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Night Light Amy Blankenship Blutsbundnis #2 Kat Santos hatte den Besitzer des Night Light seit Jahren nicht mehr gesehen. Bis Quinn plötzlich beschließt, sie zu entführen und sie zu beschuldigen, ihm die Schuld für die Vampirmorde in die Schuhe schieben zu wollen. Als sie erkennen, dass der Feind mit ihnen spielt, vereinen die beiden Familien ihre Kräfte um die Vampire davon abzuhalten, ihre Stadt zu terrorisieren. Quinn Wilder hat sie seit dem Tag, an dem sie geboren wurde, mit den hungrigen Augen eines Pumas beobachtet. Als sie eine Jugendliche wurde, führte die Versuchung, sie als seine Partnerin zu nehmen schnell zu einem Zerwürfnis zwischen ihm und ihren überfürsorglichen Brüdern. Als ihre Väter einander im Kampf töteten, wurden die Banden zwischen den beiden Familien zerstört und sie wurde außer seiner Reichweite in Sicherheit gebracht. Während er sie aus der Entfernung beobachtet, findet Quinn heraus, dass der Vampirkrieg auch seine guten Seiten hat, wenn sie sich nicht davon fern hält. Kat Santos hatte den Besitzer des Night Light jahrelang nicht gesehen. Bis Quinn sich plötzlich entschließt, sie als Geisel zu nehmen und ihr vorwirft, sie hätte ihm die Vampirmorde in die Schuhe schieben wollen. Als sie erkennen, dass der Feind mit ihnen spielt, vereinigen die beiden Familien ihre Kräfte, um die Vampire davon abzuhalten, ihre Stadt zu terrorisieren. Als der Krieg in der Unterwelt eskaliert, geraten auch die Flammen des Verlangens außer Kontrolle, als das, was als eine Geiselnahme begann, sich schnell in ein gefährliches Spiel der Verführung verwandelt. Night Light Blutsbündnis-Serie Buch 2 Amy Blankenship, RK Melton Translated by Martina Hillbrand (https://www.traduzionelibri.it/profilo_pubblico.asp?GUID=fed007dfaf061d98c1cfff6a25035574&caller=traduzioni) Copyright © 2012 Amy Blankenship Deutsche Auflage herausgegeben von TekTime Übersetzt ins Deutsche von Martina Hillbrand Alle Rechte vorbehalten. Kapitel 1 Quinn Wilder sah sich in Warrens Büro um, war sich nicht sicher, ob es eine gute Sache war, herauszufinden, wer hinter den Morden steckte, oder nicht. Der Großteil des Schreiduells war vorbei… oder zumindest hoffte er das. Er schielte hinüber zu Kane, jetzt wo der Vampir dem Raum seinen Rücken zugewandt hatte. Kane hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich selbst zu verteidigen… Michael hatte das für ihn in die Hand genommen und gut gemacht. Er hätte auf den blonden Vampir wütend sein sollen, und gleichzeitig hätte er sich entschuldigen sollen, aber im Moment war alles, was er für Kane empfand eine merkwürdige Angst und, als Raubtier, gefiel ihm das nicht. Kane grinste als er aus dem Fenster starrte. Er sollte wirklich aufhören, die Gedanken von anderen Leuten zu lesen. Also die Jaguare und Pumas waren wieder zusammen… na und? Was erwarteten sie von ihm, dass er vor Freude tanzte? Nun, dumme Sache, er war dazu nicht in der Stimmung. „Die seelenlosen Vampire sind mindestens zehnmal so viele wie wir. Wenn ich mich richtig erinnere, war Devon immer ein aggressiver Kämpfer. Vielleicht sollten wir ihn anrufen und ihn bitten, dass er zurückkommt und hilft“, gab Steven seinen Pfeffer dazu. „So schnell, wie die Vampirarmee wächst, sinken unsere Chancen schnell ins Bodenlose. Wenn wir nicht eine eigene Armee aufstellen, dann können wir genauso gut einpacken und uns, verdammt noch mal, von hier verziehen.“ „Wenn die Familien nicht schon seit so langer Zeit zerstritten wären, würdest du wissen, dass Devon im Moment damit beschäftigt ist, seine zögerliche Partnerin um den halben Globus zu verfolgen“, antwortete Kat Steven, aber sie starrte mit zusammengezogenen Augenbrauen auf Quinn, als sie es sagte. „Der Sarkasmus ist angekommen“, grinste Steven. Sein großer Bruder hatte Kat fuchsteufelswild gemacht, indem er sie entführt hatte. Er schielte hinüber zu Quinn als er sich fragte, wieso sein Bruder nichts darüber gesagt hatte, dass Dean ihnen mit den Vampiren beim Club half. Einen der Gefallenen Engel auf ihrer Seite zu haben, gab ihnen das Recht, damit anzugeben… es sollte nicht geheim gehalten werden. Er hatte von dem anderen Gefallenen Engel gehört, der geholfen hatte, Devons Partnerin und ihre Freundin zurückzuholen, aber jetzt, wo der mit Devon und den beiden Frauen unterwegs war, war Dean der einzige Trumpf, den sie hatten. „Ich bin auch dafür, Devon zurück nach Hause zu rufen, in der Hoffnung, dass der andere Gefallene Engel… wie hieß er auch wieder?“ „Kriss“, informierte ihn Kat. „Wenn Kriss mit Devon zurückkommt, dann haben wir auch wieder deutlich bessere Chancen, denn wir haben schon einen der Gefallenen Engel, der bereit ist, uns zu helfen“, beendete Steven sein Statement. „Und wie meinst du, dass wir sie zurückbekommen sollen?“, fragte Quinn und schielte hinüber zu Warren. „Du weißt, wie die Männer unserer Art reagieren, wenn wir eine Partnerin gefunden haben. Die einzige Möglichkeit, wie wir Devon zurückholen können, ist, wenn seine Partnerin mitkommt.“ „Wie wäre es mit dieser Idee… Sag ihm die Wahrheit“, knurrte Kat und hielt Quinns Blick fest, als er sich umdrehte, um sie anzusehen. Sie hob eine Augenbraue und lächelte dann zufrieden, als er seinen Blick von ihrem losriss. Quinn zuckte innerlich vor ihrem Spott zurück, aber erwiderte nichts darauf. Kane nahm eine Zigarette aus seiner Schachtel und zündete sie an. „Ich muss zugeben, die junge Frau unter uns hat recht. Wenn du willst, dass die Kätzchen zurückkommen, musst du sie ködern.“ „Klar“, sagte Michael, versuchte, die Stimmung im Raum aufzuheitern. „Ich stelle einfach eine Schale mit Milch vor die Hintertür und warte dort mit einem Schmetterlingsnetz.“ Kane und Kat grinsten beide, als sie sich bildlich vorstellten, wie Michael im Dunklen mit einem Schmetterlingsnetz dasaß und darauf wartete, dass ein ahnungsloses Kätzchen kam und an der Milchschale schlabberte. „Kriss muss zurückkommen“, gestand Kat schließlich. „Ich habe ihn kämpfen gesehen, und er geht ab wie eine Rakete. Aber wenn mich meine Menschenkenntnis nicht trügt, dann wird er nicht ohne Tabby zurückkommen.“ „Wie bringst du einen Gefallenen Engel dazu, seinen Schützling alleine zu lassen, und sich einer Kriegspartei anzuschließen?“, fragte Steven. „Gar nicht“, behauptete Michael. „Die Gefallenen Engel sind dünn gesät. Die einzigen beiden, die ich je getroffen habe, sind Dean und Kriss, und du willst dich mit keinem von beiden anlegen.“ Er schielte hinüber zu Quinn. „Gibt es eine Chance, Dean dazu zu bringen, Kriss zu sagen, dass er seinen Urlaub abbrechen soll?“ Noch weitere Fragen wurden von der Jaguar-Seite des Raums aus gefragt, aber Kane fühlte kalte Schauer auf seiner Haut, als er nicht mehr zuhörte. Er wusste genau, von wem sie sprachen. Wenn Kriss zurückkommen würde… würde Tabatha ihm folgen. Alle außer Michael zuckten zusammen, als Kane sich plötzlich umdrehte und ihnen sein Gesicht zuwandte. „Der Krieg hat schon begonnen, also wenn ihr endlich fertig seid, euch zu küssen und zu versöhnen, könnt ihr euch vielleicht der Jagd anschließen.“ Er drückte das Fenster auf und sprang hinaus, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass es im zweiten Stock war. Sein langer, schwarzer Mantel flatterte hinter ihm und sah beinahe aus wie dunkle Flügel, ehe er außer Sichtweite absackte. Als Kane verschwunden war, verdrehte Michael seine Augen über den dramatischen Abgang seines Freundes und streckte die Hand aus, um das Fenster zu schließen. Alle anderen dachten, dass Kane am Boden gelandet war, aber er konnte ihn über ihnen fühlen, am Dach. Das Treffen war tatsächlich besser verlaufen, als Michael erwartet hatte. Michael fragte sich, ob Kane überhaupt klar geworden war, was er getan hatte, als er diesen Blutstein tief in Kanes Fleisch hineingedrückt hatte. Als er sein eigenes Handgelenk gebissen und Blut in Kanes Wunde tropfen hatte lassen, hatte er das mit zwei sehr guten Gründen getan. Einmal um die Stichwunde schneller heilen zu lassen, aber der zweite Grund war rein egoistisch gewesen: Mit seinem Blut, das nun in Kanes Adern schwamm, konnte er jede Bewegung seines Freundes verfolgen. Es ging ihm immer noch auf die Nerven, dass Kane eine ganze Weile in der Stadt gewesen war, und er nichts davon gewusst hatte. Er hatte nicht einmal nach ihm gesucht, weil er gedacht hatte, dass Kane tot war. Wenn er Kane ein wenig früher gefunden hätte… hätte er vielleicht dieses Chaos aufhalten können, ehe es aus Kanes Kontrolle herauswuchs. Aber jetzt, wo er Kane sein Blut gegeben hatte, war es besser als ein Sender. Wenn Kane sich entschied, wegzulaufen… würde er nicht weit kommen. „Ich verstehe nicht, wieso Kane sich darüber so aufregt, wenn er doch derjenige war, der die ganze Vampir-Explosion erst verursacht hat“, sagte Nick von der Tür her, an die er sich lehnte. Es war ihm egal, dass Michael dabei war, aber sich auf Kane zu verlassen, war eine schlechte Idee. Der Mann schien nicht wirklich stabil zu sein. „Du bist nur sauer, weil Kane beschlossen hat, nicht der Feind zu sein“, stellte Warren fest, obwohl auch er nicht wirklich glücklich mit Kane war. Aber er würde die Tatsache nicht zur Sprache bringen, dass Kane Quinn auch noch geholfen hatte, seine Schwester zu entführen… nicht bevor er besser wusste, wie es um die mentale Gesundheit des wiederauferstandenen Vampirs tatsächlich stand. Michael begann, Kane zu verteidigen, aber es gab zu viele Zehen, auf die er treten könnte, und genug Schuldgefühle, die sie umgaben. Er wusste, dass Kane noch immer etwas vor ihm versteckte, und er wollte unbedingt herausfinden, was es war, bevor es seinen Freund innerlich auffraß. Er wünschte sich, dass Kane sich beeilen und endlich erkennen würde, dass er nicht mehr alleine war. Auf der anderen Seite wusste Michael, dass Kane eine Erfahrung gemacht hatte, deren Schrecken er nie völlig verstehen können würde. Wenn er in derselben Situation landen würde, wusste Michael nicht, ob er seinen Verstand behalten könnte. Kane war von einem seiner besten Freunde betrogen und zu einer ewigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, fast ohne Hoffnung auf ein Entkommen. Seine Augen richteten sich auf das Fenster, als ihm klar wurde, dass er völlig vergessen hatte, zu fragen: Wie, zum Teufel, war Kane aus dem Grab entkommen? ***** Kane ging am Dach des Moon Dance auf und ab, seine Hände an seinen Seiten ballten sich abwechselnd zu Fäusten und entspannten sich wieder. Er konnte noch immer den Ausdruck auf Kriss' Gesicht sehen, als er ihn wie einen Müllsack durch die Lagerhalle geschleudert hatte. Er konnte die Gefallenen Engel nicht bekämpfen… niemand hatte eine Chance gegen die Macht, die sie besaßen. Selbst wenn sie Kriss zur Verstärkung riefen, und Tabatha mit ihm zurückkommen würde, wusste Kane, dass Kriss nicht vorhatte, sie zu teilen. Es geschah nicht oft, aber Kane würde den Blutstein, der in seinem Körper begraben war, darauf verwetten, dass der Gefallene Engel in Tabatha verliebt war. Und wenn das stimmte, dann hatte Kane keine Chance, auch nur in die Nähe seiner Seelenfreundin zu gelangen. Er hatte seine Chance verspielt, und das schmerzte ihn höllisch. Selbst wenn sie keinen Gefallenen Engel auf ihrer Schulter sitzen hätte, würde Tabatha nun nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Was die anderen betraf: ihm war es egal, ob die Formwandler ihn mochten oder nicht. Es ging hier nicht um Beliebtheit. „Vielleicht ist es besser, wenn sie mich nicht mögen“, flüsterte er, während sein Blick über die Stadt wanderte. Kane nickte energisch mit dem Kopf und vergrub seine Hände in seinen Taschen. Er würde lange genug bleiben, um die Stadt von dem Vampir-Chaos zu befreien, das er unabsichtlich ausgelöst hatte. Aber wenn das einmal erledigt war, würde er wieder alleine weiterziehen. Auf diese Weise, würde niemand da sein, der sich genug um ihn sorgte, um ihm zu folgen, wenn er sich entschied, abzuhauen. Der Gedanke machte ihn zappelig. ***** Trevor bog in Envys Einfahrt und schaltete den Motor ab. Er wollte dringend mit ihr reden und sehen, wie es ihr ging. Vielleicht hatte sie Zeit gehabt, darüber nachzudenken, was er ihr gesagt hatte… schließlich war es die Wahrheit gewesen. Als er auf den Gegenstand auf dem Beifahrersitz seines Autos sah, grinste er, bevor er ihn ergriff. Er hatte mit den Jeans, die er Anfang der Woche von Chad 'geborgt' hatte, eine ganze Menge angestellt, und jetzt wollte er sie zurückgeben. Das war seine gute Tat für heute. Hoffentlich war noch niemand wegen seines Sinns für Humor in der Hölle gelandet. Als er die Jeans auseinander faltete, betrachtete er den Schmutz und das schwarze Motoröl, das überall darauf verschmiert war. Er lachte innerlich, als er wieder seine Handarbeit am Schritt sah. Trevor hatte eine spezielle Ausnahme gemacht und sich in seine Hundegestalt verwandelt, um den Schritt aufzureißen. Hanna, die alte Katze von Frau Tully, die beschlossen hatte, bei ihm einzuziehen, war tatsächlich näher gekommen und hatte an den Jeans geschnuppert, bevor sie sich umgedreht hatte, ihren Schwanz hochgehoben und die Hosen besprüht hatte, um den Hundegeruch, der daran hing, loszuwerden. Trevor dachte, dass er in seinem ganzen Leben noch nicht so sehr gelacht hatte. „Perfekt“, flüsterte er. Er stieg aus dem Auto und näherte sich der Eingangstür, schleuderte die Jeans ins Gebüsch und musste schon wieder beinahe lachen, als sie von den Zweigen rutschten und in einem riesigen Ameisenhaufen landeten. Dies war unbezahlbar. Nachdem er auf den Klingelknopf gedrückt hatte, schob er seine Hände in seine Hosentaschen und wartete darauf, dass die Tür geöffnet wurde. Als sie endlich nach innen schwang, setzte Trevor eine schuldbewusste Miene auf. „Hi“, sagte er leise. Chad seufzte und lehnte sich an den Türrahmen. „Selbst hi, Fremder.“ „Sieh her, ich weiß, ich habe Mist gebaut und ich möchte mit Envy sprechen… oder es zumindest versuchen, wenn du versprichst, die Elektroschockpistole aus ihrer Reichweite zu halten“, erklärte Trevor mit einem leisen Lächeln. „Das würde ich, aber Envy ist nicht hier“, antwortete Chad als er sich vom Türrahmen weg drückte und sich aufrichtete. Jason hatte Trevors Namen in demselben Satz erwähnt, wie das Wort Stalker, und er hoffte, dass Jason unrecht hatte. „Sie hat sich ein wenig frei genommen und ist mit Tabatha und Kriss unterwegs. Ich weiß nicht genau, wann sie zurückkommen wird.“ Trevor atmete tief ein und nickte, als er erkannte, dass Envys Geruch nicht frisch im Haus war. Wenigstens log Chad nicht, als er sagte, dass sie nicht zu Hause war. „Dann muss ich dich bitten, ihr einige Informationen zu geben.“ „Wie zum Beispiel?“, fragte Chad und sah sehr ernst aus. „Sie muss sich von Devon Santos fernhalten. Er ist gefährlich und wird sie verletzen“, erklärte er in der Hoffnung, dass er Chad auf seine Seite holen konnte, wenn er auf seine brüderlichen Schutzinstinkte anspielte. Chad runzelte die Stirn über Trevors Warnung und verschränkte die Arme vor seiner nackten Brust. „So wie du, meinst du?“ Trevors selbstgefällige Einstellung machte einen Sturzflug. „He, was ich gemacht habe, war Teil meiner Arbeit. Ich wollte Envy nicht mit der Gefahr meines Jobs verletzen. Darum habe ich ihr nie gesagt, was ich beruflich mache.“ Er schaute weg und bohrte seine Hände tiefer in seine Taschen, wissend, dass Chad keine Ahnung hatte. Er hoffte dringend, dass Envy nicht alles, was er ihr gesagt hatte, Chad erzählt hatte. Zivilisten brauchten nichts darüber zu wissen, was nachts durch die Straßen geisterte… besonders keine Polizisten. „Ich habe ihr in jener Nacht, wo ihr mich im Club gefunden habt, gesagt, dass ich als verdeckter Ermittler arbeite, aber ich glaube, sie glaubt mir nicht“, fügte er hinzu und beobachtete Chads Reaktion genau um einen Hinweis darauf zu bekommen, ob er mehr wusste, als er wissen sollte. Chad seufzte: „Schau, ich weiß, du mochtest meine Schwester, aber sie ist über dich hinweg. Und ich glaube, du solltest das auch probieren. Ich sage es dir nicht nur als Arbeitskollege oder als Freund, ich sage es dir als jemand, der es selbst mitgemacht hat. Lass sie in Ruhe und lass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen. Deiner guten Absichten zum Trotz glaube ich, dass sie jetzt mit Devon zusammen ist.“ Trevor hob seinen Blick zu Chads Gesicht. „Was?“, fragte er drohend. „Soweit ich weiß, ist sie mit Devon zusammen“, wiederholte Chad emotionslos. Trevor fühlte, wie ein kalter Schauer über seinen Rücken lief, drehte sich um und stampfte ohne ein weiteres Wort weg von der Tür. Chad runzelte die Stirn, als er eine Katze durch die Windschutzscheibe von Trevors Auto sah, die sich auf das Armaturenbrett lehnte. Der andere Mann stieg eilig in sein Auto, ließ den Motor aufheulen und fuhr dann rückwärts aus der Einfahrt. „Jason“, verkündete Chad der Luft, „du hast dich hoffentlich geirrt, als du meintest, dass er ein Stalker ist.“ Chad wusste, dass Envy gemeinsam mit Devon die Stadt verlassen hatte, um mit Kriss und Tabatha auf einen kurzen Urlaub zu fahren. Nachdem Envy ihn schwören hatte lassen, es geheim zu halten, würde er Trevor das nicht sagen. Aber es war sowieso egal, denn es ging Trevor nichts mehr an, was Envy machte. Chad schüttelte seinen Kopf und drehte sich wieder um, um zurück ins Haus zu gehen, als er etwas Blaues aus dem Augenwinkel sah. Sein Gesicht leuchtete auf, als er seine Jeans sah, die dort am Boden lagen, und er lief hinüber, um sie aufzuheben, und zog eine Grimasse über die Ameisen, die darauf herumkrabbelten. Seine Freude verflog, als er die vielen Risse sah und seine Augen wurden so groß, dass sie fast aus seinem Gesicht fielen, als er sah, dass der Schritt vollständig herausgerissen worden war. Chad senkte die Jeans und starrte böse die Straße hinunter. „Hund, ich kriege dich.“ Kapitel 2 Kat war zum Fenster gegangen. Sie wollte so weit wie möglich von Quinn entfernt sein. Sie verdrehte fast die Augen, als sie erkannte, dass ihre Positionsänderung ihn mitten in ihr Sichtfeld gebracht hatte. Sie wünschte sich, dass Envy hier wäre. Sie musste wirklich mit der anderen Frau reden… oder einfach irgendeiner anderen Frau. Es wäre schön gewesen, ein wenig Verstärkung zu haben, in dieser Testosteron-geladenen Unterhaltung. Als sie sich im Zimmer umsah, erkannte sie, dass nicht alle der wichtigsten Mitglieder der Puma-Familie anwesend waren. „Wo sind Micah und Alicia?“, fragte Kat, denn sie meinte, dass sie auch dabei sein sollten… bei was immer dies hier war. Quinn sah Warren mit einem Gesichtsausdruck an, von dem er hoffte, dass der Jaguar ihn lesen konnte, und hinter ihm stehen würde, als er sagte: „Alicia ist im Internat und wir wollen sie nicht in diesen Krieg hineinziehen. Es ist zu gefährlich für Mädchen.“ Kats Gesichtsausdruck wurde noch finsterer und sie sah aus, als wäre sie bereit, den Kopf der Puma-Familie in Stücke zu reißen. „Und Micah?“, fragte Warren, ehe Kat Zeit hatte, einen Streit über diese letzte Bemerkung vom Zaun zu brechen. „Nicht erreichbar.“ Der Zorn in Quinns Stimme zog alle Augen neugierig auf ihn. „Wir haben es mehrfach versucht, aber er nimmt sein Handy einfach nicht ab.“ Steven seufzte über Quinns Dickköpfigkeit und unterbrach: „Micah ist seit zwei Wochen verschwunden.“ „Was?“, fragte Warren plötzlich wütend. „Wieso habt ihr uns nicht um Hilfe gebeten?“ „Wegen dem dummen Tagebuch“, spottete Kat. „Offensichtlich hatte er Angst, dass wir nicht damit umgehen können, was darin steht, weil wir so sensibel sind.“ Michael schüttelte seinen Kopf, wissend, dass er wohl den Schiedsrichter spielen würde müssen, bis die beiden Familien ihre Streitigkeiten beigelegt hatten. „Gut, also während wir uns um das Vampir-Problem kümmern, werden wir auch die Augen nach Hinweisen auf Micahs Verschwinden offen halten.“ „Die Logik spricht dafür, dass Micah irgendwann von selbst zurückkommt, wie immer“, meinte Quinn schulterzuckend. Kat starrte böse aus dem Fenster, immer noch kochend vor Wut. Wie konnte Quinn es wagen, zu sagen, dass Mädchen nicht dabei sein sollten? Sie konnten Alicia aus der Sache heraushalten, wenn sie wollten, und sollten das vielleicht auch tun, denn sie war jünger als alle anderen. Aber wenn sie es wagen sollten, zu versuchen, sie aufzuhalten, dann würden sie ihr blaues Wunder erleben. Das Problem war, dass sie sich jetzt auch noch Sorgen um Micah machte. Quinn hätte einfach alles andere ignorieren und sie anrufen sollen. Er wusste, dass sie geholfen hätten, ungeachtet aller Streitigkeiten. Na und, dann hatten ihre Väter einander umgebracht… die Sünden der Väter sollten nicht auf die Schultern der Kinder fallen. Obwohl sie es nicht wusste, stimmte Warren Kat insgeheim zu. Quinn hätte sie anrufen sollen, sobald Micah vermisst wurde. Er war sich der explosiven Streits, die die Brüder miteinander haben konnten, bewusst. Die Meinungsverschiedenheiten endeten normalerweise damit, dass Micah aus dem Zimmer stürmte und mehrere Tage nicht mehr auftauchte… aber nicht Wochen. Steven und Nick waren über die Jahre miteinander in Kontakt geblieben und Nick hatte ihn über die Puma-Familie auf dem Laufenden gehalten. Wenn Micah und Quinn sich stritten, sagte Micah normalerweise immer Steven Bescheid, wohin er ging, wenn er länger als einen Tag weg war. Dieses Mal hatte Micah keinem von ihnen eine Nachricht hinterlassen, was bedeutete, dass er nicht lange weg sein hatte wollen. „Nach dem gefährlichen Vampirnest, das Steven und ich in der Kirche gefunden haben, darf niemand heute Nacht alleine weggehen. Wir müssen Zweier-Teams bilden“, sagte Quinn, um vom Thema abzulenken. Steven hatte ein merkwürdiges Gefühl, als das Bild des Mädchens, das er in jener Nacht gefunden und wieder verloren hatte, in seinem Kopf aufblitzte. „Ich glaube, ich werde heute Nacht dorthin zurückgehen, um sicherzustellen, dass die Kirche noch sauber ist. Es kann sein, dass wir etwas übersehen haben.“ „Ich gehe mit Steven“, bot Nick an, der gerne Zeit mit seinem alten, Streiche spielenden Partner verbringen wollte. Panik wollte Kat einen Augenblick lang überkommen, als sie im Stillen abzählte. Michael würde zweifellos mit Kane gehen, und außerdem wollte sie sowieso nicht Kane als Partner, denn er war sehr instabil. Damit blieben Warren und Quinn. „Ich gehe mit Warren“, stellte Kat fest. „Nein“, korrigierte Warren. „Wir brauchen jemanden, der im Club die Stellung hält.“ „Nur weil ich eine Frau bin, heißt das nicht, dass ich nicht auch kämpfen kann“, warnte Kat und spazierte dann ruhig aus dem Zimmer. Alle Männer im Raum zogen ihre Köpfe zwischen die Schultern, als sie die Tür leise hinter sich schloss. „Verdammt“, flüsterte Nick. „Ich wünschte mir fast, sie hätte die Tür zugeworfen.“ Steven und Quinn hatten Kat seit ein paar Jahren nicht gesehen, aber sie konnten sich gut an ihr Temperament erinnern. Eine Tür, die sich leise hinter einer wütenden Kat schloss, war zehnmal schlimmer, als wenn sie sie krachend ins Schloss fallen ließ. Sie war wütend… nein, sie war schon weit über das Wütend-Level hinaus. Sie war richtig sauer. „Ich werde Devon anrufen, und ihm erzählen, was passiert“, erklärte Warren und zog sein Handy aus seiner Hosentasche. Er wollte seinem Bruder das wirklich nicht antun, aber wenn er nicht schleunigst nach Hause kam, dann würde möglicherweise nicht mehr viel von einem Zuhause übrig sein. Während er eine eingespeicherte Nummer wählte, ging er zu einer anderen Tür, die in ein angrenzendes Schlafzimmer führte. Warren wartete, während das Telefon am anderen Ende der Leitung lange klingelte. Schließlich hörte er, wie jemand den Anruf annahm und einen leisen Fluch, der gleich darauf folgte. „Was zum Teufel willst du?“, fragte Devon, der verschlafen, aber glücklich klang. Warren erzählte schnell, was seit der Abreise von Devon und Envy vor nicht einmal vierundzwanzig Stunden passiert war. Devon seufzte. „Verdammt, ich verlasse die Stadt und alles geht den Bach hinunter.“ „Ich gebe dir zwei Tage, dann musst du nach Hause kommen“, sagte Warren. „Du musst uns in diesen zwei Tagen auch noch einen Gefallen tun.“ „Was noch?“, fragte Devon, und klang gleich viel wacher. „Du musst Kriss fragen, ob er uns helfen wird. Sag ihm, dass Dean schon mit an Bord ist, aber wir werden ihn wohl auch brauchen. Wenn es sein muss, bringe Envy dazu, Tabatha zu überzeugen, dass wir Kriss hier brauchen, denn soweit ich das verstanden habe, wird der Gefallene Engel mitkommen, wenn sie zurückkommt.“ „Ich werde sehen, was ich tun kann“, sagte Devon. „Kriss ist komisch. Er hat so seine eigenen Gewohnheiten, wie du weißt.“ Warren nickte. „Erinnert mich an jemand anders, den ich kenne.“ Devon kicherte. „Gut, großer Bruder, aber ich kann nichts versprechen.“ „Wir sehen uns in zwei Tagen“, sagte Warren und legte auf. ***** Quinn bemerkte Kat in einem der Überwachungsbildschirme an der Wand. Nachdem alle anderen darauf warteten, dass Warren sein Telefongespräch beendete, trat er näher zu dem Monitor, so als langweilte er sich. Langeweile war bestimmt nicht das, was er fühlte, wenn er Kat betrachtete. Er hatte schon vor Jahren gedacht, dass sie schön war, aber er hatte unterschätzt, wozu sie werden würde. Über die Jahre hatte er Kat aus der Ferne beobachtet. Er hatte sogar Spione angestellt, um hier im Moon Dance zu arbeiten und ihm Bericht zu erstatten… obwohl die letzte Spionin zu einem der Mordopfer geworden war. Er spannte sich an, als ein Mann geradewegs dorthin ging, wo Kat hinter der Bar stand, und nach ihrem Arm griff. Mit dem perfekten Winkel der Kamera, erkannte Quinn sofort, dass der Typ nicht besonders guter Laune war. ***** Trevor ging schnellen Schrittes ins Moon Dance, konnte sich nicht wirklich entscheiden, ob er das Lokal in seine Einzelteile zerlegen wollte, oder seine Wut in ein paar Hektoliter Alkohol ertränken. Er hatte versucht, Envy zu kontaktieren, aber sie versteckte sich offensichtlich vor ihm. Tabatha und Kriss schienen ihre Anrufe ebenso wählerisch zu beantworten wie sie. Als er den alles-wissenden Bruder gefragt hatte, wo, zum Teufel, Envy war, hätte er am liebsten Chads Kopf abgerissen, dafür, dass er so vage blieb, was ihren Aufenthaltsort betraf. Trevor erblickte Kat, die hinter derselben Bar ausschenkte, wo sie immer arbeitete. Er streckte die Hand aus und ergriff ihren Arm, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, aber der Blick, den sie ihm zuschoss, als sie ihren Kopf ruckartig herumdrehte, veranlasste ihn dazu, einen Schritt zurückzumachen und sich zu setzen. „Der Sonderrabatt bei Elektroschockpistolen ist abgelaufen. Kann ich dir sonst etwas anbieten? Etwa eine lebenslange Mitgliedschaft in einem der anderen Clubs?“ Kat zwinkerte unschuldig mit ihren Wimpern. Als sie ihm endlich in die Augen sah und die Qualen erkannte, die dort herumschwammen, zuckte sie die Schultern. „Tut mir leid, mein eigentliches Ziel ist nicht erreichbar. Was darf's sein?“ Trevor rieb mit den Fingerspitzen seine Schläfen. Er würde verflucht sein, wenn er je das andere Geschlecht verstehen lernen würde. Es war ja nicht so, als würden sie es einem einfach machen. „Ein paar Antworten, wären schön.“ „Wie zum Beispiel?“, fragte Kat. „Wie, wo sich meine Freundin versteckt.“ Eine Augenbraue hob sich leicht an, als er wartete. „Deine Freundin? Hast du Envy so schnell ersetzt?“ Kat grinste, als sein Blick tödlich wurde. „Ach, du meinst Envy.“ „Meinst du?“, entgegnete Trevor sarkastisch. „Alles, was ich weiß, ist, dass deine Ex-Freundin und mein Bruder zu einer Art Hochzeitsreise aufgebrochen sind.“ Kat zuckte die Schultern, wusste, dass dies der Wahrheit näher kam, als Envy dachte. „Ich dachte, dass sie mit Tabatha und Kriss auf Urlaub ist?“ Trevor fühlte, wie sein Blutdruck gefährlich anstieg, als er sich fragte, ob Chad diesbezüglich gelogen hatte. Kat schenkte ihm schnell einen Shot Heat ein, hoffte, dass der die Wut zähmen konnte, die in seinen Augen flackerte. „Das ist sie auch. Tabby und Kriss sind mit ihnen gefahren.“ Sie schob das Glas über die Theke und fügte hinzu: „Der geht aufs Haus.“ Als sie zusah, wie er seinen Shot leerte, öffneten sich ihre Lippen leicht, als sie bemerkte, wie das Licht über der Bar die unvergossenen Tränen zeigte, die sich in seinen Augen sammeln wollten. Verdammt! Sie bereute es sofort, sich so unfreundlich benommen zu haben. Sie wünschte sich, dass Quinn dieselben Gefühle für sie gehabt hätte. Es wäre schön, wenn er irgendeine Emotion für sie zeigen könnte, oder darüber, was er für sie gefühlt hatte. Ja, sie würde sogar damit leben können, wenn Quinn sie einfach abservierte, wenn er wenigstens den Mut hätte, es ihr ins Gesicht zu sagen. Sie hob ihren Arm und legte sanft eine Hand auf Trevors Schulter, dann fiel ihr eine Möglichkeit ein, ihn abzulenken und gleichzeitig einen Jagdpartner zu bekommen. Kat lächelte, als die Idee in ihrem Kopf Form annahm. Er hatte sie in jener Nacht gerade heraus einen Jaguar genannt, also hatte er offensichtlich nicht darüber gelogen, dass er ein Agent war, der Paranormales untersuchte. Wenn die Jungs eine Armee wollten, dann war es das Mindeste, was sie tun konnte, zu helfen, einen Rekruten zu finden… nicht wahr? „Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich werde mich zu einem guten Ziel für die Vampire machen, die die Leichen vor unserer Tür liegen gelassen haben.“ Sie drehte sich um, um auf die andere Seite der Bar zu gehen, aber Trevor ergriff ihr Handgelenk so schnell, dass sie nicht sah, wie er sich bewegte. Sie hob nur eine Augenbraue und schaute auf die sie fesselnde Hand hinunter. „Du solltest mich vielleicht loslassen, es sei denn, du möchtest mir helfen.“ „Meinst du es ernst?“, fragte Trevor. Er hatte auch schon daran gedacht, dass es vielleicht Vampire waren, aus dem einfachen Grund, dass es dort scheinbar im Moment einen Baby Boom gab… oh, und die kleine Tatsache der halb zerstörten Abdrücke von Fangzähnen. Der Nachteil dabei war, dass er noch nie mit Vampiren zu tun gehabt hatte… nur im Training. Er brauchte einen Grund, so lange hierzubleiben, bis Envy wieder auftauchte, also wieso sollte er nicht mit der Schwester seines Mitbewerbers gemeinsame Sache machen? Als Kat nickte und ihre Hand langsam wegzog, schüttelte Trevor seinen Kopf, wusste, dass er dies bereuen würde. „Kommen deine Brüder nicht mit dir?“ „Sie gehen auch, aber in andere Richtungen.“ Sie machte einen Schmollmund. „Es scheint, dass niemand mit einem Mädchen zusammenarbeiten wollte.“ Wie um ihre Aussage zu bekräftigen, wählten Steven und Nick genau diesen Augenblick, um nach unten zu kommen und gemeinsam auf die Tür zuzusteuern. Nick warf Kat einen langen, bösen Blick zu, hoffte, dass sie die Nachricht verstand und tun würde, was Warren ihr aufgetragen hatte… hierbleiben, wo sie in Sicherheit war. Er fühlte sich etwas beruhigt, als sie ihm ein kleines Lächeln schenkte, als hätte sie ihm alles vergeben. Mit einem Blick auf die Tür, die nach oben führte, nickte Kat: „Verstehst du, heute Nacht schwärmen wir in Zweier-Teams aus, abgesehen von der ungeraden Zahl… also mir.“ Sie warf Trevor ein breites Lächeln zu, als wäre es ihr egal. „Aber das ist schon in Ordnung, es macht mir nichts aus, alleine auf die Jagd zu gehen.“ Trevor grinste und verschränkte seine Arme auf der Theke. Er beugte sich ein Stück nach vorne und bedeutete Kat, dasselbe zu tun. Dann flüsterte er zwei Worte. „Nicht alleine“, sagte er und schüttelte seinen Kopf. Quinn und Warren blieben stehen, als sie in den Nachtclub hinunter kamen. Warren wusste, dass sie heute Nacht überbesetzt waren, und die Bar problemlos laufen würde, aber das hielt ihn nicht davon ab, ein paar letzte Anweisungen zu geben. Während er das machte, starrte Quinn fast ein Loch in Trevor. Er hatte den Bildschirm nicht aus den Augen gelassen und gesehen, wie Trevor nach Kats Handgelenk gegriffen hatte… und den emotionalen Tanz, der daraufhin gefolgt war. Wie nahe stand Kat diesem Mann? So wie sie sich benahmen, schien es fast, als teilten sie ein Geheimnis, das die anderen nicht hören durften, und das nagte an seinen Nerven. „Wer ist der Mann bei Kat?“, fragte Quinn als Warren mit seinen Funksprüchen fertig war. Warren drehte sich um, und sah Envys Ex-Freund. Er ging davon aus, dass Kat Trevor erklärte, dass Envy nicht mehr zu haben war, und das war eine gute Idee, denn wenn Trevor nicht mehr wegen seiner verlorenen Liebe herkam, dann würde der paranormale Ermittler vielleicht woanders seine Nachforschungen anstellen. „Das ist nur der ortsansässige Masochist, dem es Spaß macht, sich von hübschen Frauen Elektroschocks verpassen zu lassen.“ Warren grinste über seinen eigenen Scherz. Als Quinn nicht lächelte, bereute er plötzlich, dass er nicht Michael als Partner gewählt hatte. Er fragte sich, ob es zu spät war, um noch einmal zu wechseln, aber dann verwarf er den Gedanken wieder. Quinn und Kane als Partner wären ein Desaster, das nur darauf wartete, zu passieren. Trevor fühlte, dass ihn jemand anstarrte und sah hinüber zur Tür. Er konnte die Überraschung in seinem Gesicht kaum verbergen, als er Quinn Wilder mit Warren Santos sah. Wenn er nicht den Verdacht hätte, den er nun hatte, dann würde Trevor glauben, dass die beiden in die Morde verwickelt waren, und ihre nächsten Aktionen planten. Aber diese Schlussfolgerungen überließ er den Idioten des lokalen Polizeikommandos. „Was macht der Besitzer des Night Light hier?“, fragte Trevor als er sich wieder zu Kat umwandte. „Wir alle versuchen, das Problem mit den Vampiren zu lösen“, sagte Kat, als sie herausfordernd Quinns Blick festhielt. Oh ja, er sah ein wenig bestürzt aus. Nur um ihre Theorie zu testen, beugte sie sich zu Trevor nach vor, als würde sie ihm süße Worte in die Ohren flüstern. „Hast du irgendwelche Waffen, die wir nutzen können, um unsere Chancen zu erhöhen?“ Sie zwinkerte, wissend, dass sie soeben einen Partner für diese Nacht gefunden hatte. Trevor dachte einen Moment lang darüber nach, listete in Gedanken all die Dinge auf, die er in seinem Kofferraum hatte. „Ja, ich habe ein paar Sachen in meinem Auto“, gab Trevor zu. „Wir müssten für noch ein paar Extras in meine Wohnung gehen.“ 'Perfekt', dachte Kat innerlich. Während Warren und Quinn an der Bar vorbeikamen, wurde Warren noch einmal durch einen Funkspruch abgelenkt. Quinn störte die Verzögerung nicht. Damit erhielt er einen Augenblick, um herauszufinden, was mit dem glücklichen Paar an der Theke los war. Kat sah Quinn kommen und ging schnell ein paar Schritte die Bar entlang, sodass Trevor nicht lauschen konnte, und Quinn die Tarnung nicht auffliegen ließ. Während sie nach einer Flasche griff, drehte sie sich herum und sah Quinn, der zwischen ihr und der Bar stand. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte Kat mit einer sarkastisch gehobenen Augenbraue. „Sie wissen schon, dass Kunden nicht hinter die Bar dürfen, ja?“ Quinn machte einen Schritt auf sie zu, obwohl er ihr ohnehin schon sehr nahe stand. Indem er eine Hand neben ihrem Arm auf das Regal stützte, schloss er sie ein, wo sie stand. Als er sah, wie ihr Blick wieder zu dem Mann, mit dem sie gesprochen hatte, wanderte… knurrte Quinn: „Lass dich heute Nacht nicht ablenken, Kat. Ich warne dich. Nur weil du nicht mit uns auf die Jagd gehst, bedeutet das nicht, dass nicht ein Vampir hier durch die Tür hereinspazieren kann.“ Kat seufzte, wusste, dass dies der älteste Trick der Welt war. Lass jemanden glauben, dass er wichtig war, indem man ihm einen gefahrlosen, kleinen, unwichtigen Auftrag gab. „Ich mache das schon“, erklärte sie ihm, während sie sich unter seinem Arm hindurch duckte und zurück zu Trevor ging. „Und wenn ich etwas brauchte, habe ich schon jemanden gefunden, der mir helfen will.“ Den letzten Satz sagte sie mit einer verführerischen Note in ihrer Stimme. Diese war eine Lüge, aber Quinn hatte sie zornig gemacht. Sie grinste innerlich, wissend, dass Quinn dachte, dass sie auf sexueller Ebene gemeint hatte, während Trevor wusste, dass sie die Vampirjagd der heutigen Nacht meinte. Warren wählte diesen Moment, um sein Gespräch zu beenden und Quinn zu bedeuten, dass er fertig war, und gehen wollte. Quinns Mund wurde schmal, als er hinter Kat trat und sich nach unten beugte, wobei seine Lippen beinahe ihr Ohr streiften. „Ich wünsche dir eine sichere Nacht.“ Er sah zufrieden zu, wie die Gänsehaut sich über ihren Hals und ihre Schulter ausbreitete. Kat ergriff die Theke als ihre Knie schwach wurden. Sie hielt sich dort fest und zuckte dann zusammen, als sie Michaels Stimme von direkt hinter ihr hörte. „Sei vorsichtig, wie fest du die Katze am Schwanz ziehen willst, Liebling“, wies sie Michael hin, dann nickte er Trevor zu, bevor er ging um Kane am Dach zu treffen. Trevor runzelte die Stirn über den überraschten Ausdruck auf Kats Gesicht. „War das nicht ein Vampir?“ „Nein, das war ein Gentleman und er hilft uns, die wirklichen Monster auszuforschen“, sagte Kat überzeugt, als sie im Stillen hinzufügte: 'und er ist der einzige, der nicht vehement dagegen war, dass ich heute Nacht auch losziehe.' „Aber es scheint, dass wir in Rückstand geraten. Bist du bereit?“ ***** Kane schritt am Dach auf und ab, rauchte eine Zigarette und warf ab und zu seine Arme in die Luft. Er wurde langsam zappelig während er darauf wartete, dass Michael auftauchte. „Jaguare und Pumas“, grummelte er. „Sie sind schlimmer als Hauskatzen. Jeder will die anderen dominieren. Ich würde mich noch lieber den Kojoten anschließen, als mich damit abgeben.“ Michael kam über die Dachkante direkt hinter Kane und erwischte ihn in seiner aufgeregten Hasstirade. Er runzelte die Stirn, als Kane augenblicklich verstummte und seinen Blick abwandte, als er seine Anwesenheit bemerkte. „Verdammt, Kane, werden wir darüber reden, was dich stört, oder nicht?“, fragte Michael, während er den Abstand zwischen ihnen beiden überbrückte. „Oder nicht“, antwortete Kane. „Gut.“ Michael wartete, wissend, dass Kane die Stille zwischen ihnen mehr hasste, als einen Streit. Er liebte es, wenn er recht hatte. Kane ging hinüber zum Rand des Dachs, um den Abstand zwischen ihnen wieder zu vergrößern. Er hatte vergessen, wie Michael sich an ihn heranschleichen konnte… es war so lange her. „Raven schien ein wenig enttäuscht, dass seine Armee in der Lagerhalle nicht vollzählig war… einige seiner Verrückten fehlten. Ich schätze, die Vampire, die unsere kleine Todesparty verpasst haben, brauchten eine Unterkunft für den Tag, also werde ich mir das ansehen.“ Michael sagte kein Wort, als Kane sich wieder vom Dach fallen ließ und am Gehsteig darunter landete. Gerade als er an die Dachkante trat, um sich ebenfalls fallen zu lassen, erregte etwas auf dem Dach auf der anderen Straßenseite seine Aufmerksamkeit. Michael riss seinen Blick herum, um dorthin zu sehen und erhaschte einen kurzen Blick auf einen Schatten, der gerade verschwand. Etwas an dem Schatten war ihm bekannt erschienen, aber er konnte es nicht genau sagen. Hatte Kane einen Verfolger, oder war er selbst das Ziel? Er versuchte, das Gefühl im Augenblick zu unterdrücken und schielte hinunter, lächelte, während er fiel. Obwohl er Kane nicht mehr sehen konnte, und er den Weg zur Lagerhalle kannte, folgte er nicht seinem eigenen Weg, sondern ließ sich von seinem Blut in Kanes Adern leiten. Als er die Lagerhalle erreichte, konnte er die Schreie der Vampire hören, die Kane überrascht hatte. Er hielt in der Tür inne und mithilfe seiner ausgezeichneten Augen sah er in die Dunkelheit des riesigen Raums. Kane hatte schon zwei Vampire, die ihn angriffen, und noch weitere schienen zu denken, dass es eine großartige Idee war, dass sie sich aufgeteilt hatten. Er trat in die Lagerhalle, zog die Tür hinter sich zu und wollte auf Kane zugehen, als dessen Stimme ertönte. „Lass mich das machen. Sieh nur zu, dass niemand an dir vorbeikommt“, sagte Kane ein wenig atemlos während er das Genick eines Vampirs umdrehte, der versuchte, seine Kehle herauszureißen. Er fuhr herum, als sich Fangzähne in seine Schulter bohrten, wodurch er seinen Griff um sein erstes Opfer verlor. Beide von Michaels Augenbrauen verschwanden unter seinem struppigen Haar, aber er ging wieder zur Tür zurück. „Gut, wenn du sicher bist.“ Er verschränkte die Arme vor seiner Brust und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Metall. „Nun… mir ist langweilig“, sagte er nach kurzer Zeit und sah zu den seelenlosen Vampiren, die noch nicht kämpften. „Ich nehme an, keiner von euch will mir den Gefallen tun, davonzulaufen?“ Als Kane es schaffte, den ersten Vampir zu köpfen, drehte sich einer, der daneben gestanden hatte, um, um das zu tun, was Michael vorgeschlagen hatte, aber Kanes Arm streckte sich aus und packte ihn an der Lederjacke, die er trug. „Das glaube ich nicht“, knurrte er, während er den anderen in den Kampf verwickelte. „Hat dir deine Mutter nicht beigebracht zu teilen?“ Michael lächelte, als er beobachtete, wie Kane ordentlich hergenommen wurde. Er hatte das Gefühl, dass Kane im Moment die Schmerzen brauchte, um sich lebendig zu fühlen. Er hatte keine Zweifel, dass Kane als letzter Vampir übrig bleiben würde, und das Ventil um seine Wut und seine Aggressionen freilassen zu können, könnte seinem Freund sogar helfen, sich wieder zu öffnen… die beste Therapie. „Meine Mutter war eine Diebin“, antwortete Kane, während er hochsprang und beide seiner Füße in die Brust eines Vampirs rammte, der wie verrückt auf ihn zu rannte. Der Vampir flog davon und Kane landete auf seinem Rücken. Mit einer schnellen Bewegung war er sofort wieder auf den Beinen. „Sie teilte nicht.“ „Wir beide wissen, dass deine Mutter keine Diebin war“, warf Michael ein. „Sie war eine wohl erzogene Dame.“ Kane wurde ins Gesicht geboxt und fiel nach hinten. Michael verfolgte die Bewegung mit den Augen, als Kane an ihm vorbei segelte und in genau die gleiche Geröllhalde flog, in die Kriss ihn schon geschleudert hatte. Er seufzte, als er sich ganz darüber klar wurde, dass Kane langsam zu einem blutigen Schmutzfink wurde. Kane stürzte sich wieder vorwärts in den Kampf, zerriss die Mistkerle in Stücke, wie sie gerade kamen. „Brauchst du schon Hilfe?“, fragte Michael, wobei er die Geräusche von brechenden Knochen und Füßen, die in immer größer werdende Blutlachen platschten, übertönen musste. Er lachte sogar, als Kane begann, einen von Syns Zaubersprüchen zu sprechen, aber in den Mund geboxt wurde, bevor er fertig war. „Nein“, knurrte Kane während er Blut in das Gesicht desjenigen spuckte, der ihn so fest getroffen hatte, dass er Sterne sah. Er ergriff ein Stück Holz von einem Stuhl, der im Laufe des Kampfes zerbrochen war, und stieß es so fest in den Mund des Vampirs, dass es an der Rückseite seines Halses wieder herauskam. Michael verzog das Gesicht, aber mischte sich nicht ein. Er beobachtete alles genau, zählte drei Vampire, die besiegt waren, und vier, die noch fehlten. Kane war ein furchtloser Kämpfer, jetzt noch mehr als bevor er lebendig begraben worden war. Was Michael an eine der Fragen erinnerte, die er noch nicht gefragt hatte: wie hatte Kane den Fesslungszauber ohne das Blut seiner Seelenfreundin brechen können? Weniger als zwanzig Minuten später sank Kane auf seine Knie. Er schielte durch den roten Nebel seiner Sicht zu dem Platschen, das sich näherte. Er wischte das Blut von seinem Mund und versuchte, sich selbst vom Boden hoch zu stemmen. Er lachte, als es nicht funktionierte, weil der Boden so rutschig war vor lauter Blut. „Und der Gewinner bekommt hundert Pflaster und eine entspannende Nacht in Michaels Haus.“ Er beugte sich nach unten und schlang seinen Arm um Kanes Taille, um ihm aufzuhelfen. Sie beide schwankten, bevor sie ihr Gleichgewicht fanden. „Du hast ein Haus?“, fragte Kane, der hoffte, dass er nicht ohnmächtig werden würde, ehe er dort ankam, wenn er nur weiterredete. Er wusste, wo Michael wohnte, aber er wollte es nicht zugeben, denn das würde Michael nur daran erinnern, dass er sauer auf ihn sein sollte, weil er nicht auf Besuch gekommen war. Er war selbst auch nicht so besonders stolz darauf, aber er hatte das Bedürfnis gehabt, Abstand zu halten. „Ja, ich bin richtig erwachsen, mittlerweile. Außerdem sind Särge so von gestern.“ Innerlich zog er den Kopf ein, als ihm klar wurde, dass Kane diesen Witz nicht so lustig finden könnte. „Die Bude ist riesig. Es war früher eine Art Viktorianisches Kunstmuseum, bis sie eine bessere Version davon in Beverly Hills gebaut haben. Vielleicht würde es sich mehr wie ein Zuhause anfühlen, wen du bei mir einziehen würdest.“ „Ich möchte einen Welpen“, erklärte Kane völlig zusammenhanglos während er sich auf die Routine konzentrierte, einen Fuß vor den anderen zu setzen, die einen normalerweise davon abhält, umzufallen. „Du willst was?“, fragte Michael. „Wenn wir zusammenziehen, dann darf ich einen Welpen aussuchen.“ Michael musste über seinen alten Freund grinsen. Es schien, dass Kanes Liebe für Hunde über die Jahrzehnte nicht verblasst war. Kapitel 3 „Also was ist mit Micah?“, fragte Nick Steven, als sie auf dem Parkplatz neben der Kirche zwischen zwei Bussen parkten. „Micah und Quinn hatten ihren üblichen Streit darüber, wer die Regeln aufstellt und Micah ging weg, um Dampf abzulassen“, antwortete Steven, während er aus dem Auto stieg. Er dachte immer noch, dass es lustig war, dass alle Autos der Jaguare… erraten… Jaguare waren. „Zum Teufel, sie haben voneinander kämpfen gelernt, also ein kleiner Streit ist keine große Sache.“ „Wieso ist er dann nicht zurückgekommen?“, wies Nick auf die ungemütliche Tatsache hin. „Das ist die Frage, nicht wahr?“, seufzte Steven. „Quinn meint, dass Micah abgehauen ist, aber ich weiß es besser.“ „Wieso bist du so sicher?“, fragte Nick neugierig. „Weil Alicia erst zwei Wochen zu Hause war, ehe er verschwand. Micah hatte schon die Tage gezählt, bis er sie endlich nach Hause holen konnte. Selbst als Nathaniel noch am Leben war, war es Micah gewesen, der mehr wie ein Vater für sie war. Er würde nie einfach weggehen, jetzt, wo sie zu Hause ist.“ Er zuckte die Schultern und fügte hinzu: „Oder wenn er sich schon entschließen würde, die Familie zu verlassen, dann würde er sie wenigstens mitnehmen.“ Nick nickte und fragte sich, ob die Vampire für Micahs Verschwinden verantwortlich waren. Irgendwie klang dies nicht wirklich gut, also hoffte Nick für Micah, dass dieser einfach seine Fassung verloren und sie noch nicht wiedergefunden hatte. Er würde Alicia morgen noch weitere Fragen stellen. Steven sah hoch zu der riesigen Kirche mit all ihren Verzierungen und Statuen. Die Tatsache, dass sie aus Rom importiert worden war, sprach Bände über das Geld, das die sündhaften Menschen, die sie besuchten, haben mussten. Die besonders Reichen waren die, die am meisten Sünden begingen, darum war ihnen die Religion nach außen hin so wichtig. Die Wahrheit war, dass dies der Ort war, wo der Bürgermeister der Stadt jeden Sonntag hinkam, um nach der Messe mit der Mafia Hände zu schütteln und Geld zu übergeben. Also war die Frage, die er sich selbst stellte… wieso war das Mädchen mitten in der Nacht alleine hier gewesen? Die Kirche war fast ganz dunkel, bis auf ein paar Fenster im zweiten Stock, die erleuchtet waren. Soweit er sich erinnern konnte, waren das wohl die Büros. Er fragte sich, ob der Priester, den er in Sicherheit in dem Schrank zurückgelassen hatte, hier wohnte. Das war ihm bisher noch gar nicht in den Sinn gekommen. Die Christen waren ein hingebungsvolles Völkchen, das musste er ihnen lassen. Er hatte Nick schon erzählt, was in jener Nacht geschehen war… naja, zumindest das meiste davon. Auf gar keinen Fall würde er den Vorfall mit dem Kleid des Chorjungen erwähnen. Steven schüttelte den Kopf, zog an der Eingangstür und erwartete, dass sie verschlossen war, aber leider ging sie einfach auf. „Nicht besonders intelligent.“ Nick runzelte die Stirn, als er das Messer mit Knochengriff aus seinem Ärmel schüttelte und das Gebäude betrat. „Man möchte meinen, dass sie die Türen absperren würden, nach dem, was hier geschehen ist.“ „Vielleicht ist es wie in der Werbung… es ist immer offen.“ Steven zuckte die Schultern, aber sah sich vorsichtig um, als er eintrat. „Oder der alte Priester erwartet Besuch.“ „Ich kann nur wiederholen: nicht sehr schlau“, sagte Nick ärgerlich, wissend, dass sie nicht die einzigen paranormalen Kreaturen in dem Gebäude waren. „Ich rieche Menschen im Obergeschoss, aber da ist noch etwas Anderes, und ich bezweifle, dass es kam, um eine Beichte abzulegen.“ „Ich gehe rauf, um sicherzustellen, dass der Priester in Sicherheit ist. Wenn du Vampire findest, sei so klug und lass sie in Ruhe, bis wir Verstärkung rufen.“ Steven ging die Treppe hinauf und ließ Nick zurück, wo er selbst entscheiden musste. Nick nickte und suchte nach dem Untergeschoss der Kirche. Meistens waren die schlimmeren Monster dort… je tiefer unten, umso besser gefiel es ihnen. Er machte sich nicht die Mühe, sich zu verstecken, als er sich umsah, denn der Feind konnte in der Dunkelheit ebenso gut sehen, wie er. Als er die Tür fand, auf der 'Keller' stand, öffnete Nick sie und lief schnell die Treppen hinunter. Er rümpfte seine Nase über den feuchten, abgestandenen Geruch und nieste. Er hatte Keller immer gehasst. Steven machte dasselbe oben, öffnete Türen und schielte hinein, wenn er an einer vorbeikam. Als er Licht unter der Tür desselben Büros wie in der letzten Nacht durchscheinen sah, klopfte er diesmal an. Er konnte den Geruch hinter der Tür riechen und wusste, dass der alte Mann alleine war. „Bist du das, Jewel?“, fragte die alte Stimme. Steven machte schnell einen Schritt zurück, als die Tür sich schwungvoll öffnete… er und der Priester standen einander Angesicht zu Angesicht gegenüber. Das freundliche, alte Gesicht mit dem weichen Ausdruck veränderte sich langsam, seine Augen wurden groß und der Mund öffnete sich. Steven hob seine Hand, wusste, was als Nächstes kommen würde, und wurde nicht enttäuscht, als der Priester versuchte, ihm die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Indem er gegen die Tür drückte, betrat Steven den Raum und ließ zu, dass das Gewicht des alten Mannes die Tür hinter ihm schloss. Er wirbelte herum und ergriff die Waffe, die daraufhin erschien und warf sie quer durch das Zimmer, wurde langsam wütend. „Ich habe es Ihnen schon letztes Mal gesagt, ich bin kein Vampir.“ „Ich wurde im Schrank wach“, erinnerte der Priester, während er rückwärtsging, bis er an seinen Schreibtisch stieß. Steven seufzte während er zusah, wie die Hände des alten Mannes den Tisch absuchten, offensichtlich um eine weitere Waffe zu finden. „Er hob eine Augenbraue, als er sah, wie sich die Finger um einen Tacker klammerten. „Ich möchte Sie nicht verletzen“, erklärte Steven. „Aber wenn Sie den Tacker nicht loslassen, dann werden Sie wieder in dem Schrank aufwachen.“ Er nickte dankbar, als der Mann das Gerät langsam losließ und sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, die nicht so beeindruckend war, verglichen mit Steven. „Ich habe das Gefühl, dass Sie nicht gekommen sind, um eine Beichte abzulegen.“ Angst war noch immer hörbar in der Stimme des alten Mannes. „Oh Vater, ich weiß, dass ich gesündigt habe“, grinste Steven, aber als er sah, dass der Witz nicht ankam, ergriff er einen Stuhl und drehte ihn herum, wobei er den Schrecken über die schnelle Bewegung erkannte. Er unterließ es, seine Augen zu verdrehen und setzte sich, die Stuhllehne zwischen den Beinen, die Arme auf der Lehne aufgestützt. „Zählt es nicht, dass ich mit ein Grund dafür bin, dass Sie noch am Leben sind? Wenn ich Sie nicht aus dem Weg befördert hätte, wären Sie vielleicht nicht mehr auf der Seite der Engel.“ „Wie haben Sie…“ Der Geistliche sah plötzlich viel älter aus, als er um den Tisch herum ging und sich schwer auf seinen Stuhl fallen ließ. „Als ich wieder zu mir kam, ging ich hinunter und fand Fremde, die aufräumten. Dieses Chaos… ich habe mich versteckt. Sie waren so schnell und still bei der Sache. Konnten Sie das alles tun?“ „Würden Sie mir glauben, wenn ich Ihnen sage, dass wir einen Engel auf unserer Seite hatten?“ Als der Mann sein Kinn hob und ihm einen ernsten Blick zuwarf, fuhr Steven fort: „Mein Freund und ich sind hier, um sicherzugehen, dass die Kirche noch sauber ist.“ „Sie meinen, da sind noch mehr?“ Der Priester rieb sich sein Gesicht. „Ich weiß, dass da noch mehr sind. Die Frage ist, wo sie sind.“ Steven stand auf, wusste, dass er Nick schon zu lange allein gelassen hatte. Sein Freund war dafür bekannt, furchtlos zu sein, und das machte ihn nervös. „Wir wollen nicht, dass sich die Vorfälle von jener Nacht wiederholen.“ Der Geistliche beäugte ihn, als suchte er nach einer Lüge. Schließlich seufzte der ältere Mann und nickte. „Gut, aus irgendeinem Grund glaube ich Ihnen. Manchmal sind die Wege des Herrn unergründlich. Machen Sie, was Sie tun müssen.“ „Hoffentlich finden wir dieses Mal keine… Dämonen, und Sie können wach bleiben, wenn Sie versprechen, dass Sie hier drinnen bleiben.“ Er erinnerte sich daran, was der Priester gesagt hatte, als er die Tür geöffnet hatte. „Erwarten Sie jemanden?“ „Ja, sie hätte eigentlich in jener Nacht kommen sollen, aber…“ er zeigte mit dem Daumen auf den Schrank. „Sie rief mich vor einer Stunde an, um mir zu sagen, dass sie unterwegs ist.“ Steven fühlte, wie sein Puls schlagartig anstieg. „In der Nacht war hier ein Mädchen und ich muss mit ihr reden… blondes Haar, wunderschön. Kennen Sie sie?“ „Jewel?“, fragte der Priester. „Klar, ich soll sie verheiraten.“ „Was!“, sagte Steven etwas zu laut, dann knurrte er. „Seit wann heiraten alte Priester junge Mädchen?“ „Sie sind ein ganz Schlauer.“ Der Geistliche schüttelte den Kopf, dann wurde er stur. „Nicht mit mir… außerdem geht es Sie nichts an. Lassen Sie das Kind in Ruhe. Sie hat schon genug Probleme mit den Monstern, die sie schon kennt. Ziehen Sie sie bloß nicht in einen Dämonenkrieg hinein.“ Steven runzelte die Stirn, ihm gefiel nicht, wie das klang. Er würde Geld darauf setzen, dass der Priester eigentlich Gangster, nicht Monster, sagen hätte wollen. Er mochte beide Sorten nicht, da er sich mit seinen eigenen Gangstern schon herumschlagen musste. Sie besuchten gerne das Night Light, denn es war einer der luxuriöseren Clubs in der Stadt. Es hilft beim Entspannen, wenn das ärmere Klientel es sich nicht leisten kann, durch die Türen zu kommen. Er hatte sie über die Jahre langsam verjagt, und wann immer es ein Problem gab, war immer irgendetwas und sie verschwanden alle zusammen. Irische Pöbel. Italienische Pöbel. Russische Pöbel. IRA-Mitglieder, Ex-KGB, Yakuza, und sogar gerüchteweise Mitglieder der fabelhaften Illuminati… Steven war es alles egal. Sie waren alle aus demselben Holz geschnitzt, wenn man ihn fragte. Aber manchmal konnte es nicht schaden, ein paar auf der eigenen Seite zu haben. „Rufen Sie sie an und sagen Sie ihr, dass sie heute Nacht nicht herkommen soll.“ Er rückte das Telefon näher zu dem alten Mann und verschränkte seine Arme während er darauf wartete, dass der Priester tat, was ihm aufgetragen worden war. Die Lippen des alten Mannes wurden schmal. Wenn er in ihrem Haus anrief und ihr Vater antwortete, würde Jewel große Probleme bekommen und vielleicht mit dem Gesicht nach unten in irgendeiner Seitenstraße erscheinen. Die Tatsache, dass er ein Priester war, würde ihr dann vermutlich auch nicht helfen. „Sie kommt nicht“, sagte er zögernd, dann wiederholte er mit festerer Stimme und einem Blick zur Uhr an der Wand: „Sie würde schon hier sein, wenn sie kommen würde.“ Steven fühlte die Enttäuschung darüber, dass er sie nicht sehen würde, und die Befriedigung darüber, dass sie in Sicherheit war, in seiner Brust aufeinander krachen. In dem Versuch, sich abzulenken, stand er auf und stellte den Stuhl wieder dorthin zurück, wo er ihn weggenommen hatte. „Ich komme nachher wieder, um Ihnen zu sagen, was wir gemacht haben.“ „Warten Sie!“, rief der Priester, als Steven die Tür öffnete. „Wenn Sie sie sehen sollten…“ „Schicke ich sie geradewegs zu Ihnen“, versprach Steven und verließ den Raum. Steven schloss die Tür und schüttelte den Kopf während er den Flur hinunterlief. Dieses Stockwerk war sauber, und er musste Nick wiederfinden, ehe etwas in die Luft flog. Als er nach unten kam, sah er sich um, aber konnte Nick nirgendwo sehen. „In Ordnung, wo, zur Hölle, steckst du?“, murmelte Steven und begann, Türen zu öffnen um dahinter nachzusehen. Er fand die Tür in den Keller offen und hätte sich selbst eine Ohrfeige verpassen können, als er Nicks Gedanken erkannte. „Dunkle Orte, unter der Erde… klar doch!“ Steven bemühte sich, viel Lärm zu machen, als er die Treppen hinunterlief und seine Nase über die feuchte Hitze rümpfte. „Verdammt, das stinkt hier.“ Er näherte sich einer weiteren offenen Tür und trat durch. Nick stand vor dem Wasserboiler, dessen Tür weit offen stand, und stocherte mit einem Eisenstab im Feuer herum. „Etwas gefunden?“, fragte Steven. Zur Antwort zog Nick das Eisen aus dem Feuer, und die verbrannten Überreste eines Schädels baumelten daran von der Augenhöhle. „Ich glaube, wir können davon ausgehen, dass einige der Menschen, die auf der Liste der verschwunden Personen stehen, in nächster Zukunft nicht wieder auftauchen werden.“ „Ich denke, diese Kirche ist der zentrale Ort für jemanden von der lokalen Mafia, um ihren Geschäften nachzugehen“, erklärte Steven. „In einer katholischen Kirche?“, fragte Nick scharf. „Ist denn gar nichts mehr heilig?“ Steven zuckte die Schultern. „Es ist, wie man sagt: nichts ist sicher, außer der Tod und die Steuern.“ Nick ließ den Schädel zurück in den Boiler fallen und schloss die Tür. „Oder in unserem Fall: Fell und Kätzchen.“ Die beiden Männer schnaubten belustigt, ehe Steven wieder etwas ernster wurde. „Okay, wir müssen uns wirklich wieder auf unsere Arbeit konzentrieren.“ Sie trennten sich, beide suchten auf unterschiedlichen Seiten des großen Raums, bis Steven etwas hinter einer der riesigen Mülltonnen, die voller Holzpfosten waren, erkannte. „He, Nick, hilf mir mal hier.“ Nick kam herbei und half Steven, die Mülltonne soweit zur Seite zu rücken, bis sie eine bessere Sicht hatten, was nicht sehr weit war. Ein kleiner, enger Tunnel war in den Stein gegraben worden, und führte geradewegs in den Boden. Es war stockdunkel und die beiden Katzen hatten Mühe, etwas darin zu erkennen. „Wir sollten uns das wohl ansehen“, meinte Nick und ging auf das Loch zu, um seinen schlanken Körper durch die Öffnung zu zwängen. Steven streckte seine Hand aus, ergriff Nicks Arm und schüttelte seinen Kopf. „Nein, wir gehen zurück und erzählen Warren und Quinn, was wir gefunden haben. Ein Puma ist verschwunden, und meiner Meinung nach ist das ein Puma zu viel. Ich möchte nicht auch noch einen Jaguar zu der Liste hinzufügen.“ „Oh Mann.“ Nick lächelte und schlang seine Arme fest um einen erschrockenen Steven. „Du…“ er ließ ein übertriebenes Schniefen hören und fuhr mit zitternder Stimme fort: „Du magst uns wirklich.“ Steven schüttelte Nick panisch ab und schleuderte dabei den Jaguar gegen die Wand. „Idiot“, murmelte er, während Nick laut lachte. „Lass uns hier verschwinden.“ Als sie oben an der Treppe angekommen waren, war Steven überzeugt, dass Nick irgendwo unterwegs seinen Verstand verloren hatte. Die Kirche war totenstill und Steven sah nach der Treppe, die zu dem Büro oben führte, wo der Priester wartete. „Warte kurz hier“, sagte Steven. „Ich muss mit dem Priester reden.“ Nick zuckte die Schultern und lehnte sich an eine der Kirchenbänke, während er wartete. „Hallo, Steven“, kam eine Stimme aus dem Nichts. Nick zuckte zusammen und Steven schrie überrascht auf, ehe er über seine eigenen Füße stolperte und fiel. Nick blinzelte, als ein Mann mit dunklem Haar aus den Schatten trat und wie ein Verrückter auf Steven hinunter grinste. „Verdammt, Dean!“, rief Steven, während er sich selbst von Boden hochdrückte. „Hör auf damit, zu versuchen, mich zu Tode zu erschrecken!“ Dean grinste, lehnte sich an eine der Säulen neben den Kirchenbänken und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Leider ist das nicht so schwer.“ „Fahr zur Hölle!“, knurrte Steven. „Ich gehe und rede mit dem Priester. Ich bin gleich zurück.“ „Gib ihm das Chorknabenkleid zurück, das du dir ausgeliehen hast“, neckte Dean. „Es wäre unendlich schade, wenn ein armer Junge seine Kirchenkleidung nicht mehr finden könnte.“ Steven erstarrte, als Dean diese Worte sagte, und wirbelte herum, um dem Gefallenen Engel ins Gesicht zu sehen. „Chorkleid?“, fragte Nick und hob seine Augenbrauen fast bis zu seinem Haaransatz. „Du hast ein Chorkleid getragen?“ „Ich habe mich verwandelt, es war ein Notfall. Ich musste dieses Mädchen davor bewahren, von diesem verdammten Vampir ausgesaugt zu werden“, verteidigte sich Steven. „Ja“, säuselte Dean. „Dasselbe Mädchen, von dem du dir den Hintern versohlen lassen hast.“ „Als würdest du dir nie den Hintern versohlen lassen“, entgegnete Steven scharf. Dean hielt inne und dachte einen Moment nach. „Nein, ich habe ihn mir nie versohlen lassen, aber er wurde getätschelt.“ „Argh!“, brüllte Steven und warf seine Arme in die Luft, während er den Flur hinunterlief. Nick sah hinüber zu Dean: „Irgendeine Ahnung, wo er das Kleid versteck hat?“ „Unter seinem Bett“, antwortete Dean. Nick grinste. „Perfektes Bestechungsmaterial, danke.“ „Klar doch, ich sehe ihn gerne zappeln… das und er scheint zu denken, dass ich ihn ständig in den Hintern trete, oder so.“ „Sadist“, sagte Nick kichernd. „Ich bin ein Gefallener Engel“, sagte Dean. „Wir haben nicht viel zu unserer Unterhaltung.“ Steven näherte sich der Tür des Büros des Priesters und hob seine Hand um anzuklopfen, als er Stimmen von drinnen hörte. Eine davon erkannte er als die des Priesters, die andere war eine Frauenstimme. Er senkte seine Hand und näherte sein Ohr der Tür, sodass er lauschen konnte. Jewel ging auf und ab und versuchte sich zu konzentrieren, aber es war schwierig. Das erste, was ihr in den Sinn gekommen war, nachdem sie das Büro betreten hatte, war, wie sie von Vampiren angegriffen worden war und einen nackten Mann, oder Formwandler… oder was auch immer er war, gesehen hatte. Sie hatte gerade die letzten fünf Minuten damit verbracht, die Fragen des Priesters über jene Nacht zu beantworten, aber im Moment hatte sie viel größere Probleme. „Du solltest dich nicht in der Nacht draußen herumschleichen“, sagte der Priester. „Es ist gefährlich. Was, wenn dein Vater oder dein Verlobter dich erwischen?“ Jewel schritt geradewegs auf den Schreibtisch zu und klatschte mit der Handfläche darauf. „Nein, sie sind diejenigen, die es gefährlich machen… aus meinem eigenen Fenster zu klettern und an den bewaffneten Wachen vorbeizuschleichen, die mich als Gefangene halten, und dann zu versuchen, wieder zurückzukommen, ohne geschnappt zu werden.“ „Dein Vater versucht nur, dich zu beschützen.“ Er versuchte, sie zu beruhigen, aber wusste, dass es wahr war, was sie sagte. Ihr Vater kam jede Woche hierher um zu beichten… das Blut von seinen Händen und seinem Gewissen zu waschen. „Nein, er versucht, mich dazu zu zwingen, seinen Geschäftspartner zu heiraten, um seine Schulden zurückzuzahlen! Schulden, mit denen ich nichts zu tun habe. Gibt es denn keine Gesetze gegen Sklaverei in diesem Land?“ „Aber als du und Anthony für unser Gespräch hier hereinkamen, sagtest du, dass du ihn aus ganzem Herzen liebst“, wies sie der Priester hin. „Über solche Dinge solltest du nicht lügen. Es ist eine Sünde in Gottes Augen.“ „Nun, ja, die beiden Wachmänner, die hinter unseren Stühlen standen… erinnern Sie sich an sie? Der, der hinter mir stand, bohrte mir den Lauf seiner Pistole in den Rücken. Ich könnte nie einen egoistischen Barbaren wie Anthony, dem ständig die Hand auskommt, lieben. Er hat versprochen, mich und meinen Vater umzubringen, wenn wir die Hochzeit nicht vorantreiben. Und heute Abend, als ich versuchte, meinem Vater zu sagen, dass ich nichts mit Anthony zu tun haben will, hat er mich so fest geschlagen, dass ich jetzt weiß, wo die Sterne sind, denn ich konnte sie alle zählen.“ Sowohl Jewel wie auch der Priester erschraken, als die Bürotür so schwungvoll aufgestoßen wurde, dass sie gegen die Wand krachte und mehrere Bilder und ein vergoldetes Kreuz zu Boden fielen. Steven stand in der Tür und starrte sie beide böse an. Aber der dunkler werdende Bluterguss auf Jewels Wange ließ Steven rot sehen. „Sie beide müssen mit mir kommen.“ Jewels Knie wurden schwach, als sie den mysteriösen Mann noch am Leben sah. Sie hatte sich so oft vorgestellt, wie er von den Vampiren getötet wurde, seit sie von ihm weggelaufen war. Mehrmals hatte sie es so sehr bereut, ihn alleingelassen zu haben, dass Tränen in ihre Augen gestiegen waren. Jetzt, wo sie wieder ruhiger atmen konnte, wollte sie schreien. Wie kam es, dass jedes Mal, wenn sie unter vier Augen mit dem Priester reden wollte, irgendein Notfall geschah? Sie hatte vor diesem Formwandler weniger Angst als vor ihrem Verlobten, der gerne mit Schusswaffen spielte, und solange sie keinen Feueralarm hörte oder ein Gesicht mit Fangzähnen sah, würde sie nirgendwo hingehen. „Diesmal nicht“, erklärte Jewel und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. „Ich kann die Kirche nicht einfach alleine lassen“, begann der alte Mann, aber Steven unterbrach ihn schnell. Er machte ein paar entschlossene Schritte auf den Schreibtisch zu, während er sprach: „Haben Sie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, und entschieden, ihre Schäfchen an die Vampire zu verfüttern? Sind Sie es, der ihre Körper im Keller verbrennt?“ Als der Priester nur den Mund öffnete, aber weiter nichts sagte, fuhr Steven fort: „Oder sind es die Sünder, zu denen sie predigen, die in Ihrem Keller einen Massenmord begangen und einen Fluchttunnel gegraben haben?“ „Oh Gott“, sagte der alte Mann und schenkte Steven einen düsteren Blick. „Wenn ich nun gehe, wann kann ich wieder zurückkommen?“ „Geben Sie mir Ihre Handynummer. Ich werde Sie in ein paar Stunden anrufen. Kommen Sie nicht zurück, bevor ich Ihnen nicht sage, dass die Luft rein ist.“ Er seufzte, wusste, dass er gewonnen hatte, als der alte Mann begann, Schubladen seines Schreibtischs zu öffnen, um Dinge zusammenzusuchen, die er für so wichtig erachtete, dass er sie mitnehmen wollte. Jewel versuchte, ruhig zu bleiben. Während sie sich Zentimeter für Zentimeter der noch offenen Tür näherte. Freiheit… wie kam es, dass sie sich immer wieder in Situationen befand, wo sie vor verrückten Männern flüchten musste? „Bringe mich nicht dazu, dich zu jagen“, zischte Steven, als er seinen Kopf herumriss und ihren Blick festhielt. „Er kann nach Hause gehen… du nicht.“ Jewels Lippen öffneten sich leicht, als sie mitten in der Bewegung erstarrte. Wie konnte er es wagen, ihr einen Befehl zu erteilen? Sie knirschte mit den Zähnen, als ihr klar wurde, dass sie ihm sowieso schon gehorcht hatte. Sie hob ihr Kinn trotzig ein paar Zentimeter und kam zu einem Entschluss. Sobald sie hier raus war, würde sie weglaufen… vor ihnen allen, auch vor ihrem Vater. „Was haben Sie mit ihr vor?“, fragte der Priester ungehalten. „Ich werde tun, was Sie nicht tun können… sie in Sicherheit bringen“, rief Steven, der keine Lust hatte, darüber zu diskutieren. Der Bluterguss auf Jewels Wange hatte seine Nerven buchstäblich zerfetzt und er wollte eher in der Hölle schmoren, als sie zu dem Mann zurückzuschicken, der es getan hatte. „Ich brauche nicht noch einen Beschützer.“ Jewel drehte sich um, aber hielt dann plötzlich inne, als sie zwei gefährlich aussehende Männer sah, die die Tür versperrten. Dean hatte Stevens Aufregung bis hinunter zum Eingang gefühlt und jetzt, wo er das Mädchen ansah, das sie hervorgerufen hatte, verstand er, wieso. Als er in ihre Seele blickte, erhaschte er einen kurzen Blick auf den so schwer zu fassenden Engel des Todes. „Du täuschst dich.“ Er bewegte sich so schnell, dass sogar die beiden Formwandler im Zimmer es nicht sahen. „Du brauchst einen Beschützer.“ Jewel unterdrückte einen Schrei, als die Handfläche des Mannes sich auf ihre schmerzende Wange drückte und seine Augen die Farbe von Quecksilber annahmen. Die kalte Hand, die sich schon seit so langer Zeit mit ihren eisigen Fingern um ihr Herz geklammert hatte, schmolz. Plötzlich erinnerte sie sich wieder an Gefühle, von denen sie vergessen hatte, dass sie existierten… Wärme, Sicherheit… Liebe. Der Priester lehnte sich an seinen Schreibtisch als der Schatten von Flügeln aus dem Rücken des Mannes erschien, hell aufleuchtete und dann verschwand. „Ich warte unten“, erklärte Dean als der Wind angeweht kam, um den Raum aufzufüllen, von dem er verschwunden war. Steven wusste nicht, wieso Dean diesen Moment gewählt hatte, um seine Macht zu zeigen, aber er war froh, dass der Gefallene Engel es getan hatte. Jewels Wange war geheilt und der Priester sah aus, als hätte er soeben seine Erleuchtung gefunden. „Wir müssen gehen… jetzt“, sagte Nick von der Tür her. Steven ergriff Jewels Hand und ging mit ihr auf die Tür zu, war froh, dass der Schock für den Augenblick ihre Gegenwehr erlahmt hatte. „Warten Sie“, rief der Priester, woraufhin Steven und Nick stehenblieben, und zu ihm zurücksahen. „War das…?“ Ihm fehlten die Worte, als er auf die Stelle zeigte, wo Dean vor wenigen Momenten gestanden hatte. Steven lächelte aufrichtig über die freudige Aufregung in den Augen des Priesters. „Ja… war es.“ Der Geistliche lächelte, als Steven und Nick mit Jewel das Zimmer verließen. Er nickte einmal und kramte dann seine Werkzeuge zusammen. In seinem Kopf bereitete Gott die Erde auf Seine Rückkehr vor. Steven und Nick verließen die Kirche, aber Steven zog an Jewels Arm, um sie zum Stehen zu bringen, sodass er nach oben zu dem Fenster des Büros sehen konnte. Er seufzte erleichtert als er sah, wie das Licht ausging. „Es scheint, dass der alte Knacker deinem Rat folgt“, sagte Nick. Steven schüttelte den Kopf. „Eher erkannte er Dean als das, was er ist, und hat eine Art religiöse Erfahrung. Er hat mir seine Telefonnummer gegeben, ich werde ihn anrufen, wenn die Luft rein ist.“ „Ich glaube nicht, dass ein paar Stunden genügen werden“, erklärte Nick. „Es ist so, wie es ist“, entgegnete Steven. „Aber jetzt lass uns zurück in den Club gehen, damit wir Warren und Quinn unsere Neuigkeiten mitteilen können.“ Dean saß am Dach der Kathedrale und lächelte auf das Trio hinunter, als sie die Kirche hinter sich ließen. Er hatte Steven geholfen, so viel er konnte, aber der Beruhigungszauber, dem er dem Mädchen auferlegt hatte, würde nicht ewig wirken. Er konnte fühlen, wie die Dunkelheit unter dem Gebäude wuchs, als die Vampire begannen, aus ihrem Tunnel zu kriechen. Anders als die von der letzten Nacht, waren diese von etwas beeinflusst, das noch dunkler, noch böser war, als alles, was Dean je getroffen hatte. Dean runzelte die Stirn und fragte sich, wieso er es nicht gefühlt hatte, als sie die erste Gruppe weggeputzt hatten, die sich hier eingenistet hatte. Diese Beeinflussung war sehr alt und sehr mächtig. So plötzlich wie er sie erkannt hatte, war die Dunkelheit wieder weg und nur die Anwesenheit der Vampire war zu spüren. Der Gefallene Engel betrat die Kirche noch einmal, um nach dem alten Mann zu sehen, und sicherzustellen, dass er lebend herauskam. Kapitel 4 Trevor und Kat hatten den Vampir verfolgt, den sie auf halbem Weg durch die Stadt gefunden hatten. „Was, zum Teufel, macht er?“, flüsterte Kat, der es langsam verdächtig vorkam. „Es scheint, als wollte er einkaufen gehen“, antwortete Trevor, als der Vampir vor einem Schaufenster stehenblieb und auf die Auslage schaute. Dieser Vampir war jung, kaum achtzehn, so wie er aussah. Er hatte glattes, schwarzes Haar und trug runde Brillen. Wenn er sein Haar zusammengebunden hätte, hätte er fast präsentabel ausgesehen, abgesehen von seiner bleichen Haut. Die beiden gingen schneller, als der Vampir sich plötzlich von dem Fenster abwandte und wieder der Straße entlang spazierte. Obwohl die Läden alle geschlossen waren, waren um diese Nachtzeit noch viele Menschen auf den Gehsteigen unterwegs. Sie hatten die Leiche des jüngsten Opfers des Vampirs auf einem gut gepflegten Rasen liegend gefunden. Mit ihren Geruchssinnen hatten sie den Blutsauger einholen können, gerade als der Vampir den Rodeo Drive erreicht hatte. Von dort weg, hatte Trevor Kat ein wenig zurückhalten müssen, indem er ihr erklärte, dass zu viele Menschen unterwegs waren, als dass sie einfach blind drauflos rennen könnten. Und jetzt waren sie hier, verfolgten einen Vampir zu Fuß, und keiner der beiden war in der Laune für Smalltalk. Kurz danach waren sie in einem Stadtbus, ohne überhaupt darauf zu achten, welche Linie es war. Schließlich hob der Vampir seine Hand um den Knopf zu drücken und auszusteigen. Kat und Trevor fuhren noch eine Station weiter und stiegen dann selbst aus, ehe sie ihre Verfolgung wieder aufnahmen. Der Vampir marschierte weiter und Kat knurrte frustriert. „Ich frage mich langsam, ob der Vampir auf Drogen ist. Wir sind quasi im Kreis gelaufen“, beschwerte sie sich. „Wir sind nur ein paar Häuserblocks vom Club entfernt.“ „Und weg ist er!“, rief Trevor und rannte auf die Seitenstraße zu, wo der Vampir plötzlich verschwunden war. Trevors Turnschuhe quietschten leise, als er die Seitenstraße erreichte und vorsichtig hinein schielte. Kat stellte sich neben ihn und duckte sich ein bisschen, sodass sie unter ihm um die Ecke spähen konnte. „Verdammt“, fluchte Trevor und zog seine Pistole. „Ich verstehe immer noch nicht, wieso du eine Pistole trägst“, sagte Kat, obwohl sie wusste, dass auch Nick eine trug. Es war nicht die Pistole, auf die sich Nick verließ… sondern die speziell gefertigten hölzernen Kugeln, mit denen sie geladen war. „Diese Dinger sind nutzlos gegen Vampire.“ Trevor grinste. „Du vergisst, für wen ich arbeite. Diese Kugeln sind speziell gefertigt und explodieren, wenn sie auftreffen. Innen sind sie hohl und mit ein wenig Salzsäure gefüllt. Das Zeug ätzt sich durch so ziemlich alles.“ „Wieso zerfrisst es dann die Kugel nicht?“, fragte Kat, die insgeheim Informationen sammelte, mit denen sie Nick bestechen konnte. „Eine Innenschicht wird um das Loch in der Kugel aufgetragen, wenn sie ausgehöhlt wird, und die ist säurebeständig. Ich habe ihren Namen vergessen“, erklärte Trevor. „Aber es ist stark genug, sodass es durch die Säure nicht weggeätzt wird, aber zerbrechlich, sodass es bricht, wenn es irgendwo auftrifft.“ Kat richtete sich langsam auf. „Sollen wir hineingehen?“ Trevor umklammerte seine Pistole fester und ging voraus, gefolgt von Kat, die in der Hand einen rasiermesserscharfen Dolch hielt, dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt von Trevor. Sie durchsuchten die ganze Straße, bis sie erkannten, dass der Vampir verschwunden war. Trevor entspannte seine Haltung und senkte den Arm mit der Pistole. „Er ist weg!“ Kat ließ ein frustriertes Seufzen hören. „Nun, nachdem wir schon hier sind, können wir auch zurück in den Club gehen.“ „Wie sehr es mir auch gefallen hat, heute Nacht zwei von euch Idioten eine Stadtführung zu geben“, sagte eine Stimme hinter ihnen, „so muss ich doch darauf bestehen, dass ihr zum Abendessen bleibt.“ Kat und Trevor wirbelten herum und erstarrten dann, als sie den Vampir, den sie verfolgt hatten, zusammen mit weiteren fünf sahen. „Der Hurensohn wusste, dass wir ihn verfolgten“, knurrte Trevor, als er seine Waffe wieder hob und zielte. Mit den Wänden an drei Seiten und den Vampiren vor ihnen, wusste Kat, dass sie und Trevor sich den Weg nach draußen würden erkämpfen müssen. Sie ging tief in die Hocke, als die Vampire sich schnell näherten. Einer mit leuchtend rotem Haar sprang in die Luft, hoffte, dass er sie von oben in Angriff nehmen könnte. Kat drückte sich sofort aus der Hocke hoch und packte den Vampir mitten im Sprung. Ihre langen Fingernägel schienen wie Krallen, obwohl keine Veränderung stattgefunden hatte. Sie stürzten zu Boden, der Vampir unter ihr, mit dem Rücken voran. Der Blutsauger umklammerte ihr rechtes Handgelenk so fest, dass sie fühlte, wie die Knochen sich schmerzvoll aneinander rieben. Sie schluckte die Übelkeit, die mit dem Schmerz kam, hinunter und drehte ihr Handgelenk nach unten, wodurch sie den Dolch in den Unterarm des Vampirs trieb, um es ihm zurückzuzahlen. Als sie ihre Freiheit wiedererlangte, verlor Kat keine Zeit bevor sie ihre rechte Hand in die Brust des Monsters grub und sein Herz herausriss. Trevor zielte und schoss auf den Vampir, den sie die ganze Nacht verfolgt hatten. Die Kugel traf den Vampir in der Kehle und einen Augenblick lang starrte er Trevor nur ungläubig an, ehe er begann zu schreien und sich seinen eigenen Hals zerkratzte. Der Schrei riss abrupt ab, als die Säure aus der Kugel den Kehlkopf des Vampirs erreichte. Trevor sah nicht wirklich, was danach geschah, als er sofort von einem weiteren Vampir angegriffen wurde. Sein Körper wurde gegen eine Mauer geschleudert, wo er zu Boden sank. Seine Pistole flog davon, während er versuchte, nicht die Sterne zu zählen, die vor seinen Augen tanzten. Der andere Vampir näherte sich, als Trevor etwas an seinem Bein fühlte. Als er hinunter sah, erkannte er den Kopf des Vampirs, den er erschossen hatte, und griff danach. Er packte den verwüsteten Kopf am Haar und warf das Objekt, an dem die Säure noch immer fraß, auf den Blutsauger, der sich näherte. Die Kreatur duckte sich und knurrte ihn an, bereit, anzugreifen. Etwas Glänzendes zuckte durch sein Sichtfeld und Trevor sah einen langen Dolch aus seiner Brust ragen. Als er den Kopf drehte, erkannte er Kat, die dort stand und nach blutigem Gemetzel aussah. „Vorsicht!“, rief Trevor. Kat hob ihren anderen Dolch und schrie auf als der Vampir ihre Hand ergriff und die Klinge in einem Bogen nach unten direkt in die Innenseite ihres Oberschenkels stieß. Der Schmerz allein gab ihr die Kraft, den Vampir von sich zu drücken. Sie stolperte schnell rückwärts, auf Trevor zu, und schaffte es dabei, den Dolch herauszuziehen. Warme Flüssigkeit folgte schnell und bahnte sich einen Weg über ihr Bein hinunter. Trevor wusste, dass etwas getan werden musste. Sie waren mittlerweile beide verletzt. Er konnte die Schmerzen in seinen Rippen und seiner Schulter fühlen, wo er gegen die Wand geschleudert worden war, und hatte Schwierigkeiten zu atmen. Während er zu Kat hochsah, die schützend vor ihm stand, dachte er nach, was sie tun sollten. Er musste sich in etwas verwandeln, was groß und stark genug war, um die Gegner zu besiegen und zu überleben. Der Nachteil war, wenn er sich verwandelte, dann würde er Kat seine wahre Identität verraten. Seine Gattung war aufgrund ihrer Vielfalt nie gut mit anderen Formwandlern ausgekommen. Sie konnten sich in alle Klans einschleichen und spurlos verschwinden, manchmal jahrzehntelang. Sie waren perfekte Waffen im Krieg. Jedes Tier, das er wählte, würde immer noch zehnmal stärker sein, als das echte Tier. Auch in seiner menschlichen Gestalt traf das zu, aber bisher hatte es ihnen nicht viel geholfen. Aber wenn er sich nicht verwandelte, würden sie bald blutleer sein. Plötzlich ließ Kat ihre Waffe fallen und ließ ihren Oberkörper nach vorne sinken. Aufgrund ihrer Verletzungen war die Verwandlung einige Sekunden langsamer als normal. Ihr Körper veränderte sich, bis sie auf allen Vieren lief. Die Kleider fielen von ihr ab und ein hübscher, dunkelgelber Fellmantel mit schwarzen Flecken ersetzte sie. Einer der verbleibenden Vampire griff an und Kat stieg hoch auf ihre Hinterbeine, hielt ihn mit einer Art Judogriff ab. Ihre Klauen senkten sich in die Schultern der Kreatur und sie zeigte ihre langen Zähne. Ohne noch einmal darüber nachzudenken, wählte Trevor diesen Moment, um sich zu verwandeln. Die beiden verbliebenen Vampire zischten wütend, als der Mensch, auf den sie zustürmten, sich in einen Braunbären verwandelte. Trevor schlug mit einer riesigen Pratze nach dem, der ihm am nächsten war, und riss die obere Hälfte des Körpers einfach ab, sodass die Beine leblos zu Boden fielen. Wissend, dass der Vampir nicht tot war, spazierte Trevor auf ihn zu und zermalmte seinen Kopf zwischen seinen kräftigen Kiefern. Er richtete sich auf, um Kat zu helfen, als die letzten beiden Vampire ihn mit all ihrer Kraft angriffen. Trevor stolperte ein paar Schritte zurück, ehe er laut brüllte, und einen von sich riss und die Straße hinunter schleuderte. Er brüllte noch einmal, als der andere seine Zähne in sein Schulterblatt rammte. Er hörte Kats Jaguarschrei und fühlte, wie die Ziegelmauer in seine Schläfe krachte, bevor er durch die Wucht des Aufpralls zu Boden fiel. ***** Quinn und Warren hatten die gesamte Umgebung im Umkreis von mehr als fünf Kilometer um den Club abgesucht. „Nichts los hier“, stellte Quinn fest, und versuchte, seinen Frust abzuschütteln. Etwas war nicht so, wie es sein sollte… er fühlte es in der Luft. Warren hörte die Anspannung in Quinns Stimme. „Nach dem Kampf in der Lagerhalle wundert mich das nicht.“ Sein Handy biepte und beide Männer zuckten zusammen, wodurch ihnen erst klar wurde, wie angespannt sie waren. Er zog das Telefon aus seiner Hosentasche. „Hallo“, sagte Warren in das Handy und nickte dann nach ein paar Sekunden. „Gut, wir sehen uns das an.“ Er legte auf und schob das Telefon zurück in seine Tasche. „Das war Nick. Offenbar haben sie einen Tunnel unter der Kirche gefunden.“ „Wir sollten gehen und uns das ansehen“, meinte Quinn, und versuchte, die Tatsache zu ignorieren, dass seine Haut voller Adrenalin kribbelte und er keine Ahnung hatte, woher das kam. Der unverkennbare Schrei eines Jaguars durchbrach die stille Nacht und beide Männer erstarrten mitten im Schritt. Sie drehten ihre Köpfe in die Richtung des Geräuschs, ehe sie einander ansahen. „Kat!“, riefen sie beide gleichzeitig. Warren zog sofort sein Handy aus einer Hosentasche und gab es in eine elastische Tasche an seinem Knöchel. Ohne noch weiter zu zögern hatten sich beide Männer wenige Sekunden später verwandelt und rannten mit Höchstgeschwindigkeit die Straße hinunter. Menschen schrien und rannten, um den riesigen Katzen auszuweichen, und es entstand ein ziemliches Gedränge. Quinn lief voraus und rannte auf die Straße, sodass ein Auto scharf bremsen musste. Das Auto hinter diesem krachte in das vordere und es gab eine Kettenreaktion. Warren sprang auf die Motorhaube des ersten Autos und schielte hinein, um sicher zu gehen, dass die Menschen drinnen nicht schwer verletzt waren, bevor er Quinn über die Straße verfolgte. Der Fahrer des Autos war völlig im Schock darüber, was gerade geschehen war, als er nach seinem Handy griff. ***** Jason war zu Tode gelangweilt. Die letzten paar Tage war wirklich nichts passiert, und jetzt, wo auch noch Tabby und Envy nicht in der Stadt waren, wurde er langsam verrückt. Als das Telefon klingelte fuhr er beinahe aus der Haut vor Schreck und griff schnell nach dem Hörer. „Rangerstation“, sagte Jason mit lahmer Stimme. „Ja“, antwortete eine zittrige Stimme. „Ich möchte etwas Ungewöhnliches berichten.“ Jason seufzte innerlich und griff nach Papier und Bleistift. „In Ordnung, erzählen Sie mir, was Sie gesehen haben“ „Das Verrückteste, was ich je gesehen habe“, sagte der Mann atemlos. „Ich habe gerade einen Puma und einen Jaguar frei mitten durch die Stadt rennen gesehen. Ich machte eine Vollbremsung, als der Puma direkt vor mir auf die Straße rannte und der Jaguar sprang auf meine Motorhaube, sah mich an und rannte dann hinter dem Puma her.“ „Es ist wohl wieder ein Gefangenschaftsflüchtling aus dem Zoo“, sagte Jason, obwohl das eine Lüge war, erzählten sie das der Öffentlichkeit, um die Tatsache zu verbergen, dass die Stadt in letzter Zeit voller gefährlicher, wilder Tiere war. „Nein“, rief der Mann. „Der Jaguar hatte ein Handy um seinen Knöchel gebunden.“ Jason sah hoch zu Jacob Savage, dem anderen Ranger, der mit ihm im Büro saß. „Also Sie behaupten, dass der Jaguar ein Handy um sein Bein geschnürt hatte?“, fragte Jason. Jacob verschluckte sich an seinem Kaffee und stellte die Tasse schnell hin, während er sich die Nase putzte, was bedeutete, dass ein Teil der Flüssigkeit wohl dort gelandet war. „Genau so war es!“, kreischte der Mann laut genug, sodass auch Jacob es hören konnte. Jason nickte: „In Ordnung, beruhigen Sie sich. Sie sagten, dass er davongelaufen ist, also sind sie nicht in Gefahr. Vielen Dank für den Anruf, wir werden uns die Sache ansehen.“ Jason legte schnell den Hörer zurück und starrte das Telefon einen Moment lang an, als hätte er Angst, dass das Gerät hochspringen und ihn auffressen würde. „Also dann“, brachte Jacob hervor, als er aufgehört hatte zu husten. ***** Warren holte Quinn schließlich ein, gerade als sie sich einer Seitengasse näherten, wo Kats Geruch am stärksten war. Als sie um die Ecke bogen, kamen sie gerade rechtzeitig um zu sehen, wie Kat einem Vampir die Kehle herausriss und ein riesiger Bär seine langen Krallen durch die Brust eines weiteren stieß. Die Bärenklaue kam aus dem Rücken des Vampirs wieder heraus und zerplatzte das blutige Herz der Kreatur wie einen Luftballon. Kat blinzelte, als ihr klar wurde, dass während des Kampfs irgendwie… die Vampire mehr geworden waren. Sie hatte kaum Zeit Luft zu holen, bevor sie von einem weiteren verbleibenden Vampir angegriffen wurde. Sie ließ einen Urschrei hören, als sich die scharfen Zähne in ihre Seite bohrten. Ihre Klauen krallten sich in den Rücken des Vampirs und sie versuchte, ihn abzuschütteln. Plötzlich war das Gewicht, das sich an ihre Seite geklammert hatte, weg und sie fiel, war durch den Schmerz, den Blutverlust und die Ermüdung ohnmächtig geworden. Quinn sah, wie der Vampir Kat angriff und fühlte, wie die Wut sich in seiner Brust zusammenbraute. Er rannte die Gasse entlang und kümmerte sich nicht darum, ob Warren bei ihm war, oder nicht. Mit Wucht riss er den Vampir zu Boden und knurrte bösartig bevor er mit seinen scharfen Zähnen seinen Hals in Stücke riss. Er konnte fühlen, wie sich Krallen panisch in ihn bohrten, aber es kümmerte ihn nicht, und er zerstückelte den Körper noch mehr. Als er den Kopf zur Seite geschleudert hatte, drehte er sich zu Kat um und knurrte. Trevor hatte mit dem letzten Vampir kurzen Prozess gemacht, ihn zerrissen, bis nichts mehr von ihm übrig war, als ein kopfloser Körper ohne Gliedmaßen. Er sah hoch, als er Kat schreien hörte, dann sah er einen Puma auf den Vampir springen, der sie angegriffen hatte. Als sie sich wieder in ihre menschliche Gestalt verwandelte, lief Trevor hinüber zu ihrem nackten, bewusstlosen Körper und kauerte sich über sie, um sie vor einem weiteren Angriff zu schützen. Ein tiefes Knurren erregte seine Aufmerksamkeit und er traf den Blick eines sehr bösen Pumas, der auf ihn zu schritt, mit der eindeutigen Absicht, ihn zu töten… Quinn Wilder. Durch den Kampf war Trevor müde und seine Reflexe langsam. Er konnte Quinn nicht abwehren und die ganze Wucht seines Angriffs traf ihn in seiner Seite. Trevor wurde zum zweiten Mal in dieser Nacht über die Straße und in die Ziegelmauer geschleudert. Trevor knurrte und konnte ganze zwei Sekunden auf seinen Hinterbeinen stehen, ehe er zu Boden stürzte. Quinn näherte sich und er wollte sich nicht vor dem Puma verwandeln, aber er wusste, dass er es musste. Kat würde es ihm irgendwann sowieso erzählen… also was hatte er zu verlieren? Unfähig seine Wunden durch das Fell zu sehen, verwandelte er sich langsam wieder zurück und versuchte noch einmal, sich auf die Beine zu stellen. Quinn hielt inne, als er den menschlichen Mann von der Bar sah… Warren hatte ihn Trevor genannt. Er zischte, als sein Geruchssinn ihm sagte, dass Trevor kein normaler Formwandler war… zumindest nicht von einer Sorte, die ihm schon einmal begegnet war. Nicht zu wissen, womit er es zu tun hatte, machte seine Laune nicht gerade besser. Er machte einen weiteren Schritt nach vorn, aber Warren versperrte ihm die Sicht und kam auf Trevor zu, während er sich wieder in einen Menschen verwandelte. Als Trevor schwankte, ergriff Warren ihn am Arm und legte ihn um seine Schulter. Er sah keinen Grund, wieso er Quinn einen Mann verprügeln lassen sollte, der schon k.o. war. Trevor sah zu Warren hoch und grinste, als ihm ihre Lage klar wurde. „Schöne Bescherung, jetzt sind wir alle nackt“, murmelte er bevor er plötzlich bewusstlos wurde. Warren schüttelte seinen Kopf aber konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, denn Trevor hatte einen guten Punkt angesprochen. Es war in Situationen wie diesen, dass er froh war, dass er sein Handy hatte, nachdem er es auf diese Weise bei sich behielt. Er lehnte Trevor vorsichtig gegen die Wand und wollte gerade nach dem Telefon greifen, als er hörte, wie Quinn zu knurren begann. Quinn hatte sich verwandelt und betrachtete nun Kats bewusstlosen Körper. Ihre Kleider waren wenige Meter weit entfernt, aber durch die Transformation zerrissen und nicht tragbar. Quinn entschied, sich darüber später den Kopf zu zerbrechen und suchte nach Wunden, hielt inne, als er sah, dass Blut noch immer aus ihrem Oberschenkel tropfte. Er bewegte ihr Bein gerade soweit, dass er erkennen konnte, woher das Blut kam und erstarrte, als er eine Paarungsmarke sah. Das Knurren entkam seiner Kehle ehe er es aufhalten konnte. Jemand hatte sich mit Kat gepaart, sie markiert und dann verlassen. Quinn fühlte, wie sich Eifersucht in ihm aufbaute und er beugte sich nach vor um an ihrer Haut zu riechen um zu sehen, ob der Geruch noch da war. Das machte ihn nur noch wütender… sie roch nicht nach einem anderen Mann, sie roch wunderbar. Als er zu dem Mann blickte, vor dem Warren sich nun gebückt hatte, fragte sich Quinn, ob der blonde Bärenverwandler ihr die Paarungsmarke verpasst hatte. Warren zog sein Handy heraus und entschied sich, Quinns kleinen Wutanfall vorerst zu ignorieren. Kat brauchte Hilfe und er würde Quinn nicht erzählen, von wem die Paarungsmarke stammte. Sollte er es doch selbst schmerzvoll herausfinden. „Frau Tully?“, fragte Warren lächelnd. „Mir geht es sehr gut. Ich wollte nur fragen, ob Sie vielleicht zum Moon Dance kommen könnten. Meine Schwester und ihr Freund, Trevor, wurden verletzt und sie brauchen medizinische Hilfe, die nur Sie ihnen geben können.“ Warren war einen Moment lang still, dann nickte er. „Vielen Dank, Frau Tully.“ „Ich wusste nicht, dass du Tully kennst“, sagte Quinn leise. Er hatte Tully nicht lange nachdem sich die Familien getrennt hatten, getroffen. Warren grinste während er eine weitere Nummer wählte. Meinte Quinn, dass er der einzige war, der spionieren durfte? „Nick kriegt öfter Ärger, als ich zählen kann. Frau Tully ist ständig damit beschäftigt, ihn zu flicken und ihre Tür ist immer offen, wenn wir ein Versteck brauchen.“ „Es wundert mich, dass wir uns noch nie über den Weg gelaufen sind“, entgegnete Quinn, dem das ein wenig verdächtig erschien. „Nick, wir sind in einer Sackgasse zehn Häuserblocks vom Club entfernt und wir brauchen ein Taxi. Bring Kleidung für drei Männer und deine Schwester und den Hummer.“ Warren unterbrach die Verbindung ohne auf eine Antwort von Nick zu warten und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Trevor zu. „Ist er derjenige, der Kat die Paarungsmarke gegeben hat?“, wollte Quinn wissen. „Das, mein Freund, steht mir nicht zu, zu erzählen“, sagte Warren kryptisch. Kapitel 5 Nick hatte gerade erst Steven und Jewel beim Night Light abgeliefert, als er den Anruf erhielt. Jewel war sehr ruhig gewesen, seit Deans kurzem Auftritt in der Kirche, aber er erkannte, dass, was auch immer der Gefallene Engel getan hatte, um sie ruhig zu halten, langsam an Wirkung verlor. Je weiter sie sich von der Kirche entfernten, umso paranoider wurde sie. Er konnte sich die Hölle, durch die sein Freund gehen würde müssen, nur ausmalen. Während er Steven winkte, nahm Nick schnell sein Handy zwischen zwei Finger und verlor einen Moment beinahe seinen Halt, sodass es fast viel. Schließlich hielt er es sicher und klappte es auf. „Sprich“, knurrte er. Sein Gesichtsausdruck schmolz zu großer Sorge ehe er das Gaspedal bis zum Boden durchdrückte. Zum Glück hatte er sich dafür entschieden, Steven und Jewel im Hummer zum Night Light zu fahren. Er überlegte kurz und seufzte erleichtert, als er sich daran erinnerte, dass Warren noch ein paar übrige Kleider im Auto hatte, von ihrem letzten Campingausflug. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, sie auszuräumen, und das ersparte Nick einen Weg. Zum Glück hatten Warren und Quinn ungefähr die gleiche Größe… es gab nichts Schlimmeres, als zu versuchen, sich in Kleider zu zwängen, die zu eng waren. Nachdem er die GPS-Funktion an seinem Handy angeschaltet hatte, bekam er Warrens genaue Position. Während er um die nächste Kurve bog, ohne das Tempo zu verringern, wurde ihm klar, dass es ihm nicht gefallen würde, was er zu sehen bekommen würde, wenn er dort ankam. Dann kam ihm noch ein Gedanke, und Nick nahm sein Telefon um Devon anzurufen und ihn über die neuesten Entwicklungen aufzuklären. Devon hatte die Stadt zwar vielleicht freiwillig verlassen, aber er hatte Nick beauftragt, ihn mehrmals pro Tag anzurufen, und ihn auf dem Laufenden zu halten. ***** Steven brachte Jewel in den Club und begleitete sie über die Treppe nach oben. Als sie in seinem Zimmer ankamen, schloss er die Tür, aber versperrte sie nicht. Er wollte nicht, dass sie sich gefangen fühlte. Jewel blinzelte und sah sich in dem Zimmer, in das sie gebracht worden war, um. Das Bett war ein großes Doppelbett mit einer dunkelgrünen Tagesdecke darüber. Einige Zierkissen lagen darauf und ausgerechnet ein Stofftier… ein Puma. Sie konnte ein Lächeln darüber nicht unterdrücken und ein nervöses Kichern entkam ihr, bevor sie es aufhalten konnte. Eine schwarze Kommode, mit einem großen Spiegel darüber und einer kleinen Bambuspflanze in der Mitte, stand auf der einen Seite. Auf der anderen Seite waren zwei Sitzkissen, ein riesiger Flachbildschirm hing an der Wand und eine Spielkonsole mit einer Anzahl von Spielen, die unordentlich verstreut lagen, stand davor. Jewel verstand nicht, wieso sie sich so ruhig fühlte, aber die Ruhe begann zu verfliegen und wurde durch Angst verdrängt. Was, zum Teufel, bildete sie sich dabei ein, hier zu sein? „Wieso hast du mich hierher gebracht?“, fragte Jewel und drehte sich zu Steven um. „Weil du hier in Sicherheit bist“, antwortete Steven. „Du wirst nicht zu deinem Vater oder deinem Verlobten zurückgehen.“ Was von ihrer Ruhe noch übrig geblieben war, war schlagartig weg und Jewel schüttelte wild ihren Kopf. „Nein, ich muss zurück! Wenn ich es nicht tue, dann wird Anthony mich umbringen!“ „Er kann dich nicht umbringen, wenn er dich nicht findet“, erklärte Steven mit einer Stimme, die so kalt war, dass die Wärme aus dem Raum gesaugt wurde. „Und was ist mit Pfarrer Gordon?“, fragte Jewel, deren Stimme nun lauter wurde. „Wenn sie zu ihm gehen, werden sie herausfinden, wo ich bin.“ Jewel begann, nervös auf und ab zu gehen. „Papa wird so wütend sein und Anthony… ich wage es nicht, mir auszudenken, was er tun wird.“ Steven sah vor seinem inneren Auge noch einmal den handgroßen Bluterguss, den sie vorhin getragen hatte. „Wieso, zum Teufel, willst du deinen Vater beschützen, wenn er dich offensichtlich nicht beschützt!“ „Wer hat dir das Recht gegeben, dich darum zu kümmern!?“, rief Jewel zurück, fühlte sich nun, wo er sie anschrie, besser. „Weißt du was? Gut.“ Steven öffnete die Tür seines Schlafzimmers. „Hier ist der Weg nach draußen, geh zu deinem Verlobten zurück und zu einer Hochzeit, in die du gezwungen wirst, wegen Papas Unfähigkeit, sich um seine Geschäfte zu kümmern. Kein echter Vater würde seine Kinder opfern, um Schulden, die er selbst verursacht hat, zurückzuzahlen.“ Jewel starrte auf die Tür und machte einen unsicheren Schritt nach vorne, ehe sie rückwärts zum Bett ging und sich darauf sinken ließ. Sie schielte zu dem Wecker auf dem Nachttisch und wusste, es war sowieso zu spät, um zurückzugehen. Zwei Uhr früh… um diese Zeit wurden die Wachen ausgetauscht, und das war die einzige Zeit, wo sie zurückkommen konnte, ohne erwischt zu werden. „Und was mache ich jetzt?“, fragte Jewel und sah mit Tränen in den Augen zu ihm hoch. „Wo soll ich hingehen?“ Steven schloss die Tür und kniete sich vor ihr auf den Boden. „Wie wäre es, wenn du damit anfängst, mir alles zu erzählen?“ „Was alles?“ Steven schenkte ihr ein kleines Lächeln. „Wir können mit deinem Nachnamen anfangen.“ Jewel seufzte. „Mein Nachname ist Scott und mein Vater ist der Manager eines Resorts meines… Verlobten in Palm Springs. Oh Gott, das Wort hinterlässt einen schlechten Geschmack in meinem Mund.“ Steven fühlte, wie sich ein tonnenschweres Gewicht von seinen Schultern löste, als er wieder sah, wie sehr sie es hasste, zu einer Heirat mit diesem Mann gezwungen zu werden… nicht, dass er das jetzt noch zulassen würde. „Okay, beruhige dich und mach langsam. Versuche, am Anfang anzufangen“, schlug er vor. Nach einmal tief Durchatmen begann Jewel ruhig zu sprechen, ließ es alles heraus. „Ich war im Internat, als Papa irgendwelche Probleme in dem Resort bekam. Ein Regierungsbeamter hatte sich als anonymer Gast eingebucht und versuchte, all die Mafia-Geschäfte, die an dem Ort abgehandelt wurden, aufzudecken. Als Papa herausgefunden hat, wer der Mann war… wurde ihm aufgetragen, ihn umzubringen.“ Steven nickte. „Und dann?“ „Papa hat zu lange gewartet, ihn umzubringen… der Agent hatte seinen Vorgesetzten schon alle Informationen weitergeleitet. Als sich der Agent nicht mehr meldete, oder wie das bei denen läuft, schickte das FBI weitere Agenten und Papa wurde verhaftet. Anthony Valachi hat ihn aus dem Gefängnis freigekauft, nachdem er etwas gemacht hat, vermutlich einen der oberen Beamten bestochen, und alle Anschuldigungen wurden fallen gelassen.“ „Nun schuldet Papa seinem Chef etwas. Und nachdem er nicht wusste, wie er die Schuld sonst zurückbezahlen sollte, sagte mir Papa, als ich vom Internat zurückkam, dass ich mit Anthony verlobt war, und er war sogar noch glücklich darüber.“ Jewel atmete noch einmal schwer durch und wischte mit der Hand über ihre Augen. „Ich will noch nicht heiraten… ich wollte noch etwas für mich selbst tun, studieren, arbeiten und vielleicht ein wenig reisen. Dieser Mann ist doppelt so alt wie ich. Jetzt bin ich seine Gefangene, ein Sklave für diesen Mistkerl und der Fehler meines Vaters.“ Steven nickte und kämpfte gegen den Drang an, im Zimmer auf und ab zu schreiten. Als er verlor, stand er auf und begann hin und her zu gehen. „Ich kann das in Ordnung bringen“, erklärte er selbstbewusst, aber schritt weiter auf und ab. Seine Gedanken überschlugen sich. „Ja klar“, meinte Jewel stirnrunzelnd. „Du und welche Armee?“ Sie erinnerte sich plötzlich an den Engel, den sie in der Kirche gesehen hatte, und hob hoffnungsvoll ihren Blick. Steven erkannte den Namen als denselben Typen, mit dem Micah vor ein paar Wochen, kurz vor seinem Verschwinden, eine Auseinandersetzung gehabt hatte. Micah hatte den Mann aus dem Club hinausgeworfen, nachdem er ihm seine Faust direkt in sein Gesicht serviert hatte, wodurch der Klugscheißer geradewegs aus seinem Stuhl gefallen war. Steven fand es immer noch schwer, ein Lachen zu unterdrücken, als er sich daran erinnerte. Quinn, andererseits, hatte es nicht lustig gefunden. Vielleicht hatte Quinn gewusst, dass Anthony eine große Nummer in der Mafia war, und hatte nur versucht, Micah zu beschützen. Tatsächlich war das an demselben Abend gewesen, wo Micah verschwunden war. Er warf Jewel einen Blick zu, als er an ihr vorbeiging. Sie hatte recht… Anthony Valachi war doppelt so alt wie sie und ein egoistisches Arschloch. Nicht um alles in der Welt würde er sie auch nur in die Nähe dieses Mannes oder ihres gewalttätigen Vaters lassen… Vater… der Priester der Kirche. Nun, dieser Typ schuldete ihm einen Gefallen und mit etwas Hilfe von Dean… würde er alles zurückbezahlen. Er klappte sein Handy auf, tippte eine Nummer ein und lächelte, als sein Gesprächspartner abhob. „Dean, bist du noch in der Kirche? Gut, hol den Priester zurück und warte dort auf mich.“ Er beendete den Anruf und kam auf Jewel zu. Er ließ sich wieder vor ihr auf die Knie fallen, nahm ihre Hände in seine und strich mit seinen Daumen sanft über ihre weiche Haut. „Wie weit bist du bereit, zu gehen?“, fragte er ruhig, während sein Blick ihr Gesicht untersuchte. „Es muss mehr sein, als nur weglaufen.“ Jewel gefiel es nicht, wie leise ihre Stimme klang. Sie wollte nicht, dass ihre Angst so offensichtlich war. Sie biss sich auf ihre Lippe als sie sich fragte, was Steven vorhatte. „Wenn wir dies richtig hinkriegen, dann brauchst du nicht weiter wegzulaufen, als bis hierher.“ „Was meinst du?“ Jewel wollte ihre Hände wegziehen, aber er hielt sie fest. „Ich denke, dass du nicht zweimal heiraten kannst.“ Steven zog seinen Kopf ein, als sie so ruckartig wegzuckte, dass ihre Hände wieder frei waren. Er stand vom Boden auf und starrte auf sie hinunter, als sie rückwärts über das Bett davonkrabbelte, um sich von ihm zu entfernen. „Hör zu…“, begann er. „Nein!“ Jewel schrie beinahe, als sie auf der anderen Seite der Matratze vom Bett kletterte, sich ein wenig besser fühlte, jetzt, wo sie einen sicheren Abstand zwischen sie gebracht hatte. Ihr Gesicht begann zu brennen, als ihr klar wurde, dass das Bett auch noch bildlich im Weg stand, wenn sie dieser Verrücktheit zustimmte. Sie riss ihren Blick von dem Bett los. „Ich wollte gar nicht heiraten! Wieso sollte ich dann dich heiraten?“ Stevens Augen wurden schmal, als er beleidigt wurde, aber er würde nicht zulassen, dass sie aufgrund seines Stolzes starb. Wenn er sie zu Tode ängstigen musste, dann wäre es das wert. Außerdem… im Moment war sie die einzige Spur, die er in Richtung Micah hatte. Stevens Lippen deuteten ein hinterhältiges Lächeln an, jetzt, wo er erfolgreich noch einen weiteren Grund gefunden hatte, zu tun, was er tun würde. „Wieso du mich heiraten solltest? Weil, wenn du vor meiner und deiner Familie vortäuschen kannst, dass die Heirat echt ist… dann wird sie im Schlafzimmer nur auf Papier bestehen. Und die Armee, die du haben wolltest: vergiss nicht, ich bin kein Mensch und meine Familie und Freunde auch nicht. Also wenn dein verdorbener Ex versucht, dich zu holen… werden wir ihn erwarten.“ „Wieso solltest du das tun?“ Jewel schüttelte ihren Kopf. „Und was meinst du mit vortäuschen?“ Steven streckte die Hand aus und zeigte auf das Bett zwischen ihnen. „Um deine erste Frage zu beantworten: ich habe einen Bruder, der seit zwei Wochen verschwunden ist, und die letzte Person, mit der er gesehen wurde, abgesehen von seiner Familie, war dein Verlobter und es war keine freundliche Unterhaltung. Also welche bessere Möglichkeit habe ich, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, als indem ich an seiner Kette rüttle?“ „Und was die zweite Frage betrifft: damit das auch funktioniert, müssen alle denken, dass wir einander lieben und vorhaben, zusammenzubleiben. Aber wenn wir alleine sind, dann schläfst du auf deiner Seite des Bettes und ich auf meiner. Ich will meine Freiheit auch nicht aufgeben. Wenn du dieses… Theater spielen kannst, kann ich es auch.“ Jewel entspannte sich ein wenig, als sie verstand, was er meinte. „Niemand sonst wird die Wahrheit kennen?“ „Nur unser Schutzengel… Dean.“ Steven grinste, als ihre Finger sich zu der Wange hoben, die Dean so theatralisch geheilt hatte. „Und wenn Anthony keine Gefahr mehr darstellt?“, murmelte sie. „Dann wird unser guter Freund, der Pfarrer, uns unsere Annullierung aushändigen, und wir werden wieder getrennte Wege gehen. Aber erst muss er uns verheiraten, und um ihn dazu zu bringen, das zu tun… muss er überzeugt sein, dass wir einander lieben und zwar auch körperlich.“ Als sie ihm einen angeekelten Blick zuwarf, zuckte er die Schultern. „Er ist ein Priester und darf nicht lügen, also werden wir ihm das Lügen abnehmen müssen. Wenn es vorbei ist, können wir ihm die Wahrheit sagen.“ „Aber es wird keine körperliche Liebe in unserer Ehe geben“, stellte Jewel mit einem stechenden Blick klar. „Ich kann mich zurückhalten, wenn du es kannst.“ Sein Blick war ebenso scharf wie ihrer, wusste, dass er soeben seine erste Schlacht gewonnen hatte. Jetzt musste er nur beten, dass er sich wirklich zurückhalten konnte, denn im Augenblick brauchte er jedes Gramm seiner Willenskraft, nur um nicht über das Bett zu springen und sie zu nehmen, bevor Anthony Valachi noch einmal die Chance dazu bekam. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/amy-blankenship/night-light-42351211/?lfrom=334617187) на ЛитРес. 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