie so ist, dann meint sie es auch. Sie wird zwar eine Belastung für mich sein, aber ich muss zugeben, ein Teil von mir ist froh, sie immer in Sichtweite zu haben. Und wenn ich versuche, sie davon abzubringen, verschwende ich nur noch mehr Zeit. „Gut,“ sage ich. „Bleib einfach ganz nah bei mir, die ganze Zeit. Versprochen?“ Sie nickt. „Ich verspreche es." „Ich habe Angst", sagt Rose und sieht Bree mit weit aufgerissenen Augen an. „Ich möchte das Boot nicht verlassen. Ich möchte hier bleiben, mit Penelope. Ist das okay? " „Ich will, dass du genau das machst,“ sage ich zu ihr und weigere mich im Stillen sie auch noch mitzunehmen. Dann wende ich mich an Ben, er dreht sich um, und meine Augen streifen seinen traurigen Blick. Bei seinem Gesichtsausdruck will ich schnell wegschauen, aber ich zwinge mich es nicht zu tun. „Kommst  du?“ frage ich. Ich hoffe, er sagt ja. Ich bin verärgert über Logan, weil er hier bleibt, weil er mich im Stich lässt, und ich könnte wirklich Unterstützung gebrauchen. Aber Ben, immer noch deutlich unter Schock, starrt nur zurück. Er schaut mich an, als würde er nicht verstehen. Ich frage mich, ob er alles, was um ihn herum geschieht, überhaupt wahrnimmt. „Kommst du?" frage ich mit mehr Nachdruck. Ich habe keine Geduld für so was. Langsam schüttelt er den Kopf, während er sich zurückzieht. Er steht wirklich neben sich, und ich versuche, ihm zu verzeihen – aber es ist schwer. Ich drehe mich um, um von Board zu gehen und ans Ufer zu springen. Es fühlt sich gut an wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. „Warte!" Ich drehe mich um und sehe Logan vom Fahrersitz aufstehen. „Ich wusste, dass so ein Mist wie das hier passieren würde", sagt er. Er geht über das Boot und sammelt seine Sachen. „Was machst du da?", frage ich. „Was denkst denn du?“ fragt er „Ich lasse euch zwei nicht allein gehen“. Mein Herz hüpft vor Erleichterung. Wenn es nur um mich ginge, würde ich mir nicht so viele Sorgen machen – aber ich bin begeistert, dass jetzt ein weiteres Augenpaar auf Bree aufpasst. Er springt aus dem Boot und ans Ufer. „Ich sage dir jetzt noch mal, was für eine dumme Idee das ist,“ sagt er, als er neben mir landet. "Wir sollten weiterfahren. Es wird bald Nacht. Der Hudson kann zufrieren. Wir könnten hier stecken bleiben. Ganz abgesehen von den Sklaventreibern. Du hast 90 Minuten, verstanden? 30 Minuten hin, 30 Minuten vor Ort und 30 Minuten zurück. Keine Ausnahmen, aus irgendwelchen Gründen. Ansonsten gehe ich ohne dich.“ Ich schaue ihn an, beeindruckt und dankbar. „Abgemacht", sage ich. Ich denke an das Opfer, das er gerade gemacht hat, und beginne anders über ihn zu denken. Hinter all seinem Gehabe merke ich, dass Logan mich wirklich mag. Und er ist nicht so egoistisch, wie ich dachte. Als wir uns umdrehen um zu gehen, kommt ein weiterer Einwand vom Boot aus. „Wartet!“ schreit Ben. Ich drehe mich um und schaue. „Ihr könnt mich hier doch nicht einfach allein lassen mit Rose. Was ist, wenn jemand kommt? Was soll ich dann tun?“ „Pass auf das Boot auf,“ sagt Logan und dreht sich wieder um um zugehen. „Aber ich weiß überhaupt nicht, wie man das Boot fährt!" schreit Ben. „Und ich habe keine Waffen!" Logan dreht sich wieder um, greift genervt nach unten, nimmt eine der Waffen aus dem Gurt an seinem Oberschenkel, und wirft sie zu Ben. Sie trifft ihn mit voller Kraft an der Brust, und er betastet sie ungeschickt. „Vielleicht lernst du ja noch, wie man sie benutzt", spottet Logan, während er sich wieder abwendet. Ich bekomme einen guten Blick auf Ben, der da steht und dabei so hilflos und ängstlich aussieht, wie er die Waffe hält, von der er kaum weiß, wie man sie bedient. Er wirkt vollkommen überfordert. Ich will ihn trösten. Ich würde ihm gerne sagen, dass bald alles wieder in Ordnung ist, dass wir bald zurück sind. Aber wie ich mich abwende und auf die große Bergkette vor uns schaue, bin ich mir zum ersten Mal nicht so sicher, ob wir das wirklich sein werden. ZWEI Wir gehen schnell durch den Schnee, ich schaue ängstlich zu, wie der Himmel dunkler wird und spüre den Zeitdruck. Ich werfe einen Blick über meine Schulter, sehe meine Fußspuren im Schnee. Hinter ihnen Ben und Rose, die in dem schaukelnden Boot stehen und uns mit großen Augen beobachten. Rose drückt Penelope, die genau so viel Angst hat. Penelope bellt. Ich fühle mich schlecht, weil wir die drei zurücklassen, aber ich weiß, dass es für unsere Mission notwendig ist. Ich weiß, dass wir Material und Lebensmittel finden können, die uns helfen werden, und ich fühle, dass wir einen ordentlichen Vorsprung zu den Sklaventreibern haben. Ich eile zu dem verrosteten, schneebedeckten Schuppen, reiße seine schiefe Tür auf und bete, dass der Lieferwagen, den ich vor Jahren hier versteckt habe, noch da ist. Es war ein alter, verrosteter Pickup, der in den letzten Zügen lag, mehr Schrott als Auto, mit nur etwa einem Achtel vollen Tank. Ich bin eines Tages über ihn gestolpert in einem Graben an der Route 23. Dann habe ich ihn hier versteckt, vorsichtig unten am Fluss, für den Fall, dass ich ihn einmal brauchen sollte. Ich erinnere mich wie erstaunt ich war, als er sich tatsächlich noch bewegen ließ. Die Tür des Schuppens öffnet sich mit einem Knarren, und da steht er, so gut versteckt wie an dem Tag, als ich ihn beiseite geschafft habe, immer noch mit Heu bedeckt. Mein Herz springt vor Freude und Erleichterung. Ich mache einen Schritt nach vorne, fege das Heu herunter und bekomme kalte Hände, als ich das eiskalte Metall berühre. Ich gehe zur Rückseite der Scheune und öffne das Flügeltor, Licht flutet herein. „Nettes Fahrgestell", sagt Logan, geht an mir vorbei und prüft es. „Bist du sicher, dass es fährt?“ „Nein", sage ich. „Aber mein Elternhaus ist gut zwanzig Meilen entfernt, und wir können wohl kaum wandern.“ Ich kann an seinem Ton hören, dass er wirklich nicht auf dieser Mission sein möchte, dass er zurück im Boot sein will und weiter flussaufwärts fahren will. Ich setze mich auf den Fahrersitz und suche den Boden nach dem Schlüssel ab. Schließlich ertaste ich ihn, weit hinten versteckt. Ich stecke ihn in der Zündung, atme tief ein und schließe die Augen. Bitte, Gott. Bitte! Zunächst passiert nichts. Meine Zuversicht schwindet. Aber ich den Schlüssel immer wieder umdrehe, immer weiter nach rechts, beginnt der Motor langsam zu zünden. Erst ist es nur ganz leiser Ton, wie eine sterbende Katze. Aber ich halte durch, drehe wieder und wieder, und schließlich wird das Geräusch stärker. Komm schon, komm schon! Schließlich springt der Motor knatternd und stöhnend an. Er keucht und pfeift  aus dem letzten Loch, aber er läuft. Ich muss einfach lächeln vor lauter Erleichterung. Er funktioniert. Er funktioniert wirklich. Wir werden es bis zu meinem Elternhaus schaffen, meinen Hund begraben, Essen bekommen. Ich habe das Gefühl, als ob Sascha zu uns herunterschaut, uns hilft. Vielleicht auch mein Vater. Die Beifahrertür öffnet sich und Bree springt in den Wagen, sehr gespannt, und rutscht rüber auf den Sitz direkt neben mir. Dann steigt Logan neben ihr ein und schlägt die Tür zu, den Blick geradeaus gerichtet. „Worauf wartest du noch?“ fragt er. „Die Zeit läuft." „Das musst du mir nicht zu mir zweimal sagen", sage ich, ebenso kurz angebunden, zu ihm. Ich legte einen Gang ein, trete aufs Gas, und wende aus dem Schuppen heraus in den Schnee und unter den Nachmittagshimmel. Zuerst bleiben die Räder im Schnee stecken, aber dann gebe ich mehr Gas, und wir stottern nach vorne. Wir fahren und schleudern auf den abgefahrenen Reifen, über ein Feld. Es ist holprig, und wir werden immer wieder gut durchgeschüttelt. Aber wir kommen voran, und das ist alles, was für mich zählt. Bald sind wir auf einer kleinen Landstraße. Ich bin so dankbar, dass der Schnee fast den ganzen Tag über geschmolzen ist, sonst würden wir es nie schaffen. Wir nehmen Fahrt auf. Der Lieferwagen überrascht mich, er fährt ruhiger, nachdem er warm geworden ist. Wir fahren fast 60 Stundenkilometer, als wir die Route 23 in Richtung Westen nehmen. Ich gebe Gas bis wir über ein Schlagloch fahren, und ich es gleich bereue. Wir stöhnen alle, als wir unsere Köpfe anschlagen. Dann fahre ich langsamer. Es ist fast unmöglich die Schlaglöcher im Schnee zu sehen, und ich hatte vergessen, wie schlecht die Straßen geworden sind. Es ist unheimlich, wieder auf dieser Straße zu sein, dorthin zurückzufahren, wo einst mein Zuhause war. Ich erinnere mich auch an die Straße, als wir die Sklaventreiber gejagt haben, die Erinnerungen kommen wieder hoch. Ich erinnere mich, wie ich sie mit dem Motorrad herunter gerast bin und dachte, ich müsste sterben. Und ich versuche diese Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen. Als wir gehen, kommen wir an dem riesigen Baum vorbei, der umgefällt wurde und auf die Straße fiel. Jetzt ist er schneebedeckt. Ich erkenne ihn als den Baum, der gerade gefällt wurde, als ich weg musste. Jemand hatte ihn auf den Weg gekippt um die Sklaventreiber aufzuhalten, ein unbekannter Überlebenskünstler hier draußen, der auf uns aufpasst hat. Ich frage mich, ob es jetzt noch andere Menschen hier draußen gibt, die überleben, vielleicht sogar uns beobachten. Ich schaue mich um, durchkämme den Wald mit meinen Augen, aber ich sehe keine Anzeichen. Wir liegen gut in der Zeit, und zu meiner Erleichterung läuft nichts schief. Ich traue dem Frieden nicht. Es ist fast zu einfach. Ich schaue auf den Benzinstand und sehe, dass wir nicht viel verbraucht haben. Aber ich weiß nicht, wie genau die Anzeige ist und für einen Moment frage ich mich, ob wir auch genug Benzin haben, um wieder zurückzufahren. Ich frage mich, ob dieser Versuch nicht doch eine dumme Idee war. Schließlich verlassen wir die Hauptstraße und bieten in eine enge, kurvige Landstraße, die uns nach oben in die Berge bringt, zu meinem Elternhaus. Ich bin jetzt nervöser, als wir den Berg herauf kurven mit den steil abfallenden Klippen zu meiner Rechten. Ich schaue mich um und muss einfach feststellen, wie unglaublich schön der Blick ist, auf das komplette Gebirge von Catskill. Aber der Anstieg ist steil, und der Schnee ist höher, hier oben. Und ich weiß, dass der alte Rosthaufen mit einer falschen Drehung, einem ungünstigen Abrutschen, direkt über die Kante gehen kann. Zu meiner Überraschung, liegt der Lieferwagen sicher auf der Straße, wie eine Bulldogge. Bald haben wir das Schlimmsten hinter uns, und als wir um eine Kurve fahren, sehe ich plötzlich unser ehemaliges Haus. „Hey! Papas Haus!“ schreit Bree und setzt sich vor Aufregung auf. Ich bin auch erleichtert, es zu sehen. Wir sind hier, und wir liegen gut in der Zeit. „Siehst du,“ sage ich zu Logan, „das war doch nicht so schlimm." Logan scheint allerdings nicht erleichtert zu sein, auf seinem Gesicht liegt ein nervöser Ausdruck. „Wir haben es bis hierhin geschafft", schimpft er. „Noch haben wir es nicht zurück geschafft." Typisch. Er weigert sich zuzugeben, dass er falsch lag. Ich halte vor unserem Haus und sehe die alten Spuren der Sklaventreiber. Es bringt alle Erinnerungen zurück, die verzweifelte Angst, die ich fühlte, als sie Bree genommen hatten. Ich lege einen Arm um ihre Schultern, drücke sie fest und bin entschlossen, sie nie wieder aus den Augen zu lassen. Ich mache den Motor aus, und wir alle springen aus dem Wagen und eilen auf das Haus zu. „Tut mir leid, wenn alles durcheinander ist", sage ich zu Logan, als ich an ihm vorbei zur Haustür gehe. „Ich habe nicht mit Gästen gerechnet." Trotz seiner schlechten Laune unterdrückt er ein Lächeln. „Ha, ha", sagt er tonlos. „Soll ich meine Schuhe ausziehen?" Er hat Sinn für Humor. Das überrascht mich. Während ich die Tür öffne und eintrete, verliere ich meinen Sinn für Humor. Mein Herz bleibt stehen, als ich um mich schaue. Dort liegt Sascha, in ihrem getrockneten Blut, ihr Körper steif und gefroren. Nur ein paar Meter neben ihr liegt die Leiche des Sklaventreibers, der Sascha getötet hatte. Sein Körper ist ebenfalls gefroren und liegt ausgesteckt auf den Boden. Ich schaue auf die Jacke, die ich trage -seine Jacke- die Kleider, die ich anhabe – seine Kleider -meine Stiefel -seine Stiefel, und das gibt mir ein seltsames Gefühl. Fast so, als wäre ich sein lebendiger Doppelgänger. Logan sieht zu mir und denkt das gleiche. „Du hast nicht etwa seine Hose genommen?“ fragt er. Ich schaue nach unten und erinnere mich, dass hatte ich es nicht getan. Das war zu viel. Ich schüttle den Kopf. „Dumm,“ sagt er. Jetzt, wo er das sagt, merke ich, dass er Recht hat. Meine alten Jeans sind nass und kalt, und sie kleben an mir. Selbst wenn ich die Kleider nicht will, könnte Ben sie wollen. Es ist eine Schande sie zu verschwenden, immerhin sind sie vollkommen in Ordnung. Ich höre unterdrückte Schreie und sehe Bree dort stehen und Sascha anschauen. Es bricht mir das Herz, ihr Gesicht so zu sehen, so zerknittert, während sie auf ihren ehemaligen Hund starrt. Ich gehe zu ihr und lege einen Arm um sie. „Es ist schon in Ordnung, Bree,“ sage ich. „Schau einfach weg.“ Ich küsse sie auf die Stirn und versuche sie wegzudrehen, aber sie schüttelt mich ab mit überraschender Kraft. „Nein,“ sagt sie. Sie geht nach vorne, kniet sich hin und umarmt Sascha auf dem Boden. Sie schlingt ihre Hände um ihren Nacken und küsst sie auf den Kopf. Logan und ich tauschen einen Blick aus. Keiner von uns würde das tun. „Wir haben keine Zeit,” sagt Logan. “Du musst sie begraben und einfach weiter machen.“ Ich knie mich neben sie und streichle Saschas Kopf. „Alles ist in Ordnung, Bree. Sascha ist jetzt an einem besseren Ort. Sie ist glücklich, jetzt. Hörst Du mich?“ Aus ihren Augen rinnen Tränen, und sie steht auf, holt tief Luft und wischt sie mit dem Handrücken ab. „Wir können sie nicht einfach so hier lassen“ sagt sie „wir müssen sie begraben.“ „Das werden wir,“ sage ich. „Das können wir nicht,“ sagt Logan „der Boden ist gefroren“. Ich stehe da und schaue Logan an, mehr verärgert als je zuvor. Besonders, weil ich merke, dass er Recht hat. Daran hätte ich denken sollen. „Was schlägst du dann vor?“ frage ich. „Das ist nicht mein Problem. Ich halte draußen Wache.“ Logan dreht sich um und geht nach draußen, wobei er die Haustüre hinter sich zuschlägt. Ich wende mich wieder zu Bree und versuche schnell nachzudenken. „Er hat recht,“ sage ich „wir haben keine Zeit um sie zu begraben“. „NEIN!” heult sie. „Du hast es versprochen. Versprochen!” Sie hat Recht. Ich habe es versprochen, aber ich habe die Sache nicht gründlich durchdacht. Der Gedanke, Sascha hier einfach so liegen zu lassen, bringt mich auch um. Aber ich kann auch nicht unsere Leben hier riskieren. Sascha hätte das nicht gewollt. Ich habe eine Idee. „Wie wäre es mit dem Fluss, Bree?” Sie dreht sich um und schaut mich an. „Wie wäre es, wenn wir ihr eine Wasserbestattung geben? Du weißt schon, so wie sie das für Soldaten machen, die einen ehrenvollen Tod gestorben sind. „Welche Soldaten?“ fragt sie. „Wenn Soldaten auf See sterben, werden sie manchmal im Meer beerdigt. Das ist eine ehrenvolle Bestattung. Sascha hat den Fluss geliebt. Ich bin sicher, sie wäre dort glücklich. Wir können sie mit nach unten nehmen und dort begraben. Ist das in Ordnung?“ Ich habe Herzklopfen, während ich auf ihre Antwort warte. Wir haben nicht mehr viel Zeit und ich weiß wie kompromisslos Bree sein kann, wenn ihr etwas wichtig ist. Zu meiner Erleichterung nickt sie. „In Ordnung,“ sagt sie „aber ich darf sie tragen.“ „Ich glaube sie ist zu schwer für dich.“ „Ich komme nicht mit, wenn ich sie nicht tragen darf,“ sagt sie, ihre Augen leuchten vor Entschlossenheit als sie vor mir steht, die Hände auf den Hüften. Ich kann an ihren Augen sehen, dass sie niemals nachgeben wird. “Gut,” sage ich “du kannst sie tragen.” Wir beide heben Sascha vom Boden auf, dann suche ich schnell das Haus ab nach allem, das wir für uns retten können. Ich eile zur Leiche des Sklaventreibers, ziehe ihm die Hose aus, und als ich das mache, fühle ich etwas in seiner Hosentasche. Ich bin glücklich überrascht, etwas Sperriges aus Metall zu finden. Ich ziehe ein kleines Springmesser heraus. Davon bin ich begeistert, und verstaue es in meiner Tasche. Ich mache eine schnelle Besichtigung des restlichen Hauses, eilte von Zimmer zu Zimmer, auf der Suche nach allem, das nützlich sein könnte. Ich finde ein paar alte, leere Jutesäcke und nehme sie alle mit. Ich öffne einen von ihnen und werfe Brees Lieblingsbuch hinein „Der Baum, der sich nicht lumpen lies“ und meine Ausgabe von „Herr der Fliegen“. Ich laufe zu einem Schrank und packe alle restlichen Kerzen und Streichhölzer ein. Ich gehe durch die Küche und in die Garage, alle Türen stehen noch auf nach dem Angriff der Sklaventreiber. Ich hoffe sehr, dass sie sich nicht die Zeit genommen haben um sich in der Garage umzuschauen, etwa nach einer Werkzeugkiste. Ich habe sie gut versteckt, in einer Nische in der Mauer, und ich eile nach hinten. Zu meiner Erleichterung ist sie noch da. Sie ist zu schwer um die ganze Kiste zu tragen, also wühle ich sie durch und suche mir die Werkzeuge heraus, die uns die besten Dienste leisten werden. Ich nehme einen kleinen Hammer, einen Schraubenzieher, eine Schachtel mit Nägeln. Ich finde eine Taschenlampe mit Batterien. Ich teste sie, und sie funktioniert. Ich nehme eine kleine Zange mit und einen Schraubenschlüssel, schließe die Kiste und bin aufbruchsbereit. Als ich gehen will, springt mir etwas ins Auge, oben an der Wand. Es ist ein großes Seil,  ordentlich aufgerollt und gebündelt hängt es an einem Haken. Ich hatte es komplett vergessen. Vor Jahren hat unser Vater dieses Seil gekauft und zwischen zwei Bäumen aufgespannt. Er dachte wir könnten alle damit Spaß haben. Wir haben es einmal benutzt und danach nie wieder, und dann hängte er es in die Garage. Jetzt denke ich, während ich es anschaue, dass es vielleicht hilfreich für uns sein könnte. Ich springe auf die Werkzeugbank, strecke mich nach dem Seil aus, hole es herunter und lege es über meine eine Schulter, meinen Leinensack über die andere. Ich eile aus der Garage und wieder zurück ins Haus, und dort steht Bree, hält Sascha in beiden Armen und sieht nach unten. „Ich bin soweit,“ sagt sie. Wir eilen aus der Haustür, Logan dreht sich um und sieht Sascha. Er schüttelt den Kopf. „Wohin bringet ihr sie?“ fragt er. „Der Fluss,“ sage ich. Er schüttelt missbilligend den Kopf. „Die Uhr läuft,“ sagt er. „Ihr habt noch 15 Minuten, bevor wir zurückfahren. Wo sind die Lebensmittel?“ „Hier nicht“ sage ich. „Dazu müssen wir höher gehen, zu einer Hütte, die ich gefunden habe. Das schaffen wir in 15 Minuten.“ Bree und ich gehen zum Lieferwagen und schmeißen das Seil und den Sack auf die Ladefläche. Ich behalte die leeren Säcke, denn ich weiß, dass ich sie brauchen werde um die Lebensmittel zu transportieren. „Wofür ist die Leine?“ fragt Logan und stellt sich hinter uns. „Wir brauchen sie nicht“. „Man kann nie wissen,“ sage ich. Ich lege einen Arm um Bree, die immer noch Sascha anstarrt, drehe sie zur Seite und schaue den Berg entlang. „Auf geht’s!“ sage ich zu Logan. Widerstrebend dreht er sich um und geht mit uns los. Wir drei wandern stetig nach oben, der Wind wird stärker, es ist kälter hier oben. Ich schaue besorgt zum Himmel: Es wird viel schneller dunkel als ich gedacht habe. Ich weiß, dass Logan recht hat: wir müssen zurück auf dem Wasser sein, bevor Einbruch der Nacht. Jetzt ist schon so ziemlich Sonnenuntergang, und ich werde immer besorgter. Aber ich weiß ganz genau, dass wir Essen brauchen. Wir drei stapfen den Berghang herauf, und schließlich erreichen wir die obere Lichtung, als mir ein starker Windstoß ins Gesicht bläst. Es wird von Minute zu Minute kälter und dunkler. Ich verfolge meine Schritte zu der Hütte zurück, der Schnee ist tief hier oben; ich fühle ihn durch meine Stiefel, während ich gehe. Ich sehe es, noch versteckt, mit Schnee bedeckt. So gut versteckt und anonym wie immer. Ich eile auf die Hütte zu und breche die kleine Tür auf. Logan und Bree stehen hinter mir. „Guter Fund,“ sagt er, und zum ersten Mal höre ich Bewunderung in seiner Stimme. „Gut versteckt, es gefällt mir. Es ist so gut, dass ich fast gerne bleiben würde – wenn die Sklaventreiber nicht hinter uns her während und wir mit Lebensmitteln versorgt wären.“ „Ich weiß,“ sage ich und gehe in das kleine Haus. „Es ist schön,“ sagt Bree „Ist das das Haus, in das wir einziehen werden?“ Ich drehe mich um und schaue sie an, dabei fühle ich mich schlecht und nicke. „Ein anderes Mal, okay?“ Sie versteht das. Sie ist auch nicht scharf darauf, den Sklaventreibern zu begegnen. Ich eile nach innen, öffne die Falltür und steige eine steile Leiter hinab. Es ist dunkel hier unten, und ich taste nach meinem Weg. Ich strecke einen Arm aus und fühle eine Reihe Gläser, es klirrt, als ich sie berühre. Die Einmachgläser. Ich verschwende keine Zeit, ziehe meine Säcke heraus und fülle sie so schnell ich kann mit Einmachgläsern.  Ich kann sie kaum entziffern, während meine Tasche schwer wird, aber ich erinnere mich, dass es Himbeermarmelade war, Brombeermarmelade, Gemüse, Gurken…ich mache den Sack so voll wie möglich, dann gebe ich ihn die Leiter hoch, zu Logan. Er nimmt ihn, und ich fülle drei weitere. Ich räume die komplette Wand ab. „Das reicht,“ sagt Logan „mehr können wir nicht schleppen, und es wird dunkel. Wir müssen gehen“. Jetzt liegt etwas mehr Respekt in seiner Stimme. Klar, jetzt ist er beeindruckt wegen des Essenverstecks, und jetzt versteht er endlich, warum wir hierhin kommen mussten. Er greift nach unten und bietet mir seine Hand, aber ich klettere die Leiter allein hoch, denn ich brauche seine Hilfe nicht und bin noch verstimmt während seiner Haltung vorhin. Als ich wieder in der Hütte stehe, schnappe ich mir zwei der schweren Säcke, Logan nimmt die anderen. Wir drei eilen aus der Hütte und folgen unseren Schritten zurück nach unten über den steilen Pfad. Ein paar Minuten später sind wir zurück am Lieferwagen. Ich bin erleichtert, dass er noch alles da ist. Ich prüfe den Horizont und sehe keinerlei Leben auf dem Berg oder unten im entfernten Tal. Wir steigen wieder in den Lieferwagen, ich drehe die Zündung und bin froh, als er anspringt und wir losfahren, die Straße herunter. Wir haben Essen, Vorräte, unseren Hund, und ich konnte mich von meinem Elternhaus verabschieden. Ich bin zufrieden, und ich fühle, dass Bree neben mir auch froh ist. Logan schaut aus dem Fenster und ist in seiner eigenen Welt. Aber ich kann nicht anders als zu glauben, dass auch er findet, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. * Die Fahrt nach unten verläuft ohne Zwischenfälle, und zu meiner Überraschung sind die Bremsen des alten Lieferwagens ziemlich gut. An manchen Stellen, wo es wirklich steil ist, ist es mehr ein kontrolliertes Rutschen als ein Bremsen, aber nach ein paar Minuten haben wir das Schlimmste hinter uns, sind zurück auf der befestigten Route 23 und fahren nach Osten. Wir werden schneller, und zum ersten Mal in einer ganzen Weile bin ich optimistisch gestimmt. Wir haben ein paar wertvolle Werkzeuge und genug Essen für die nächsten Tage. Ich fühle mich gut, bestätigt, als wir die 23 herunterfahren, und es nur noch ein paar Minuten dauert, bis wir zurück auf dem Boot sein werden. Und dann ändert sich alles. Ich mache eine Vollbremsung als jemand aus dem Nirgendwo in die Mitte der Straße springt, hysterisch mit den Armen winkt und dabei unserem Weg blockiert. Er ist gerade mal fünfzig Meter von uns entfernt und ich muss hart bremsen, so dass unser Lieferwagen ins Rutschen kommt. „NICHT ANHALTEN!“ befiehlt Logan „fahr weiter!“ Er verwendet seine härteste Militärstimme. Aber ich kann nicht auf ihn hören. Da ist ein Mann vor mir auf der Straße, hilflos, mit nur einer abgerissenen Jeans und einer ärmellosen Weste bekleidet in der eisigen Kälte. Er hat einen langen schwarzen Bart, wildes Haar und große, wirre, schwarze Augen. Er ist sehr dünn, es sieht aus als habe er seit Tagen nichts gegessen. Er trägt Pfeil und Bogen um seine Brust. Er ist ein Mensch, ein Überlebender, genau wie wir. So viel ist klar. Er winkt verzweifelt mit den Armen, und ich kann ihn nicht überfahren. Ich kann es auch nicht ertragen einfach weiter zu fahren. Wir halten abrupt an, nur ein paar Meter von dem Mann entfernt. Er steht da mit wilden Augen, als hätte er nicht erwartet, dass wir wirklich anhalten. Logan verschwendet keine Zeit, springt aus dem Wagen, beide Hände an seiner Pistole, die auf den Kopf des Mannes gerichtet ist. “GEHEN SIE ZURÜCK!” schreit er. Ich steige ebenfalls aus. Der Mann hebt langsam seine Arme und schaut benommen, während er einige Schritte zurückgeht. „Nicht schießen,“ fleht der Mann „Bitte! Ich bin genau wie ihr! Ich brauche Hilfe. Ihr könnt mich hier nicht einfach sterben lassen. Ich verhungere, ich habe seit Tagen nichts gegessen. Bitte nehmt mich mit. Bitte!“ Seine Stimme bricht und ich sehe die Verzweiflung in seinem Gesicht. Ich weiß wie er sich fühlt. Es ist noch nicht lange her, und ich war genau wie er, ich musste mir jede Mahlzeit hier in den Bergen erbetteln. Viel besser ist es jetzt auch nicht. „Hier, nimm das!“ sagt der Mann und gibt uns seinen Bogen und Köcher mit Pfeilen „Das gehört euch, ich will euch nichts antun!“ „Bewege dich langsam,“ warnt Logan, immer noch misstrauisch. Der Mann reicht vorsichtig nach vorne und gibt uns seine Waffe. “Brooke, das nimmst du,” sagt Logan. Ich mache einen Schritt nach vorne, nehme Pfeil und Bogen und werfe sie nach hinten auf den Lieferwagen. „Seht ihr,“ sagt der Mann und beginnt zu lächeln „Ich bin keine Bedrohung. Ich möchte einfach mit euch kommen. Ihr könnte mich nicht einfach zurück- und sterben lassen.“ Langsam entspannt Logan seine Schutzhaltung und nimmt die Waffe ein bisschen tiefer, aber er hat immer noch ein waches Auge auf den Mann. „Tut uns leid,” sagt Logan. „Wir können nicht noch jemanden durchfüttern.” „Warte!” rufe ich Logan zu. „Du bist nicht allein hier. Du triffst nicht alle Entscheidungen“. Ich wende mich an den Mann „Wie heißt du?“ frage ich „wo kommst du her?“ Er schaut mich verzweifelt an. “Ich heiße Rupert,” sagte er “Ich habe hier oben zwei Jahre lang überlebt. Ich habe dich und deine Schwester schon vorher gesehen. Ich habe versucht zu helfen, als die Sklaventreiber deine Schwester genommen haben, ich bin derjenige, der den Baum gefällt hat!“ Als er das sagt, bricht mein Herz. Er ist derjenige, der versucht hat uns zu helfen! Ich kann ihn einfach nicht hier lassen. Es wäre nicht richtig. „Wir müssen ihn mitnehmen,“ sage ich zu Logan. „Wir finden schon noch Platz für einen mehr“ „Ich kenne ihn nicht,“ antwortet Logan „Außerdem haben wir nicht genug Lebensmittel.“ „Ich kann jagen,“ sagt der Mann „Ich habe Pfeil und Bogen“. „Das hat dir hier oben ja sehr geholfen“ sagt Logan. „Bitte,“ sagt Rupert „ich kann euch helfen. Bitte. Ich will nichts von eurem Essen.“ „Wir nehmen ihn mit,“ sage ich zu Logan. „Nein, das machen wir nicht,“ entgegnet er. „Du kennst diesen Mann nicht. Du weißt überhaupt nichts über diesen Mann.“ „Ich weiß auch nicht viel über dich,“ sage ich zu Logan. Mein Ärger wird stärker. Ich hasse, dass er so zynisch sein kann, so vorsichtig. „Du bist nicht der einzige, der das Recht hat zu leben.“ „Wenn du ihn mitnimmst, gefährdest du uns alle” sagt er. „Nicht nur dich. Auch deine Schwester.“ „Als ich es das letzte Mal geprüft habe, waren wir zu dritt“ kommt Brees Stimme von hinten. Ich drehe mich um uns sehe, dass auch sie aus dem Lieferwagen gesprungen ist und hinter uns steht. „Und das heißt, dass wir eine Demokratie sind. Meine Stimme zählt. Und ich stimme dafür, dass wir ihn mitnehmen. Wir können ihn nicht einfach zurück- und sterben lassen.“ Logan schüttelt den Kopf und sieht angewidert aus. Ohne ein weiteres Wort spannt er den Kiefer an, dreht sich um und steigt in den Lieferwagen. Der Mann sieht mich mit einem großen Lächeln an, sein Gesicht wird von tausend Falten zerfurcht. „Danke,“ flüstert er. „Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll.“ „Beweg dich einfach, bevor er seine Meinung ändert,“ sage ich, während wir zurück zum Wagen gehen. Als Rupert die Tür erreicht sagt Logan „du sitzt nicht bei uns vorne. Geh auf die Ladefläche.“ Bevor ich etwas einwenden kann, springt Rupert glücklich hinten auf, Bree und ich steigen ein, und wir fahren los. Die Fahrt zurück zum Fluss ist nervenaufreibend. Während wir fahren, wird der Himmel dunkel. Ich schaue fortwährend der untergehenden Sonne zu, wie sie rot durch die Wolken blutet. Jede Sekunde wird es kälter, und der Schnee wird sogar härter, während wir fahren. An manchen Stellen wird er zu Eis und macht die Fahrt noch unsicherer. Die Benzinanzeige sinkt und blinkt rot, und obwohl wir nur noch eine Meile oder so vor uns haben, habe ich das Gefühl wir müssten um jeden Zentimeter kämpfen. Ich spüre auch wie nervös Logan wegen unseres neuen Passagiers ist. Dabei ist es nur ein Unbekannter mehr, ein weiterer Mund, der gefüttert werden muss. Während ich auf das Gas gehe, sporne ich den Lieferwagen im Stillen an weiterzufahren, den Himmel hell zu bleiben, den Schnee, nicht hart zu werden. Als ich beginne zu glauben, dass wir niemals ankommen, nehmen wir eine Kurve und ich sehe die Abzweigung. Ich biege in die enge Landstraße ein, die zum Fluss abfällt und versuche den Wagen davon zu überzeugen, dass er durchhält. Ich weiß, dass das Boot nur noch ein paar hundert Meter entfernt ist. Wir nehmen eine weitere Biegung, und während wir das tun, springt mein Herz vor Erleichterung als ich das Boot sehe. Es ist noch da, bewegt sich im Wasser auf und ab, und ich sehe Ben dort stehen. Er sieht nervös aus und sucht den Horizont nach uns ab. „Unser Boot!“ ruft Bree aufgeregt. Die Straße wird noch holpriger, als wir abwärts beschleunigen. Aber wir werden es schaffen. Ich bin durch und durch erleichtert. Aber als ich zum Horizont schaue sehe ich in der Entfernung etwas, das meinen Mut sinken lässt. Ich kann es nicht glauben. Logan muss es zur selben Zeit gesehen haben. „Verdammt noch mal,“ flüstert er. In einiger Entfernung auf dem Hudson kommt ein Boot der Sklaventreiber – ein großes, schnittiges schwarzes Motorboot –  auf uns zu gerast. Es ist doppelt so groß wie unser Boot, und ich bin sicher, dass es viel besser ausgestattet ist. Was die Sache noch schlimmer macht ist ein weiteres Boot, das ich sehe, noch etwas weiter entfernt. Logan hatte Recht. Sie waren viel näher als ich dachte. Ich trete auf die Bremse und wir rutschen, bis wir etwa zehn Meter vom Ufer entfernt zum Stehen kommen. Ich schalte auf parken, öffne die Tür, springe heraus und will zum Boot rennen. Plötzlich stimmt etwas überhaupt nicht. Mir wird die Luft abgeschnitten und ich fühle einen Arm eng um meinen Hals. Ich fühle, dass ich nach hinten gezogen werde. Ich bekomme keine Luft mehr, sehe Sterne und habe keine Ahnung was los ist. Ist das ein Hinterhalt der Sklaventreiber? „Nicht bewegen“ zischt eine Stimme an meinem Ohr. Ich fühle etwas scharfes, Kaltes an meiner Kehle, ein Messer. Erst dann merke ich, was passiert ist: Rupert, der Fremde. Er hat mich überfallen. DREI “RUNTER MIT DER WAFFE!” schreit Rupert “SOFORT!” Logan steht ein paar Meter weit weg, die Pistole erhoben, und er zielt genau über meinen Kopf. Er hält sie in Position und ich kann sehen wie er abwägt, ob er den Mann in den Kopf schießen soll. Ich sehe, dass er es gerne möchte, aber er ist besorgt, dass er mich treffen könnte. Ich merke, dass es dumm es von mir war den Mann mitzunehmen. Logan hatte die ganze Zeit über Recht. Ich hätte auf ihn hören sollen. Rupert hat uns die ganze Zeit nur benutzt, weil er unser Boot, unser Essen und unsere Vorräte für sich allein haben wollte. „Schieß!“ rufe ich Logan zu. „Mach es!“ Ich vertraue Logan – ich weiß, dass er ein guter Schütze ist. Aber Rupert hält mich fest, und ich sehe, dass Logan zögert, nicht sicher ist. In diesem Moment sehe ich in Logans Augen wie viel  Angst er hat mich zu verlieren. Er sorgt sich also doch. Das tut er wirklich. Langsam hält Logan die Pistole in der offenen Hand und legt sie sanft in den Schnee. Mein Herz sinkt. „Lass sie gehen!“ schreit er. „Erst das Essen!“ schreit Rupert zurück, sein heißer Atem an meinem Ohr. „Die Säcke, bring sie zu mir! Jetzt!“ Logan geht leise zur Rückseite des Lieferwagens, nimmt die vier schweren Säcke heraus und geht auf den Mann zu. „Stelle sie auf den Boden!“ schreit Rupert „Langsam!“ Langsam stellt sie Logan auf den Boden. In der Ferne höre ich den Motor der Sklaventreiber wimmern. Ich kann nicht glauben wie dumm ich war, alles geht schief, direkt vor meinen Augen. Bree steigt aus dem Wagen. „Lass meine Schwester gehen!“ schreit sie ihn an. In diesem Moment habe ich Zukunft klar vor Augen. Ich weiß, was passieren wird. Rupert wird mir die Kehle aufschlitzen, dann wird er Logans Waffe nehmen und ihn und Bree töten. Danach Ben und Rose. Er wird unser Essen und unser Boot nehmen und einfach wegfahren. Dass er mich tötet ist die eine Sache, aber Bree etwas zu tun ist eine andere. Das ist etwas, was ich nicht zulassen kann. Plötzlich beiße ich zu. Bilder von meinem Vater gehen mir durch den Kopf, von seiner Zähigkeit, den Nahkampftechniken, in denen er mich ausgebildet hat. Druckpunkte, Schläge, Hebel. Wie man so ziemlich überall herauskommt. Wie man einen Mann mit einem einzigen Finger in die Knie zwingt. Und wie man seinen Hals von einem Messer befreit. Ich wecke einen alten Reflex in mir und lasse meinen Körper übernehmen. Ich hebe meinen Ellenbogen ein paar Zentimeter nach oben und bringe ihn gerade zurück, genau auf seinen Solar Plexus. Ich erziele eine eindeutige Wirkung, genau so, wo ich wollte. Sein Messer gräbt sich ein bisschen tiefer in meinen Hals ein, es ritzt die Haut auf und tut weh. Aber gleichzeitig höre ich ihn nach Luft keuchen, und ich weiß, dass mein Schlag funktioniert hat. Ich mache einen Schritt nach vorne, ziehe seinen Arm von meinem Hals, trete nach hinten und treffe ihn genau zwischen den Beinen. Er stolpert ein paar Schritte zurück und bricht im Schnee zusammen. Ich hole tief Luft und keuche, mein Hals tut weh. Logan hechtet nach seiner Waffe. Ich drehe mich um und sehe wie Rupert durchstartet und auf unser Boot zu rennt. Er macht drei große Schritte und springt genau in die Mitte des Bootes. Gleichzeitig schneidet er das Seil durch, mit dem das Boot am Ufer befestigt ist. Alles passiert schneller, als man blinzeln kann, ich kann kaum glauben, wie schnell er sich bewegt. Ben steht da, benommen und verwirrt, weil er nicht weiß, wie er reagieren soll. Rupert dagegen zögert nicht: Er springt auf Ben zu und schlägt ihm fest mit der freien Hand ins Gesicht. Ben kommt ins Stolpern und fällt. Noch bevor er aufstehen kann nimmt ihn Rupert in den Schwitzkasten und hält das Messer an seine Kehle. Er dreht sich um und sieht zu uns herüber, dabei benutzt er Ben als menschliches Schutzschild. Im Boot kauert Rose und schreit, Penelope bellt wie verrückt. „Wenn du auf mich schießt, tötest du ihn auch!“ schreit Rupert. Logan hat seine Waffe wieder, er steht da und zielt auf ihn. Aber es ist kein einfacher Schuss. Das Boot treibt weiter vom Ufer weg, jetzt ist es gute fünfzehn Meter entfernt, und es bewegt sich stark auf und ab, auf den rauen Wellen. Logan hat einen Spielraum von etwa fünf Zentimetern um ihn zu treffen ohne Ben zu töten. Logan zögert und ich sehe, dass er das Risiko Ben zu töten nicht eingehen will, nicht mal für unser eigenes Überleben. Es ist eine Eigenschaft, die Vieles wieder gutmacht. „Gib mir den Schlüssel!“ ruft Rupert Ben zu. Ben, muss man zu seiner Ehre sagen, hat wenigstens eine Sache richtig gemacht, denn er muss den Schlüssel irgendwo versteckt haben, als er Rupert kommen sah. Ein kluger Zug. In der Ferne tauchen plötzlich die Sklaventreiber auf, das Röhren ihrer Motoren wird lauter. Ich fühle eine tiefe Angst, Hilflosigkeit. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Unser Boot ist zu weit vom Ufer entfernt, um es jetzt zu erreichen. Und selbst wenn wir es könnten, würde Rupert wahrscheinlich Ben töten, noch während wir dabei sind. Penelope bellt und springt von Roses Arm, rennt über das Boot und schlägt ihre Zähne in Ruperts Wade. Er schreit und lässt Ben für einen Moment los. Ein Schuss knallt. Logan sah seine Chance und hat keine Zeit verschwendet. Es ist ein sauberer Schuss, genau zwischen die Augen. Rupert starrt uns für einen Moment mit großen Augen an, als die Kugel in sein Gehirn dringt. Dann plumpst er nach hinten, zum Heck des Bootes, als wolle er sich hinsetzen, aber er kippt nach hinten über und landet mit einem Platsch im Wasser. Es ist vorbei. „Bring das Boot zurück zum Ufer!“ ruft Logan zu Ben „SOFORT!“ Ben, immer noch benommen, setzt sich in Bewegung. Er fischt den Schlüssel aus seiner Tasche, startete das Boot und steuert auf das Ufer zu. Ich nehme zwei der Säcke mit Lebensmitteln, Logan nimmt die anderen, und wir werfen sie auf das Boot, sobald es das Ufer erreicht hat. Ich schnappe mir Bree und hebe sie ins Boot, dann renne ich zurück zum Lieferwagen. Logan nimmt meine Säcke mit geretteten Vorräten, ich nehme Sascha. Dann erinnere ich mich, laufe zurück zum Wagen und nehme Ruperts Pfeil und Bogen. Ich bin die Letzte, die von Ufer ins Boot springt, als es schon beginnt wegzutreiben. Logan übernimmt das Steuer, steigt aufs Gaspedal und zieht durch, um uns aus dem schmalen Kanal heraus zu steuern. Wir rasen auf den Zufluss zum Hudson zu, er liegt ein paar hundert Meter vor uns. Am Horizont taucht das Boot der Sklaventreiber auf – schnittig, schwarz, gefährlich – und rast auf uns zu. Es ist vielleicht noch achthundert Meter entfernt. Das wird eng. Es sieht aus, als würden wir es kaum rechtzeitig aus dem Kanal schaffen, als hätten wir keine Chance zu entkommen. Sie werden direkt hinter uns sein. Wir kommen genau in dem Moment auf den Hudson, als es dunkel wird. Und währenddessen kommen die Sklaventreiber voll in unser Sichtfeld. Sie befinden sich kaum ein paar Meter hinter uns, und sie holen schnell auf. Hinter ihnen, am Horizont, sehe ich das andere Boot, auch wenn es noch gut anderthalb Kilometer entfernt ist. Ich bin sicher, dass Logan sagen würde das habe ich dir gesagt, wenn mehr Zeit wäre. Und er hätte Recht. Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, fallen Schüsse. Kugeln pfeifen über uns, eine trifft das Boot an der Seite, das Holz zersplittert. Rose und Bree schreien auf. „Runter mit euch!“ schreie ich. Ich stürze mich auf Bree und Rose, schnappe sie und werfe sie zu Boden. Logan weicht nicht zurück, er fährt das Boot unbeirrt weiter. Er kurvt ein bisschen, aber er verliert die Kontrolle nicht. Er duckt sich, während er steuert und versucht den Kugeln auszuweichen. Außerdem versucht er den großen Eisbrocken auszuweichen, die sich zu formen beginnen. Ich knie am Heck des Bootes, hebe den Kopf nur so hoch wie nötig und ziele mit meiner Pistole nach Soldatenart. Ich ziele auf den Fahrer und lasse ein paar Schüsse los. Alle treffen daneben, aber wenigstens gelingt es mir, ihr Boot zum Schwanken zu bringen. „Nimm du das Steuer!“ schreit Logan zu Ben. Ben muss man zu Gute halten, dass er nicht zögert. Er eilt nach vorne und nimmt das Steuer, dabei gerät das Boot ins Schwanken. Logan eilt zu mir und kniet sich neben mich. Er schießt, seine Kugeln gehen knapp daneben oder streifen ihr Boot. Sie schießen zurück, und eine Kugel geht nur ein paar Zentimeter an meinem Kopf vorbei. Sie holen schnell auf. Durch eine weitere Kugel zersplittert ein großes Stück Holz hinten an unserem Boot. „Sie zielen auf unseren Tank!“ schreit Logan „Schieß auf ihren!“ „Wo ist er denn“ schreie ich gegen das Röhren des Motors und die fliegenden Kugeln an. „Hinten in ihrem Boot, auf der linken Seite!“ ruft er. „Darauf kann ich nicht sauber zielen“ sage ich. „Nicht solange sie uns zugewandt sind“. Dann habe ich eine Idee. „Ben!“ rufe ich „Du musst sie zum Umdrehen bringen, wir brauchen einen sauberen Schuss auf ihren Benzintank!“ Ben zögert nicht. Ich habe kaum aufgehört zu sprechen, als er das Steuer hart herumreißt. Durch den Ruck falle ich seitwärts gegen das Boot. Die Sklaventreiber drehen und versuchen uns zu folgen. Und dadurch liegt die Seite ihres Bootes direkt vor uns. Logan und ich knien uns hin und schießen einige Male. Zuerst geht unser Schusshagel vorbei. Mach schon. Mach schon! Ich denke an meinen Vater. Meine Hand wird ruhig, mein Atem tief, ich schieße ein weiteres Mal. Zu meiner Überraschung lande ich einen Volltreffer. Plötzlich explodiert das Boot der Sklaventreiber. Ein halbes Dutzend Sklaventreiber gehen in Flammen auf und kreischen, als ihr Boot außer Kontrolle weiter rast. Ein paar Augenblicke später, zerschlägt es am Flussufer. Es gibt eine weitere große Explosion. Dann sinkt ihr Boot schnell, und sollte jemand überlebt haben, wird er mit Sicherheit im Hudson ertrinken. Ben dreht uns wieder flussaufwärts und steuert geradeaus. Langsam stehe ich auf und atme tief durch. Ich kann es kaum glauben. Wir haben sie getötet. „Guter Schuss“ sagt Logan. Aber wir haben keine Zeit, um uns auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Am Horizont ist das zweite Boot und holt auf. Ich bezweifle, dass wir beim zweiten Mal auch so viel Glück haben werden. „Ich habe keine Munition mehr“ sage ich. „Ich habe fast keine Munition mehr“ sagt Logan. „Wir können es mit dem nächsten Boot nicht aufnehmen“ sage ich „und wir sind nicht schnell genug ihnen zu entkommen“ „Was schlägst du vor?“ fragt er. „Wir müssen uns verstecken.“ Ich wende mich an Ben „Du musst einen Unterschlupf für uns finden, und zwar sofort. Wir müssen dieses Boot verstecken. JETZT! Ben gibt Gas und ich renne nach vorne, stehe neben ihm und suche den Fluss nach möglichen Verstecken ab. Vielleicht, wenn wir Glück haben, werden sie einfach an uns vorbei rasen. Vielleicht allerdings, auch nicht. VIER Wir alle suchen verzweifelt den Horizont ab, und schließlich sehen wir auf der rechten Seite einen schmalen Zufluss. Er führt in den rostigen Kanal eines alten Schiffbahnhofs. „Da, auf der rechten Seite!“ sage ich zu Ben „Was ist, wenn sie uns sehen?“ fragt er. „Von dort kommen wir nicht weg. Wir werden festsitzen. Sie werden uns töten.“ „Dieses Risiko müssen wir eingehen,“ sage ich. Ben wird schneller und macht eine scharfe Kurve in die schmale Einfahrt. Wir rasen an verrosteten Toren vorbei, durch eine schmale Einfahrt, zu einem alten, verrosteten Lagerhaus. Während wir hereinfahren, macht er den Motor aus, dann dreht er nach links und versteckt uns hinter dem Ufer, als wir auf dem Wasser entlang dümpeln. Ich betrachte die Heckwelle, die wir im Mondlicht verursacht haben und bete, dass sie sich schnell genug beruhigt, damit die Sklaventreiber keine Spur von uns haben. Wir alle sitzen ängstlich in der Stille, dümpeln auf dem Wasser, schauen, warten. Das Röhren des Motors der Sklaventreiber wird lauter, und ich halte den Atem an. Bitte, lieber Gott. Lass sie vorbei fahren. Die Sekunden fühlen sich wie Stunden an. Schließlich zischt das Boot an uns vorbei, ohne auch nur für eine Sekunde langsamer zu werden. Ich halte den Atem für mehr als zehn Sekunden an, bis das Geräusch des Motors verhallt. Ich bete, dass sie nicht zu uns zurückkommen. Sie kommen nicht zurück. Es funktioniert. * Fast eine Stunde ist verstrichen, seit wir hier herein gefahren sind, wir sitzen alle dicht zusammengedrängt und verängstigt in unserem Boot. Wir bewegen uns kaum, aus Angst entdeckt zu werden. Aber seit sie an uns vorbeigefahren sind, habe ich weder einen Ton gehört noch irgendeine Bewegung festgestellt. Ich frage mich, wohin sie gefahren sind. Rasen sie immer noch den Hudson herauf, in die Dunkelheit, denken sie immer noch, dass wir uns gleich hinter der nächsten Biegung befinden? Oder sind sie klüger geworden, haben umgedreht und suchen nun die Ufer nach uns ab? Ich habe einfach das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie uns finden. Aber während ich mich auf dem Boot ausstrecke, denke ich, dass wir alle anfangen uns zu entspannen, ein bisschen weniger vorsichtig zu sein. Wir sind hier gut versteckt, in diesem rostigen Gebäude, und selbst wenn sie umdrehen wüsste ich nicht, wie die Sklaventreiber uns hier sehen könnten. Meine Beine und Füße sind vom langen Sitzen eingeschlafen, es ist viel kälter geworden und ich friere. Ich sehe, dass Bree und Rose mit den Zähnen klappern, dass sie ebenfalls frieren. Ich wünschte, ich hätte Decken oder Kleider, die ich ihnen geben könnte, oder irgendeine andere Art von Wärme. Ich wünschte, wir könnten ein Feuer machen, nicht nur wegen der Wärme, sondern auch um uns gegenseitig sehen zu können, um Trost in unseren Gesichtern zu finden. Aber ich weiß, dass das nicht zur Diskussion steht, es wäre viel zu riskant. Ich sehe Ben dort sitzen, zusammengekauert und zitternd, und erinnere mich an die Hose, die ich mitgenommen habe. Ich stehe auf, das Boot beginnt zu schwanken, mache ein paar Schritte zu meinem Sack, greife hinein und ziehe sie heraus. Dann werfe ich sie zu Ben. Sie landet auf seiner Brut, und er schaut verwirrt zu mir herüber. „Die müsste passen“ sage ich „probier sie an“. Er trägt abgerissene Jeans, voller Löcher, viel zu dünn und außerdem feucht durch das Wasser. Langsam bückt er sich und zieht seine Stiefel aus, dann zieht er die Lederhose über seine Jeans. Es sieht seltsam aus, die Militärhose des Sklaventreibers – aber wie ich erwartet hatte, passt sie perfekt. Wortlos macht Ben den Reisverschluss zu und lehnt sich zurück, ich sehe Dankbarkeit in seinen Augen. Ich spüre, dass mich Logan anschaut, es fühlt sich an als sei er neidisch auf meine Freundschaft mit Ben. Er war schon immer so, seit er gesehen hat, wie mich Ben an der Penn Station geküsst hat. Es ist seltsam, aber ich kann es nicht ändern. Ich mag sie beide, auf unterschiedliche Arten. Ich habe noch nie zwei gegensätzlichere Leute getroffen, aber irgendwie erinnern sie mich gegenseitig an sich. Ich gehe rüber zu Bree, sie zittert immer noch, zusammengekauert mit Rose, Penelope auf ihrem Schoß. Ich setze mich neben sie, lege einen Arm um sie und küsse sie auf die Stirn. Sie legt ihren Kopf an meine Schulter „Es ist in Ordnung, Bree“ sage ich. „Ich habe Hunger“ sagt sie mit einer leisen Stimme. „Ich auch“ sagt Rose. Penelope wimmert still, und ich weiß, dass sie auch hungrig ist. Sie ist klüger als alle Hunde, die ich je gesehen habe. Und tapfer trotz ihrem Zittern. Ich kann kaum glauben, wie sie Rupert gebissen hat. Vielleicht wären wir alle nicht mehr hier, wenn wir sie nicht hätten. Ich beuge mich vor, streichle ihren Kopf, und sie leckt meine Hand. Jetzt, als die beiden Essen erwähnen, merke ich, dass es eine gute Idee wäre. Ich habe schon viel zu lange versucht meinen quälenden Hunger zu unterdrücken. „Du hast Recht“ sage ich „Lasst uns was essen“. Sie schauen mich beide mit hoffnungs- und erwartungsvollen großen Augen an. Ich laufe über das Boot und greife in einen der Säcke. Ich nehme zwei große Marmeladegläser mit Himbeermarmelade heraus, schraube eins davon auf und gebe es Bree. „Ihr zwei teilt euch dieses Glas“ sage ich zu ihnen „wir drei teilen uns das andere Glas“. Ich öffne das andere Glas und reiche es Logan. Er nimmt seinen Finger, holt einen ziemlichen Batzen aus dem Glas und steckt ihn in den Mund. Er atmet tief aus vor Zufriedenheit – auch er muss am Verhungern gewesen sein. Ich halte das Glas zu Ben, er nimmt ebenfalls einen Finger voll, und dann löffle ich einen Finger voll in meinen eigenen Mund. Der Zucker gibt mir Energie, und die Himbeeren erfüllen meine Sinne, es ist sehr wahrscheinlich das Beste, das ich je gegessen habe. Ich weiß, dass es keine richtige Mahlzeit ist, aber es fühlt sich wie eine an. Anscheinend bin ich jetzt für die Verteilung des Essens verantwortlich, also eile ich zu den Taschen, nehme den Rest unserer Kekse und gebe jedem einen, auch mir selbst. Ich schaue herüber und sehe wie Bree und Rose glücklich die Marmelade essen; nach jedem zweiten Fingervoll bekommt Penelope eine Ration. Sie leckt die Finger der Mädchen wie verrückt und jault dabei. Das arme Ding muss genauso hungrig sein wie wir. „Du weißt, dass sie zurückkommen werden,“ kommt eine bekannte Stimme von der Seite. Ich drehe mich um, Logan lehnt sich zurück, säubert seine Waffe und schaut mich an. „Du weißt das, stimmt’s?“ presst er heraus „wir sind hier leichte Beute“. „Was schlägst du vor?“ frage ich. Er zuckt mit den Schultern und schaut enttäuscht weg. „Wir hätten nicht anhalten sollen. Wir hätten einfach weiterfahren sollen, wie ich gesagt habe“. „Dafür ist es jetzt zu spät“ schieße ich irritiert zurück. „Hör auf dich zu beschweren“. Langsam habe ich genug von seiner Trübsal und seinem Pessimismus auf Schritt und Tritt, ich habe genug von dem Machtkampf. Ich habe keine Lust mehr auf ihn, obwohl ich ihn gleichzeitig sehr schätze. „Keine unserer Möglichkeiten ist gut,“ sagt er. „Wenn wir heute Nacht flussaufwärts fahren, könnten wir sie treffen. Wir könnten unser Boot ruinieren, vielleicht durch das schwimmende Eis, vielleicht durch etwas anderes. Noch schlimmer, sie würden uns wahrscheinlich kriegen. Wenn wir erst am Morgen losfahren, können sie uns im Tageslicht sehen. Wir können zwar steuern, aber es kann gut sein, dass sie auf uns warten.“ „Dann lass uns morgens aufbrechen,“ sage ich. „Wir fahren im Morgengrauen los, fahren nach Norden und hoffen, dass sie umgedreht haben und nach Süden fahren.“ „Und was, wenn nicht?“ fragt er. „Hast du irgendeine bessere Idee? Wir fahren los, weg von der Stadt, nicht in die Stadt. Außerdem liegt Kanada im Norden, oder?“ Er dreht sich um, schaut weg und seufzt. „Wir könnten auch bleiben wo wir sind,“ sagt er. „Ein paar Tage abwarten. Sicher gehen, dass sie zuerst an uns vorbeigefahren sind“: „Bei dem Wetter? Wenn wir keine Unterkunft finden, erfrieren wir. Und bis dann haben wir nichts mehr zu essen. Wir können nicht hierbleiben, wir müssen weiter fahren.“ „Ach so, jetzt willst du weiterfahren,“ sagt er. Ich starre ihn an, er beginnt mir wirklich auf die Nerven zu gehen. “Gut,” sagt er. “Dann lasst uns in der Morgendämmerung losfahren. In der Zwischenzeit müssen wir Wache stehen, wenn wir die Nacht hier verbringen. Im Schichtbetrieb. Ich fange an, dann du, dann Ben. Ihr schlaft jetzt. Keiner von uns hat bis jetzt geschlafen, und wir brauchen alle Schlaf. Abgemacht?“ fragt er und schaut mich und Ben an. „Abgemacht“ sage ich. Er hat Recht. Ben sagt nichts, er schaut noch um sich, verloren in seiner eignen Welt. “Hey,” sagt Logan hart, lehnt sich zurück und tritt an seinen Fuß. „Ich rede mit dir. Abgemacht?“ Ben dreht sich langsam um und schaut ihn an, er sieht immer noch weggetreten aus, dann nickt er. Ich kann wirklich nicht sagen, ob er ihn gehört hat. Es tut mir so leid für Ben. Es ist so, als wäre er nicht ganz da. Der Kummer und die Schuldgefühle wegen seines Bruders fressen ihn auf. Ich kann mir noch nicht mal vorstellen, was er durchmacht. „Gut,“ sagt Logan. Er prüft seine Munition, sichert seine Pistole und dann springt er vom Boot, auf das Dock neben uns. Das Boot schaukelt, aber es treibt nicht weg. Logan steht auf dem trockenen Dock und inspiziert unsere Umgebung. Er setzt sich auf einen Holzpfahl und starrt in die Dunkelheit. Die Waffe liegt auf seinem Schoß. Ich lasse mich neben Bree nieder und lege meine Arme um sie. Auch Rose kommt zu uns, und ich lege meinen Arm um beide. „Ihr zwei müsst euch ausruhen. Wir haben morgen einen langen Tag vor uns,“ sage ich und wundere mich im Stillen, ob das unserer letzte Nacht auf Erden sein wird. „Erst muss ich mich um Sascha kümmern“ sagt Bree. Sascha. Das hätte ich fast vergessen. Ich sehe zu ihr herüber und sehe den gefrorenen Körper des Hundes auf der anderen Seite des Bootes. Ich kann kaum glauben, dass wir sie hierhin gebracht haben. Aber Bree ist ein loyales Herrchen. Bree steht auf, geht leise quer über das Boot und steht vor Sascha. Sie kniet sich nieder und streichelt ihren Kopf. Ihre Augen sind deutlich im Mondlicht zu sehen. Ich gehe zu ihr und knie mich neben sie. Ich streichle Sascha auch, ich werde ihr immer dankbar dafür sein, dass sie uns beschützt hat. „Kann ich dir helfen sie zu begraben?“ frage ich. Bree nickt, schaut leise nach unten, eine Träne rinnt über ihr Gesicht. Zusammen heben wir Sascha auf, und lehnen uns mit ihr weit über das Boot hinaus. Dort halten wir beide sie, und keiner von uns möchte loslassen. Ich schaue in das eiskalte, dunkle Wasser des Hudsons unter uns, in die dümpelnden Wellen. „Willst du irgendetwas sagen, bevor wir loslassen?“ frage ich. Bree schaut nach unten und blinzelt die Tränen weg. Ihr Gesicht leuchtet im Mondlicht. Sie sieht aus wie ein Engel. „Sie war ein guter Hund. Sie hat mir das Leben gerettet. Ich hoffe, dass sie jetzt in einer besseren Welt ist. Ich hoffe, dass ich sie wieder sehe,“ sagt sie mit brechender Stimme. Wir strecken uns weit aus und legen Sascha vorsichtig auf das Wasser. Mit einem leichten Platschen taucht ihr Körper ein. Dann treibt er für eine Sekunde oder zwei, bis er beginnt zu sinken. Die Strömungen des Hudson sind stark, und sie reißen den Hund schnell mit sich, auf das offene Wasser hinaus. Wir schauen zu, wie sie, halb unter Wasser, durch das Mondlicht treibt, immer weiter und weiter weg. Es bricht mir das Herz. Es erinnert mich daran, dass ich Bree fast für immer verloren hätte, während ich den Hudson herunter gespült worden wäre, genau wie Sascha. * Ich weiß nicht, wie viele Stunden vergangen sind. Jetzt ist es mitten in der Nacht, und ich liege im Boot, zusammengerollt bei Bree und Rose, denke nach und kann nicht schlafen. Keiner von uns hat ein Wort gesagt, seit wir Sascha ins Wasser gelegt haben. Wir alle sitzen einfach da in düsterer Stille, das Boot schaukelt sanft. Ein paar Meter entfernt sitzt Ben, in seiner eigenen Welt. Er scheint mehr tot als lebendig. Manchmal, wenn ich ihn anschaue, fühle ich mich als würde ich ein wandelndes Gespenst sehen. Es ist komisch: Wir sitzen hier alle zusammen und sind Welten voneinander entfernt. Logan ist etwa zehn Meter entfernt, und hält pflichtbewusst Wache auf dem Pier, er schaut umher, die Waffe in der Hand. Ich kann ihn mir gut als Soldat vorstellen. Ich bin froh, dass er uns beschützt, und dass er die erste Schicht übernommen hat. Ich bin müde, meine Knochen sind erschöpft, und ich freue mich nicht gerade darauf die nächste Schicht zu übernehmen. Ich weiß, dass ich schlafen sollte, aber ich kann einfach nicht. Während ich hier liege und Bree in den Armen halte, jagen mir die Gedanken nur so durch den Kopf. Ich denke wie vollkommen verrückt die Welt geworden ist. Ich kann kaum glauben, dass das alles echt ist. Es ist wie ein langer Alptraum, der einfach nicht enden will. Jedes Mal wenn ich denke, dass ich in Sicherheit bin, passiert wieder etwas. Wenn ich zurückdenke kann ich kaum glauben, dass ich fast von Rupert getötet worden wäre. Es war dumm von mir, Mitleid mit ihm zu haben, dumm, ihn mit uns fahren zu lassen. Ich kann immer noch nicht ganz verstehen, warum er ausgeflippt ist. Was war der Vorteil für ihn? Wollte er uns alle töten, unser Boot nehmen und verschwinden, nur um mehr Lebensmittel für sich selbst zu haben? Und wohin wäre er gegangen? War er einfach böse? Psychotisch? Oder war er ursprünglich ein guter Mann, der nach all den Jahren allein, hungrig und frierend durch geknallt ist? Ich möchte glauben, dass Letzteres der Fall ist, dass er tief innen drin ein guter Mann war, der nur durch die Umstände verrückt geworden ist. Ich hoffe es, aber man kann nie wissen. Ich schließe die Augen und denke daran, wie knapp ich dem Tod von der Schippe gesprungen bin, fühle das Metall des Messers an meiner Kehle. Nächstes Mal werde ich keinem vertrauen, für niemanden anhalten, keinem glauben.  Ich will alles tun, was ich kann, damit Bree, Rose, ich und die anderen überleben. Keine weiteren Zufälle, keine Risiken. Und wenn das heißt, hartherzig zu werden, dann ist es eben so. Während ich zurückdenke, habe ich das Gefühl, dass jede Stunde auf dem Hudson ein Kampf um Leben und Tod war. Ich sehe nicht, wie wir es jemals bis Kanada schaffen können. Ich wäre erstaunt, wenn wir die nächsten paar Tage überleben, sogar die nächste paar Meilen auf dem Wasser. Ich weiß, dass unsere Chancen nicht gut stehen. Ich halte Bree fest im Arm, es könnte unsere letzte gemeinsame Nacht sein. Wenigstens werden wir kämpfend zu Grunde gehen, auf eigenen Füßen stehend, nicht als Sklaven oder Gefangene. “Es war so unheimlich,” sagt Bree. Ihre Stimme in der Dunkelheit schreckt mich auf. Sie ist so zart, am Anfang frage ich mich, ob sie überhaupt etwas gesagt hat. Sie hat stundenlang kein Wort gesagt, und ich dachte sie würde schlafen. Ich drehe mich um und sehe, dass ihre Augen offen sind, angsterfüllt. “Was war so unheimlich Bree?” Sie schüttelt den Kopf und wartet einige Sekunden bevor sie spricht. Ich merke, dass sie sich gerade erinnert „Sie haben mich genommen. Ich war allein. Sie haben mich in einen Bus getan, dann auf ein Boot. Wir waren alle aneinander gekettet. Es war so kalt, und wir hatten alle solche Angst. Sie nahmen mich mit in das Haus, und du würdest nicht glauben, was ich gesehen habe. Was sie mit den anderen Mädchen gemacht haben. Ich kann immer noch ihre Schreie hören. Ich kriege sie einfach nicht aus meinem Kopf.“ Ihr Gesicht verzieht sich, und sie beginnt zu weinen. Mein Herz zerbricht in tausend Stücke. Ich kann mir noch nicht einmal vorstellen, was sie durchgemacht hat. Ich möchte nicht, dass sie darüber nachdenkt. Ich habe das Gefühl, sie sei jetzt für immer durch Narben entstellt, und es ist meine Schuld. Ich nehme sie fest in den Arm und küsse sie auf die Stirn. „Shhh,” flüstere ich „Es ist alles in Ordnung. Das alles liegt jetzt hinter uns. Denk nicht mehr daran.“ Trotzdem weint sie weiter. Bree vergräbt ihr Gesicht an meiner Brust. Ich wiege sie als sie weint und weint. „Es tut mir so leid, meine Süße“ sage ich „es tut mir so leid.“ Ich wünschte, ich könnte das alles von ihr nehmen. Aber das kann ich nicht, es ist jetzt ein Teil von ihr. Ich wollte sie schon immer beschützen, vor allem. Und jetzt ist ihr Herz von Schrecken erfüllt. Als ich sie wiege wünsche ich mir, wir wären irgendwo anders als hier. Ich wünschte, wir wären, wo wir früher einmal gewesen sind. Die Zeit zurückdrehen. Damals, als die Welt gut war. Zurück zu unseren Eltern. Aber das geht nicht. Wir sind hier. Und ich habe das Gefühl, dass alles nur noch schlimmer wird. * Ich wache auf und merke, dass bereits Tag ist. Ich weiß nicht, warum es schon so spät ist, oder wie es kommt, dass ich so lange geschlafen habe. Ich schaue mich auf dem Boot um und habe komplett die Orientierung verloren. Ich weiß nicht was los ist. Unser Boot treibt jetzt in der Mitte des großen Flusses. Bree und ich sind die einzigen auf dem Boot. Ich weiß nicht wo die anderen sind und auch nicht, wie wir hierhin gekommen sind. Wir stehen beide vorne im Boot und schauen auf den Horizont, und ich sehe drei Boote der Sklaventreiber direkt auf uns zu rasen. Ich versuche etwas zu tun, aber meine Arme sind hinter dem Rücken zusammengebunden. Ich drehe mich um und sehe einige Sklaventreiber auf dem Boot, sehe dass sie mir Handschellen angelegt haben, mich festhalten. Ich kämpfe so gut ich kann, aber ich bin hilflos. Eines der Sklaventreiber-Boote hält an, einer von ihnen kommt heraus, seine Maske bedeckt sein Gesicht, er betritt unser Boot und greift nach Bree. Sie versucht sich heraus zu winden, aber sie ist ihm nicht gewachsen. Er hebt sie mit einem Arm und trägt sie weg. “BREE! NEIN!” schreie ich. Ich ringe mit der ganzen Welt, aber es hilft nicht. Ich muss hier stehen und zuschauen, wie sie Bree, die tritt und schreit, in ihr Boot schleppen. Ihr Boot treibt mit der Strömung weg, Richtung Manhattan. Bald ist es kaum noch zu sehen. Während ich zusehe, wie sich meine kleine Schwester weiter und weiter von mir entfernt weiß ich, dass es dieses Mal für immer ist. Ich kreische, ein gespenstisches Kreischen, ich bettle und weine, damit meine Schwester zurück zu mir kommt. Ich wache schweißgebadet auf, ich sitze kerzengerade, atme schwer, schaue mich um und versuche herauszufinden, was passiert ist. Es war ein Traum. Ich schaue rüber und sehe Bree neben mir liegen, alle anderen im Boot schlafen. Es war alles nur ein Traum. Niemand ist gekommen, niemand hat Bree genommen. Ich versuche meinen Atem zu beruhigen, mein Herz klopft immer noch. Ich setze mich hin und schaue in die Ferne. Die Morgendämmerung setzt ein, ein schwacher Silberstreifen am Horizont. Ich schaue rüber zum Dock und sehe Ben Wache halten. Ich erinnere mich, wie Logan mich aufgeweckt hat, wie ich Wache gehalten habe, und wie ich anschließend Ben aufgeweckt und ihm die Waffe gegeben habe. Dann hat er meine Position eingenommen. Danach muss ich eingeschlafen sein. Als ich zu Ben schaue sehe ich, dass er in sich zusammengesunken ist. Ich kann von hier im matten Licht der Morgendämmerung sehen, dass er auch schläft. Dabei sollte er Wache halten. Wir sind wehrlos. Plötzlich sehe ich Bewegung, Schatten in der Dunkelheit. Es sieht aus wie eine Gruppe von Menschen oder Tieren, die auf uns zukommen. Ich frage mich, ob ich meinen Augen trauen kann. Aber dann beginnt mein Herz wie wild in meiner Brust zu schlagen und mein Mund wird trocken, denn es handelt sich nicht um einen Streich des Morgenlichts. Wir sind nicht vorbereitet. Und jemand überfällt uns. FÜNF “BEN!” schreie ich und setze mich auf. Aber es ist zu spät, sie greifen uns eine Sekunde später an. Einer hat Ben übernommen und greift ihn an, während die zwei anderen Anlauf nehmen um direkt auf unser Boot zu springen. Das Boot schaukelt gewaltig als die Männer landen. Logan wacht auf, aber nicht schnell genug. Einer der Männer geht direkt auf ihn zu, das Messer gezogen, und will es ihm in die Brust stechen. Meine Reflexe setzen ein. Ich greife nach hinten, nehme das Messer aus meinem Gürtel, beuge mich nach vorne und werde es. Das Messer rotiert in der Luft. Ein perfekter Treffer! Das Messer steckt genau im Hals des Mannes, eine Sekunde, bevor er Logan erstechen kann. Er bricht leblos über ihm zusammen. Logan setzt sich auf und wirft die Leiche von sich, sie landet platschend im Wasser. Zum Glück zieht er vorher geistesgegenwärtig mein Messer aus dem Hals. Zwei weitere greifen mich an. Als es heller wird sehe ich, dass es sich nicht um Menschen handelt: Es sind Mutanten. Halb Mensch, halb ich weiß nicht was. Verstrahlt durch den Krieg. Verrückte. Das macht mir Angst: Diese Typen, anders als Rupert, sind extrem stark, extrem bösartig, und sie haben nichts zu verlieren. Einer von ihnen eilt auf Bree und Rose zu, und das kann ich nicht zulassen. Ich springe auf ihn und werfe ihn zu Boden. Wir landen beide hart, das Boot schaukelt wild. Ich sehe aus den Augenwinkeln, wie Logan auf den zweiten springt, fest mit ihm zusammenstößt und ihn dann über Bord wirft. Wir haben zwei von ihnen gestoppt, aber ein dritter rennt auf uns zu. Derjenige, den ich angreife, wirbelt mich herum und hält mich fest. Er sitzt auf mir, und er ist stark. Er holt nach hinten aus und schlägt mich fest ins Gesicht, ich fühle Stachel auf meiner Wange. Ich denke schnell. Hebe ein Knie und ramme es ihm fest zwischen die Beine Noch ein Volltreffer. Er stöhnt und sackt in sich zusammen. Währenddessen schlage ich ihm meinen Ellenbogen voll ins Gesicht. Es macht ein knackendes Geräusch, als sein Wangenknochen zerbricht, und dann bricht er zusammen. Ich werfe ihn über Bord, ins Wasser. Das war ein dummer Zug. Ich hätte ihn zuerst ausziehen und seien Waffen nehmen sollen. Das Boot schaukelt wild, als der Körper über Bord geht. Jetzt wende ich mich dem Letzten zu, Logan ebenfalls. Aber keiner von uns ist schnell genug. Er rennt an uns vorbei, und aus irgendeinem Grund greift er direkt Bree an. Penelope springt in die Luft und schlägt ihre Zähne knurrend in sein Handgelenk. Er schüttelt sie wie eine Stoffpuppe und versucht sie loszuwerden. Penelope hält durch, aber schließlich schüttelt er sie so stark, dass sie durch das ganze Boot fliegt. Noch bevor ich ihn erreichen kann, will er über Bree herfallen. Mein Herz bleibt stehen als ich sehe, dass ich nicht rechtzeitig da sein kann. Rose springt auf um Bree zu retten und stellt sich dem Angriff des Mannes in den Weg. Er hebt Rose hoch, beugt sich über sie und schlägt seine Zähne in ihren Arm. Rose lässt einen gespenstischen Schrei los, als er seine Zähne in ihr Fleisch schlägt. Es macht mich krank, ein schrecklicher Anblick, einer von denen, die man nie vergisst. Der Mann lehnt setzt ab und will sie noch einmal beißen – aber jetzt erwische ich ihn rechtzeitig. Ich ziehe das Ersatzmesser aus meiner Tasche, hole aus und will es werfen. Aber Logan kommt mir zuvor, zielt ruhig mit seiner Pistole und schießt. Das Blut spritzt nach allen Seiten, als er den Hinterkopf des Mannes trifft. Er bricht auf dem Boot zusammen, Logan geht zu ihm und wirft seine Leiche über Bord. Ich eile zu Rose, die hysterisch kreischt, und ich weiß nicht, wie ich sie trösten kann. Ich reiße ein Stück von meinem Hemd ab, wickle es um ihren stark blutenden Arm und versuche die Blutung zu stillen so gut ich kann. Aus den Augenwinkeln sehe ich eine Bewegung, einer der Verrückten hält Ben am Boden auf dem Pier fest. Er holt aus, um Ben in den Hals zu beißen. Ich drehe mich um und werfe mein Messer. Es rotiert und bleibt im Nacken des Mannes hängen.  Sein Körper bewegt sich noch, als er zusammensackt. Ben setzt sich benommen auf. „Komm zurück ins Boot!“ schreit Logan „SOFORT!“ Ich höre den Ärger in seiner Stimme, und ich fühle das gleiche. Ben war auf dem Wachposten, als er eingeschlafen ist. Er hat uns alle diesem Angriff ausgesetzt. Ben stolpert zurück ins Boot, und gleichzeitig schneidet Logan das Seil, mit dem unser Boot befestigt ist, durch. Ich kümmere mich um Rose, die in meinen Armen jammert, Logan übernimmt das Steuer, startet das Boot und tritt aufs Gas. In der Morgendämmerung fahren wir aus dem Kanal heraus. Logan hat recht loszufahren. Die Schüsse könnten jemanden in Alarmbereitschaft versetzt haben. Wer weiß wie viel Zeit uns jetzt noch bleibt. Wir verlassen den Kanal bei Morgenröte und lassen ein paar treibende Leichen hinter uns. Unser Unterschlupf hat sich schnell in einen Ort des Schreckens verwandelt, und ich hoffe, dass ich ihn nie wieder sehen werde. Wir fahren schnell in der Mitte des Hudson, das Boot springt auf und ab, als Logan aufs Gas tritt. Ich halte Wache, schaue in alle Richtungen nach Anzeichen von den Sklaventreibern. Wenn sie irgendwo in der Nähe sind, hier gibt es kein Versteck. Und die Schüsse, das Kreischen von Rose und das Röhren des Motors machen uns verdächtig. Ich bete einfach, dass sie irgendwann in der Nacht aufgehört haben nach uns zu suchen und umgedreht sind, so dass sie jetzt weiter südlich sind, irgendwo hinter uns. Wenn nicht, fahren wir genau zu ihnen. Und wenn wir richtig Glück haben, haben sie aufgegeben, und sind komplett umgedreht, zurück nach Manhattan. Aber da habe ich meine Zweifel, denn so viel Glück hatten wir noch nie. Wie diese Verrückten. So ein Pech, dass wir gerade dort gehalten haben. Ich hatte Gerüchte gehört von raubenden Gangs aus Verrückten, die zu Kannibalen geworden sind, die überleben, indem sie andere essen, aber ich habe es nie geglaubt. Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass es wahr ist. Ich halte Rose fest im Arm, Blut sickert aus ihrer Wunde in meiner Hand, ich wiege sie, versuche sie zu trösten. Ihr improvisierter Verband ist schon so rot, dass ich ein neues Stück von meinem Hemd abreiße, um ihren Verband zu wechseln. Jetzt ist mein Bauch der eisigen Kälte ausgesetzt. Es ist nicht unbedingt hygienisch, aber besser als nichts, und ich muss die Blutung irgendwie stoppen. Ich wünschte, wir hätten Medikamente, Antibiotika, wenigstens Schmerzmittel – irgendetwas, das ich ihr geben könnte. Als ich den durchtränkten Verband abnehme, sehe ich, dass ein Stück Fleisch aus ihrem Arm fehlt. Ich schaue weg, versuche nicht an die Schmerzen zu denken, die sie haben muss. Es ist schrecklich. Penelope sitzt auf ihrem Schoß, winselt, schaut sie an, und es ist deutlich, dass sie auch helfen will. Bree wirkt wieder traumarisiert, hält ihre Hand, versucht sie zu beruhigen. Aber sie ist untröstlich. Ich wünschte leidenschaftlich, ich hätte Beruhigungsmittel – irgendwas. Und dann, plötzlich, fällt es mir ein: Die halb volle Falsche Champagner! Ich hole sie schnell, gebe sie ihr und sage „trink das!“ Rose weint hysterisch, schreit vor Qual und scheint mich nicht einmal zu erkennen. Ich halte die Flasche an ihre Lippen und sorge dafür, dass sie trinkt. Sie verschluckt sich, spuckt etwas aus, aber sie trinkt ein bisschen. „Bitte Rose, trink. Es wird helfen.“ Ich halte die Flasche wieder an ihren Mund, und zwischen ihren Schreien nimmt sie ein paar weitere Schlucke. Auf der einen Seite fühle ich mich schlecht, weil ich einem kleinen Kind Alkohol gebe, auf der anderen hoffe ich, dass es hilft ihre Schmerzen zu betäuben, und ich weiß einfach nicht, was ich sonst machen soll. „Ich habe Tabletten gefunden“ höre ich eine Stimme. Es ist Ben, er steht hinter mir und sieht zum ersten Mal wach aus. Der Angriff auf Rose muss ihn herausgerissen haben, vielleicht weil er sich schuldig dafür fühlt, dass er bei der Wache eingeschlafen ist. Er steht da  und hält eine kleine Dose mit Pillen. Ich schaue sie mir an. „Das habe ich drinnen im Handschuhfach gefunden“ sagt er „Ich weiß nicht, was es ist“. Ich schaue auf das Etikett: Ambien. Schlaftabletten. Die Sklaventreiber müssen es verstaut haben, damit sie schlafen können. Die Ironie der Geschichte: Sie halten andere nächtelang wach und nehmen selbst Schlaftabletten. Aber für Rose sind die Schlaftabletten perfekt, das ist genau das, was wir gebraucht haben. Ich weiß nicht, wie viele ich ihr geben soll, aber ich muss sie beruhigen. Ich reiche ihr noch mal den Champagner, stelle sicher, dass sie auch schluckt, und dann gebe ich ihr zwei Tabletten. Den Rest stecke ich in meine Tasche, so dass sie nicht verloren gehen. Dann achte ich sorgfältig auf Rose. Innerhalb von Minuten entwickeln der Alkohol und die Pillen ihre Wirkung. Langsam wird ihr Klagen zu einem Weinen, dann wird es leiser. Nach etwa zwanzig Minuten fallen ihr die Augen zu, und sie schläft in meinen Armen ein. Ich warte weitere zehn Minuten um sicher zu gehen, dass sie wirklich schläft, dann schaue ich zu Bree. „Kannst Du sie nehmen?“ frage ich. Bree kommt schnell zu mir, und langsam stehe ich auf und lege Rose in ihre Arme. Ich stehe, meine Beine sind verkrampft, dann gehe ich auf dem Boot nach vorne, neben Logan. Wir fahren immer noch flussaufwärts, und als ich auf das Wasser schaue, gefällt mir das, was ich sehe, überhaupt nicht. Im Hudson beginnen sich kleine Eisbrocken zu bilden an diesem eiskalten Morgen. Ich kann hören, wie sie gegen das Boot schlagen. Das ist das Letzte, das wir brauchen. Aber es bringt mich auf eine Idee. Ich lehne mich über das Boot, Wasser spritzt mir ins Gesicht, und tauche meine Hände in das kalte Wasser. Es tut weh, aber ich zwinge meine Hand durchzuhalten und versuche ein kleines Stück Eis zu schnappen, während wir fahren. Wir fahren zu schnell, und deshalb ist es sehr schwer, einen zu fangen. Ich verpasse sie immer um wenige Zentimeter. Endlich, nach einer Minute, habe ich einen. Ich nehme die Hand aus dem Wasser, sie zittert vor Kälte. Ich eile zu Bree und gebe ihr das Eis. Sie nimmt es mit weit geöffneten Augen. „Halt das“ sage ich. Ich nehme den anderen Verband, den blutigen, und wickle das Eis darin ein. Dann gebe ich ihn an Bree. „Halt das an ihre Wunde“. Ich hoffe es hilft die Schmerzen zu betäuben, vielleicht kann es die Schwellung stoppen. Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder dem Fluss zu und schaue mich nach allen Seiten um, während der Morgen immer heller wird. Wir rasen weiter und weiter nach Norden, und ich bin erleichtert, weil ich nirgendwo Anzeichen für Sklaventreiber sehe. Ich höre keine Motoren, mache keine Bewegungen an den Ufern aus. Eine unheilverkündende Stille. Warten sie schon auf uns? Ich setze mich auf den Beifahrersitz neben Logan und schaue auf die Tankanzeige. Es ist nicht mal ein Viertel übrig. Das sieht nicht gut aus. „Vielleicht sind sie gegangen,“ vermute ich. “Vielleicht sind sie umgekehrt, haben die Suche aufgegeben.“ „Zähl nicht darauf“ sagt er. Wie auf ein Stichwort höre ich plötzlich einen Motor. Mein Herz bleibt stehen. Es ist ein Geräusch, dass ich auf der ganzen Welt erkennen würde: Ihr Motor. Ich gehe zum Ende des Bootes und suche den Horizont ab: tatsächlich, da sind die Sklaventreiber, etwa anderthalb Kilometer entfernt. Sie rasen auf uns zu. Ich schaue ihnen zu und fühle mich hilflos.  Wir haben kaum noch Munition, sie sind gut ausgestattet und gut besetzt, mit jeder Menge Waffen und Munition. Wir haben keine Chance, wenn wir gegen sie kämpfen, und wir haben keine Chance zu entkommen: sie kommen uns schon näher. Außerdem können wir auch nicht versuchen uns zu verstecken. Wir haben keine Wahl, außer ihnen gegenüber zu treten. Und das wäre ein verlorener Kampf. Es ist als würde ein Todesurteil auf uns zu rasen. „Vielleicht sollten wir uns ergeben!“ schreit Ben und schaut ängstlich zurück. „Niemals“ sage ich. Ich kann mir nicht vorstellen, noch einmal ihre Gefangene zu sein. „Wenn ich gehe, dann als toter Mann“ sagt Logan. Ich versuche zu denken, zermartere meinen Kopf nach einer Lösung. „Kannst du nicht schneller fahren?“ dränge ich Logan, als ich sehe wie sie aufholen „Ich fahre so schnell ich kann!“ ruft er zurück, über den röhrenden Motor hinweg. Mir fällt nichts ein, das wir sonst noch tun könnten. Rose ist jetzt wach, jammert wieder, und Penelope bellt. Ich fühle mich, als würde mich die ganze Welt im Stich lassen. Wenn ich nicht schnell denke, wenn mir keine Lösung einfällt, sind wir alle in zehn Minuten tot. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/morgan-rice/arena-zwei/?lfrom=334617187) на ЛитРес. 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