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Gefährliche Dinge Amy Blankenship Blutsbundnis #3 Steven Wilder erlag der Versuchung, die mit dem Schläger schwang, auch auf andere Art, als nur, dass er vor ihr zu Boden gegangen war… er wollte sie haben. Als er herausfand, dass sie der Mafia versprochen war, fand er einen Grund, sie als Geisel zu nehmen und sie zu seiner Partnerin zu machen… natürlich zu ihrer eigenen Sicherheit. Jeder sagt, es gibt zwei Wege im Leben, aber für Jewel Scott erschienen sie beide sehr gefährlich. Einer führte zu Anthony, einem mordenden, psychopathischen Werwolf, der auch der Anführer der Stadtmafia war, und ihr Verlobter… gegen ihren Willen. Der andere Weg führte zu Steven, einem Werpuma, den sie bei ihrem ersten Treffen mit einem Baseballschläger bewusstlos geschlagen hatte. Er zahlte es ihr zurück indem er sie als Geisel nahm und sie zu seiner Partnerin machte. Steven Wilder erlag der Versuchung, die mit dem Schläger schwang, auch auf andere Art, als nur, dass er vor ihr zu Boden gegangen war… er wollte sie haben. Als er herausfand, dass sie der Mafia versprochen war, fand er einen Grund, sie als Geisel zu nehmen und sie zu seiner Partnerin zu machen… natürlich zu ihrer eigenen Sicherheit. Anthony Valachi war besessen von Jewel, seit sie noch ein Kind war, und, gemäß den Regeln der Mafia, hatte er sie zu seiner zukünftigen Braut gemacht. Wenn jemand meinte, dass er sie von ihm stehlen konnte, dann lag er falsch… tödlich falsch. Gefährliche Dinge Blutsbündnis-Serie Buch 3 Amy Blankenship, RK Melton Translated by Martina Hillbrand (https://www.traduzionelibri.it/profilo_pubblico.asp?GUID=fed007dfaf061d98c1cfff6a25035574&caller=traduzioni) Copyright © 2012 Amy Blankenship Ins Deutsche übersetzt von Martina Hillbrand Zweite Auflage Herausgegeben von TekTime Alle Rechte vorbehalten. Kapitel 1 Envy lief in ihrem Schlafzimmer hin und her und packte einige ihrer Sachen in ihren schwarzen Lederkoffer. Sie hielt inne und starrte ihren Bruder böse an, als sie bemerkte, dass er ihre Dinge wieder auspackte, wann immer sie ihm den Rücken zuwandte, um mehr zu holen. Sie hatte ihn am Hals seit sie nach Hause zurückgekommen war und langsam wurde es richtig nervig. „Hör auf“, sagte Envy böse als sie ihm eine Handvoll Kleidungsstücke aus der Hand riss und sie zurück in den Koffer warf. Sie warf ihr langes, rotes Haar über ihre Schulter und schoss ihm einen warnenden Blick zu. „Aber ausziehen? Du kennst ihn doch erst seit, was… einer Woche? Bist du sicher, dass es das ist, was du willst?“, wiederholte Chad wie ein Mantra. „Die Antwort ist immer noch dieselbe, Chad“, erklärte Envy mit ruhiger Stimme und fragte sich, wie oft sie es noch sagen musste, bis er endlich auf sie hörte. Sie suchte seinen Blick, behandelte ihn wie ein begriffsstutziges Kind und sagte sehr langsam: „Ich will mit Devon zusammenziehen, und genau das werde ich tun.“ „Wie kannst du sicher sein, dass er nicht in einer Woche oder einem Monat eine andere Frau findet und dich auf die Straße setzt?“, drängte Chad verzweifelt. „Wird er nicht.“ Sie packte weiter, versuchte, das nagende Gefühl, dass sie ihren Bruder im Stich ließ, zu verdrängen. Er war ein erwachsener Mann, verdammt, und ein Polizist. „Aber du kannst dir nicht sicher sein. Ich meine, er tanzt jede Nacht halb nackt in einem Club und du wirst hinter der Bar festhängen und Perverslingen Getränke servieren“, rief Chad, der sich am liebsten die Haare ausreißen wollte. Was er wirklich wollte, war, sie dafür anzuschreien, dass sie sich mit so einer gefährlichen Sache einließ… so einer gefährlichen Person. Envy hörte auf zu packen und sah hoch zu ihrem einzigen Bruder, den sie aus ganzem Herzen liebte, aber den sie gerade am liebsten erdrosseln würde. „Erstens: ich weiß es sicher. Zweitens: er ist vielleicht halb nackt, aber er sieht dabei fantastisch aus. Drittens: ich darf mit ihm in dem Käfig tanzen. Und viertens“, sie beugte sich nach vor, als wollte sie ein kleines, schmutziges Geheimnis mit ihm teilen, „du brauchst echt dringend Sex.“ Chad schenkte seiner Schwester einen bitterbösen Blick. „Ich brauche keinen Sex“, knurrte er, als sie eine Augenbraue hob. „Doch, tust du.“ Sie riss eine Schublade auf und holte eine Handvoll sexy Unterwäsche hervor. „Nein, tue ich nicht.“ Chad knallte den Deckel des Koffers zu, ehe sie sie zu dem hinzufügen konnte, von dem er hoffte, dass es nur eine übergroße Tasche für einen Wochenendausflug war. „Doch, tust du.“ Envy winkte mit der Unterwäsche vor seinem Gesicht, wie um ihrem Argument Nachdruck zu verleihen. „Nein, tue ich nicht.“ Er riss sie ihr aus der Hand. „Nein, tust du nicht.“ Sie zog ihre Augenbrauen wütend zusammen, als sie ihn ansah. „Doch, tue ich.“ Chad hielt inne und boxte mit der Handvoll Unterwäsche in die Luft. „VERDAMMT!“ Devon war im Wohnzimmer, lehnte sich an die Wand, seine Knöchel überkreuzt und seine Hände in seinen Hosentaschen… versuchte, nicht laut loszulachen. Ihr Streit erinnerte ihn so sehr an seine Beziehung zu seinen eigenen, ihn liebenden, Geschwistern. Er erkannte, dass Chad Envy wirklich liebte, und deshalb würde er sich ihnen nicht in den Weg stellen. Chad machte, was er am besten konnte… er war ein großer Bruder für eine feuerspeiende Rothaarige. Nein, er würde sich nicht einmischen, aber er würde viel bezahlen, nur um zusehen zu können. Devon lachte laut und versuchte dann schnell, es mit einem Husten zu tarnen. Jemand klopfte an die Tür und seine eisblauen Augen wurden schmal als er sich fragte, wer, zur Hölle, die Geschwister vor Tagesanbruch besuchen sollte. „Devon, kannst du nachsehen?“, rief Chad. „Klar“, antwortete Devon, drückte sich von der Wand ab und ging zur Haustür. Als er die Tür öffnete, konnte er ein Grinsen über Trevors überraschten Gesichtsausdruck nicht unterdrücken. „Hi, Trevor. Lange nicht gesehen.“ Wie versprochen war Trevor gekommen, um mit Chad darüber zu reden, was er in der Kirche gesehen hatte. Das Allerletzte, was er erwartet hatte, war, dass Devon Santos die Tür öffnen würde. Unfähig, seine Emotionen zu kontrollieren, hob Trevor sofort seine Faust und traf den Jaguar mitten auf der Nase… fest. Devon stolperte ein paar Schritte zurück und wischte sich das Blut von der Nase. Er sah zu Trevor hoch und zeigte seine Zähne. Ehe Trevor sich bewegen konnte, warf sich Devon auf ihn und riss ihn durch die Tür hinaus in den Vorgarten. Kleidungstücke rissen und fielen zu Boden, als die beiden sich in ihre tierischen Gestalten verwandelten. Devon umkreiste den Braunbären und warf sich mit einem lauten Jaguar-Schrei auf ihn. Trevor brüllte und stieg hoch auf seine Hinterbeine, während er versuchte, den Jaguar, der sich an seinen Rücken klammerte, mit seinen Pratzen zu erwischen. Drinnen hatten Chad und Envy Devons Schrei gehört und rannten durch das Haus zur Eingangstür. Sie erstarrten, als sie Devon in ihrem Garten mit einem riesigen Bären kämpfen sahen. Der Polizist war sofort froh darüber, dass sie keine direkten Nachbarn hatten, die etwas sehen könnten. Chad legte in seinem Kopf einen Schalter um und drehte alle Emotionen ab. Etwas in ihm machte Klick, und das half ihm immer, einen kühlen Kopf zu bewahren… auch mitten in einem Schussduell. Er griff nach der Pistole, die an seiner rechten Hüfte hing, und schoss sie einmal in die Luft ab, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Er runzelte die Stirn, als die beiden nicht einmal zuckten, und er in den linken Arm geboxt wurde. „Sag es vorher, wenn du das Ding abfeuerst!“, rief Envy, während sie sich eine Hand über ihr rechtes Ohr hielt und über das laute Geräusch den Kopf einzog. Zachary ließ das Auto stehen und seufzte tief über die beiden Kinder, die stritten. Wieder einmal würde jemand mit kühlerem Kopf einschreiten müssen. Er grinste innerlich über den Scherz, denn niemand würde ihn je als kühl beschreiben. Er hob eine Hand vor sich und schoss eine Hitzewelle auf die Formwandler ab, sodass sie beide zurücksprangen, als eine einzige Feuerzunge durch den Garten schoss, sodass sie getrennt wurden. „Wenn ihr zwei euch nicht das Fell verbrennen wollt, dann solltet ihr euch jetzt schnell wieder in Menschen verwandeln und so tun, als hättet ihr noch ein wenig Verstand übrig“, warnte Zachary, während eine weitere Flamme aus seiner ausgestreckten Hand wuchs. „Wollt ihr beide euch benehmen wie Erwachsene oder wie Kinder, denn mir ist es egal“, lächelte er kühl, als die Flamme höher wurde und sich langsam auf ihr Ziel zu beugte. Wissend, dass Zachary es tun würde, verwandelte sich Trevor wieder und starrte durch die Flammen auf seinen Gegner. Alleine den Mann anzustarren, der Envy von ihm gestohlen hatte, ließ seinen Blutdruck ansteigen, sodass er sich konzentrieren musste, nur um seine menschliche Gestalt zu behalten. Devon verwandelte sich wieder, aber blieb immer noch angriffsbereit stehen, denn er traute Trevor kein Bisschen. Er wurde einen Augenblick lang abgelenkt von Chads lautem „Großer Gott“, und sah schnell zu den Geschwistern hinüber. Als er erkannte, wie Envy mit großen Augen Trevor anstarrte… der nun nackt war, knurrte Devon tief, denn er wollte ihre Aufmerksamkeit wieder dort haben, wo sie hingehörte… auf ihm. Envy rieb sich die Stirn, jetzt, wo beide Männer nackt waren, zum Glück nur mit kleinen Verletzungen. Devon hatte ihr gezeigt, wie schnell Wertiere heilten, also wusste sie, dass es bei ihnen nicht so schlimm war, wie es aussah. Ihr Blick wanderte über Trevor, immer noch schockiert über die Tatsache, dass sie eine Beziehung mit einem verdammten Bären gehabt hatte, ohne es zu wissen. Trevor grinste, freute sich über die Tatsache, dass Devons Knurren das Geräusch reinster Eifersucht war… das geschah dem Jaguar recht. Chad blinzelte und fragte sich, wer ihm eine Droge verabreicht hatte. Er war immer der Ruhige in schwierigen Situationen und so atmete er tief durch, drückte sich von der Tür ab und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Dies ist mein Haus, also spielen wir nach meinen Regeln. Envy bleibt hier bei mir, und alle, die keine Menschen sind, hauen ab.“ Er versuchte, die Tür zu schließen, aber Envy hielt ihn auf. „Nicht ohne meine Partnerin“, knurrte Devon und versuchte, den Nachhall des Kampfes in seinem Körper abzuschütteln. Verdammt, wer hätte gedacht, dass Trevor so stark war? Das Wissen gefiel ihm nicht. „Zieht euch was an!“ Envy runzelte die Stirn und sah dann neugierig hinüber zu Zachary. Es schien beinahe, als könnten er und Trevor Brüder sein, so ähnlich sahen sie einander. Der einzige Unterschied war, dass Zachary kurzes Haar hatte, und ein wenig größer war. „Okay, ich weiß, was sie sind… aber was bist du?“ Zachary verbeugte sich elegant. „Du kannst mich einfach einen Beschützer nennen“, sagte er lächelnd während die Flammen erloschen. „Ein Beschützer sowohl der Menschen, als auch der paranormalen Wesen.“ Er richtete sich wieder auf und schielte hinüber zu Trevor. „Hast du ihr nichts gesagt?“ „Nein, hat er nicht.“ Envy schoss Trevor den schmutzigen Blick zu, den er verdiente und richtete dann ihre Aufmerksamkeit wieder auf Zachary. „Beschützer? Was genau bedeutet das? Und seid ihr beide Brüder?“ Sie musste einfach fragen. „Es bedeutet, dass wir die beiden Seiten voreinander beschützen“, antwortete Trevor, dann fügte er hinzu, „und nein. Was Blutsverwandte betrifft, habe ich keine Geschwister.“ „Oh, also der ist voller Informationen“, murmelte Envy. „Ich habe versucht, es dir zu sagen“, erinnerte Trevor, während er die Hose anzog, die Zachary ihm zugeworfen hatte. „Es ist nicht meine Schuld, wenn du nicht zuhörst.“ Envys Lippen öffneten sich, um ihm ihre Meinung zu sagen, aber dann hielt sie inne… erinnerte sich peinlich an die letzte Nacht, in der sie Trevor wirklich gesehen hatte. Er hatte ihr etwas von CIA erzählt, aber sie hatte ihm nicht geglaubt. Sie hatte ihm sogar einen Elektroschock verpasst, dafür, dass er glaubte, dass sie dumm genug war, auf eine solch lahme Lüge hereinzufallen. Aber andererseits, wie konnte er von ihr erwarten, dass sie ihm glaubte, wenn sie ihn gerade dabei erwischt hatte, wie er eng umschlungen mit anderen Frauen getanzt hatte? Die andere Sache war… er hatte ihr gesagt, dass es die Tarnung für seinen Auftrag war. Envy runzelte die Stirn über die Kopfschmerzen, die sich bemerkbar machten, und beschloss, dass Trevor ein noch größeres Arschloch war, als sie ursprünglich gedacht hatte, weil sie wegen ihm darüber nachdachte. Chad schielte hinüber zu dem Jaguar, ehe er wieder ins Haus ging. Er kam wenige Sekunden später wieder mit einer Jeans zurück und warf sie Richtung Devon. „Wir brauchen deine Hilfe nicht“, erklärte Devon, als er die Hose anzog und dann zu Envy hinüber spazierte und einen eifersüchtigen Arm um ihre Hüfte schlang. „Oh ja? Ich habe deine Schwester gerettet, während du damit beschäftigt warst, meine Freundin zu stehlen“, entgegnete Trevor, ehe er einen hitzigen Blick auf Envy warf. Envy hob ihren Blick und traf den von Trevors blau-silbernen Augen. Sie konnte noch immer den Schmerz darin sehen, und ihr Herz verkrampfte sich dadurch schmerzhaft. Sie hasste ihn wirklich nicht. Genau genommen liebte sie Trevor noch immer… nur nicht so wie Devon. Ihr Mund öffnete sich, um zu versuchen, es zu erklären, aber Devon kam ihr zuvor. „Wieso bist du hergekommen? Bist du uns gefolgt?“, fragte Devon, dem es nicht gefiel, dass Trevor Envy immer wieder in die Schusslinie zog. Sie hatte ihre Wahl getroffen und Trevor musste sich mit dieser Tatsache abfinden, ehe er dadurch zu Schaden kam. „Genau genommen kam er her, um mit mir zu reden“, sagte Chad so ruhig er konnte. Er drehte sich zu seiner Schwester um, nahm ihre Hand und zog sanft, während er über ihre Schulter auf Devon blickte. „Wenn es dich nicht stört, würde ich gerne kurz mit ihr alleine sprechen.“ In dem Moment, wo Devon sie losließ, zog Chad sie ins Haus und schloss die Tür. Er musste sich zusammennehmen, um nicht den Schlüssel im Schloss zu drehen. Allerdings, nach dem, was er gerade im Garten gesehen hatte, würde ein Schloss wohl wenig ausrichten können. „Bist du sicher, dass du nicht noch wenigstens eine Nacht hierbleiben kannst? Für meine geistige Gesundheit?“, flehte er, obwohl er wusste, dass er schon ein paar Ausfahrten zuvor die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Envy schlang ihre Arme um ihren Bruder und schenkte ihm die Umarmung, die er dringend brauchte, dann machte sie einen Schritt zurück und sah zu ihm hoch. „Ich kann nicht. Du hast gesehen, was heute Nacht in der Kirche geschehen ist. Alle sind in alle Richtungen davon, also versucht Warren so bald wie möglich eine Versammlung einzuberufen.“ Sie schielte zurück zur Tür, als ihr ein anderer Gedanke kam. „Außerdem ist es wohl das Sicherste im Moment, wenn ich bei ihnen bleibe. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege: ich werde dich anrufen und dir sagen, wann das Treffen stattfinden wird, und ob es im Moon Dance oder im Night Light ist. Ich möchte, dass du mir einen Gefallen tust, und Trevor und den Flammenjungen dorthin bringst, denn, wenn es wahr ist, was ich gehört habe… können wir jede Hilfe gebrauchen, die wir bekommen können.“ „Vampire?“, fragte Chad, dessen Polizisten-Gehirn wieder übernahm, während er sich noch den Nacken rieb, wo einige feine Haare beschlossen hatten, sich dauerhaft aufzustellen. Envy nickte, runzelte ihre Stirn und schüttelte dann den Kopf. „Die Vampire, ja, aber es gibt da einen Dämon, der freigekommen ist und…“ Chad streckte die Hände aus und packte ihre Arme. „Ein Dämon? Niemand sagte etwas von Dämonen!“ Envy holte tief Luft und nickte dann, hoffte, dass er sich besser fühlen würde, wenn sie ihm das Folgende sagte: „Ja, ein Dämon. Die gute Nachricht ist: wir haben zwei Engel auf unserer Seite.“ Sie schenkte ihm ein schwaches Lächeln und hoffte, dass er nicht in Ohnmacht fallen würde. „Engel?“ Chad ließ sie los und lehnte sich schwer an die Wand. „Großer Gott.“ „Genau.“ Envy nickte und sah zu, wie er mit den Fingern durch sein Haar fuhr, als kämpfte er gegen den Drang an, es auszureißen. „Also, du kümmerst dich um Trevor. Kannst du das für mich tun? Bring ihn und Zachary zu der Versammlung am Morgen.“ Sie biss sich auf die Lippe, wollte nicht noch eine Szene haben. „Und als Gegenleistung nehme ich meine Sachen heute Nacht nicht mit… wenn du dich dann besser fühlst.“ Chad nickte und schenkte ihr ein kleines Lächeln. „Abgemacht.“ Er öffnete die Tür und trat dann mit ihr hinaus, aber hielt inne, als er Zachary zwischen den beiden Männern stehen sah, eine brennende Handfläche auf jeden von ihnen gerichtet. „Oh Mann, wir gehen“, sagte Envy und eilte zur Tür hinaus, ergriff Devons Hand und rannte geradewegs auf sein Auto zu. Trevor wollte ihnen folgen, aber Zachary hielt ihn auf. „Bleib stehen, du eifersüchtiger Junge. Wir müssen uns erst um den Bruder kümmern.“ „Lass uns hineingehen und ich mache uns Kaffee“, bot Chad an und folgte Trevor mit einem dankbaren Seufzen, als dieser sich wütend umdrehte und ins Haus marschierte, als wäre er auf einer Mission. Er nickte, als Zachary Trevor nach drinnen folgte, dann schloss er die Tür und fragte sich, wo, zur Hölle, er nun wieder hineingeraten war. Als die Kaffeemaschine angeschaltet war, wandte sich Chad seinen beiden Gästen zu. Im Moment hatte er mehr Fragen als Antworten, und das half nicht wirklich. „Also was ist mit diesem Dämon, von dem Envy behauptet, dass er befreit wurde? Sie sagte auch, dass Warren am Morgen alle für eine Unterhaltung darüber, was heute Nacht passiert ist, versammeln will, und sie will, dass wir drei als Überraschungsgäste kommen.“ Trevor konnte das kleine Lächeln, das seine Lippen umspielte, nicht unterdrücken. Also wollte Envy, dass er auch mitmachte… wollte, dass er in der Nähe war. Er konnte es ihr nicht verübeln. So wie Devon sie beschützte, konnte sie sich unmöglich sicher fühlen. Zu wissen, dass sie ihn brauchte, ließ den Großteil seiner Wut wieder in den Hintergrund verschwinden. „Wir hätten diese kleine Party sowieso gestürmt.“ Er schielte hinüber zu Zachary, der zustimmend nickte. Er lächelte wieder, als ihm klar wurde, dass er Envy in ein paar Stunden wiedersehen würde. „Ich schätze, es wird Zeit, dass wir dir erzählen, was hier vorgeht.“ Er schämte sich innerlich dafür, wie er seine Position schon wieder benutzte, um Envy näherzukommen. Ihm war auch sehr klar, wie es für alle anderen aussehen musste. Devon würde annehmen, dass er Envy wieder benutzte, aber das war völlig verkehrt. Andererseits würde er sich durchaus dazu herablassen, ihren Bruder zu benutzen, um ihr näherzukommen, und gleichzeitig seine Arbeit zu machen. Devon würde einfach lernen müssen, dass es im Krieg und in der Liebe keine Regeln gab… und der beste Formwandler gewinnen sollte. „Ich höre“, murmelte Chad und verschränkte seine Arme vor seiner Brust, um Trevors Aufmerksamkeit wieder zurückzuholen, von wo auch immer sie war. Er hatte nie gedacht, dass er Gedanken lesen konnte, aber im Augenblick hatte er eine sehr gute Vorstellung davon, was in Trevors Kopf vor sich ging. „Wir wissen nicht viel über den Dämon, nur, dass er ein paar Jahrhunderte lang dort gefangen gehalten wurde. Seine Existenz ist älter als alle Akten des TEP, aber wir suchen noch weiter nach Hinweisen“, begann Zachary und hoffte, dass Trevor gleich übernehmen würde. „Also wusstet ihr, dass ein Dämon für weiß Gott wie lange unter dem Friedhof eingesperrt war, und ihr habt nichts dagegen getan?“, wollte Chad wissen. Trevor hob eine Augenbraue, als er ihn ansah. „Was sollten wir tun? Ihm helfen, freizukommen? Er war dort gefangen und wir wissen nicht einmal, wie, zur Hölle, ein Gefallener Engel und ein Vampir es geschafft haben, den Zauber, der ihn festhielt, zu brechen.“ „Gefallener Engel?“, fragte Chad. „Also es gibt wirklich die Engel, von denen Envy gesprochen hat?“ Zachary nickte. „Ja, von ihnen wissen wir schon lange. Wir wissen, dass es noch mehr gibt, aber wir können sie nirgendwo finden. Und scheinbar wussten die beiden, die in dieser Stadt leben, auch nichts von der Existenz eines weiteren Engels, der in der Höhle gefangen war, bis einer von ihnen dort hinuntergegangen ist.“ „Wir haben auch jemanden, der mit Dämonen umgehen kann“, bemerkte Trevor. „Mit ein wenig Glück, kann sie uns helfen, wenn wir sie herrufen.“ „Es ist noch nicht zu spät, um einen Rückzieher zu machen“, sagte Zachary zu Chad. „Sag es einfach, und wir werden deine Erinnerungen von allem, was geschehen ist, auslöschen.“ Chad runzelte die Stirn, nahm die Kaffeekanne und schenkte drei Tassen ein. Er war sein ganzes Leben lang Polizist gewesen, weil er etwas Gutes tun wollte. Mehr als nur einmal hatte er das Gefühl gehabt, dass er nicht genug tat. Es gab immer noch einen weiteren Drogenhändler, einen weiteren Mörder, eine weitere Verkehrsübertretung… manchmal erschien es ihm, als wäre es alles die Mühe nicht wert. Aber was Trevor und Zachary machten, machte wirklich einen Unterschied… auf die Art, wie Chad es immer selbst tun hatte wollen. Er trank einen langen Schluck Kaffee, stellte seine Tasse ab und nickte einmal. „Ich bin dabei.“ ***** Angelica entschied, dass Telefone noch schlimmer waren, als Dämonen, als ihres um drei Uhr früh zu läuten begann. Als sie auf das Display sah, wurden ihre Augen schmal und sie nahm den Hörer ab. Sie schob ihr dunkles Haar aus dem Weg und drückte das Gerät an ihr Ohr. „Wenn nicht die Welt auseinanderfällt, die Meere sich rot verfärbt haben, die zehn Landplagen von Ägypten zurückgekommen sind, oder du gerade stirbst, solltest du besser einen verdammt guten Grund haben, wieso du mich aufweckst“, knurrte sie. „Oh, komm schon Boo… redest du so mit deinem Zachy-Bären?“ Angelica legte auf und ließ ihren Kopf wieder auf ihr Kissen fallen. Sie war gerade wieder eingeschlafen, als das Telefon wieder klingelte. Ohne nachzusehen, wer es war, der störte, nahm sie ab. „Ich werde dich kriegen, Zachary“, murmelte sie. „Dich und dein kleines Hündchen auch.“ „Oh oh, 'Zauberer von Oz'-Flashback“, sagte Zachary erschrocken und Angelica lächelte insgeheim über seine Scherze, war froh, dass er sie nicht sehen konnte. „Was willst du?“, sie setzte sich auf und strich wieder ihr Haar aus ihrem Gesicht. „Wir haben eine richtig Böse hier, die Misery heißt“, erklärte Zachary. Angelica kletterte aus ihrem Bett und schaltete das Licht an. „Wie groß?“ „Ich bin mir nicht sicher, aber ich würde schätzen Level sieben.“ Er grinste in das Telefon, wissend, dass er damit ihre Aufmerksamkeit bekommen würde… und er liebte es, Boos Aufmerksamkeit zu bekommen. Angelica ging ins Wohnzimmer und schaltete ihren Laptop ein. Sie tippte ein paar Buchstaben ein und runzelte die Stirn. „Level sieben? Bist du sicher?“, fragte sie. Alles über Level fünf war sehr gefährlich und außerordentlich selten. „Ich rate nur“, antwortete Zachary. „Sie schaffte es, einen der beiden Gefallenen Engel, die wir beobachten, einzuschließen und scheinbar war ein anderer Gefallener Engel sehr lange dort unten mit ihr. Nachdem sie als Level sieben eingestuft werden, nehme ich an, dass etwas, das mächtig genug ist, sie gefangen zu nehmen, ebenso stark ist.“ Angelica durchsuchte ihre Datenbank. Mehr als drei Viertel davon waren illegaler Weise aus den Kellern des Vatikans besorgt worden, aber niemand konnte ihren Ergebnissen widersprechen. Die Tatsache, dass vielleicht ein Dämon der Stufe sieben in Los Angeles entdeckt worden war, war Grund genug, nicht nur sie, sondern auch den Rest des TEP-Teams aufzuwecken. Jeder Dämon wurde in eine Klasse von eins bis zehn eingeordnet, wobei Level zehn der Satan selbst wäre. Sie würde nur ungern jemandem begegnen, der genug Magie besaß, um einen Dämon der Stufe sieben einzusperren… man bräuchte den Donner Gottes, um ihn loszuwerden. „Ich kann nichts über eine Dämonin mit Namen Misery in der Gegend von Los Angeles finden“, sagte sie nach ein paar Minuten. „Lass mich meine externe Festplatte anschließen und die Dateien dort durchsuchen.“ Sie hörte, wie Zachary im Hintergrund mit jemand anders redete und nahm an, dass es Trevor war, bis sie eine weitere Stimme hörte, die an der Unterhaltung teilnahm. „Mit wem redest du?“, fragte sie neugierig. „Mit dem neuesten Mitglied unseres Teams, Chad“, antwortete Zachary. „Er ist hier vor Ort ein Polizist, der ein bisschen zu viel weiß, also haben wir ihn an Bord geholt, um die Massen zu schützen, und mit Massen meine ich die anderen Idioten, die mit ihm arbeiten.“ Angelica grinste. „Da draußen sind sie wahrscheinlich noch schlimmer.“ „Nicht viel“, sagte Zachary. „Okay“, sagte Angelica. „Ich habe sie angeschlossen, lass mich sehen, was ich hier alles finden kann.“ „Du meinst, du weiß es nicht?“, fragte Zachary überrascht. Angelica seufzte. „Du weißt, wie ich bin. Ich würde manchmal meinen Kopf vergessen, wenn er nicht angewachsen wäre. Ich bin erst dazu gekommen, mir einen kleinen Teil dieses Ordners anzusehen.“ „Ja, gut, du warst etwas in Eile, als du ihn heruntergeladen hast“, sagte Zachary und seufzte. „Das waren schöne Zeiten.“ Angelica klickte auf die Festplatte und gab ein Wort in den Suchmodus ein. „Ich nehme an, du hast dich nicht benommen“, fragte Angelica und lehnte sich auf ihrem Sofa zurück, während sie wartete, dass der Computer seine Arbeit machte. „Natürlich nicht“, lachte Zachary. „Du kannst mich nirgendwo hin mitnehmen, erinnerst du dich?“ Angelica zog den Kopf ein, als sie sich daran erinnerte, wie sie vor ein paar Monaten zu einer großen Gala gegangen waren. Während sie einen vierjährigen Werwolf verfolgt hatten, der verloren gegangen war, und darüber nicht sehr glücklich war. Am Ende der Nacht hatte Zachary seine Hosen verloren, weil der Werwolf sich in einem kindischen Wutanfall verwandelt und sie in Stücke gerissen hatte. Das Lustigste aber war, dass Zachary kein Wort gesagt hatte, sie einfach ausgezogen hatte und in seiner Unterhose mit Hemd und Anzugjacke herumspaziert war. Angelica hatte sich nicht entschließen können, ob sie vor Scham im Boden versinken, oder laut loslachen wollte. Als sie seine Beine mit kniehohen Strümpfen in Anzugschuhen gesehen hatte, wäre sie beinahe gestorben, als mehrere der jungen Damen sich um ihn tummelten und mit ihm tanzen wollten. Ihr Laptop biepte und sie beugte sich nach vor, um zu sehen, was er gefunden hatte. „Etwas gefunden?“, fragte Zachary. Angelica öffnete ein paar der Dateien, in denen der Computer das Wort Misery gefunden hatte, und begann zu lesen. Ihre Zigarette fiel ihr aus den Fingern, während sie las, und landete auf ihrem Fuß. „Autsch, verdammt!“, fluchte sie, hob die Zigarette schnell wieder auf und drückte sie aus. „Alles in Ordnung?“ Zachary runzelte besorgt die Stirn und hob eine Hand, als Trevor wissen wollte, was los war. Angelica überflog die Information, nur um sicherzugehen. „Ich nehme den nächsten Flug dort runter“, erklärte sie, ehe sie das Schnurlostelefon abschaltete und weglegte. Sie sah zurück auf den Bildschirm und kümmerte sich nicht mehr um Zacharys Fragen. Es war nicht das, was sie gelesen hatte, was sie davon überzeugte, dass dies gefährlich war… es war die Tatsache, dass der Chef des TEP sie gerade irgendwie aus der Datei ausgesperrt hatte. Wenn Storm Geheimnisse hatte… dann wollte sie wissen, wieso. Kapitel 2 Anthony schritt ohne Unterlass über den Marmorboden seines Arbeitszimmers auf und ab. Er fuhr mit einer Hand frustriert und wütend durch sein dunkles Haar. Er wusste, dass er seine Fassung verloren hatte, als er Arthur umgebracht hatte, und jetzt hatte er sein Druckmittel verloren, um Jewel zu zwingen, ihn zu heiraten… nicht dass ihn das davon abhalten würde. Er hatte gewollt, dass die Situation ruhig blieb… aber als Arthur Anthonys Vater ins Spiel gebracht hatte, hatte der Werwolf-Teil in ihm durchgedreht. Nun würde er eine andere Methode anwenden müssen, um seine flüchtige Braut zurückzuholen. Das Problem war, dass er sie zuerst finden musste. Jemand klopfte an die Tür und Anthony blieb lange genug stehen, um sein Haar und seine Kleidung glatt zu streichen. Er war ein Alphamann, dazu gehörte ein gewisses Auftreten. „Herein“, rief er mit kalter Stimme. Die Tür öffnete sich und einer seiner Wölfe trat ein und schloss die Tür hinter sich. „Was hast du gefunden?“, fragte Anthony. Das Rudelmitglied sah sehr nervös aus und räusperte sich. „Ich bin dort geblieben, wie Sie befohlen haben, um zu sehen, ob der Priester zurück zur Kirche kommt. Ich war noch nicht lange da, als in der Kirche und auf dem Friedhof dahinter die Hölle losbrach. Leute tauchten überall auf, die meisten aus dem Nichts.“ Er hielt inne und schluckte nervös, bevor er hinzufügte: „Da bemerkte ich, dass Jewel bei ihnen war.“ „Wo ist sie dann jetzt?“, fragte Anthony drohend, während er mit schnellen Schritten auf den Mann zukam. „Wieso hast du sie nicht mitgebracht?“ Der Wolf wich zurück, Panik in seinen Augen, er wusste, dass es nie eine schöne Sache war, dem Alpha schlechte Nachrichten zu bringen. „Ich konnte nicht“, sagte er zitternd. Anthonys Hand schoss plötzlich nach vor und er packte seinen Untergebenen an der Kehle, hob ihn in die Luft. „Du bist ein Werwolf. Wieso hast du sie nicht einfach genommen?“ „Sie war von Wertieren umgeben… zu vielen davon“, erklärte der Wolf, während er seine Hände hob und versuchte, ein wenig Druck von seiner Kehle zu nehmen. Anthonys Griff wurde nur noch fester und seine Augen nahmen eine gespenstische, goldene Farbe an. Sein Bruder war endlich aus Italien zurückgekommen, er war sich dessen sicher. „Habe ich dir nicht beigebracht, wie du gegen ein anderes Rudel, als dein eigenes zu kämpfen hast? Mein Bruder hätte keine Chance gegen dich haben dürfen.“ Das war eine Lüge. Der Wolf würde jetzt irgendwo im Straßengraben liegen, wenn er es gewagt hätte, Andreas Valachi anzugreifen. „Wa-en keine Wööölfe“, krächzte der Wolf, während er zu atmen versuchte. Anthony richtete ruckartig seine Aufmerksamkeit wieder auf den Mann, den er würgte, und riss seine Hand weg, als er erkannte, dass er ihn schon fast umgebracht hatte. „Wer war es?“, wollte er wissen, wobei die rasende Wut in seiner Stimme deutlich zu hören war. Der Wolf lag in einem Häufchen am Boden und versuchte, wieder zu Luft zu kommen. Er kam mühsam auf Hände und Knie hoch, ehe er seine Stirn auf den kalten Marmorfußboden stützte. Er hielt seinem Anführer seinen bloßen Nacken hin, als Zeichen seiner Unterwerfung, während er sich wünschte, dass er davongelaufen wäre, als er die Möglichkeit gehabt hatte. „Katzen… ich habe Katzen gerochen“, sagte er nach ein paar Sekunden. „Pumas und Jaguare… viele davon.“ Er hob seinen Kopf und sah, wie Anthonys Augenbrauen sich drohend zusammenzogen. Er fügte schnell hinzu: „Ein Puma hat sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Außerdem war die Gegend voller Vampire. Ein Teil der Kirche flog in die Luft, und dann kam auch noch ein Polizeiauto.“ Anthony stand da und versuchte, Herr über seine wachsende Wut zu werden. Aber je länger er da stand, umso wütender wurde er. Sein Plan, seine flüchtige Partnerin zurückzuholen war nun schon mehrfach entweder durch seine eigenen Handlungen, oder durch die seiner dummen Untergebenen durchkreuzt worden. Er bedeutete seinen Leibwächtern, näher zu kommen. „Bringt ihn in den Keller, wo er in seinem Versagen schmoren kann.“ Der Wolf setzte sich auf seine Knie auf, ein flehender Ausdruck in seinem Gesicht. Er hatte Geschichten über den Keller gehört, und was er enthielt. Einige der Werwölfe, die die Folter überlebt hatten, hatten noch immer Narben davon, die sie herzeigen konnten. Er winselte mitleiderregend, als seine Arme von den Wachen gepackt wurden, und er auf die Füße hochgezogen wurde. Die Wächter sahen ihm nicht ins Gesicht, sie sagten auch nichts Beruhigendes oder Erniedrigendes. Wenn es nach ihnen ging, dann hätten sie ihn laufen lassen. In ihren Augen hatte Fräulein Jewel gute Gründe, vor ihrem Alphamann wegzulaufen. Sie war unglücklich und, trotz Anthonys Bemühungen, würde sie ihn nie lieben. So zu leben, sich am Unglück von anderen zu ergötzen, war nicht die echte Werwolf-Art… es war die Art der Mafia. Früher hatten sie die Menschheit vor dem Bösen bewahrt, das drohte, die Welt zu überwältigen. Jetzt, mit Ausnahme einiger Rudel, die über die ganze Welt verteilt lebten, waren sie das Böse. Es war kein Wunder, dass die Menschen Filme machten, die sie als tollwütige Hunde darstellten, die es nur darauf abgesehen hatten, Tod und Zerstörung zu verursachen. Anthony folgte den Wachen hinunter in den Keller und grinste, als der junge Werwolf leise winselte. Das Untergeschoss der Villa war in eine große, unterirdische Folterkammer verwandelt worden, die mehrere hundert Quadratmeter beanspruchte. Ketten hingen an der gegenüberliegenden Wand, mit Manschetten, die eine Person aufrecht an den kalten Stein fesseln konnten. Zur Rechten stand ein Tisch, der bedeckt war mit Peitschen und Ruten in verschiedenen Größen. Aus einem Kessel, in dem ein Feuer brannte, ragten ein paar Eisenstangen hervor, die für Brandmarken benutzt wurden, die Anthony aber noch sehr selten angewendet hatte. Und schließlich, an der Wand, genau gegenüber davon, war eine Reihe von Zellen, die ein paar Insassen beherbergten. Ein paar Werwölfe bewegten sich in den Schatten und bereiteten noch mehr Werkzeuge für einen Spezialgast vor, den Anthony zu seiner großen Freude vor ein paar Wochen erhalten hatte. Sie blieben stehen und sahen neugierig hoch, als der Alphamann mit seinen Wächtern und einem neuen Wolf, der diszipliniert werden sollte, die Kammer betrat. Anthony blieb stehen während die Leibwächter den Wolf an die Wand fesselten und winkte sie dann weg, als sie fertig waren. „Was sollen wir mit ihm tun, Herr Anthony?“, fragte der leitende Werwolf. „Ich möchte, dass ihr ihm eine Lehre erteilt“, antwortete Anthony. „Er hat versagt, mir meine Braut zurückzubringen, und er muss lernen, dass Versagen nicht toleriert wird.“ Boris schaute hinüber zu dem Mann und seufzte innerlich. „Er ist nur ein Junge.“ „Dann wird er früh lernen.“ Anthonys Stimme war völlig emotionslos. Boris hob eine vernarbte Hand und winkte zwei der anderen Werwölfe herbei. Sie näherten sich und rissen die Rückseite des Hemds des jungen Wolfs auf. Boris hob eine der Peitschen und ließ sie in der Luft schnalzen. Der gefesselte Wolf zuckte zusammen, was Anthony ein Grinsen entlockte. Boris stellte sich knapp zwei Meter hinter den Jungen und ließ die Peitsche nach vorn schießen. Der junge Wolf schrie auf, als die Peitsche sich in seinen Rücken biss. Das Schreien endete nicht, während Boris die vorhin makellose Haut auspeitschte. Schließlich hörte er auf und ein weiterer Werwolf trat nach vor mit einer großen Schüssel mit Salz. Mehr Schmerzensschreie folgten, als das Salz in die blutenden Wunden geworfen wurde. Der junge Wolf sackte an der Wand zusammen, dachte, dass die Folter vorbei war, nur um gleich wieder aufzuschreien, als die Schläge wieder begannen… nur diesmal mit noch zwei weiteren Peitschen dabei. Anthony hob seine rechte Hand, um sie besser sehen zu können und runzelte die Stirn, als er sah, dass er seine Nägel schon wieder schneiden musste. Er zuckte die Schultern, wandte sich von den Schlägen ab und näherte sich der Zelle, die von allem am weitesten weg, am anderen Ende des Kellers war. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als die schweren Ketten klirrten. Der Mann in der Zelle war plötzlich auf seinen Füßen und zog an seinen Fesseln, versuchte, sich auf Anthony zu stürzen. Anthonys schlechte Laune verflog plötzlich, als er das stolze Männchen dort sah. Sein Lächeln wurde noch breiter, als er sich eine neue Möglichkeit überlegte, Jewel wieder in seine Hände zu bekommen, weg von den Pumas, bei denen sie Unterschlupf gesucht hatte. „Ich bin froh, dass ich nur einmal auf dich geschossen habe, Micah… ich könnte noch Verwendung für dich haben.“ ***** Tabatha sah sich in der Wohnung um, die sie mit Kriss teilte, und zitterte. Normalerweise machte es ihr nichts aus, alleine zu sein, aber aus mehreren Gründen war es heute Nacht richtig schwierig auszuhalten. Sie sah zum Fenster hinüber, jedes Mal, wenn sie ein Geräusch hörte, und hoffte, dass es Kriss war, der zurückkam. Sie hatte gedacht, dass es ihr gut ging, als Envy und Devon sie am Weg zu Chads Haus nach Hause gefahren hatten, aber jetzt erkannte sie, wie sehr sie Gesellschaft brauchte. Envy hatte sie gefragt, ob sie mit ihnen mitkommen wollte, nur für den Fall. Envy brauchte Unterstützung, um mit ihrem Bruder fertig zu werden. Aber Tabby hatte gedacht, dass Kriss vielleicht bald nach Hause kommen würde, und sie wollte ihn fragen, was passiert war, also hatte sie abgelehnt… und jetzt wünschte sie, dass sie es nicht getan hätte. Als sie an Kriss dachte, wanderten ihre Gedanken zu Dean und wie er sich in der Kirche benommen hatte. Sie konnte noch immer seinen Gesichtsausdruck sehen, als er Kane erblickt hatte. Tabatha schüttelte in einem vergeblichen Versuch, nicht an ihn zu denken, ihren Kopf, als das Bild von Kane in ihrem Kopf aufleuchtete. Ihn dort sterbend liegen zu sehen, hatte irgendetwas tief in ihrem Herzen und ihrer Seele durcheinander gebracht. Sie konnte nicht verstehen, wieso, aber bei dem Gedanken daran, dass er sterben sollte, wollte sie sich nur in einen kleinen Ball zusammenrollen. „Reiß dich zusammen“, flüsterte sie, um die Stille zu brechen. „Was du brauchst, ist ein wenig Ablenkung.“ Sie nahm das Telefon in die Hand und beschloss, Jason in der Arbeit anzurufen, um zu sehen, was sie alles verpasst hatte, seit Kriss sie bis nach Florida geflogen hatte. Das Telefon klingelte dreimal, bevor es abgehoben wurde. „Naturschutzgebiet, Ranger Fox spricht“, leierte eine sexy Stimme herunter. „Hi Jason, ich bin's, Tabby.“ Sie lächelte zum ersten Mal, seit sie durch die Haustür getreten war. „Tabby?“, rief Jason, und sie hörte, wie etwas zu Boden fiel, vermutlich sein Stuhl, denn er schaukelte gewöhnlich in gefährlichem Winkel auf zwei Beinen. „Wo, zur Hölle, warst du?“ „Kriss hat mich und Envy sozusagen entführt und für ein paar Tage nach Florida mitgenommen“, antwortete Tabby. „Ich bin gerade nach Hause gekommen und dachte, ich rufe mal an, um zu sehen, was ich verpasst habe.“ Jason seufzte. „Abgesehen von dem alltäglichen, verrückten Zeug hast du nicht viel verpasst. Das einzige Aufregende war letzte Nacht, als wir einen Anruf von einem richtig besoffenen Typen bekommen haben.“ Tabby grinste und setzte sich auf das Sofa. „Erzähl!“ „Jacob und ich, wir saßen einfach rum, es war eine langweilige Nacht, dann klingelt das Telefon. Ich hob ab und da war dieser Typ, der davon redete, dass er einen Jaguar einen Puma durch die Stadt jagen gesehen haben will – mit einem Handy an sein Bein gebunden.“ Tabatha konnte nicht anders, sie begann laut zu lachen. Wenn sie vor ein paar Wochen an Jasons Stelle gewesen wäre, hätte sie dasselbe gedacht. „Oh verdammt“, rief sie. „Wem sagst du das“, meinte Jason kichernd. „Jacob und ich haben Wetten darüber abgeschlossen, ob es SMS-Nachrichten geben wird, wenn sie das Vieh finden.“ „Bist du sicher, dass du nicht eine von Kats Spezialitäten getrunken hast?“, fragte sie, noch immer lachend. „Ich trinke nicht in der Arbeit“, rief Jason und Tabatha hörte Jacobs Lachen im Hintergrund. „Also, wann kommst du wieder in die Arbeit?“ Tabatha zuckte die Schultern. „Ich weiß es noch nicht. Ich brauche noch ein paar Tage, und ich muss meine Urlaubstage aufbrauchen.“ „In Ordnung, aber wir vermissen dich. Es ist einfach nicht dasselbe hier, wenn es kein hübsches Gesicht gibt, das das Büro ein wenig aufhellt. Jetzt habe ich nur Jacob und er ist nicht wirklich ein Blickfang.“ „Ich habe euch auch vermisst“, sagte Tabatha, und sie meinte es auch. „Wir treffen uns mal, dieser Tage.“ Jason schwieg zwei Sekunden, und Tabatha wusste instinktiv, was kommen würde. „Wie geht es Envy?“ „Ihr geht es auch gut. So wie ich, hat sie einfach ein paar Tage Urlaub gebraucht.“ Sie biss sich auf ihre Lippe, als mehrere Sekunden Stille folgten. „Ist es wahr?“, fragte Jason. „Ist was wahr?“, fragte Tabatha und versuchte, so zu klingen, als hätte sie keine Ahnung, wovon er sprach. „Ist Envy wirklich mit Devon Santos zusammen?“ Jasons Knöchel wurden weiß, als er den Hörer ein wenig fester umklammerte. Tabatha seufzte, sie wusste, dass dies Jason sehr wehtun würde, aber bis zu einem gewissen Grad, war es auch seine Schuld. Jemand, der so süß war, sollte sich nie in das Mädchen verlieben, das ihn als besten Freund und Bruder ansah. „Ja, es ist wahr“, sagte Tabatha mit weicher Stimme. „Ich weiß, dass sie dich nicht verletzen wollte. Sie mag dich wirklich sehr… du weißt schon.“ Jason atmete langsam aus und Tabatha hatte Mitleid mit ihm. Er war schon so lange hinter Envy her, dass sie die einzige Frau war, die er je angesehen hatte. Jetzt war sie außerhalb seiner Reichweite, aber das würde Tabatha ihm nicht erzählen. Das musste Envy selbst tun. „Ich weiß, dass sie das nicht wollte“, sagte Jason schließlich. „Ich schätze, ich hätte es mir denken sollen, als sie nicht einmal bemerkt hat, dass ich mit ihr flirtete.“ „Sie hat es bemerkt, Jason“, sagte Tabatha. „Aber sie hatte Angst, dass es eurer Freundschaft schaden könnte.“ Jason schnaubte. „Ja, ich nehme an, das hätte es, aber man kann es einem Mann nicht übelnehmen, dass er träumt, nicht wahr?“ „Ich kann dir eine Menge Dinge übelnehmen“, hörte Tabatha Jacob im Hintergrund sagen. „Halt's Maul, verdammt“, knurrte Jason gespielt wütend und Tabatha hörte, wie er die Stuhlbeine schwungvoll auf den Boden setzte. „Tabatha, ich rufe dich später an. Das Kind hier hat beschlossen, Papierkugeln auf mich zu schießen.“ Tabatha kicherte und nickte. „Okay, wir reden später.“ Sie beendete den Anruf und saß einen Augenblick lang da, bevor sie das Telefon wieder in das Ladegerät steckte. Als sie sich nun wieder in der Wohnung umsah, fühlte sie sich nicht mehr ganz so einsam. Jason würde ihre Freundschaft jetzt mehr denn je brauchen, und gebraucht zu werden half ihr, sich besser zu fühlen. Sie stand auf, streckte ihre Arme über ihren Kopf in die Luft und ging zurück zu ihrem Zimmer. Nachdem sie sich ausgezogen hatte, zog sie eine Männer-Boxershorts und ein ärmelloses Top an, bevor sie sich in die kühle, bekannte Weichheit ihres Bettes sinken ließ. Dieses Mal versuchte sie nicht, die Szene aufzuhalten, die sich in ihrem Kopf abspielte, als sie einschlief. Schließlich musste sie herausfinden, was sie bedeutete, und sie würde nicht weggehen, solange sie es nicht wusste… also wieso sollte sie dagegen ankämpfen? Sie versank in der Dunkelheit des Schlafs während sie noch immer durch die Kirche und in Kanes Augen starrte. ***** Jewel ging in Stevens Schlafzimmer auf und ab. Ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt hatte sie wieder begonnen, Nägel zu beißen, etwas, das sie seit ihrer Kindheit nicht mehr getan hatte. „Dies ist meine Schuld“, sagte sie leise und versuchte, das Bild ihres Vaters, gekreuzigt über dem Altar derselben Kirche, die er den Großteil seines Lebens besucht hatte, abzuschütteln. Wie oft hatte er dort gebetet, direkt unter dem Ort, wo er gestorben war? Sie hatte gewusst, dass Anthony gemein war, aber dies war sadistisch. Steven sah zu, wie die Frau auf und ab lief und konnte sogar sehen, wie sich ihre Lippen bewegten, als sie geräuschlos in ihrem Kopf Hasstiraden losließ. Er streckte seine Hand aus und legte sie beschützend auf ihren Arm in der Hoffnung, sie zu beruhigen. „Jewel, nichts davon ist deine Schuld.“ Sie zog ihre Augenbrauen zusammen, als sie auf die Hand hinunter sah, dann schenkte sie ihm einen bösen Blick. „Du hast teilweise sogar recht. Es ist ebenso sehr deine Schuld, wie meine. Und jetzt, wo Papa tot ist, brauche ich Anthony nicht mehr zu heiraten und damit muss ich garantiert nicht mehr mit dir verheiratet bleiben.“ Jewel drehte sich von ihm weg, sodass seine Hand hinunterfiel. Das Letzte, was sie im Moment brauchte, war, von ihren Sünden reingewaschen zu werden… sie war schuldig wie der Teufel. Sie hatte Anthony die Nägel gegeben, mit denen er ihren eigenen Vater gekreuzigt hatte. Steven würde es nicht zugeben, aber ihre Worte trafen ihn hart. Er antwortete auf die einzige Art, die er sich im Augenblick vorstellen konnte, nachdem sie offensichtlich keine ermutigenden oder liebevollen Worte hören wollte. „Meinst du wirklich, dass Anthony dich nicht mehr verfolgen wird, nur weil er deinen Vater umgebracht hat?“, rief Steven. Er wusste, dass er recht hatte, und dass sie nicht eine verdammte Sekunde auf ihn hören würde. „Er hat meinen Vater getötet… ich habe mit dem Teufel getanzt, weil ich wollte, dass mein Vater in Sicherheit und am Leben war. Wenn Anthony es jetzt wagt, in meine Nähe zu kommen, werde ich ihm seinen verdammten Kopf vom Hals schlagen.“ Jewel fühlte sich so merkwürdig. Es war, als wäre sie nach außen hin völlig ruhig, während sie innerlich wie verrückt zitterte. Sie hatte stundenlang geweint, aber ihre Wut hatte sie schließlich wieder nüchtern gemacht. Sie hatte genug Tränen vergossen. Jetzt war es Zeit, ihr Leben wieder zurückzuholen. Sie hatte sich einen Plan überlegt, wie sie Anthony eine Falle stellen konnte, und sie hoffte, dass Steven recht hatte… dass Anthony sie holen kommen würde, denn sie würde dafür bereit sein. „Ich kann dich nicht gehen lassen“, erklärte Steven. Wenn sie sich nicht selbst schützen würde, dann war es seine Pflicht als ihr Partner… es für sie zu tun. Er sah zu, wie ihre rot umrandeten Augen sich auf ihn richteten, und seinen Blick auffingen. „Dann bist du um nichts besser als Anthony und ich werde dich den Rest meines Lebens hassen“, sagte sie stur. Sie wollte, dass Steven auf sie wütend wurde, sie hinauswarf und sich seine Hände von ihr wusch. Wenn er das machte… dann würde Anthony ihn vielleicht nicht ebenso töten wie ihren Vater. Sie wollte nicht die Schuld an noch mehr schrecklichen Morden haben, es sei denn, das Opfer war Anthony… sie würde mit Freude die Schuld daran auf sich nehmen. Steven starrte sie eine Minute lang wütend an, dann riss er die Tür auf und trat zur Seite. „Los dann! Ich biete dir an, dass ich deinen Hintern rette, und du willst dich dafür mit mir anlegen? Geh schon, lass uns sehen, wie weit du kommst, gegen etwas, wovon du nicht die leiseste Ahnung hast, wie man es umbringen kann.“ Steven lächelte sie gemein an. „Nur damit du es weißt, die Filme sind nur voller Unsinn.“ „Du musst es ja wissen!“, schrie Jewel zurück und machte ein paar Schritte auf die Tür zu. Wieso wollte er immer noch versuchen, sie zu retten? Verstand er nicht, dass sie nur seinen Tod bedeuten würde? Steven schloss seine Augen und schaute weg. „Ja, ich muss es wissen… nicht wahr?“, spottete er und öffnete dann seine Augen wieder, als Jewel versuchte, an ihm vorbeizuschlüpfen. Panisch packte Steven sie um die Hüfte und zog sie an sich. „Verdammt, warte!“, gab er endlich nach. Jewel begann sich an ihm zu winden und zu zappeln, also zog er sie noch fester an seine Brust. „Wenn du ihm eine Falle stellen willst, bitte, aber du kannst es nicht alleine. Lass uns dir helfen.“ Jewel drückte sich von seiner Brust ab, lehnte sich zurück, sodass sie zu ihm hochsehen konnte. „Wieso? Damit du auch am Kreuz hängen kannst?“ Sie wollte schreien, als das Bild sich wieder vor ihr inneres Auge schob. „Ich will nicht, dass das geschieht.“ Sie wusste nicht genau, was sie für Steven empfand, aber der Gedanke, dass er so sterben sollte, gab ihr das Gefühl, als hätte ihr jemand ein Messer in die Brust gerammt. „Wenn du mich jetzt gehen lässt, dann wird er keinen Grund haben, hinter dir her zu sein.“ Sie packte seinen Hemdkragen mit ihren kleinen Händen. „Du wirst in Sicherheit sein… und am Leben.“ „Er wird sowieso hinter mir her sein“, erklärte Steven und fuhr dann mit einem Finger über die Paarungsmarke, die er ihr gegeben hatte. Er lächelte sanft, als er fühlte, wie sie unter seiner Berührung erzitterte. „Wie ich sagte, dies ist das echte Leben. Wenn du zu ihm zurückgehst und er die Paarungsmarke sieht, wird er hinter mir her sein, egal was du sagst oder machst.“ Jewel lehnte sich in die starke Wärme, die er ihr bot und schloss ihre Augen. Sie fühlte, wie ihre Wut in der Sicherheit seiner Arme verflog und wollte frustriert mit dem Fuß aufstampfen. Die Trauer über den Verlust ihres Vaters bohrte sich wieder nach oben, aber sie wollte nicht weinen. Steven schlang beruhigend seine Arme um Jewel. Er konnte ihr nicht vorwerfen, wie sie sich benahm. Wenn Anthony gerade ihren Vater ermordet hatte, dann konnte keine Macht dieser oder der nächsten Welt ihn zurückhalten. „Schau, wie wäre es damit?“, fragte er und lehnte seinen Kopf ein Stück zurück während er ihr Gesicht zu seinem hochhob. „Am Morgen gibt es ein Treffen, wo alle hingehen. Wir werden dir helfen, dir einen besseren Plan zu überlegen, als nur, dich ihm auszuliefern. So oder so, mit uns hast du eine Armee an deiner Seite. Ohne uns wirst du alleine gegen eine Armee Werwölfe kämpfen müssen, und, egal was du tust… Anthony wird dich bekommen.“ Er streichelte ihre Wange während er tief in ihre Augen sah. „Und ich möchte nicht, dass Anthony dich bekommt.“ Jewel senkte ihren Kopf wieder zurück auf Stevens Brust und holte tief, zitternd Luft. Er hatte recht. Sie wollte nirgendwo in der Nähe dieses Monsters sein, nach dem, was er getan hatte. Sie drückte ihr Ohr an Stevens Brust und lauschte seinem starken, ruhigen Herzschlag. Wie oft hatte er sie vor Vampiren, vor Anthony und nun auch noch vor ihrem leichtsinnigen Selbst gerettet? „Hältst du mich heute Nacht fest?“, flüsterte Jewel, denn sie wusste, wenn er sie nun losließ würde der Schrecken der letzten paar Stunden wieder wie ein wahr gewordener Albtraum auf sie zurückkommen. Sie hob ihren Blick und traf seine ruhigen Augen. Ihre Lippen öffneten sich leicht, als eine Flamme durch das Zentrum ihres Körpers schoss. Wie konnte er gleichzeitig ihre Wut beruhigen und ihr das Gefühl geben, als würde sie glühen? Sie schaute schnell wieder weg, denn sie wollte nicht, dass er ihre Verwirrung erkannte. Ohne zu antworten hob Steven sie hoch, trat mit dem Fuß nach der Tür, sodass diese ins Schloss fiel und spazierte mit ihr zurück zum Bett, wo er sie hinsetzte. Nachdem er ihre Schuhe ausgezogen hatte, entledigte er sich schnell seiner eigenen und legte sich mit ihr hin. Er hörte, wie Jewel geräuschvoll einatmete, als er sie an sich zog, damit er seinen Körper um sie schlingen konnte. Es würde noch einige Zeit brauchen… aber er wollte lieber in der Hölle schmoren, als Jewel so einfach gehen zu lassen. Kapitel 3 Kriss betrat die Wohnung, die er sich mit Tabatha teilte, und schloss die Tür hinter sich. Er hatte überall nach Dean gesucht und hatte einfach keine Spur von ihm oder der Dämonin, die er verfolgt hatte, finden können. Eine Sache gab es an seiner Gattung: wenn sie sich verstecken wollten, dann konnten sie verschwinden und absolut keine Hinweise darauf hinterlassen, wo sie waren. Er hatte die Dämonin schon vorher überall spüren können, aber es nie erkannt. Erst als sie befreit worden war, war ihm klar geworden, dass er schon immer ihre Anwesenheit gefühlt hatte. Er konnte selbst in seinem Haus noch das böswillige Vorhaben dieser dunklen Persönlichkeit fühlen… und es lag ihm schwer im Magen. Kriss ging durch die dunkle Wohnung und direkt in Tabathas Schlafzimmer, wo er über das unschuldige Mädchen, das in ihrem Bett schlief, lächelte. Sie war wie ein Kätzchen um ihr Lieblingsstofftier zusammengerollt… ein Yorkshire-Hündchen, dessen Zunge heraushing. Das Stofftier war der einzige Überrest aus ihrer Kindheit, den sie noch hatte. Vor einigen Jahren, hatte sie endlich nachgegeben und ihm die Geschichte von Scrappy erzählt und wie der Hund verschwunden war, als sie das letzte Mal mit ihren Eltern auf Urlaub gefahren war. Kriss seufzte und legte sich neben ihr ins Bett, schlang sich wie eine Schutzdecke um sie. Kaum hatte er das getan, kuschelte sich Tabatha an ihn. „Hast du Dean gefunden?“, fragte sie leise. ***** Kane hatte es geschafft, abzuhauen, war froh, dass Warren Michaels Aufmerksamkeit lange genug beansprucht hatte, damit er das tun konnte. Was auch immer Michael und Dean getan hatten, um den Schaden, den Misery an ihm angerichtet hatte, zu reparieren, hatte in ihm einen riesigen Adrenalinschub erzeugt. Er war zappelig, und das würde nicht besser werden, indem er in Warrens Büro saß, und über die Seelen-saugende Dämonin nachdachte, die ihn bestimmt noch eine ganze Weile lang in seinen Albträumen heimsuchen würde. Er schaute hoch in die überwältigende Dunkelheit des Himmels und wusste, dass die ersten Streifen des Morgenrots nicht mehr weit weg waren. Mit dem Drang, sich aus dem Stadtzentrum zu entfernen, bewegte er sich so schnell durch die Straßen, dass, wenn jemand es beobachtet hätte, er ihn trotzdem nicht gesehen hätte. Der Nachteil daran war, dass er jetzt meilenweit von Michaels Zuhause weg war. Er wollte Scrappy sehen und sich mit dem Hund am Sofa zusammenrollen, mit einer schönen Flasche Wein, einer übergroßen Schüssel Popcorn und… einem Horrorfilm? Kane schüttelte den Kopf… was, zum Teufel, dachte er da? Scrappy würde höchstwahrscheinlich den Film auswählen, und das konnte im Augenblick etwas Gutes oder Schlechtes verheißen. Ihnen beiden gefielen die Filme, in denen Tiere sprechen konnten. Kane wurde langsamer und sah sich in seiner Umgebung um, als ihm klar wurde, dass etwas ihn in diese Richtung gesteuert hatte. Zuerst dachte er, dass Misery ihn hierher gelenkt hatte. Er schüttelte seinen Kopf und verwarf die Idee, als ein Bild von Tabatha in der Kirche in seinem Kopf aufblitzte. Er konnte ihre Anwesenheit fühlen, zum ersten Mal in der ganzen Nacht. Kane vergaß alles über Monster, die unter dem Bett Lärm machten, oder im Schrank polterten. Tabatha war seine Seelenfreundin und jetzt, wo er ihr Blut getrunken hatte, war ihre Verbindung nur noch stärker. Der einzige Grund, wieso er das vorige Woche nicht bemerkt hatte, war, weil dieser Gefallene Engel… Kriss… sie so weit von ihm weggeflogen hatte, verdammter Mistkerl. Er begann sich zu fragen, ob er unter Trennungsangst litt. Als er durch diesen Teil der Stadt wanderte, fand er sich selbst innerhalb von Minuten bei ihrem Haus wieder. Leise landete er auf dem Dach eines benachbarten Hauses, machte es sich gemütlich und beobachtete sie durch ihr Schlafzimmerfenster. Seine scharfen Augen betrachteten ihr Haar, das über das Kissen ausgebreitet war, und wie ihre Lippen sich leicht öffneten, als sie tief ausatmete. Er hatte nie einen solchen Frieden gefühlt, wie genau jetzt… als er ihr beim Schlafen zusah. Kane fragte sich, wie er in ihren Augen aussah. Ähnelte er den anderen Monstern, die sie getroffen, oder von denen sie geträumt hatte? Hatte sie überhaupt eine Vorstellung davon, wie tief seine Gefühle für sie gingen? Er wäre beinahe von seinem Platz am Dach aufgestanden, bereit, zu ihr zu gehen, als er ihren Schrei in seinem Kopf hörte. Der Laut war aus ihren Träumen gekommen, aber der gedankliche Aufschrei ließ ihn zusammenzucken, denn er erinnerte ihn an die Art, wie sie als Kind vor so vielen Jahren geschrien hatte. Bis heute hatte er ihr nur Schmerzen bereitet… hatte sie zum Bluten gebracht. Kane wandte sich gerade zum Gehen, als er sah, wie Tabathas Zimmertür sich öffnete. Seine Muskeln spannten sich an, bereit, den Eindringling anzugreifen, als er den Gefallenen Engel, Kriss, in Tabathas Schlafzimmer kommen und sich zu ihr ins Bett kuscheln sah. Kane erkannte, dass der Gefallene Engel beunruhigt war, aber er fühlte, wie sich Wut in ihm aufbaute, als Kriss einen Arm um sie legte und sie wie ein Liebhaber an sich zog. Er spürte, wie der Friede zerbrach und noch mehr Zorn schwappte durch ihn, während er sie beobachtete. Als er sich angestrengt konzentrierte, konnte er mit seinem ausgezeichneten Gehör ihre geflüsterte Unterhaltung belauschen. Er runzelte einen Augenblick lang seine Stirn, als er erkannte, dass seine Macht größer war als früher. Er war überrascht und seine Stirn grub noch tiefere Furchen, als er ihre Herzschläge sogar auf diese Entfernung hören konnte. „Dean will nicht, dass ich ihn finde“, seufzte Kriss und fragte sich, ob es die Dämonin war, hinter der Dean her war, oder der andere Gefallene Engel, der mit ihr da unten gewesen war. Er wünschte sich, dass Dean gewartet hätte. Etwas an der Aura des anderen Gefallenen Engels ließ Kriss vorsichtig sein. Insgeheim hoffte er, dass Dean es nicht schaffen würde, einen der beiden aufzuspüren. „Ich möchte wissen, was geschehen ist“, flüsterte Tabby. „Nach dem, was Envy und Devon gesagt haben, war Dean wohl den Großteil des Tages dort unten mit der Dämonin gefangen und hätte es fast nicht überlebt.“ „Ich werde ihn fragen, sobald ich ihn finde“, erklärte Kriss, wobei er es nicht schaffte, die Besorgnis nicht durchklingen zu lassen. „Dean liebt dich… er wird nicht lange wegbleiben.“ Tabatha schloss die Augen und hoffte um Kriss' Willen, dass sie recht hatte. „Schlaf jetzt“, flüsterte Kriss und hoffte, dass sie recht hatte, dass Dean bald zurückkommen würde. Er hatte nicht gesehen, wie der andere Gefallene Engel ausgesehen hatte, weil er sich so schnell bewegt hatte, aber er hatte ihn einen Moment lang gefühlt, bevor die Aura der Dämonin die seine übertönte. Wenn nur das kurze Gefühl ihn schon so verstörte, konnte er sich vorstellen, was Dean durchmachte. Die Gefallenen Engel waren so selten, dass es ihnen den Atem raubte, wenn sie in der Nähe eines anderen waren. Die meisten dachten, dass sie die Gefallenen Engel aus der Legende waren, die auf die Erde verbannt wurden, um zu helfen, sie zu schützen… aber Legenden sind oft nur Halbwahrheiten, die mit den Worten von Menschen, die sich nach einem Helden, oder manchmal einem Feind, sehnen, angepasst wurden. Die Gefallenen Engel waren aus einer anderen Dimension auf die Erde gekommen… ebenso wie die Dämonen. Die Legenden nannten diese Dimension den Himmel, aber da irrten sie. Laut dem Mythos zerstören sie Dämonen… wieder nur eine halbe Wahrheit. Die Bibel behauptet, dass sich die Gefallenen Engel mit den schönen Frauen auf der Erde gepaart hatten, und dafür bestraft worden waren… und das waren von allen Worten der Propheten noch diejenigen, die der Wahrheit am ehesten entsprachen. Der Grund, weshalb die Gefallenen Engel sich nun nicht mehr mit den Frauen der Erde paarten war… weil das Produkt einer solchen Vereinigung die Geburt von Dämonen war. Es waren die Gefallenen Engel gewesen, die die Dämonen erschaffen hatten. Als die ersten Gefallenen Engel aufgetaucht waren, waren es viele gewesen, aber als die Dämonen geboren worden waren, und das zerstörten, was die Engel liebten, wandten sie sich gegen ihre eigenen Kinder und kämpften. Die Zahlen auf beiden Seiten schrumpften und das Tor zwischen den beiden Dimensionen hatte begonnen, sich zu schließen. Einige der ursprünglichen Gefallenen Engel waren verschwunden, es wurde angenommen, dass sie ihre Leben im Kampf gegen die Dämonen, die sie erschaffen hatten, verloren hatten. Die meisten Überlebenden hatten sich entschieden, zurück nach Hause zu gehen, damit sie der Verführung der Menschenfrauen nicht mehr verfallen konnten. Sie waren es gewesen, die die jungen Krieger zurück in diese Welt geschickt hatten, um auf sie aufzupassen… die Menschen vor den Monstern zu schützen. Es gab nur eine Regel… sie durften sich nicht mit den Frauen dieser Welt paaren, außer, wenn sie sie danach töteten. Ein Kind der reinen Züchtung war auf jedem Energiepunkt der Erde positioniert worden und nur wenige hatten so lange überlebt. Die Legenden schrieben, dass sie unsterblich waren… die Legenden irrten. Die Gefallenen Engel waren nicht unsterblich, sie lebten nur sehr lange… Jahrtausende auf der Erde entsprachen ihrer Lebenserwartung. Sie konnten außerdem auch von Menschen und Dämonen getötet werden… obwohl es für einen Menschen sehr schwer zu bewerkstelligen war. Syn hatte die wahren Legenden gekannt, und sie an seine 'Kinder' weitererzählt. Als er sich an diese Lehren erinnerte, verstand Kane, wie sehr Kriss Tabatha liebte… genug, um sich nicht mit ihr zu paaren… und so sehr, dass er nicht zuließ, dass jemand, von dem er dachte, dass er wenig mehr als ein Dämon war, sie haben konnte. Scheinbar war er nicht der einzige mit dunklen Geheimnissen. Kanes Mundwinkel deuteten ein verständnisvolles Lächeln an, als er sich umdrehte und wegging. ***** Envy und Devon warteten an der Bar, als die ersten Leute für die Versammlung auftauchten. Sie und Kat unterhielten sich, versuchten einander noch alles zu erzählen, was geschehen war, während Devon und Quinn sich im Hintergrund hielten und sie mit erhobenen Augenbrauen anstarrten. „Welche Sprache sprechen sie noch einmal?“, fragte Devon. „Sie hat keinen Namen“, erklärte Quinn. „Es ist ein Ritual, das Weibchen recht häufig durchführen. Es beginnt noch unschuldig und bevor wirs uns versehen sind sie unterwegs zum Shoppen und wir stehen vor den Umkleidekabinen und müssen ihre Handtaschen halten.“ „Du musst auch die Tasche halten, während sie in die Mädchen-Läden geht und Dessous kauft, die du bis zu eurem Hochzeitstag nicht sehen darfst“, mischte Nick sich grinsend ein. Warren klopfte mit der Hand auf Nicks Schulter. „Glaub mir, kleiner Bruder, du wirst mit dem größten Vergnügen diese Taschen halten, wenn es soweit ist.“ Ein Paar Arme schlang sich von hinten um Warrens Hals und Michaels Gesicht tauchte zwischen den beiden auf. „Heißt das, wir gehen Einkaufen?“ „Natürlich“, sagte Warren grinsend. „Wir gehen zu dem Sex-Shop, der dir so gefällt.“ Michaels Gesichtsausdruck wurde verträumt. „Oh ja, Peitschen, Ketten, sexy Unterwäsche… Leder.“ „Was zur…“ Nick stand plötzlich auf und entfernte sich von den beiden, sodass Devon ein Grunzen entkam. „Homophob“, murmelte Devon. „Halt's Maul!“, knurrte Nick. „Sie sind entweder sehr gute Lügner, oder es ist beängstigend wahr.“ Die Tür ging auf und Steven kam mit Alicia und Jewel herein. Alicia hatte ihren Schrank durchsucht und ein hübsches, violettes Sommerkleid für Jewel gefunden, das sie nun trug, bis sie mehr Kleider kaufen konnte. Zum Glück hatten sie etwa die gleiche Größe, also fiel es kaum auf. Alicia hatte Steven auch gesagt, dass, bis er Jewel mehr Kleider kaufen konnte, diese gerne jederzeit ihren Schrank plündern konnte. Steven trat sofort an den Tisch, wo Quinn und Devon mit Nick saßen, direkt gegenüber von der Bar, wo Kat arbeitete. „Ich sehe, wir sind nicht zu spät“, sagte Steven und lächelte innerlich, als er sah, wie Jewel Alicia anlächelte. Er erkannte, dass er sie bisher noch nie lächeln gesehen hatte, und er fühlte sofort einen schmerzlichen Verlust, als das Lächeln wieder verblasste. Warren sah sich um. „Genau genommen, glaube ich, es sind alle hier.“ „Nicht ganz“, sagte Envy. „Wir warten noch auf Chad.“ In genau diesem Moment ging die Tür auf und Chat trat ein, Trevor und Zachary im Schlepptau. „Was, zur Hölle, macht der hier?“, wollte Devon wissen und stand auf. „Chad ist ein Polizist“, erinnerte Envy. „Er weiß schon einen Teil von dem, was vor sich geht, und er hat das Ende von dem mitbekommen, was am Friedhof geschah. Er ist involviert, ob er es will oder nicht. Außerdem“, fuhr sie fort, „wird er dir die Bullen einige Zeit vom Hals halten können.“ „Ich meinte nicht deinen Bruder.“ Devons Stimme klang gefährlich scharf. Kat nickte, als sie sah, dass Envy sich bereit machte, unkluger Weise auch für Trevor einzustehen. Da sie nicht einen kompletten königlichen Kampf miterleben wollte, trat sie von der Bar weg und stellte sich selbst in die Schusslinie. „Trevor kann auch hierbleiben“, sagte sie streng und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. „Schließlich… spielt er auch gut mit“, meinte Kat mit einem Augenzwinkern in Richtung des blonden Mannes, der spöttisch salutierte. Quinn stand von seinem Stuhl auf und ging hinüber zu Kat, schlang einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich. „Ich werde dich im Auge behalten müssen… nicht wahr?“, murmelte er neckisch, aber der Ausdruck in seinen Augen erzählte eine andere Geschichte. „Können wir einfach beginnen?“, fragte Kane aus den Schatten. Alle außer Michael zuckten erschrocken zusammen, als sie die Stimme hörten. Er war so leise gewesen, dass niemand gewusst hatte, dass er hier war. „Du hast recht“, erklärte Warren. „Ich denke, es wissen alle, wieso wir hier sind.“ Er sah zu Chad hinüber, der kurz nickte, um anzugeben, dass er alles verstand, bevor er seinen Blick auf Trevor und Zachary wandte. „Bevor wir darüber reden wollen, was am Friedhof vorgefallen ist, habe ich eine Frage an Trevor.“ Trevor zog seine Augenbrauen zusammen. „Und zwar?“ „Was, zum Teufel, bist du?“, fragte Devon, ehe Warren wieder zu Wort kommen konnte. „Ich bin ein Formwandler wie die meisten hier“, antwortete Trevor. Kane grunzte in den Schatten, sodass alle in seine Richtung blickten. „Weißt du etwas von ihm?“, fragte Envy. Es war ja nicht so, als würde sie Trevor auch nur ein Wort glauben… er hatte schon bewiesen, wie gut er im Lügen war. „Vielleicht, aber ihr müsstet richtig lieb zu mir sein, wenn ihr es erfahren wollt“, sagte Kane belustigt. Er würde seine Laune an sich darauf schieben, dass er mit dem falschen Fuß aufgestanden war, aber… er war ja gar nicht erst zu Bett gegangen. Devon war auf den Beinen und hielt Kane am Kragen seines Mantels gepackt in die Luft. „Ich glaube, wir haben es satt, lieb zu sein“, knurrte der Jaguar. Kane grinste auf den Formwandler hinunter. „Oh, das ist aber schade. Ich habe meinem Hündchen schon gesagt, was für ein Schatz du bist, und er hat sich so darauf gefreut, einen neuen Spielgefährten zu bekommen.“ Sie beide wussten, wer der Sieger sein würde, wenn sie sich entschieden sich miteinander anzulegen… und es war nicht die Mieze Katze. „Dein Hündchen?“, fragte Jewel und ihre Augen leuchteten auf, bei dem Gedanken an etwas Süßes, Knuddeliges. Ihre Lippe zuckte als sie sich vorstellte, wie ein Hund sich zu all den Katzen im Raum gesellte. „Es ist eine übergroße Wollmaus“, murmelte Michael. Warren drückte Daumen und Zeigefinger auf seinen Nasenrücken und Quinn kämpfte dagegen an, über seinen Jaguar-Schwager zu lachen. „Devon, lass Kane runter und begib deinen Hintern in einen Stuhl“, brummte Warren. „Wir werden die Diskussion über Trevor später beenden.“ Nick, Devon und Kat sahen Warren alle mit großen Augen an. Einer normalen Person, die Warren nicht kannte, wäre es nicht aufgefallen. Warren war aufgeregt über die Aussicht, dass es einen neuen Formwandler in der Gegend gab, und er wollte mehr über die unbekannte Rasse wissen. Devon stellte Kane wieder auf seine Füße und stampfte zurück zu seinem Stuhl neben Warren. Die Tür ging auf und Kriss kam herein, Arm in Arm mit Tabatha. Devon ließ ein Lächeln um seine Lippen spielen als er zu dem blonden Vampir hinüber starrte. Er konnte Kane vielleicht nicht auf seinen Platz verweisen, aber der Mann, der eben hereinspaziert kam, konnte es und er wusste, dass Kriss den reformierten Vampir nicht gerade liebte. „Kommen wir zu spät?“, fragte Tabatha, die froh war, dass sie die Diskussion mit Kriss gewonnen hatte, und dass sie nun doch gekommen waren. Manchmal konnte Kriss ein bisschen überfürsorglich sein… ein schweres Bisschen. „Nein, ihr kommt genau richtig“, sagte Envy. „Wir haben noch nicht wirklich angefangen.“ Tabatha gesellte sich zu den Frauen an der Bar und setzte sich auf einen Hocker, während Kriss neben Chad stehenblieb. Kanes Herz sprang bis in seinen Hals hoch, als Tabatha hereinkam und er musste gegen den Drang ankämpfen, sie in seine Arme zu schließen, und sie von hier wegzubringen. Er trat weiter zurück in die Schatten, sodass nur noch seine Silhouette schwach zu sehen war. Sein Blick wanderte hinüber zu dem Gefallenen Engel und er zog innerlich den Kopf über den tödlichen Blick ein, den der Mann ihm zuwarf. „Wir müssen mehr über die Dämonin erfahren, die im Friedhof gefangen war“, fuhr Warren fort. „Wir müssen wissen, wie sie aussieht, und nachdem Dean verschwunden ist, ist Kane der einzige hier, der sie gesehen hat.“ Kane hatte eine Zigarette genommen und öffnete sein Feuerzeug. Das Licht der Flamme erhellte einen Augenblick lang sein Gesicht, sodass sie sehen konnten, wie besorgt seine Augen waren. Tabatha vergaß zu atmen, als ihr Blick auf die kleine Flamme schoss und sie Kane sah. Seine perfekten Lippen waren leicht gewölbt, als er seine Zigarette anzündete und seine Augen wurden von dunklen Wimpern beschattet. Beschattet oder nicht, sie konnte seinen Blick so fühlen, als würde seine Hand ihre Haut streicheln. Als sie abgelenkt wurde, durch etwas, das ihren Arm berührte, sah sie hoch und erkannte Kriss, der nun direkt neben ihr stand. „Ihr Name ist Misery“, sagte Kane nach ein paar Sekunden. „Das Problem ist… ich weiß nicht so genau, wie sie aussieht.“ „Wie kannst du nicht wissen, wie sie aussieht?“, fragte Kriss scharf, tiefe Runzeln auf seiner Stirn. „Du warst, wer weiß wie lange, dort unten mit Dean.“ „Kannst du mich ausreden lassen, Federtier?“, fragte Kane mit sarkastischer Stimme. Kriss' Augen wurden bei der Beleidigung schmal. „Gut“, gab Kane zurück. „Der Grund, weshalb ich nicht wirklich weiß, wie sie aussieht, ist, weil sie ihr Aussehen immer wieder verändert hat. Einen Augenblick lang war sie ein hübsches, kleines Mädchen mit einer höllisch beängstigenden Persönlichkeit, dann war sie eine verrottende Leiche, eine schwarze Rauchwolke und als letztes eine schöne Frau. Das scheinen ihre liebsten Gestalten zu sein. Sie ist ausgesprochen mächtig, wenn sie es geschafft hat, zwei Gefallene Engel gleichzeitig festzuhalten.“ Kriss atmete tief ein und nickte. „Einige Dämonen haben wohl diese Macht.“ „Wir haben eine Dämonenspezialistin, die gerade am Weg hierher ist“, sagte Zachary schließlich. „Ihr Flug sollte innerhalb der nächsten zwei Stunden oder so ankommen. Wenn sie hier ist, ist es wohl das Beste, wenn ihr Misery einfach ihr überlasst.“ Kane hob eine Augenbraue. „Ihr?“ „Ja“, sagte Trevor. „Ihr Name ist Angelica. Sie hat Informationen von so ziemlich jeder Legende, jedem Mythos und jedem Märchen der Welt. Wenn es auch nur irgendeine Geschichte über Misery gibt, dann hat sie sie auf ihrem Computer.“ Alicia seufzte frustriert. „Schön, sie kann die Dämonin haben. Ich möchte wissen, was wir tun werden, um Micah zu finden.“ „Micah kann auf sich selbst aufpassen“, erklärte Quinn. Die Wahrheit war, dass er im letzten Streit zwischen ihm und Micah, Micah befohlen hatte, sich ruhig zu verhalten und sein Bruder hatte nicht gefolgt, was nur eines bedeuten konnte… sie hatten nun zwei Alphamänner im Puma-Klan, und das war völlig unerhört. In der Vergangenheit hatte es immer zu einem Kampf auf Leben und Tod geführt. Quinn liebte Micah und war stolz auf ihn, dass er so stark für seine Interessen eintrat. Das Allerletzte, was er wollte, war, dass einer ihrer Streits außer Kontrolle geriet. „Aber er weiß nicht, was geschehen ist“, rief Alicia, die sich an jeden Grund klammerte, wie sie die anderen dazu bringen konnte, nach ihm zu suchen. „Was, wenn er Misery über den Weg läuft und verletzt wird… oder getötet? Weg oder nicht, er ist Teil unseres Klans.“ „Da hat sie wohl einen Punkt, alter Junge“, warf Kane ein, der Quinns Gedanken gelesen hatte und ihm auf die Sprünge helfen wollte. Alicia schielte hinüber zu den Schatten und errötete, ehe sie wieder wegsah. Es fühlte sich gut an, dass endlich einmal jemand auf ihrer Seite war, und es aussprach. Was Alicia nicht wusste, war, dass ihre ganze Familie Micah immer in ihren Gedanken hatte, seit sie ihn zum letzten Mal gesehen hatten; direkt nachdem er sich mit Anthony angelegt hatte. Kane erwiderte ihr Lächeln, obwohl sie es nicht sehen konnte. Scheinbar war sie die einzige in der Gruppe, die Mumm hatte. „Das letzte Mal, wo wir Micah gesehen haben, hat er mit Anthony Valachi gestritten und ihn aus dem Club geworfen“, sagte Steven leise. „Das war kurz bevor er verschwand.“ „Der Werwolf?“, fragte Trevor und legte seinen Kopf schief. „Ja, und nebenbei hat Steven sich auch noch mit Anthonys Verlobter gepaart“, erzählte Quinn ihm und allen, die es noch nicht gehört hatten. Jewel runzelte die Stirn, als ihr klar wurde, dass Steven ihr die Wahrheit darüber gesagt hatte, dass Anthony vielleicht eine Spur zu seinem fehlenden Bruder sein könnte. Sie biss sich auf ihre Lippe und fragte sich im Stillen, ob das der einzige Grund war, weshalb Steven ihr geholfen hatte. Nein, das war dumm. Als Steven sie aus der Kirche mitgenommen hatte, hatte er noch nicht einmal gewusst, dass Anthony ihr Verlobter war. Sie hörte die unausgesprochene Anschuldigung in Quinns Stimme und spannte ihre Schultern an. Ein beschützender Instinkt bohrte sich in ihr nach vorne, und sie musste ihm Luft geben. „Steven wusste nicht, wer mein Verlobter war, und ich hatte keine Ahnung, dass Anthony ein Werwolf war“, erklärte Jewel mit fester Stimme. „Ich habe ihm erst von Anthony erzählt, nachdem wir uns gepaart hatten. Also wenn du jemandem die Schuld geben musst, dann mir.“ Quinn hatte so viel Anstand, leicht betroffen auszusehen und Kat streckte unauffällig ihren Daumen in die Luft. Jewel lehnte sich zurück an die Theke und begann wieder, an ihrer Unterlippe zu kauen. Stevens älterem Bruder, dem Alphamann der Pumas, die Stirn zu bieten, hatte sie etwas verängstigt. Sie sah hinüber zu Steven und entspannte sich, als sie den Stolz für sie in seinen Augen leuchten sah. Etwas in ihr wurde weich und sie musste mit aller Kraft kämpfen, um die Schutzmauer darum herum wieder aufzubauen. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, und sie fragte sich, ob sie sich in ihn verliebte. „Anthony Valachi steht schon eine ganze Weile unter Verdacht“, meldete sich Chad zu Wort. „Die Polizei hat Grund zu der Annahme, dass er nicht nur an Menschenhandel sondern auch an Sklaverei beteiligt ist. Es gibt auch Gerüchte, dass seine Männer Prostituierte aufgesammelt und entführt haben, um sie als Sexsklaven zu verkaufen.“ „Wieso macht die Polizei dann nichts dagegen?“, fragte Kat. „Uns wurde befohlen, uns aus der Sache herauszuhalten, weil das FBI die Ermittlungen übernommen hat“, antwortete Chad. „Leider ist es so, dass, wenn das FBI auftaucht, wir kein Mitspracherecht mehr haben, und nichts tun können, als uns herauszuhalten, es sei denn, wir wollen neben den bösen Jungs im Gefängnis landen.“ Steven nickte und beschloss, dass es Zeit war, ihnen die ganze Wahrheit zu erzählen. „Jewels Vater wurde vor einer Weile vom FBI festgenommen. Das war der Grund, weshalb Jewel sich überhaupt erst mit Anthony verloben musste.“ Er warf Jewel ein liebevolles Lächeln zu, ehe er sich wieder an die Gruppe wandte. „Ihr Vater war der Manager des Resorts in Palm Springs und Anthony war nicht glücklich über den Durchsuchungsbefehl, den sie hatten, oder darüber, dass Arthur sie auf das Anwesen ließ. Als er seinen Fehler erkannte, hat Arthur den Agenten umgebracht und wurde wegen Mordes verhaftet. Um seine Haut zu retten versprach Arthur Anthony, dass er Jewel heiraten durfte, als Bezahlung dafür, dass er ihn da herausholte.“ „Er ist derjenige, der meinen Vater umgebracht hat. Ich weiß es sicher“, sagte Jewel und ballte ihre Faust. „Also, wann können wir ihn angreifen?“ „Wir brauchen ihn nicht anzugreifen“, erklärte Chad. „Wir werden uns einen Plan ausdenken und dann werden wir es bekanntmachen, dass du unter dem Schutz der Wilders stehst. Wenn er kommt… holen wir ihn uns.“ „Ich denke, das könnte das Gesetz ein wenig zu sehr ausreizen“, berichtigte Trevor. „Halte Jewel noch ein paar Tage lang geheim, und lass mich und Zachary sicherstellen, dass sich das FBI nicht einmischt, und alles in eine große Katastrophe verwandelt.“ „Wieso sollten sie sich einmischen?“, fragte Kat. „Ihr seid doch von der paranormalen Organisation… stehen die nicht über dem FBI?“ „Nur auf gewissen Gebieten“, entgegnete Trevor. „Die meisten im FBI haben keine Ahnung, dass wir überhaupt existieren. He, nicht einmal der Präsident der Vereinigten Staaten weiß von uns. Wir stehen weit über deren Köpfen, und damit wir dieses Recht bekommen, müssen wir beweisen, dass da etwas Paranormales vorgeht.“ „Bedeutet das, dass zumindest ein Teil der Regierung von uns weiß?“, fragte Nick, dem das unruhige Gefühl, das er davon bekam, nicht gefiel. Trevor schüttelte den Kopf. „Nicht genau über euch… aber sie wissen, dass es da etwas… ungewöhnlichere Wesen gibt. Ihr steht unter demselben Schutz wie die Menschen… vielleicht sogar noch mehr und mit nicht so strengen Regeln, und unter dem Schutz einer kleinen, aber mächtigen Regierung in und über der Regierung.“ Er kratzte sich am Kopf und hoffte, dass alle seiner vagen Version der Wahrheit folgen konnten. „Meine Sorge ist, dass das FBI sich zu weit darin vertieft und dann erst zu spät bemerkt, dass sie sich mit Werwölfen anlegen und nicht mit Menschen.“ Chad runzelte die Stirn als er verstand, was Trevor gerade gesagt hatte, und es gefiel ihm nicht. Sollte das heißen, dass die Paranormalen mehr Rechte hatten, als die Menschen? Vielleicht war er ja ein wenig parteiisch, aber er war zufällig einer dieser niedrigen Menschen. Trevor schüttelte den Kopf. „Die Mafia wird sich nicht gleich ein Fell umlegen und das FBI angreifen. Außerdem, wenn die Welt von Werwölfen erfährt, dann sind sie als nächstes dran, um auszusterben, und die Werwölfe wissen das. Das letzte Mal, wo sie sich selbst zeigten, wurden sie fast bis zur Ausrottung verfolgt.“ „Lasst mich ein paar Anrufe tätigen und sehen ob wir alle Rechte über den Valachi-Fall haben“, bot Zachary an. „Wenn wir die haben, dann haben wir freie Hand und können alle rekrutieren, die wir als qualifiziert ansehen.“ Er sah sich in der Gruppe um, wusste, dass das fast alle im Raum waren und sie würden Immunität genießen, egal, wie die Dinge sich wenden würden. Weiß jemand, welches Auto Micah an dem Tag, wo er verschwunden ist, gefahren hat?“, fragte Chad. „Ich kann es mit meinem Streifenwagen suchen und eine Suchmeldung dafür aufgeben.“ „Sein Motorrad“, sagte Alicia schnell, dann wurden ihre Augen groß, als sie sich daran erinnerte, wie sie Warren gesagt hatte, dass sie im Gewitter der letzten Nacht mit demselben Motorrad gekommen war. Als sie zu ihm hinüber schielte, seufzte sie erleichtert, als er ihr nur kurz zuzwinkerte. Nick gab noch seinen Senf dazu. „Ich bin auch dafür, dass wir uns von Misery fernhalten, aber die Vampire pflanzen sich für sie fort und das können wir nicht zulassen.“ „Alle sind eingeteilt zur Schädlingsbekämpfung“, stimmte Warren zu. „Nicht alle, hoffe ich.“ Trevor sah hinüber zu Envy. Zachary trat diskret vor Trevor, um den tödlichen Blick, den Devon seinem Freund zuwarf, abzuwehren. „Ich glaube, es wird auch Zeit, dass wir ein paar Gefälligkeiten zurückverlangen und mehr von unserem Team herholen.“ „Du meinst es gibt noch mehr von euch?“, fragte Steven. Zachary rammte seine Hände in seine Hosentaschen und legte seinen Kopf schräg. Das weiche Licht der Lampen schien in sein blondes, stacheliges Haar und er grinste. „Es tut mir leid, dass ich dich enttäuschen muss, aber es gibt nur einen von mir. Ich wollte mich klonen, aber unser ängstlicher Anführer hier lässt mich nicht“, erklärte er und zeigte mit dem Daumen auf Trevor. „Halt's Maul, verdammt und mach dich ans Telefonieren“, rief Trevor. „Wenn es noch einen von dir gäbe, würde Angelica ihn umbringen, nur damit sie sagen kann, dass sie es endlich geschafft hat.“ Zacharys Gesichtsausdruck wurde verträumt. „Oh, von diesen wunderbaren Doc Martin's zertrampelt zu werden, die sie in ihrem Schrank versteckt.“ Trevor machte einen aufgebrachten Schritt auf seinen Partner zu und Zachary rannte sofort durch den Raum um sich hinter Kane zu verstecken. „Gibt es einen Grund, wieso du mich als Schutzschild verwendest?“, fragte Kane. „Ja“, rief Zachary. „Lass mich kurz darüber nachdenken, dann sag ich dir einen.“ Kane grinste. „Lass mich kurz nach Hause gehen, dann suche ich meine Doc Martin's.“ Zachary machte schnell ein paar Schritte rückwärts von Kane weg und hob seine Hände. „Langsam, Mann, ich bin nicht schwul.“ „Zachary!“, rief Trevor. „Okay, okay“, sagte Zachary und zog sein Handy heraus. „Mann, ich bin umgeben von Leuten ohne jeden Sinn für Humor… Angelica wird diesen Haufen lieben.“ Kapitel 4 Kane lehnte an dem Kreuz wenige Meter hinter Michael und starrte hinaus auf die Stadt, fragte sich, wo Misery sich versteckte, und ob sie überhaupt noch in der Stadt war. Es gab dort draußen eine ganze Welt, die sie terrorisieren könnte, aber das Karma war kein Wunschkonzert und seine Instinkte auch noch, und die erzählten ihm, dass sie nicht weit weg war. Er verzog das Gesicht, als er sich vorstellte, wie sie als verrottende Leiche über den Gehsteig spazierte, dann unterdrückte er ein Schaudern, als das Bild von dem gespenstischen kleinen Mädchen in seinem Kopf auftauchte und er entschied, dass die Leiche weniger beängstigend war. Über die Jahrhunderte hatte er manchmal gesehen, wie erwachsene Vampire Kinder verwandelt hatten. Was viele von ihnen nie lernten, war, dass Kinder oft viel wilder waren, als ihre erwachsenen 'Eltern'. Sie wurden dann von der Hand des Erwachsenen getötet, oder das Kind ermordete denjenigen, der es verwandelt hatte. Er musste zugeben, dass eine Frau, die ein Buch über Vampire geschrieben hatte, die richtige Vorstellung gehabt hatte. Er hoffte, dass, wer auch immer diese Dämonenexpertin war, die Trevor erwähnt hatte, wusste, was sie tat… aber er bezweifelte es. Die Erinnerung an die Dämonin hatte ihn dazu gebracht, Michael auf Schritt und Tritt zu folgen… das, und die Tatsache, dass ihn das davon abhielt, Tabatha zu verfolgen, jetzt, wo sie wieder in der Stadt war. Es brauchte eine große Willensanstrengung, um es nicht zu tun. Schon alleine im selben Raum zu sein wie sie, hatte ihm körperliche Schmerzen verursacht… Schmerzen, von denen er gewusst hatte, dass er sie nicht viel länger ertragen hätten können, wenn er geblieben wäre. Sein Blick wanderte wieder zurück zu seinem Freund und er lehnte sich schwerer an das Kreuz. Er musste zugeben, wenn man alleine sein wollte, und doch von Menschen umgeben, dass das Dach der höchsten Kirche der Stadt ein faszinierender Ort dafür war. Merkwürdiger Weise wusste er, dass Michael nicht hier war, um die Stille und den Friedens des Ortes zu genießen. Der Vampir kam hierher, um sich Sorgen zu machen und nachzudenken. Es machte nichts aus, dass sie sich unter freiem Himmel befanden, denn Kane hatte das Gefühl, dass, wenn Misery sie finden wollte, vier Wände sie auch nicht retten würden. Er hatte sich noch nie vor einem Feind versteckt, und er würde damit jetzt nicht beginnen. Natürlich ging es Michael genauso. Er grinste, als ein absurder Gedanke durch seinen Kopf ging. Sobald er Dean wiedersah, würde er den Gefallenen Engel um einen Gefallen bitten. Er wollte ein paar von den Federn mit was auch immer für einem Zauber Dean in den Katakomben verwendet hatte. Die hatten der Schlampe nicht so gefallen. Er legte seine Handfläche auf seine Schulter und erinnerte sich an all das Fleisch, das verloren gegangen und irgendwie wieder aufgetaucht war, während er bewusstlos gewesen war. Michael hatte ihm gesagt, dass Dean ihn geheilt hatte. Kane konnte sich kaum an die Momente nach der Gefangenschaft erinnern. Er erinnerte sich daran, dass er Michaels Stimme gehört hatte, die ihn aus der Dunkelheit zurückgerufen hatte, aber sonst nicht viel. Das Nächste, an das er sich erinnerte, war, wie er in einer Kirche voll mit Leuten aufgewacht war, und Michael wie eine Glucke über ihm gesessen hatte. Tabathas Gesicht blitzte wieder vor seinem inneren Auge auf. Er hatte die letzten paar Stunden damit verbracht, verzweifelt zu versuchen, nicht an sie zu denken, aber den Großteil der letzten paar Stunden hatte er nicht auf sich selbst gehört. Michael konnte Kanes Anwesenheit irgendwo hinter sich fühlen, aber anstatt sich über die unerwünschte Störung zu ärgern, fühlte er sich beruhigt unter dem wachsamen Auge seines Freundes. Wenigstens würde Kane seine eigene Paranoia eine Weile vergessen können, wenn er sich stattdessen um ihn sorgte. Außerdem liebte er Kane wie einen Bruder… das Wort Bruder hallte durch seinen Kopf und seine Gedanken verfinsterten sich, richteten sich auf Damon. Wie konnten wahre Brüder sich je so in einander täuschen? Während er versuchte, die verstörenden Erinnerungen beiseite zu schieben, legte sich Michael hin und ließ sich von der Erschöpfung übermannen. Er wusste, dass er in Sicherheit schlafen konnte… Kane bewachte ihn. Kane wunderte sich über Michaels geflüsterten Gedanken. Er hatte nicht gewusst, dass Michael Probleme hatte, zu schlafen. Was war es, wodurch sein Freund sich so gefährdet fühlte, dass er Angst hatte, seine Augen zu schließen? Er wusste, dass Schlaflosigkeit ihn langsam in den Wahnsinn treiben würde… aber andererseits hatte er auch am eigenen Körper erfahren, dass zu viel Schlaf sogar noch mehr Schaden anrichten konnte. Er blickte über die Straße hinüber zu Michaels Haus, das zwischen den anderen Gebäuden der Stadt eingeschlossen war. Nach dem runden Raum im obersten Stockwerk zu schließen, war es wohl ein Viktorianischer Baustil. Er hatte sich dazu überreden lassen, mit Michael zusammenzuziehen, aber nun schien es so, als würde er Michael davon überzeugen müssen, bei sich selbst einzuziehen, anstatt auf dem Dach gegenüber zu schlafen. Er hob eine Augenbraue über seinen merkwürdigen Freund. Das Haus hatte jeden modernen Luxus, den sich jemand ausdenken konnte, der so alt war, wie sie, und dazu noch Zauber, die Dämonen abhielten, also woher kam dieser plötzliche Durst nach frischer Luft, die nach Regen roch? Er wusste, dass Michael sich immer noch dafür schuldig fühlte, dass er nicht dagewesen war, als er sich selbst begraben lassen hatte. Obwohl Kane versucht hatte, nicht in seinem Kopf zu schnüffeln, hatte er Michael noch immer nicht erzählt, dass, wenn er wollte, er seine Gedanken lesen konnte. Es war einfach etwas, was ein Freund nicht wirklich wissen wollte… außerdem hatte er das Gefühl, dass er der einzige mit dieser Macht war. Ihn im Stich gelassen zu haben, war nicht das einzige, was Michael in dieser Nacht auf der Seele lag… es war der Grund, weshalb er das Land überhaupt erst verlassen hatte, der seine Aufmerksamkeit auf sich zog… Damon, Michaels Bruder. Kane hatte Damon noch nicht gesehen, seit er wieder bei Sinnen war… dem, was davon übrig war zumindest, aber die Erinnerungen, die er an ihn hatte, waren großteils positiv. Damon hatte eine übertrieben ausgeprägte wilde Ader und die beiden hatten Michael verdammte Kopfschmerzen bereitet, als er versucht hatte, mit ihnen mitzuhalten. Kane schielte hinunter auf Michael und sah, dass dieser mit dem Ring um seinen Finger spielte, während er an Damon dachte. Es dauerte nicht lange, bis der Schlaf Michael übermannte und die lebhaften Träume begannen. Je länger die Träume andauerten, umso mehr lernte Kane darüber, was Michael versteckte. Er schloss seine Augen, ignorierte die Stadt um sich und konzentrierte sich zum ersten Mal völlig auf den Schmerz eines anderen. Er erschrak, als er nicht nur den Träumen zuhörte, sondern auch visuelle Erinnerungen von vor vierzig Jahren bekam. Er sah von außen zu, wie sich alles zugetragen hatte, wie in einem dramatischen Film. Michael hatte zum ersten Mal seit einem Jahrhundert den Drang gefühlt, Damon besuchen zu gehen. Als er seinen Bruder gefunden hatte, schien alles in Ordnung. Damon hatte ein gutes Leben im sozialen Rampenlicht von London geführt, und Michael hatte ihm dabei eine Weile lang Gesellschaft geleistet. Sie hatten sich großartig unterhalten, bis sie eine Frau getroffen hatten… Katie. Die auserlesensten alleinstehenden Männer waren alle zur Feier ihres achtzehnten Geburtstags eingeladen gewesen, darunter auch die beiden Brüder. Sie war eindeutig die Schönheit des Balls. Was als einfacher brüderlicher Wettbewerb begonnen hatte, hatte sich in ein gefährliches Spiel der Eifersucht verwandelt. Alles schien bei ihnen zu einem Wettbewerb zu werden. Sie hatten Wochen damit zugebracht, einen stillen Krieg gegeneinander zu führen, um ihre Zuneigung zu gewinnen. Damon hatte ihm gesagt, dass er gehen sollte… zurück über das Meer, aber Michael konnte nicht. Er würde Damon nicht gewinnen lassen, indem er weglief. Als die Rivalität zwischen den Brüdern eskalierte gingen sie einander an die Kehlen wegen eines Mädchens. Es war nicht so, dass sie ihre Seelenfreundin war, oder so, aber beide waren von ihr verzaubert gewesen. Und wie es das Schicksal wollte, hatte Katie dasselbe Problem… sie hatte sich in beide verliebt und wollte nicht wählen. Was das Liebesdreieck nur noch verworrener machte, war die Tatsache, dass Katie dachte, dass die Brüder Menschen waren… sie hatten ihr keinen Grund gegeben, etwas Anderes zu denken. Sie hatten Katie an jenem Abend zum Tanzen ausgeführt, aber das war ein tödlicher Fehler gewesen. Die Spannung zwischen den Männern war zu groß. Nach etwa einer Stunde, in der einer innerlich langsam zugrunde ging, während der andere mit ihr tanzte, hatten die Brüder schließlich die Fassung verloren. Sie hatten nicht einmal bemerkt, wie sehr sie die Kontrolle verloren hatten, bis ihre Augen ihre Farbe veränderten während sie einander die Hände um die Kehlen schlangen und ihre Füße vom Boden abhoben. Sie hatten sie nicht einmal wegrennen gesehen. Michael und Damon waren plötzlich wieder zu Verstand gekommen, als sie draußen vor dem Tanzlokal Reifen quietschen und ein metallisches Krachen hörten. Als sie sie erreicht hatten… war sie schon tot gewesen. Als Damon auf sie zu gerannt war, mit dem Vorhaben, sie mit seinem Vampirblut wiederzubeleben, hatte Michael ihn aufgehalten, weil sich schon eine Menschenmenge versammelt hatte. Damon hatte sich dann ernsthaft gegen ihn gewandt, hatte Michael die Schuld gegeben, weil er nicht gegangen war, als Damon es ihm aufgetragen hatte. Sie hatten danach monatelang gekämpft… hatten immer wieder für ein paar Momente Waffenstillstand geschlossen, um über ihre Gefühle zu reden, aber das hatte immer wieder zu einem weiteren Kampf geführt. Michael wusste, dass Damon dunkler wurde und dass Damon ihn umbringen wollte. Wenn er das versuchen sollte, dann würde Michael sich selbst verteidigen, und einer der beiden würde sterben. Daraufhin machte Michael etwas, von dem er sich geschworen hatte, dass er es nicht tun würde… er ging, um Syn zu besuchen. Syn war der erste Vampir. Er war schlafen gegangen und war jahrhundertelang nicht aufgewacht, aber Syn war nicht tot, denn er konnte nicht sterben… zumindest dachten das alle. Sie wussten nicht genau, wieso er sich entschieden hatte, die letzten paar Jahrhunderte zu schlafen, aber es schien als würde Syn darauf warten, dass etwas geschah. Michael ging um die Statue herum, die Syns Ruhestätte in dem Mausoleum markierte. Er wusste, dass Syn tief unter ihm war. Er redete zu der leeren Grabstätte, hörte, wie seine Worte als Echo widerhallten… manchmal als Flüstern und manchmal in ohrenbetäubenden Schreien. Gegen Damon zu kämpfen machte ihn verrückt, er hatte nicht gewollt, dass dies so weit ging. Er war sich nicht einmal sicher, ob einer von ihnen beiden das Mädchen überhaupt wirklich geliebt hatte. Er fühlte, wie sein Herz sich über den Boden ergoss, aufgrund des Schmerzes, den er seinem Bruder bereitet hatte… und Katie. Er wusste nicht, ob Syn zuhörte, aber es war schon genug, dass er endlich jemandem die Wahrheit erzählen konnte. Die Augen der Statue bewegten sich, als sie ihn beobachtete. Sie war Syns Ebenbild, aber ohne Farben. Die Kerzen, die um ihn herum brannten, leuchteten, wurden schwächer und flackerten dann hoch auf, als sich die Statue bewegte. Geflüsterte Worte in einer längst vergessenen Sprache schwebten aus dem Boden hoch. Die Stille, die daraufhin folgte, war wie ein beruhigender Donner und Michael wusste, dass Syn ihm vergeben hatte, auch wenn Damon es nicht getan hatte. Er rieb sich mit seinen Händen über seine Arme und versuchte, die Gänsehaut zu vertreiben. Syn war ein Mann der Magie und Michael fragte sich, welcher Zauber jetzt durch ihn krabbelte. Er richtete sich wieder auf und trat aus dem Mausoleum hinaus, nur um vor dem Eingang Damon stehen zu sehen, der auf ihn wartete. Wieder folgten weiche, gefühlvolle Worte, aber es dauerte nicht lange, bis die Unterhaltung hitzig wurde. Michael wollte einfach, dass alles aufhörte… wollte seinen Bruder umarmen und von vorne beginnen. Damon hatte den ersten Teil seiner Gedanken wörtlich genommen und ehe Michael ihn aufhalten konnte zog er einen Holzspeer aus seiner Jacke. Michael fühlte, wie das Holz sein Herz durchbrach und fiel auf seine Knie. Er sah zu Damon hoch und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber alles, was herauskam, war ein Gurgeln. Michael fiel zur Seite, fühlte, wie das Blut in seinen Adern stehenblieb und sich in Asche verwandelte, als sein Sichtfeld sich schwarz verfärbte. Mit Tränen in seinen Augen stolperte Damon weg, wusste, dass er nun verdammt war. Syns Stimme erklang in seinem Kopf und er schrie. Er griff nach seinem Kopf und beugte sich nach vorne, versuchte, die Stimme zum Schweigen zu bringen, aber man konnte Syn nicht zum Schweigen bringen. In diesem Moment erwachte etwas in Michael brüllend zum Leben. Als er den schrecklichen Schmerz in seinem Herz fühlte, griff er nach dem Holzpfahl und zog ihn heraus. Es schmerzte ebenso sehr, ihn herauszuziehen, wie es geschmerzt hatte, als er hineingetrieben worden war. „Damon!“, schrie Michael und kam schwankend wieder auf die Beine um seinen Bruder suchen zu gehen. Es war den ganzen Schmerz wert, wenn er den Ausdruck auf Damons Gesicht sehen durfte, wenn dieser erkannte, dass Michael noch am Leben war. Michael ließ das blutige Holz aus seinem Ärmel gleiten und stach damit auf Damon ein. „Das sollst du fühlen, Bruder!“, schrie er, als er es ihm heimzahlte. Ein Teil von ihm ging innerlich zugrunde, als er es tat, aber er musste dies irgendwie beenden. Als Damon wiederauferstand, setzte Michael sich auf den Boden, um wieder zu Atem zu kommen. Er verstand nun, was Syn getan hatte… was die Worte in der Luft des Mausoleums gewesen waren. Es war ein Zauber, den nur Syn erzeugen konnte, und der es unmöglich machte, dass Michael und Damon einander umbrachten… vielleicht machte er es ihnen sogar unmöglich überhaupt zu sterben. Oh, sie konnten einander umbringen… aber es würde nur wehtun. Sie waren nach jener Nacht noch mehrfach gestorben, immer durch den anderen ermordet worden. Michael hatte schließlich aufgegeben und war nach Hause gekommen, ließ seinen Bruder am anderen Ende der Welt zurück. Er wusste, dass es sinnlos war, zu versuchen, sich mit seinem Bruder zu versöhnen, und obwohl sein Herz ihm lautstark mitteilte, dass noch nicht alles verloren war, war Michael immer noch unsicher. Kane war schlau genug, sich still zu verhalten, als Michael aus dem erinnerten Albtraum hochfuhr. Er blinzelte und fragte sich, ob die Tatsache, dass er so tief in seine Gedanken eingedrungen war, Michael dazu gebracht hatte, die Erinnerungen so deutlich wiederzubeleben. Wenn es so war… dann hatte er sofort ein schlechtes Gewissen, als er Salz in der Luft roch. Er verschwand bevor Michael sich umdrehte, um das Kreuz anzusehen, gerade als die Sonne aufging. ***** Alicia trug noch mehr Lippenstift auf, um das unschuldige Gesicht, das ihr aus dem Spiegel entgegensah zu entfernen. Sie war wütend, nicht auf Kane, der ihr das Zauberspruchbuch weggenommen hatte… schließlich war es seines. Aber sie war wütend auf alle anderen, weil sie sie behandelten wie ein Baby. Sie lebte in einem Nachtclub, verdammt. Sie war vielleicht in einem Internat gewesen, aber das war auch keine Kinderkrippe gewesen. Sie war schließlich ein Puma und konnte sehr gut auf sich selbst aufpassen. Aufgrund der strengen Regeln und der aufmerksamen Augen ihrer Lehrer war Alicia zu einer Meisterin geworden, wenn es darum ging, auszubrechen und ihre Freiheit zu gewinnen. Ihrer tierischen Seite hatte es nie gefallen, eingesperrt zu sein. Jetzt wo sie zu Hause war, und ihre Familie Schutz brauchte, war es nicht fair, dass sich alle anderen Partner suchten und sie heraushielten. Wenn Micah hier gewesen wäre, hätte er ihre Bedürfnisse verstanden und so fürsorglich, wie er war, hätte er nie versucht, ihre Freiheit wegzunehmen. Das war eindeutig etwas, was sie an Kane schätzte… er hatte ihr heute beigepflichtet, als würde er verstehen, was sie durchmachte. Darin lag auch das größere Problem. Micah war weg und sie würde ihn, verdammt noch mal, finden, und wenn sie gegen jedes paranormale Wesen der Stadt kämpfen musste, um zu ihm zu gelangen… von Vampiren und Werwölfen angefangen. Sie runzelte die Stirn, als sie sich selbst im Spiegel betrachtete, wusste, dass sie alles verdorben hatte, als sie den Zauber auf dem Friedhof hatte anwenden wollen. Bis dahin hatte sie nicht verstanden, dass es zwei sehr unterschiedliche Arten von Vampiren gab. Während ihrer kurzen Besuche zu Hause war sie Michael nie über den Weg gelaufen, und auch keinem anderen Vampir, und der einzige, der regelmäßig gekommen war, um sie in der Schule zu besuchen, war Micah. Er war gekommen und hatte die Erlaubnis geholt, sie für Wochenenden und die Ferien mitzunehmen. Dann waren sie in den Wald gefahren, wo er sie gelehrt hatte, mit und ohne Waffen zu kämpfen. Wenn sie nicht trainierten, dann verwandelten sie sich und rannten, genossen ihre Freiheit. Durch Micahs Fürsorglichkeit war sie klüger, schneller und stärker als die meisten weiblichen Formwandler. Micah war immer ihr Held gewesen und er war der einzige in der Familie, der nicht meinte, dass Frau sein eine Behinderung war. Sie erinnerte sich noch an das erste Mal, wo Micah sie für ein Wochenende aus dem Internat geholt hatte. Sie waren in den Wald gefahren und hatten ein Zeltlager errichtet, ehe Micah ihr gesagt hatte, dass sie rennen wollten. Alicia hatte davor noch nie eine solche Möglichkeit gesehen und war so aufgeregt gewesen, dass sie, nachdem sie sich verwandelt hatte, mit Höchstgeschwindigkeit dreimal um die gesamte Lichtung gerannt war. Als sie stehenblieb sah sie hinüber zu Micah, der sich den Bauch hielt vor Lachen. Zuerst hatte sie gedacht, dass er sie auslachte, aber es hatte sich herausgestellt, dass er darüber lachte, wie dumm der Rest der Familie gewesen war. Niemand hatte sich je die Mühe gemacht, sie ihr Puma-Erbe ausleben zu lassen, oder ihr die Chance gegeben, zu rennen. Alleine die Vorstellung, die sie mit ihrer Freiheit darbot, zu sehen, hatte ihm den Eindruck eines Kätzchens gegeben, das zum ersten Mal draußen spielte. Sie war in dem Glauben aufgewachsen, dass Vampire Monster waren, denn das war es, was Nathaniel seinen Kindern gelehrt hatte. Nathaniel hatte sich getäuscht. Wenn Kane nicht aus dem Grab befreit worden wäre, in das ihr Vater ihn verbannt hatte, dann wäre sie in der letzten Nacht am Friedhof garantiert getötet worden. Sie war dankbar dafür, dass Kane dagewesen war, um sie zu retten, aber sie würde sich nicht davon abhalten lassen, ihren geliebten Bruder weiterhin zu suchen. Sie würde diesmal vorsichtiger sein. Sie konnte Kane auch für noch eine andere Sache danken… wegen ihm hatte Michael sie geküsst. Sie fragte sich, ob Michael nur ein Kind in ihr sah. Aber irgendwie bezweifelte sie das. Sie lächelte sich selbst im Spiegel zu. Es war ein verdammt guter Kuss gewesen. Sie drehte sich vor dem Spiegel im Kreis um sicherzugehen, dass sie nicht wie das Kind aussah, für das sie alle hielten. Der schwarze Lederrock hatte einen Reißverschluss vom unteren Saum zwei Handbreit über dem Knie bis ganz nach oben und sie hatte ihn absichtlich halb offen gelassen. Das schwarze Hemd war großteils aus dünnem, durchsichtigem Stoff gefertigt, mit einem sehr dürftigen, bauchfreien Top darunter. Sie steckte ein paar blonde Strähnen, die sich selbstständig gemacht hatten, zurück unter die Kleopatra-Perücke, die sie unter den Halloween-Kostümen am Dachboden gefunden hatte. Sogar sie selbst musste zugeben, dass sie mit ihrem aufreizenden Outfit höllisch sexy aussah. Sie würde Geld darauf verwetten, dass, wenn Quinn oder sonst jemand, der sie kannte, sie jetzt sah, sie keine Ahnung haben würden, dass sie es war. Quinn war so sehr damit beschäftigt, Kat hinterherzujagen und zu versuchen so zu tun, als würde er es nicht machen, dass er Alicia überhaupt keine Aufmerksamkeit mehr gewidmet hatte. Jetzt wo er mit Kat zusammen war… hatte er all seine Aufmerksamkeit auf seine Partnerin gerichtet. Das einzige, was er noch getan hatte, war, zwei Formwandler-Wachmänner um Alicia zu positionieren und ihr zu befehlen, sich nicht zu zeigen, bis er beschloss, dass es sicher genug für sie war, um wieder draußen zu spielen. Ihre Leibwächter waren dumm wie Stroh, nur Muskeln und kein Gehirn. Es würde nicht schwierig sein, sie auszutricksen und aus ihrem kleinen Gefängnis zu entkommen. Sie würde heute Nacht Micah suchen gehen, mit oder ohne die Zustimmung der anderen. Quinn hatte ihr gesagt, dass Micah sie auf seinen eigenen Füßen verlassen hatte, und den Weg zurück kannte, aber sie wusste, dass Micah nicht einfach so weglaufen würde… zumindest nicht, ohne sie mitzunehmen. Micah war in Schwierigkeiten geraten… sie konnte es fühlen. Alicia straffte ihre Schultern und hob ihr Kinn herausfordernd. Mit all der nackten Haut würde sie hoffentlich wie eine Prostituierte aussehen, die die Werwölfe entführen wollten, oder wie das Abendessen für einen ahnungslosen Vampir. Sie war sicher, wenn sie Werwolf oder Vampir im Kampf eins gegen eins gegenüberstand, dass sie ihn dazu kriegen konnte, ihr Informationen zu geben, bevor sie ihn umbrachte. Sie hatte genug spioniert, um herauszufinden, was wirklich vorging, und sie machte Kane überhaupt keine Vorwürfe. Solange der Vampir nicht Michael oder Kane war, war er Freiwild. Und was die Werwölfe betraf… wenn sie in den Sklavenhandel verwickelt waren, oder Micah gefangen genommen hatten, dann waren sie um nichts besser als die seelenlosen Vampire. Sie hängte den herzförmigen Kristall um ihren Hals. Es war mehr als nur ein einfaches Schmuckstück. Sie hatte seit jeher Magie studiert und der Kristall würde es diesmal unmöglich machen, dass ein Vampir sie seiner Gedankenkontrolle unterwarf… sogar ein mächtiger Vampir wie Kane oder Michael. Und sie hatte sich ein paar der einfachen Zauber aus dem Buch gemerkt, das Kane ihr weggenommen hatte. Heute Nacht würde sie herausfinden, was es wirklich bedeutete, Teil dieser Familie zu sein… sie würde in diesem Krieg kämpfen, egal ob ihren Brüdern oder den Jaguaren das gefiel, oder nicht. ***** Damon lehnte sich in dem weichen Polstersessel zurück und starrte in den Kamin, beobachtete die Flammen, wie sie sich innerhalb ihres Gefängnisses mit den Schatten vereinigten. Er hob sein Glas mit rotem Wein hoch und beobachtete die Flüssigkeit, während er das Glas leicht schwenkte, und fühlte, wie seine völlige Ruhe verflog. Er konnte Syn wieder zu ihm flüstern hören. Während das Glas an den Ziegeln des Kamins zerbrach, drückte er seine Finger in seine linke Schläfe, wusste, dass er gerade seinen Mitternachtssnack aufgeweckt hatte. Die köstliche Brünette setzte sich am Bett zu seiner Linken auf und schmollte, als sie sah, dass sie alleine unter der Decke lag. Sie kroch unter dem Laken hervor und krabbelte theatralisch sinnlich über die Matratze auf ihn zu, aber er ließ ihr nicht die Zeit, zu denken, dass es funktionieren würde. Schneller als das menschliche Auge sehen konnte, war Damon neben dem Bett und hatte seine Finger fest um ihre Kehle geschlungen. Er wollte nicht an ihrer Schönheit kratzen oder sie verletzen, es war nur, um sie ruhig zu halten, während seine Pupillen sich vergrößerten und er sie völlig seiner Gedankenkontrolle unterwarf. Bisher hatte er noch keinen Grund gehabt, das zu tun. Sie war eine sehr willige Partnerin gewesen, aber es war nun an der Zeit, ihre liebliche Beziehung zu beenden. Langsam öffnete er seinen Mund und zeigte seine scharfen Fangzähne. Er wusste nicht, wieso er es machte, Frauen reagierten darauf immer gleich. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und er erstickte schnell den Schrei, der sich einen Weg aus ihrem benebelten Kopf bahnen wollte. Sterbliche Frauen waren nutzlos… ebenso wie Katie es gewesen war. Er konnte noch immer das metallische Krachen hören, und das verfinsterte seine Stimmung. „Ich werde dir einen Gefallen tun, Liebling.“ Einer seiner Mundwinkel hob sich zu einer Andeutung eines sarkastischen Lächelns. „Du bist nach LA gekommen, um ein Modell zu sein, aber diese Stadt ist voller anderer hübscher Frauen, die dasselbe wollten, also das wirst du tun. Vertrau mir… es ist nur zu deinem Besten.“ Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». 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