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Moon Dance Amy Blankenship Blutsbundnis #1 Devon ist ein Werjaguar, ein wenig grob an den Kanten und einer der Besitzer von Moon Dance. Seine Welt kippt um ihre Achse, als er eine verführerische Füchsin mit rotem Haar erspäht, die in seinem Club tanzt, bewaffnet mit einem zynischen Herzen und einer Elektroschockpistole. Während ein Vampirkrieg um Envys Leben war großartig. Großartiger Bruder, großartiger Freund und der beste Job, den sich eine Frau wünschen kann... Barfrau in den beliebtesten Clubs der Stadt. Zumindest war es großartig, bis sie einen Anruf von einem ihrem besten Freunde bekam, über ihren Freund, der auf der Tanzfläche im Moon Dance einen vertikalen Limbo tanzte. Ihre Entscheidung, ihn damit zu konfrontieren, setzt eine Kette von Vorfällen in Gang, die sie in eine gefährliche, paranormale Welt, die unter der Langeweile des täglichen Lebens verborgen liegt, einführen. Eine Welt, in der sich Menschen in Jaguare verwandeln können, lebensechte Vampire durch die Straßen wandern, und gefallene Engel unter uns gehen. Devon ist ein Werjaguar, ein wenig grob an den Kanten und einer der Besitzer von Moon Dance. Seine Welt kippt um ihre Achse, als er eine verführerische Füchsin mit rotem Haar erspäht, die in seinem Club tanzt, bewaffnet mit einem zynischen Herzen und einer Elektroschockpistole. Während ein Vampirkrieg um sie tobt, schwört Devon, dass er diese Frau sein eigen machen wird... und bis zum Tode um sie kämpfen wird. Table of Contents Prolog (#ulink_4befa8eb-8ee1-578c-955f-abaf17c546d5) Kapitel 1 (#ulink_b8a50ca9-fec9-56e4-b466-778b2e5b607a) Kapitel 2 (#ulink_7817a935-53be-570e-afe6-c1b670108f79) Kapitel 3 (#ulink_60e90018-ea84-5617-a8a4-f46611cd31f7) Kapitel 4 (#litres_trial_promo) Kapitel 5 (#litres_trial_promo) Kapitel 6 (#litres_trial_promo) Kapitel 7 (#litres_trial_promo) Kapitel 8 (#litres_trial_promo) Kapitel 9 (#litres_trial_promo) Kapitel 10 (#litres_trial_promo) Kapitel 11 (#litres_trial_promo) Kapitel 12 (#litres_trial_promo) Kapitel 13 (#litres_trial_promo) “Moon Dance” Blutsbündnis-Serie Buch Eins Amy Blankenship, RK Melton Überarbeitet von Tracy Murray Übersetzt ins Deutsche von Martina Hillbrand Copyright © 2012 Amy Blankenship Zweite Auflage herausgegeben von TekTime Alle Rechte vorbehalten. Prolog Angeles National Forest ist das Zuhause von gefährlichen Pumas und importierten Jaguaren, die sich in dem riesigen Forst herumtreiben. Manchmal, in klaren Nächten, nehmen ihre Zahlen ein wenig zu, wenn die Wer-Tiere, oder Formwandler, wie sie im Volksmund bekannt sind, mit ihren entfernten Verwandten durch das ungezähmte Land streifen. Es sind diese Nächte, wo die echten Tiere sich in ihren Bauen verstecken, während die Raubtiere aus der Stadt ihr Territorium lang genug belagern, um zu jagen, oder seltener, um Kämpfe auszutragen, die im Gebiet der Menschen nicht ausgefochten werden können. Es gibt nichts Wilderes, als wenn diese Formwandler kämpfen, und wenn einer von ihnen verletzt wird, dann werden sie für Menschen ebenso gefährlich wie für ihre tierischen Pendants. Um die Menschen, unter denen sie leben, zu schützen, werden Auseinandersetzungen zwischen Formwandlern wann immer möglich außerhalb der Reichweite dieser Menschen ausgetragen, und der beste Ort dafür ist tief in ihren ursprünglichen Jagdgründen. Heute Nacht wurde der Forst gespenstisch still, als die beiden Besitzer des größten Nachtclubs der Stadt den Urwald betreten und sich ihrer Kleider entledigen, um die Bestien in ihrem Inneren freizulassen. Heute Nacht gingen sie auf Jagd nach dem Grab eines Vampirs, der sie beide zerstören könnte. Tief im Wald, wo keine Menschen sie hören konnten, sprintete Malachi, der Anführer eines kleinen Jaguar-Klans, durch die Dunkelheit auf seinen Gegner zu… einen Mann, dem er nie mehr vertrauen hätte sollen als seinem besten Freund. Sein Ziel war ein anderer Formwandler, dieser mit Pumablut in seinen Adern, Nathaniel Wilder… sein Geschäftspartner seit 30 Jahren. Malachi brach durch den Wald und kam auf die Lichtung, wo er Nathaniel in menschlicher Gestalt auf ihn wartend vorfand. Als er ein paar Schritte vorwärts machte, war es, als würde er in eine andere Gestalt gehen, als Malachi sich wieder in seine menschliche Form verwandelte. Sie beide waren tödlich, egal in welche Gestalt sie sich verwandelten. Als Menschen waren sie beide athletisch mit Muskeln wie Stahl, die unter ihrer weichen Haut angespannt waren. Formwandler altern nur langsam, und so sahen beide Männer aus wie Mitte dreißig, obwohl sie die fünfzig schon weit hinter sich gelassen hatten. Wenn dies ein Hollywood-Film gewesen wäre, hätte es mehrere Minuten gebraucht, um dies grundlegend zu ändern, aber es war die Wirklichkeit und es gab auf der Lichtung keine sabbernden Monster. Nacktheit hatte für einen Formwandler keine Bedeutung und der Mond leuchtete wie ein Scheinwerfer durch ein Loch in den Gewitterwolken über ihnen. „Es braucht nicht so weit zu kommen“, sagte Nathaniel während er hoch aufgerichtet dastand und versuchte, seinen Freund zur Vernunft zu bringen. „Hör mir zu! Es war vor dreißig Jahren, und die Dinge haben sich verändert… ich habe mich verändert.“ „Lügen von dreißig Jahren!“, donnerte Malachi, wobei seine Stimme über die ganze Lichtung schallte. Sein Blick wanderte zu dem Punkt, wo er Kane beerdigt hatte, und er fühlte, wie das Stechen von Feuchtigkeit sich in seinen Augen sammelte. „Wegen dir habe ich Kane im Dreck eingegraben… wegen dir habe ich ihn dreißig Jahre lang im Stich gelassen.“ „Ich kann nicht zulassen, dass du ihn ausgräbst, Malachi! Du weißt, was geschehen wird, wenn du es machst.“ Nathaniel beobachtete Malachi nervös, wie dieser sehnsüchtig auf das Grab des Mannes, der einst sein bester Freund gewesen war, schielte. Er hatte es nie verstanden. Kane war ein Vampir und gefährlich. Kane war außerdem eines der beiden Dinge gewesen, die einer Partnerschaft zwischen den Jaguaren und den Pumas im Weg gestanden hatten… Kane und Malachis schöne, hinterlistige, fremdgehende Frau Carlotta. Nathaniel hatte sie zuerst geliebt. Er hatte nicht gewollt, dass es so kommen würde. Schlussendlich hatte Nathaniel das Problem in einem eifersüchtigen Wutausbruch gelöst… wobei er zwei Fliegen auf einen wilden Schlag tötete. „Er war mein bester Freund, und er hat mich nie betrogen! Du warst derjenige, der mir in den Rücken gefallen ist!“ Malachi blinzelte die Tränen seiner Wut weg, als er seine Hand hob und den Ohrring, den er trug, berührte… Kanes Ohrring. Was hatte er getan? Als er Kane gefunden hatte, wie er sich über seine tote Frau gebeugt hatte, hatte er verwirrt inne gehalten, bis Nathaniel bestätigt hatte, dass Kane der Mörder war. Sie war genau hier auf diesem Feld gestorben, also hatte er es für richtig gehalten, Kane an dieses Land zu binden… in diesem Boden einzuschließen. Er hatte sogar Kanes Zauberspruchbuch gestohlen und es zur Rache gegen ihn verwendet. Ja, in einer Sache hatte Nathaniel recht. Die meisten Vampire waren böse, aber es gab einige Ausnahmen, und Kane war eine davon gewesen. Aber nichts war schlimmer, als das, was er selbst getan hatte. Dieser Zauber konnte nur durch Kanes Seelenfreundin rückgängig gemacht werden. Malachi hatte damals gedacht, dass das lustig war, denn Kane war alterslos gewesen, und hatte doch noch nie eine Seelenfreundin getroffen. In der Vergangenheit hatten er und Kane oft Scherze darüber gemacht, dass so eine Frau nie geboren werden würde. In seinem Kopf blitzten Erinnerungen von Kanes Lächeln auf, als er gesagt hatte: 'Gott müsste Sinn für Humor haben, um jemals eine Frau zu erschaffen, die sich mit mir und einigen meiner Angewohnheiten abgeben würde.' „Er ist schon zu lange da unten“, warnte Nathaniel. „Mit dieser Art von Blutdurst und Verrücktheit, von der er besessen ist… wenn du Kane jetzt befreist, wird er uns nur töten.“ Malachis Kopf hob sich ruckartig und er starrte böse auf Nathaniel. „Er wird nur mich umbringen müssen, denn du wirst schon tot sein.“ Nachdem die Drohung ausgesprochen war, nahmen beide Männer wieder ihre tierische Gestalt an. ***** Am Rande des Campingplatzes, der dem riesigen Wildtierpark am nächsten war, saß Tabatha King, oder Tabby, wie sie alle zu nennen schienen, auf den Stufen des großen Wohnwagens ihrer Eltern und schaute hinauf in die Sterne, die durch die dicken Wolken blinzelten. Sie blies sich ihre Stirnfransen aus ihren Augen, froh darüber, dass es endlich aufgehört hatte zu regnen. Es war das erste Mal, dass sie Campen war, und das Allerletzte, was sie wollte, war, die ganze Zeit im Wohnmobil eingeschlossen zu sein. Sie war so aufgeregt gewesen, über den Ausflug, und sie hatte sich sogar noch mehr gefreut, als ihre Eltern erlaubt hatten, dass sie den kleinen Familienhund Scrappy mitbringen konnte. Es hatte lange gedauert, aber nach viel Bitten und Betteln, und nachdem sie versprochen hatte, sie würde sich um ihren kleinen besten Freund, einen kleinen Yorkshire Terrier-Welpen, kümmern, hatte sie ihre zögernden Eltern endlich überzeugen können. Scrappy war gerade damit beschäftigt, die Dunkelheit zu verbellen, wobei er an seiner Leine zerrte und wartete, dass er die Schatten jagen durfte, die seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Das kleine Mädchen schrie leise auf, als Scrappy sich plötzlich von seiner Leine losriss und weglief. Sie stand von den Metallstufen auf, als der Welpe durch ein kleines Loch in dem Zaun, der den Campingplatz vom Wildtierpark trennte, kroch. „Scrappy, nein!“, rief Tabby und rannte hinter dem Hund her. Ihre Eltern hatten darauf vertraut, dass sie ihn nicht verlieren würde. Am Zaun stehenbleibend atmete sie unsicher ein, als sie hinaus in die Dunkelheit der Bäume blickte. „Ich bin kein Feigling.“ Sie biss entschlossen auf ihre Unterlippe, ehe sie auf ihre Knie sank, um die Öffnung im Zaun zu inspizieren. Mit nur wenigen Kratzern schaffte sie es, sich durch dasselbe Loch zu zwängen und rannte davon in den Wald, wobei sie dem Geräusch von entferntem Hundegebell folgte. „Du wirst mich noch in Schwierigkeiten bringen“, flüsterte sie rau, dann begann sie, mit ihrer Zunge zu schnalzen, wissend, dass der Welpe oft auf dieses Geräusch reagierte. „Tabby, wo bist du?“ Hinter sich hörte Tabatha ihre Mutter rufen, aber sie war mehr darauf konzentriert, ihren Hund zurück zum Campingplatz zu bringen. Scrappy war ihr Hund, und sie musste auf ihn Acht geben. Also, anstatt ihrer Mutter zu antworten oder nach dem Welpen zu rufen, schwieg sie und folgte dem Geräusch von Scrappys schrillem Gebell. Es dauerte nicht lange, dann musste Tabatha kurz stehenbleiben, um wieder zu Atem zu kommen. Sie lehnte sich mit dem Rücken an einen Baum und stützte ihre Hände auf ihre schmutzigen Knie, schwer atmend lauschte sie den Geräuschen des Waldes. Sie hatte schon immer einmal mitten im Wald stehen wollen, und einfach zuhören, so wie die Indianer das in Fernsehfilmen machten. Die Regenwolken, die sich für kurze Zeit geöffnet hatten, kamen wieder zurück und das helle Mondlicht verschwand plötzlich. Ihre Augen weiteten sich, als sie erkannte, dass sie die Lichter des Campingplatzes nicht mehr sehen konnte. Sie machte einen zögerlichen Schritt nach vorne und blickte wild um sich, aber alles, was sie sehen konnte, waren Dunkelheit, kaum erkennbare Baumstämme und noch dunklere Schatten. Sie winselte leise, als etwas in der Ferne hinter ihr knurrte. Sie entschied, dass ihr jene Richtung nicht gefiel und rannte in die entgegengesetzte Richtung, ohne sich noch einmal umzusehen. Nach einiger Zeit, die ihr wie eine Ewigkeit erschien, hörte sie Scrappy wieder bellen und lief in diese Richtung, hoffend, dass, was auch immer geknurrt hatte, sie nicht verfolgte. Sie hörte ein weiteres Knurren, aber diesmal kam es von irgendwo vor ihr. Indem sie ihre Fersen in den Boden stemmte, versuchte sie, stehenzubleiben, aber durch den Regen war der Waldboden bedeckt mit feuchtem Laub und Schlamm. Anstatt stehenzubleiben, rutschte sie sogar noch weiter zur Seite, ehe sie über eine kleine Anhöhe hinunter kullerte. Die Luft blieb ihr weg, als ihr Körper einen Baum traf, der ihre Rutschpartie beendete. Das Erste, was ihr auffiel, nachdem sie wieder zu Atem gekommen war, war, dass Scrappy nicht mehr bellte. Sie hörte wieder das Knurren und begann, den Hügel wieder hoch zu krabbeln, als sie ein leises Winseln hörte. Sie drückte sich hoch auf ihre Knie, schielte über den Baumstamm und sah eine kleine Lichtung, auf die der Mond gerade herunter leuchtete. Gleich dort, in der Mitte war Scrappy und winselte so, als wäre er gerade von dem Hund zu Hause, am Ende der Straße, verprügelt worden. Der Welpe lag flach am Boden und krabbelte rückwärts. Tabathas blaue Augen wurden groß, als sie sah wieso. Zwei Tiere kamen auf der Lichtung langsam aufeinander zu und Scrappy befand sich genau in der Mitte zwischen ihnen. „Dummkopf“, zischte Tabby leise. Sie erkannte die Tiere von Bildern, die ihr Vater ihr gezeigt hatte, bevor sie auf Urlaub fuhren. Eines war ein Puma, und das andere erkannte sie vom Fernsehen… ein Jaguar. Sie liebte es, Tiersendungen zu sehen, und sie war nicht so empfindlich wie ihre Mutter, wenn die Tiere im Fernsehen einander angriffen. Aber das hier war anders… es war echt und es war etwas beängstigend. Sie waren Katzen, die dich fressen konnten, und große noch dazu. Die eleganten Tiere umkreisten einander, während sie tief in ihren Kehlen knurrten, ihre Augen glänzten wie goldene Medaillons. Die tödlichen Geräusche wurden vom leichten Wind zu Tabatha geweht, die mit nervöser Ehrfurcht zusah. „Komm schon, Scrappy“, flüsterte sie, hoffend, dass die riesigen Katzen sie nicht hören würden. „Komm her bevor einer von ihnen auf dich tritt.“ Sie wollte eigentlich 'dich frisst' sagen, aber sie wollte den armen Welpen nicht noch mehr verängstigen, als er es ohnehin schon war. Die Katzen schrien plötzlich, sodass Tabatha sich mit den Händen die Ohren zuhielt, weil es so laut war und so beängstigend klang. Sie rannten mit atemberaubender Geschwindigkeit über die Lichtung, sodass Scrappy seinen Schwanz zwischen die Beine einzog und vor Angst kreischte. Als sie den traumatisierten Welpen so sah, kletterte Tabatha über den Baum und rannte so schnell sie konnte zu Scrappy. Sie war Scrappy näher als die Katzen und warf sich auf ihn, sodass sie seinen kleinen Körper mit ihrem bedeckte, gerade als die beiden Tiere nach vorn sprangen, und in der Luft genau über ihr aufeinander prallten. „Bitte, verletzt meinen Hund nicht!“, schrie sie. Sie schrie noch einmal auf, als scharfe Krallen ihren Arm zerkratzten, und weitere Krallen über ihren Rücken streiften. Die Katzen fielen mit einem markerschütternden Krachen auf den Boden direkt hinter ihr, knurrten und schrien einander an. Sie blieb über Scrappy gekauert, der noch immer zitterte und leise winselte, wagte es nicht, sich nach den Tieren umzusehen, die nur einen Meter hinter ihr kämpften. Tabatha hatte Angst sich zu bewegen und hielt den Hund so fest sie konnte in ihren Armen. Ihre Augenlider waren aufeinander gepresst und sie begann Scrappy zuzuflüstern, dass er laufen und Hilfe holen sollte, wenn eine der Katzen auch sie erwischte. Etwas feuchtes Warmes platschte auf ihren Rücken, aber sie bewegte sich noch immer nicht. Schließlich endete der Kampf und sie wagte es, über ihre Schulter zu schielen. Sie begann zu zittern und zu weinen, als sie zwei Männer hinter ihr liegen sah, über und über mit Blut verschmiert. Tabatha kam langsam auf ihre Knie hoch, Scrappy in ihren Armen, und begann sich rückwärts von ihnen zu entfernen. Wo waren der Puma und der Jaguar hin? Hatten sie die Männer angegriffen und waren dann weggerannt? Wieso hatten die Männer keine Kleider an? Nathaniel öffnete plötzlich seine Augen und fletschte sehr scharfe Zähne in ihre Richtung. Tabatha stolperte rückwärts und wäre beinahe umgefallen, aber konnte gerade noch ihr Gleichgewicht wiederfinden. Scrappy kreischte wieder, als das Knurren des Mannes so klang, wie das eines Pumas, und riss sich aus Tabbys Armen los. Er rannte weg in den Wald, bellend vor Angst. Malachi zuckte während Blut aus seiner Brust strömte. Er öffnete den Mund und knurrte ein Wort in die Richtung des kleinen Mädchens. „Lauf!“ Seine Stimme verendete mit dem ohrenbetäubenden Schrei eines Jaguars. Tabatha ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie drehte sich um und rannte von der Lichtung weg, ohne sich noch einmal umzusehen. Es war ihr egal, wohin sie ging, sie wollte nur weg von dem fürchterlichen, blutverschmierten Mann. ***** „Danke, und hier sind die Lokalnachrichten. Heute Abend hatte eine Familie Grund zum Feiern. Ihre Tochter, Tabatha, konnte endlich ziellos durch den Angeles National Forest wandernd gefunden werden, nachdem sie vor drei Tagen von einem Campingplatz nahe des Crystal Lake verschwunden war, um ihren Hund zu suchen. Scheinbar hatte sich der Hund von der Leine losgerissen und war in den Wald gerannt. Die Siebenjährige verfolgte den Hund mutig und konnte bis heute Vormittag nicht gefunden werden. Leider fehlt von dem Hund immer noch jede Spur. Laut offiziellen Angaben befindet sie sich im Bezirkskrankenhaus und erholt sich von ihrem Schock, da es scheint, dass sie den Angriff eines Pumas überstanden hat. Die kleine Tabatha erzählte den Park-Rangern immer wieder von zwei verletzten Männern im Wald, aber eine gründliche Suche auf einer Fläche von fünftausend Quadratkilometern blieb erfolglos. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.“ Kapitel 1 10 Jahre später… Laute Musik schallte rhythmisch aus dem Club, sein großes, violettes, Neon-beleuchtetes Reklameschild wechselte die Farben synchron mit dem Rhythmus. Das Licht warf einen gespenstischen Schein auf das Gebäude gegenüber. Am Dach jenes Gebäudes stand ein Mann mit kurzem, hellblondem Haar mit einem Fuß an der Kante. Er beugte sich nach vorne, einen Ellbogen auf sein angewinkeltes Knie gestützt, während er eine Zigarette rauchte. Kane Tripp senkte seinen Kopf leicht und fuhr mit der Hand durch die kurze Igelfrisur. Es hatte ihn geschmerzt, es abzuschneiden, er vermisste sein langes Haar noch immer. Er konnte sich noch an das seidige Gefühl erinnern, wenn es seinen Unterrücken streichelte. Er hob die Zigarette zu seinen Lippen hoch und nahm einen tiefen Zug, wissend, dass er eine Menge Dinge vermisste, wie die Zigaretten, die er früher geraucht hatte, bevor er lebendig begraben und wie tot zurückgelassen worden war. Vor vierzig langen Jahren war er unvorbereitet auf Malachi, den Anführer des Jaguar-Klans getroffen, und beschuldigt worden, die Partnerin des Formwandlers ermordet zu haben. Vor jener Nacht hatte Kane sich mit den Jaguaren gut verstanden, und ihr Anführer war einer seiner besten Freunde gewesen. Kanes Lippen wurden schmal, als er daran dachte. Malachi hatte ihn angeklagt, über ihn gerichtet und das Urteil vollstreckt, alles in einem großen Wutausbruch. Mit einem Zauber aus dem Buch, von dem Kane gedacht hatte, dass er es so sorgfältig versteckt gehabt hatte, hatte Malachi ihn mit einem Fluch gefesselt, der es ihm unmöglich machte, sich zu bewegen oder zu sprechen… ihn unfähig machte, sich zu verteidigen. Dann hatte er Kanes Blutstein-Ohrring weggenommen, der es ihm ermöglichte, sich im Tageslicht zu bewegen. Die Blutsteine hatten einst dem ersten Vampir, Syn, gehört. Kane hatte einmal gefragt, wie es einen ersten Vampir geben konnte, und die Antwort hatte ihn überrascht. Syn war alleine in diese Welt gekommen, verletzt und am Verhungern. Ein junger Mann hatte ihn gefunden, und da er schon fast verhungert war, hatte Syn sein Blut genommen. Der Vampir hatte schnell gelernt, dass die Menschen in dieser Welt sehr zerbrechliche Kreaturen waren, deren Seele sie verlassen würde, wenn er sein Blut teilte, in der Hoffnung auf diesem Planeten eine Familie zu gründen. Aber wenn ihre Seelen einmal weg waren, waren sie für ihn nutzlos und wenig mehr als Monster. Während seines endlosen Lebens hatte Syn nur drei solche Menschen gefunden, die ihre Seele behalten hatten… seine Kinder geworden waren. Der einzige Unterschied war, dass, als sie erst einmal verwandelt worden waren, die Sonne sie verbrennen würde… sodass sie, und ihre Monster-Geschwister, sich vor dem Tageslicht verstecken mussten. Auf Syns Planeten war das wegen dem Blutstein nie ein Problem gewesen. Die breiten Armbänder, die Syn getragen hatte, waren von seiner Welt gekommen, und waren aus dem Blutstein gefertigt. Er schnitt drei Stücke der Armbänder ab und machte damit einen Ring, eine Halskette und einen einzelnen Ohrring. Kane hob wieder die Hand und berührte den Ohrring, den er trug. Während der Blutstein ihm ein halbwegs normales Leben ermöglicht hatte… war es Syns Zauberspruchbuch gewesen, das Kanes Niedergang bedeutet hatte. Syn hatte es seinem Auserwählten überlassen, um weise verwendet zu werden, während er schlief. Darin fand sich der Zauber für den Fluch, mit dem seelenlose Kinder außer Gefecht gesetzt werden konnten, wenn sie zu einem zu großen Risiko für die Menschen wurden. Als der Zauber ihm selbst auferlegt worden war, konnte Kane nur zusehen und mit dunklen, regungslosen Augen seinen einstigen Freund betrachten, wie er die schwarze Erde mit dem Spaten auf ihn warf. Das Letzte, was er gesehen hatte, war der Anblick des Sternenhimmels über dem Wald. Die Dunkelheit hatte alles eingehüllt und es war so still gewesen. Der Fluch hielt ihn bewegungslos, aber er konnte Dinge fühlen, die in der Erde über ihn krabbelten. Winzige, sterbliche Kreaturen, die es nicht wagten, sein untotes Fleisch zu fressen, aber unwissend an seiner Seele nagten. Als die Zeit verging, war er sicher geworden, dass er verrückt geworden war, und dann hatte er begonnen, immer wieder Geräusche zu hören… Stimmen. Er hatte sich darüber in seinem Gefängnis gefreut, und er hatte sich danach gesehnt, mehr zu hören. Manchmal hörte er ganze Familien, andere Male hörte er nur Erwachsene. Manchmal hatte er versucht, sich gegen den Fluch zu wehren, nach Hilfe zu rufen oder auch einfach mit sich selbst zu reden. Der Zauber hielt ihn fest, machte ihn völlig hilflos. Er kannte den Zauber… er hatte ihn an Monstern verwendet. Es war ein komplexes Stück Magie, das des Blutes eines Geliebten bedurfte, um ihn zu befreien. Ein Liebeszauber, der so stark war, dass nur die Seelenfreundin des Opfers ihn brechen konnte. An den seelenlosen Vampiren hatte es immer funktioniert, denn man musste eine Seele haben, um eine Seelenfreundin zu rufen. Er hatte den Zauber mehr als nur einmal verwendet, um die Welt von seinen dämonischen, mordenden Geschwistern zu befreien, die nur ihren Blutdurst kannten. Kane lachte boshaft über die unvergessliche Erinnerung, zu wissen, dass er dem Schicksal ausgeliefert war… denn er hatte keine Seelenfreundin. Zumindest hatte er ein solches Wunder nie getroffen. Und wenn er eine hatte, dann war es unwahrscheinlich, dass sie einfach zufällig über sein Grab stolperte, und dabei noch blutete. Malachi war am Boden zerstört gewesen… er hatte seine Frau so sehr geliebt, dass er wollte, dass Kane die Tiefe einer solchen Liebe kennenlernte, und sich danach sehnte. Und wie er sich danach gesehnt hatte. Oft hatte er Tränen vergossen, jeden Gott, der ihm zuhören wollte, angefleht, seine Seelenfreundin zu ihm zu bringen, damit er seine Freiheit wiedererlangen konnte. Wenn er wirklich die Frau seines Freundes ermordet hätte, dann wäre es eine gerechte Strafe gewesen. Aber er hatte sich einer solchen Tat nicht schuldig gemacht. Eines Nachts, lange nachdem er jede Hoffnung aufgegeben hatte… hatte er es gehört. Das eindeutige Geräusch von Malachis Brüllen unterbrach seinen wahnsinnigen inneren Monolog, begleitet von einem weiteren tierischen Wutgeschrei. Dann, zu seinem Schrecken, hatte er die Stimme eines kleinen Mädchens direkt über ihm gehört, die schrie, dass sie ihren Welpen nicht verletzen sollten. Der Laut ihrer leisen, ängstlichen Stimme hatte etwas in ihm berührt, sodass er sich danach sehnte, frei zu sein, damit er das Mädchen vor dem Monster der Nacht beschützen konnte. 'Malachi wird deinen Welpen nicht verletzen, Kleines“, hatte Kane in Gedanken geflüstert. Und es war wahr. Malachi würde niemanden verletzen, außer wenn man ihm auf irgendeine Art ein schweres Leid antat… besonders nicht ein Kind. Mit dem Wissen, dass sein Freund irgendwo über ihm gewesen war, hatte Kane einen Funken Leben in sich zurückkehren gefühlt. Er war wütend geworden, als das Mädchen noch einmal geschrien hatte und er gehört hatte, wie etwas schwer am Boden gelandet war. Blut… er hatte frisch vergossenes Blut gerochen, das durch die weiche Erde auf ihn zu gesickert war. Es war das Schönste gewesen, was ihm je zugestoßen war. Der Geruch war in seine Gedanken eingedrungen und hatte ihn beinahe noch mehr um den Verstand gebracht, da er gewusst hatte, dass er nicht danach greifen konnte. Er war so schwach gewesen dadurch, dass er so viel Zeit ohne auch nur einmal zu trinken verbracht hatte… verdurstend doch ohne je zu sterben. In jenem Moment hatte er gefühlt, wie einer seiner Finger zuckte. Kane hatte sich darauf konzentriert und alles, was noch von seinem Verstand übrig war, darauf gerichtet, sich zu bewegen. Er hatte gefühlt, wie die Tage vergingen, urteilend nach der Wärme, die er vom Boden über ihm gefühlt hatte. Der Geruch des Blutes hatte ihn inzwischen umgeben und hatte ihn vorwärts getrieben. Schließlich hatte er es geschafft, langsam seine Arme zu bewegen und mit dem langwierigen Prozess, sich selbst aus seinem eigenen Grab auszugraben, begonnen. Weitere Tage waren vergangen, und als seine Hand endlich zur Oberfläche durchgestoßen war, hatte er buchstäblich Freudentränen vergossen. Nachdem er sich aus dem Dreck gezogen hatte, hatte Kane seine Augen geöffnet und nach oben gestarrt, lachend wie ein Wahnsinniger, als er den schwarzen Himmel und die Sterne über sich erblickte. Als er wieder zurück zum Boden gesehen hatte, hatte er ein Stück Stoff gesehen, auf dem kleine Bluttropfen eingetrocknet waren. Er hatte es hoch zu seiner Nase gehoben und genüsslich den Geruch des Blutes eingeatmet, das ihn befreit hatte. Das Erinnerungsstück an seine Retterin fest mit den Fingern umklammert, hatte er den Rest seines Körpers aus dem Boden gewuchtet. Malachi und der Formwandler, der der wahre Mörder der Frau des Jaguars war, hatten tot wenige Meter von seinem Grab entfernt gelegen. Als er an ihnen vorbei in den Wald hinein geschaut hatte, hatte er gewusst, dass das Mädchen längst weg war, aber Kane war überzeugt davon gewesen, dass das Kind seine Seelenfreundin war. Wer sonst hätte den Fluch brechen können, den Malachi ihm auferlegt hatte? Zu schwach um sich auf die Suche nach dem Mädchen zu machen, war Kane hinüber zu Malachi gekrabbelt und hatte scheinbar die Wange des Mannes sanft gestreichelt. Als er sein Gesicht zu ihm herum gedreht hatte, hatte Kane vor Verwirrung zischend ausgeatmet. Malachi hatte seinen Blutstein-Ohrring getragen. Seinen Ohrring! In einem Augenblick der Rage und mit einer Bewegung, die zu schnell war, um sie zu erkennen, war Kane aufgestanden, den Ohrring fest in der Hand. Während er hinüber geblickt hatte zu Nathaniel, dem Mann, der ihm seinen Mord in die Schuhe geschoben hatte, hatte Kane die Dunkelheit wie einen Mantel um sich gesammelt und war in der Schwärze der Nacht verschwunden. Kane atmete aus und sah zu, wie der Rauch durch die Luft schwebte, sich vor ihm aufspulte, ehe er vom leichten Wind verweht wurde. Er hatte die letzten zehn Jahre damit verbracht, von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent zu reisen und alles in Erfahrung zu bringen, was er in den dreißig Jahren seiner Gefangenschaft verpasst hatte. Langsam hatte er seine Kraft wieder aufbauen können, angefangen mit einem kleinen Yorkshire Terrier-Welpen, den er in jenem Wald zusammengekauert in einem hohlen Baumstumpf gefunden hatte. Es war jemandes Haustier gewesen, und er hatte sich dafür geschämt, eine solche Sache zu machen, aber die Notwendigkeit, sich zu ernähren, war zu dem Zeitpunkt stärker gewesen als die Reue. Erst nachdem er getrunken hatte, war ihm klar geworden, dass der Hund dem Kind gehörte, das ihn befreit hatte. Nachdem er noch immer einen kleinen Lebensfunken in dem kleinen Fellknäuel gefühlt hatte, hatte er das Dümmste getan. Indem er sich selbst in sein Handgelenk biss, förderte er ein paar Bluttropfen zu Tage und ließ sie auf dessen rosa Zunge fallen, dann legte er den Welpen auf den Boden und fragte sich, was zum Teufel er eigentlich machte. Es konnte nie funktionieren… oder? Sie hatte ihn zweimal gerettet, und wusste es nicht einmal. Die Erinnerung an ihre verängstigte Stimme konnte ihn aus dem tiefsten Schlaf reißen. Er wünschte sich, dass er sie gesehen hätte… Nur ein einziges Bild, das zu der Stimme gehörte, die ihn verfolgte. Er griff in seine Hosentasche und zog das kleine Halsband heraus, starrte auf die knochenförmige Marke, die daran hing. Er wusste den Namen der Familie, aber die Adresse darauf stimmte nicht mehr… schon seit Jahren. Als er endlich gelernt hatte, Computer zu verwenden, hatte er sie gesucht, aber die Eltern des Mädchens waren tot und das Haus war verkauft worden. Die Tochter, von der er sicher war, dass sie diejenige war, die ihn befreit hatte, war spurlos verschwunden. Kane warf seine Zigarette neben seinen linken Fuß und trat sie aus. Nachdem er nach Los Angeles zurückgekehrt war, war er sofort zu dem Club gegangen, den Malachi einst besessen und wo er gelebt hatte, nur um herauszufinden, dass er verkauft worden war, und seine Kinder umgezogen waren. Das neue Lokal war früher nur eine verlassene Lagerhalle gewesen, aber die Jaguare hatten sie kürzlich renoviert und in einen modernen Nachtclub umgebaut. Malachis Kinder leiteten den Betrieb jetzt. Er schüttelte den Kopf und fragte sich, wie Malachi sich selbst dazu bringen hatte können, noch einmal zu heiraten, denn er wusste, wie sehr Malachi seine erste Frau geliebt hatte. Sie war seine Seelenfreundin gewesen und obwohl Formwandler für ihre sexuellen Gelüste bekannt waren, war es beinahe unmöglich, dass sie eine andere lieben konnten, nachdem sie einmal ihre Seelenfreundin gefunden hatten. Als Kane es nachgeforscht hatte, hatte er gesehen, dass Malachis neue Frau ihm vier Kinder geboren hatte, und dann bei der Geburt ihres jüngsten Sohns, Nick, gestorben war. Malachi war in der Nacht gestorben, als er von unter der Erde sein Brüllen gehört hatte, aber Kane fühlte immer noch Rachegelüste, die an ihm nagten. Fast alle Vampire werden aus der Dunkelheit geboren, und vielleicht hatte Syn falsch gelegen, als er dachte, dass er so anders war als seine bösen Geschwister. Vielleicht war durch dreißig Jahre lang den Verstand verlieren so viel Schaden angerichtet worden, dass er nun auch keine Ausnahme mehr war. Sein Geist war noch immer an dem dunklen Ort, wo Malachi ihn hingebracht hatte. Was Kane betraf, waren es die Jaguare gewesen, die zuerst mit dem Blutvergießen begonnen hatten. Jetzt war er zurück, um ihnen den Gefallen zurückzuzahlen… der gesamten, verdammten Rasse der Formwandler, und beginnen wollte er mit Malachis Kindern. Oh, aber damit würde er nicht enden. Danach würden die Kinder von dem Formwandler kommen, der ihn falsch beschuldigt hatte… Nathaniel Wilder. Anhänger hinter sich zu versammeln, die ihm Blut lieferten, war nicht schwer gewesen. Kane war noch immer überrascht über die ganze Untergrund-Gothic-Szene in der Innenstadt. Viele von ihnen träumten nur davon, zu sein, was er war… ein echter Vampir anstelle eines Gothic Möchtegern. Alles, was er tun hatte müssen, war, einen zu verwandeln und seinen seelenlosen Untertanen dann sich selbst zu überlassen. Er hatte sich für den Gefährlichsten der Gruppe entschieden… denjenigen, der seine Seele scheinbar schon an die Dunkelheit verloren hatte. Raven, ein Gauner, der als Mensch schon fast psychopathisch gewesen war… ein Ausgestoßener der Gothic-Szene, der schon nach Blut lechzte, lange bevor er es wirklich brauchte. Raven war die einzige Person, der Kane je von den Formwandlern, die ihm in den Rücken gefallen waren, ihm die Schuld für etwas in die Schuhe geschoben hatten, was er nicht getan hatte, und ihn dann lebendig begraben hatten, erzählt hatte. Er wusste nicht, wieso er es Raven erzählt hatte… aus Langeweile vielleicht. Kane hatte den Gauner auf die Stadt losgelassen. Raven war schon, bevor er als Kind der Nacht wiedergeboren worden war, wütend gewesen und nun hatte Kane ihm ein Ventil für diese Wut gegeben. Raven hatte es sich selbst zur Aufgabe gemacht, in Kanes Namen Rache zu üben und der seelenlose Vampir nutzte seine neuen Fähigkeiten in vollem Ausmaß. Er hatte sich nicht damit bemüht, Raven davon abzubringen, denn es passte perfekt zu seinen Plänen, wie er den Rest der Malachi-Familie stürzen wollte. Wieso sollte er die Formwandler vor Raven schützen? Den einzigen Hinweis, dem er ihm hilfreich angeboten hatte, war, dass er keine Menschen töten musste, um sich zu ernähren, dass er überhaupt keinen Schaden anzurichten brauchte, wenn er es nicht wollte. Es war nicht seine Schuld, dass Raven sich entschieden hatte, trotzdem zu morden. Das erste Mal, wo Raven einen Mord begangen hatte, war das einzige Mal gewesen, dass Kane eingeschritten war, um den Jungen abzufangen, ehe er den Toten mit den deutlichen Vampir-Spuren im Blickfeld von Menschen liegen lassen konnte. Seine Art geheim zu halten, war für ihn ein Teil seines Selbsterhaltungsinstinkts und er hatte vergessen, dieses Geheimnis mit Raven zu teilen. Kane hatte ihm gezeigt, wie man durch die Wunden, die die Fangzähne hinterließen, schneiden konnte, um es mehr wie einen einfachen, sadistischen Mord aussehen zu lassen. Raven hatte angefangen, seine Opfer in der Nähe des Moon Dance zu hinterlassen, wo die Polizei sie finden sollte. Das war die perfekte Vorbereitung. Die meisten Vampire waren von sich aus böse, also hatte Kane den Großteil seines untoten Lebens innerhalb der Reichweite von Mördern zugebracht. Diesem Jungen zuzusehen, wie er tötete, erschien ihm nur normal. Wäre Syn wach gewesen, um die Mordserie mitzuerleben, dann hätte er die Welt von dem Unheil erlöst, indem er Raven getötet oder in ein Grab gefesselt hätte. Jetzt, wo Kane eine solche Bestrafung erlebt hatte, würde er eher den schnellen Tod wählen. Bevor er verbannt worden war, war er mit einem anderen Vampir befreundet gewesen… Michael. Sie waren länger zusammen gewesen, als sie sich überhaupt erinnern konnten, oder wollten. Sie beide hatten Blutsteine erhalten, da sie ihre Seelen behalten hatten… sie und Michaels Bruder Damon. Michael war ein guter Mann… immer noch auf der Seite der Engel, wie sie meinten, obwohl er Gerüchte davon gehört hatte, dass Damon eine dunkle Seite entwickelt hatte, und sie an seinem Bruder auslebte. Vielleicht würde er nachher noch bei Damon vorbeischauen und ihm Manieren beibringen, wenn er hier fertig war. Kane wunderte sich über die plötzliche Rivalität zwischen den Brüdern, denn Michael hatte seinen Bruder geliebt… aber die Dinge hatten es in sich, dass sie sich laufend veränderten. Kane wollte nicht, dass Michael von dem Bösen erfuhr, das das Grab in ihm zurückgelassen hatte. Er hatte in den letzten beiden Wochen einige Zeit damit verbracht, Michael aus der Ferne zu beobachten. Er wusste, dass Michael und der älteste Sohn des Jaguars, Warren, nun Freunde waren… ebenso wie er und Malachi es einst gewesen waren. Formwandler waren Verräter und Michael musste das erst selbst herausfinden. Indem er die Formwandler aus dem Weg räumte, würde er Michael einen letzten Gefallen tun… um der alten Zeiten Willen. Kane hob seine Hand und berührte den Ohrring, der den Blutstein enthielt, wissend, dass er ihn immer davon abgehalten hatte, Menschen zu töten. Wenn seine Seele wirklich böse wäre, dann würde die Magie des Blutsteins bei ihm nicht funktionieren. Er hatte sich oft gefragt, wie Malachi diese einfache Tatsache übersehen hatte können… der Beweis für seine Unschuld hatte direkt vor ihm gelegen. Egal… Er hatte dreißig Jahre in seinem Gefängnis verbracht, als Strafe für eine Tat, die er nicht begangen hatte. „Die Vergeltung wird die Hölle werden, Freunde.“ ***** „Telefonverkäufer?”, fragte Chad, während er versuchte, sein Grinsen zu verbergen, als seine kleine Schwester den Telefonhörer so schwungvoll auflegte, dass der Apparat von der Wand fiel. Er landete mit einem Krachen am Boden. Envy trat nach dem Telefon und stellte sich vor, dass es der Kopf ihres Freundes war, bevor sie sich an ihren Bruder wandte. „Seid ihr alle solche Mistkerle, oder sind es nur die, mit denen ich ausgehe?“ Chad hob seine Hände als wolle er sich ergeben. „Meiner Meinung nach sind Frauen ebenso schlimm. Aber jetzt beruhig dich und erzähl deinem großen Bruder, was geschehen ist.“ Envy lehnte ihre Stirn an die kühle Wand. Sie weigerte sich, auch nur eine Träne so weit hochsteigen zu lassen, dass sie ihrem Auge entkam. Sie liebte Trevor nicht genug, um um ihn zu weinen, und sie hatte es nun endgültig satt, dass alle Jungs auf die eine oder andere Art unzufriedenstellend waren. „Jason hat gerade angerufen und will mit mir ausgehen. Er dachte, dass ich wieder Single bin, nachdem er Trevor in einem neuen Tanzclub gesehen hat. Er hat mit einem anderen Mädchen rumgemacht, sie auf der Tanzfläche schon quasi vernascht.“ Chad schüttelte seinen Kopf. Er würde kein Mitleid für Trevor haben, wenn seine Schwester ihn noch einmal in die Finger bekommen sollte. „Also wie wär's, wenn wir heute Nacht ausgehen?“ Er hob eine Augenbraue, wollte das um nichts in der Welt verpassen. Envy lächelte, ihr gefiel die Idee. „Gib mir zehn Minuten, um mich fertig zu machen.“ Chad nickte, setzte sich auf die Armlehne des Sofas und nahm die Fernbedienung um die Nachrichten anzusehen, aber er hörte sowieso nicht zu. Er hatte ohnehin nicht gewollt, dass sie mit Trevor ausging. Er wusste, dass der Junge sich benahm wie ein weit gereister, reicher Vorzugs-Student, nur um alle von seinem wahren Ich abzulenken, aber das bedeutete nicht, dass es ihm gefiel, dass er Envy bezüglich seiner wahren Identität belog. Wollte Trevor mit ihr schlafen, dann musste sie zumindest die Wahrheit darüber wissen, mit wem sie da im Bett war. Eine Beziehung mit einer Lüge zu beginnen, war nicht der beste Start. Wenn man lügen würde, sollte man sich erst gar nicht darauf einlassen. Er hatte Trevor das letzte Mal, wo er ihn am Polizeirevier gesehen hatte, zur Rede gestellt, und dem verdeckten Ermittler gesagt, dass er Envy entweder die Wahrheit darüber, was er machte, erzählen musste, oder sich von ihr fernhalten. Es war nicht seine Schuld, dass Trevor auf niemanden hörte, außer auf sich selbst. Es ärgerte ihn, zu denken, dass Trevor Envy vielleicht benutzen könnte, während er in der Club-Szene verdeckte Ermittlungen anstellte. Nachdem sie als Barkeeperin für viele Clubs arbeitete, bekam Trevor die Möglichkeit, in die Gebäude zu kommen, bevor die Lokale öffneten, oder zu bleiben nachdem sie schlossen. Dort zu sein, wenn keine Gäste da waren, ermöglichte es Trevor viel besser herumzuschnüffeln und Envy hatte keinen blassen Schimmer. Chad weigerte sich, verdeckt zu arbeiten, auch wenn das Spezialeinheiten-Team schon seit einer ganzen Weile versuchte, ihn dazu zu verleiten. Bisher war er aber noch nicht weiter gegangen, als dass er ihr Lieblings-Mann war, wenn sie jemanden rufen mussten, um Türen einzutreten und Leute festzunehmen. Und das war für ihn prima. Er wollte viel lieber den Hintern eines Schurken versohlen, als sich herumzuschleichen, durch Papier zu wühlen und zu quatschen und zu versuchen, bei jemandem Dreck am Stecken zu finden. Nun, ihr Freund Jason, andererseits, wäre viel besser für eine Beziehung mit Envy geeignet. Sie war mit Jason zur Schule gegangen, aber genau dort lag das Problem. Jason war während der letzten Schuljahre immer in sie verliebt gewesen und hatte so viel Zeit bei ihnen zu Hause verbracht, dass Envy ihn wie einen Bruder ansah… nicht wie einen Mann. Jason wurde direkt nach der Schule ein Ranger im Angeles National Forest und arbeitete seither dort. Envy verbrachte immer noch gerne Zeit mit Jason. Dadurch sah sie auch ihre beste Freundin Tabatha öfter, nachdem Tabatha auch in Jasons Abteilung als Park-Rangerin arbeitete. Chad stand vom Sofa auf und wartete vor Envys Schlafzimmertür. Sie wohnten seit vier Jahren zusammen, seit ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, und sie kamen ausgezeichnet miteinander aus. Er war ein Polizist und sie stand bei mehreren Nachtclubs in der Stadt auf der Abrufliste als Barfrau. Der einzige Grund, weshalb er ihr nie sagte, dass sie sich doch einen „richtigen“ Job besorgen sollte, war, dass sie in den meisten Nächten mehr Geld verdiente als er. Das machte die Sache nur noch besser, denn wenn die Miete fällig wurde, bezahlte sie meistens Envy, während er alles Andere bezahlte. „Welcher Club?“, fragte er durch die Tür. „Der Neue, er heißt Moon Dance.“ Envy zog einen Teil ihres langen, knallroten Haars hoch in einen Pferdeschwanz und ließ den Rest in einer langen Mähne über ihren Rücken hängen. „Ich kann mich auch gleich als Barfrau bewerben, wenn wir schon da sind.“ Chad runzelte die Stirn. „Das ist der draußen am Stadtrand, nicht?“ Er ging zurück zu seinem Zimmer, ohne auf ihre Antwort zu warten. In letzter Zeit war die Gegend dort, an jenem Stadtrand ein wenig gefährlich geworden. Das Verschwinden mehrerer Leute zeigte die Gefahr am deutlichsten, aber zudem waren auch einige Leichen in der direkten Nachbarschaft des Clubs gefunden worden. Bisher gab es nichts, womit sie eine klare Verbindung mit dem Moon Dance herstellen konnten, außer dass alle Opfer den Club besucht hatten. Es war vor allem das Zeitfenster, das Chad und viele andere Leute verdächtig fanden. Es hatte sich die Frage gestellt, ob ein Serienmörder sich in dem Lokal herumtrieb. Mehrere der letzten Opfer waren zuletzt in dem Club gesehen worden. Als Polizist konnte er die Wahrscheinlichkeit nicht übersehen, dass es da einen Zusammenhang gab. Nachdem seine Waffe und seine Polizeimarke schon im Auto waren, nahm Chad die kleine Elektroschockpistole und schob sie hinten in seinen Hosenbund. Bei all den bösen Dingen, die dort vor sich gingen, wollte er einfach, dass Envy sie hatte, für den Fall, dass etwas passierte, während sie im Club waren. Als er aus seinem Zimmer kam, sah er den Gang hinunter und hielt mitten im Schritt inne, als er seine Schwester erblickte. Ein schwarzer Lederrock, der zwei Handbreit über dem Knie endete, bedeckte ihre Oberschenkel begleitet von einem bauchfreien schwarzen Schnür-Oberteil. Leder-Flecken waren nur dort, wo es zählte… genug um ihre Brüste zu verstecken und ihren flachen Bauch und Nabel zu betonen. Sie trug dazu ein Paar schwarze Lederstiefel, die bis über ihre Knie reichten, mit kleinen Kettchen um die Knöchel. Eine Halskette, die ihre Mutter ihr vor Jahren gegeben hatte, an der ein schöner Amethyst-Quarz baumelte, zierte ihr Dekolleté. Der Großteil ihres roten Haares war in einen hohen Pferdeschwanz zusammengebunden, und der Rest fiel ihr über eine Schulter. Ihr Make-Up war geschmackvoll mit ein wenig schwarzem Eyeliner und Lidschatten und einem dunklen Lippenstift. Sie sah aus wie eine Domina. „Wow, du dürstest nach Blut, nicht wahr?“ Chad hob eine Augenbraue und ließ seinen Blick noch einmal von Kopf bis Fuß über sie gleiten. Er wollte schon fast das Ausgehen absagen und sie zur Sicherheit zurück in ihr Zimmer schicken. „Nun, ich habe mich entschieden.“ Envy hob eine elegante Augenbraue. „Nachdem ich mit Trevor fertig bin, werde ich mich amüsieren! Von heute an, weigere ich mich, mich auf einen Typen zu beschränken. Ich will nicht einen Freund… ich will VIELE! So macht es nichts aus, wenn einer von ihnen sich wie ein Arschloch benimmt, denn ich werde andere haben, die ihn liebend gerne verprügeln werden.“ „Ja, ich erinnere mich noch daran, wie toll das in der Schule funktionierte.“ Chad schüttelte den Kopf, wissend, dass seine Schwester viel unschuldiger war, als sie vorgab zu sein. „Nehmen wir mein Auto, falls die Zentrale anruft.“ „Nur wenn ich mit den Blaulichtern spielen darf“, grinste Envy, wissend, dass er sie lassen würde. Chad seufzte und ging hinaus zum Auto. „Du bist schlimmer als ein Kind in einem Spielzeugladen, das alle Kuscheltiere, die Geräusche machen, drücken will und jeden in den Wahnsinn treibt.“ „Was?“, lachte sie. „Ich mag die Blaulichter. Die Leute machen Platz, wenn ich sie anschalte.“ „Wie damals, als du es getan hast, weil der Kaffee alle war?“, fragte er. „Du weißt schon, dass das eine Verschwendung von Steuergeldern ist, nicht wahr?“ „Wenn du nicht still bist, werde ich fahren. Dann wirst du dich um die roten Lichter und die Sirene kümmern müssen“, warnte sie mit einem scherzhaften Zwinkern. Chad schwieg sofort, denn das letzte Mal, als das passiert war, war sie zu spät zur Arbeit gekommen und er war zu krank gewesen, um zu fahren, also hatte er im Beifahrersitz fest geschlafen. Der Chef zog ihn noch immer damit auf. ***** Envy drehte die Blaulichter einen Häuserblock von dem Nachtclub entfernt ab und sah hoch in die Lichter, die über den wolkenbehangenen Himmel tanzten. Sie beobachtete wie das zweistöckige Gebäude in Sicht kam. Sie hatte in letzter Zeit so viel gearbeitet, dass sie noch gar nicht dazu gekommen war, den Moon Dance anzusehen, aber einige ihrer Kunden hatten davon geschwärmt. Von außen sah er nicht so besonders aus. Er schien wie eine Backstein-Lagerhalle mit sehr wenigen Fenstern und einem großen, violetten, Neon-beleuchteten Schriftzug hoch oben an der Vorderseite. Eine Menschenschlange zog sich über die Hälfte des riesigen Parkplatzes, alle waren herausgeputzt und unterhielten sich angeregt. Die Tatsache, dass es nach zehn Uhr abends noch eine Schlange gab, sagte ihr, dass hier zu arbeiten wohl sehr lukrativ sein würde. „Ja, ich werde mich definitiv bewerben.“ Sie lächelte voll Vorfreude. „Wenigstens ist die Schlange schon beinahe weg“, sagte Chad sarkastisch, er hatte keine Lust zu warten bevor er zusah, wie Trevor eine gute Dosis seiner Schwester auf Adrenalin abbekam. Er parkte ganz hinten im dunkelsten Teil des Parkplatzes gleich neben Trevors Auto. Ehe Envy die Beifahrertür öffnen konnte, ergriff Chad mit seiner Hand ihren Arm. „Hier.“ Er legte die kleine Elektroschockpistole in ihre Hand, dann, ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren, öffnete er die Fahrertür und stieg aus. Envy schloss mit einem dünnen Lächeln ihre Finger um das Gerät. Ihr Bruder hatte sie Selbstverteidigung gelehrt, soweit, dass sie wahrscheinlich die meisten der Polizisten, mit denen er arbeitete, zu Boden ringen konnte, ohne dabei in Schweiß auszubrechen. Aber Chad hatte immer gesagt: 'Wieso kämpfen, wenn du doch auch einfach nur einen Knopf drücken kannst?' Sie schob den Elektroschocker gemeinsam mit ihrem Ausweis in die kleine Tasche in ihrem Lederrock. Sie würde es Trevor schon zeigen. Sie würde mit dem größten Vergnügen den Knopf im Lift drücken, um ihn in die Hölle zu schicken, nur um ihn da nun zu sehen. Niemand betrog unbestraft Envy Sexton. Sie gingen Seite an Seite auf die Schlange zu und Envy freute sich besonders, als die Schlange begann, schnell kürzer zu werden, und es nur ein paar Minuten dauerte, bevor sie drinnen waren. Der Türsteher trug eine Hose von Armani und eine dazu passende Anzugjacke. Das Hemd darunter war eng geschnitten und betonte seine trainierte Brust. Sein braunes Haar fiel in Wellen an beiden Seiten seines Gesichts hinunter. Ein paar Bartstoppeln befanden sich auf seinen Wangen und er hatte stechende, dunkle Augen, die in dem Neonlicht beinahe leuchteten. Chad bezahlte und sie zeigten ihre Ausweise, ehe der Mann ihre Hände stempelte und das rote Samtseil aushängte, um sie durchzulassen. Sie traten durch den Haupteingang und durch die kurze Eingangshalle zu einer Schiebetür, die sich öffnete als sie sich näherten. Beide hielten sie inne, als sie den großen Raum betraten und mit großen Augen hinstarrten. Es war, als hätten sie eine andere Dimension betreten. So voll wie der Parkplatz gewesen war, sollte man meinen, dass drinnen ein Gedränge von einer Wand zur anderen herrschte, aber das war nicht der Fall. Envys Lippen öffneten sich leicht, als sie hinüber ging zu dem riesigen Loch, das in der Mitte des Raums in den Boden geschnitten war. Sie näherte sich dem Geländer und sah hinab auf die Tanzfläche unter ihr. Zu beiden Seiten war ein Gang, der sich über das gesamte Parterre erstreckte, mit einer langen Bar, die von einem Ende zum anderen reichte. Die Bar sah aus wie Glas, das mit Sandstrahlen bearbeitet wurde, mit Neonlichtern, die in Wellen darüber glitten. Zwei Treppen führten rechts und links von ihr hinunter und trafen sich in der Mitte, ehe sie die Tanzfläche unter ihr erreichten. Die Tanzfläche strahlte mit einem weichen Licht, gerade genug um die Füße der Tanzenden in eine Art schwarzes Licht zu tauchen. Das alles trug noch mehr zu dem Lichtspiel bei, das durch die Diskokugeln über ihnen und die bunten Scheinwerfer, die überallhin leuchteten, nur nicht direkt auf die Tanzenden, entstand. So wie es eingerichtet war, konnte man von den Tänzern nur die Füße und Unterschenkel sehen, und der Rest ihrer Körper lag im Schatten. Envy lehnte sich über das Geländer, um zu sehen, ob es unten noch eine weitere Bar gab, aber da war nichts außer der Tanzfläche. Sie erinnerte sie irgendwie an eine Grube. Wenn man einmal die Treppen hinuntergelaufen war, war man der Dunkelheit ausgeliefert, die den Tanzenden ihre Privatsphäre bot. „Sind es drei Stockwerke?“, fragte sie, während sie zu der massiven Decke über ihnen hochstarrte. Wenn man das Untergeschoss mitzählte, wäre das der dritte Stock und sie fragte sich, ob er ein Teil des Clubs war, oder ob das Betreten verboten war. Rufe und Pfiffe erregten ihre Aufmerksamkeit und sie wandte ihren Blick wieder hinunter zur Tanzfläche. Ungläubig starrte sie hin als ein eisblauer Scheinwerfer sich auf einen Käfig in der Mitte der Grube richtete. Sie wurde sofort von dem Mann hinter den Gittern in seinen Bann gezogen. Chads Blick blieb auch an dem Käfig hängen. Er sah aus wie eine kleine Gefängniszelle. Drinnen waren ein Mann und eine Frau, und sie umkreisten einander. Selbst aus dieser Entfernung konnte er die Hitze ihrer Bewegungen fühlen. Seine Fingerknöchel verfärbten sich weiß, als er das Geländer fester umklammerte, als der Mann im Käfig seine Tanzpartnerin gegen die Gitterstäbe drückte, und sie sich gleich unter seinen Arm hindurch duckte, als er versuchte, sie mit seinem Körper festzunageln. Der Mann wirbelte herum und ergriff ihr Handgelenk und zog sie zurück, sodass ihr Körper fest an den seinen gedrückt wurde, dann begleitete er ihre Hände zu den Gitterstäben vor ihr. Er ließ sie sich an den Stäben festhalten und rieb sich dann selbst an ihrem fast nackten Körper, bis sie ihren Kopf rückwärts in seine Brust warf, als würde sie es genießen. Es war irgendwie animalisch, fast wie eine Art primitiver Paarungstanz. Chad und Envy wurden von der Vorführung gefesselt, wobei beide unterschiedlich getroffen wurden. Chad sah noch ein paar Minuten schweigend zu, als sich die beiden Partner in der Mitte mit einem Sprung voneinander entfernten, nur damit der Mann sie in einer anderen Position festhalten konnte. Durch die Hitze ihrer Bewegungen wurden seine Jeans plötzlich eng, als die Hüften des Mannes nach oben gegen den Hintern der Frau stießen. Frustriert wandte Chad seinen Blick ab und zwang sich dazu, die Dekoration an den oberen Wänden zu betrachten, die er aus seinem Blickwinkel sehen konnte. Es waren vor allem blinkende Lichter mit schwarzen Dauerlichtern neben riesigen Malereien von schlanken Körpern von Jaguaren, einige die kämpften und einige Einzeltiere auf der Jagd. Die tödlichen Tiere schienen beinahe lebendig. Die regungslosen Malereien schienen sich durch die Lichter zu bewegen, sodass der Eindruck entstand, dass die Tiere lebten und zusahen. Er musste zugeben, dass die Ausstattung einmalig war, und sie funktionierte. Sein Blick folgte der Bewegung der Lichter über die Wände und er bemerkte, dass Ketten zwischen den Bildern hingen, einige mit Halsbändern mit Stacheln und schwarzen Lederpeitschen. Er schielte wieder zurück in die Richtung des Käfigs, und wollte sich gerade auf die Suche nach Jason machen, als er Trevor auf der Tanzfläche in der Nähe eines der Scheinwerfer erkannte. Der Idiot war zwischen zwei Mädchen eingezwängt und sah aus, als vergnügte er sich köstlich. Nach einem kurzen Seitenblick auf Envy wusste Chad, dass er kein Wort zu sagen brauchte, als er bemerkte, dass sie geradewegs auf das Trio starrte. Envy legte ihren Kopf schräg und versuchte, Trevor zu betrachten, als würde sie ihn nicht kennen. Und dann fragte sie sich, wieso sie überhaupt je mit ihm ausgegangen war. Sie musste zugeben, dass er für die Augen schon etwas hergab. Verdammt gutaussehend wäre die beste Bezeichnung. Er sah aus wie eine Art Kalifornischer Surfer mit seinem wehenden, blonden Haar, goldenem Teint und grau-blauen Augen. Er war zum Anbeißen und sie hatte viel Spaß mit ihm gehabt. Aber wenn man sein gutes Aussehen wegnahm, dann gab es nicht wirklich viel, das ein Mädchen anziehen könnte. Alles, was übrig blieb, war ein verzogener Angeber-Student mit einem silbernen Löffel im Mund. Wenn er dagewesen war, war er sehr aufmerksam gewesen, aber er war auch einfach so verschwunden, manchmal tagelang. Das Einzige, was sie sonst noch positiv über ihn sagen konnte, war, dass er ziemlich heiß in seiner Unterhose war, und er ihr einige der besten Momente ihres Lebens geschenkt hatte. Und sie hatte ernsthaft gedacht, dass er sie wirklich mochte… mehr als nur mochte. Das zeigte, wie viel, zum Teufel, sie über Männer wusste. Um die Wahrheit zu sagen, hatte sie es einfach satt gehabt, alleine zu sein… aber das war doch noch lange kein Grund, um mit einem Mann auszugehen. Sie seufzte sehnsüchtig, als sie zusah, wie er den Po des Mädchens, das sich an ihn drückte, umklammerte und erkannte, dass sie keinerlei Eifersucht fühlte. Wenn sie wirklich in ihn verliebt gewesen wäre, würde sie dann jetzt nicht richtig wütend sein, statt nur leicht verletzt? Was sie am meisten störte, war, dass er gelogen hatte, als er gesagt hatte, dass er nur sie wollte. Jason hatte von seinem Barhocker nahe der Tür Ausschau nach Envy gehalten. Er hatte gewusst, dass sie kommen würde, und war nicht überrascht, Chad bei ihr zu sehen. Nachdem er ihnen ein paar Minuten gegeben hatte, um sich umzusehen, grinste er zufrieden, als er sah, wie sich Envys Schultern anspannten, und er wusste, dass sie ihren Freund mit einer anderen auf der Tanzfläche gesehen hatte. Er hatte in den letzten Monaten versucht, seine Eifersucht zu verbergen, und er wollte sie nicht verletzen, aber wenn es das war, was es brauchte, um sie von Trevor loszureißen, dann war es nur zu ihrem Besten. Jason lächelte, als er sich wieder an Kat, die hübsche Barfrau wandte, mit der er gequatscht hatte: „Ich habe dir gesagt, dass sie kommen werden.“ Er nickte in die Richtung von Envy und Chad. Er war schon seit über einer Stunde hier, aber nachdem er gesehen hatte, wie Trevor Envy betrog, war er nicht in der Stimmung gewesen, um sich in Gesellschaft zu begeben. Er hatte sich gelangweilt und mit Kat zu plaudern begonnen, um sich die Zeit zu vertreiben. Er hatte ihr sogar von Envys Freund, der sie betrog, erzählt. „Also das sind dein bester Freund und seine Schwester?“ Kat betrachtete die beiden, aber ihr Interesse galt dem Polizisten. Wenn Jason ihr nicht erzählt hätte, dass Chad ein Bulle war, hätte sie es nie erraten. Er war heiß wie die Hölle. Er war etwa 1,85 groß mit leicht gebräunter Haut und braunem Haar mit goldenen Strähnen. Es war ein wenig länger als der übliche Polizisten-Haarschnitt und sah aus, als hätte der Wind den Großteil auf eine Seite geblasen, was ihm ein etwas wildes Auftreten verlieh. Sie bemerkte, dass sie ihn mit Quinn verglich, und blinzelte, als sie sich dabei ertappte, dass sie es schon wieder tat. Sie schielte wieder zurück auf Jason, wusste, dass sie beide über ihre alten Flammen hinwegkommen mussten, sonst würden sie sich ständig verbrennen. „Er sieht nicht wie ein Bulle aus“, sagte Kat während sie Chad betrachtete und sich fragte, ob er eine Freundin hatte. Jason hatte darüber nichts erwähnt. „Nun ja.“ Jason schmollte beinahe, als er bemerkte, wie sie Chad anstarrte. Er schüttelte den Kopf. „Ich bin gleich zurück.“ Er trank seine Limonade aus und rutschte von seinem Barhocker um zu seinen Freunden hinüberzugehen. Nachdem er sich weit genug genähert hatte, legte er seine Hand auf Envys Schulter. Er senkte seine Lippen auf die Höhe ihres Ohrs und flüsterte: „Willst du tanzen?“ Envy lächelte ohne sich umzudrehen. „Oh ja, und wie!“, rief sie und lief dann über die nächste Treppe hinunter, ließ Jason einfach neben Chad stehen, seine Hand noch immer auf einer eingebildeten Schulter liegend. Er blinzelte, als er Chad lachen hörte. „Verdammt“, seufzte Jason und sah ihr nach. Chad klopfte Jason mitleidig auf die Schulter während er ihn zurück zur Bar begleitete und sich gegen die Theke lehnte. „Lass dich davon nicht aus der Ruhe bringen. Ich glaube, Envy hat im Moment nur eines im Kopf, und das beinhaltet Rache.“ Er schielte hinüber zu dem Mädchen hinter der Bar und einen Moment lang vergaß er, dass Jason überhaupt da war. Sie war überwältigend mit ihrem bronzenen Teint und ihrem sehr langen, dunklen Haar, das sich über ihre Schulter hinab bis zu ihren Hüften schlängelte. Ihre Augen waren genau das Gegenteil: hellblau mit einem sehr großen schwarzen Ring um die hellere Farbe. Es waren ihre vollen Lippen, die seinen Blick auf sich zogen als er sagte: „Nur ein Soda bitte.“ „Trinkst du heute nichts?“, fragte Jason und versuchte, seinen Freund nicht böse anzustarren, als Chads Augen immer noch an Kat hängenblieben, als er antwortete. Wieso mussten alle Mädchen auf Polizisten stehen? „Nein, ich habe das Gefühl, dass ich besser nüchtern bleiben sollte. Ich mag Trevor nicht so gerne, also habe ich Envy meinen Elektroschocker gegeben, um damit zu spielen.“ Chad riss seinen Blick lang genug von der Frau los, um Jason ein kurzes Grinsen zuzuwerfen. „Und ich bin mit dem Dienstwagen gefahren.“ Er wusste, dass Jason zwischen den Zeilen lesen würde. Jason drückte sich von der Theke ab, verzieh seinem Freund plötzlich, dass er so magnetisch auf Frauen wirkte. „Zum Teufel, dann will ich nichts verpassen!“ Er ging zurück zum Geländer, Chads Lachen folgte ihm. „Nun, damit habe ich heute Nacht schon zwei Leute glücklich gemacht.“ Chad zwinkerte Kat zu, wissend, dass sie zugehört hatte, und bezahlte dann sein Getränk. Er sollte besser gehen und Envy im Auge behalten, um zu sehen, was sie vorhatte. Kat nickte, als Chad ihr eine Zwanzig-Dollar-Note zusteckte und ihr sagte, dass sie den Rest behalten sollte, ehe er ging, um sich neben Jason zu stellen. Diese beiden Männer konnten für die Hormone einer Frau eine Gefahr darstellen. Jason hatte langes, sandbraunes Haar und das Gesicht und den Körper eines Rettungsschwimmer-Models. Sie hatte bemerkt, wie die meisten Frauen, die an ihm vorbeigingen, versuchten, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Jason schien keine von ihnen zu bemerken, schien völlig in seinen eigenen Gedanken verloren zu sein… bis er begonnen hatte, ihr von seinen besten Freunden zu erzählen, von Chad und dem Mädchen, von denen beide so überfürsorglich sprachen. Sie vermisste das, dass jemand anders als ihre Brüder sich um sie sorgten. Sie blinzelte langsam und verdrängte das Bild von Quinn aus ihrem Kopf, konzentrierte sich lieber auf das Problem vor ihren Augen. Es war die Bemerkung über die Elektroschockpistole, die ihr geholfen hatte, die Gedanken an Quinn beiseite zu schieben. Kat beschloss, ihre Brüder vor dem Unterhaltungsprogramm zu warnen, das bald beginnen würde. Sie hatten in letzter Zeit schon genug Probleme gehabt, als sie versuchen mussten, mit der Mordserie, die den Club umgab, fertig zu werden. Das Allerletzte, was sie brauchen konnten, war noch mehr negative Aufmerksamkeit. Chad beugte sich ein wenig über das Geländer und hielt Ausschau nach Envy. Zum Glück waren die Tänzer im Käfig noch da, und die zugehörigen Scheinwerfer, sodass es einfacher war, sie zu finden. Als er ein leises Stöhnen von Jason hörte, folgte er Jasons Blick bis er sie sah, wie sie zwischen mehreren Männern tanzte, nahe dem Schein des Lichts am Käfig. Er runzelte die Stirn und fragte sich, was sie vorhatte. „Wenigstens schaut sie in Richtung Trevor. Danke übrigens, für den Anruf“, sagte er mit ernster Stimme. „Ich habe darauf gewartet, dass etwas Derartiges geschieht.“ Jason zuckte die Schultern. „Ich habe es nicht für mich getan, sondern für sie. Sie verdient etwas Besseres als ihn.“ Er versuchte zu lächeln während er sie beobachtete, wissend, dass sie nun single sein würde. Aber der Anblick von all den anderen Männern, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollten, führte dazu, dass sein Lächeln ein wenig traurig aussah. Kapitel 2 Envy fühlte, wie Hitze sie wie eine zweite Haut umgab, als sie die Treppen hinunterging. Sie versuchte, ihre angespannten Muskeln zu entspannen und betrat die Tanzfläche. Sie machte mehrere Schritte in Trevors Richtung und fühlte sich schnell wie in einer Schlammfläche aus Sex, als Fingerspitzen ihre nackte Haut berührten, und unbekannte Körper sich an ihrem rieben. Die Tanzfläche war dunkler als in anderen Clubs, die sie besucht hatte, oder wo sie gearbeitet hatte, und sie musste zugeben, dass die Privatsphäre, die dadurch entstand, angenehm war. Es waren nicht wirklich einzelne Paare, die tanzten, sondern mehr eine durchmischte Gruppe warmer Körper. Als sie sich langsam der Stimmung des Clubs hingeben konnte, hob sie ihre Hände und ließ in der Dunkelheit ihre eigenen Fingerspitzen über andere Fremde streichen. Der Adrenalinschub, der dadurch entstand, pochte im Rhythmus der anregenden Musik durch sie. Nachdem sie sich nicht gerade auf ihre Auseinandersetzung mit Trevor freute, nahm sie sich einen Augenblick um ihre Augen zu schließen und sich einfach mit der Musik zu bewegen, die nur als der Gesang der Leidenschaft beschrieben werden konnte. Als sie fühlte, wie die flüchtigen Bewegungen dreister wurden, öffnete Envy ihre Augen und sah direkt auf mehrere männliche Brustkörbe, einige davon zeigten durch ihre aufgeknöpften Hemden viel Haut, andere waren in so eng anliegenden Stoff gehüllt, dass sie mindestens ebenso verführerisch wirkten. Sie wagte es nicht, in deren Gesichter zu sehen, weil sie Angst hatte, ihre Blicke zu treffen. Ein wenig aufgedreht begann sie, sich rückwärts von den Männern zu entfernen und es störte sie nicht, als diese ihr in einem verführerischen Tanz folgten. Als sie das kalte Metall des Tanzkäfigs in ihrem Rücken fühlte, hob sie langsam ihren Blick zu der kleinen Plattform. Sie traf den Blick des Mannes in dem Käfig, während dieser das Mädchen, das bei ihm war, in eine unterwürfige Position auf die Knie zwang. Der ganze Raum schien zu verblassen, als er ihren Blick festhielt. So wie er sie ansah, hatte Envy das Gefühl, dass sie diejenige war, die sich ihm unterwarf. Er hatte eisblaue Augen mit einem sehr breiten, schwarzen Ring um seine Iris. Sie konnte sich nicht erinnern, je derart auffällige und durchdringende Augen gesehen zu haben. Sie hätte stundenlang in sie starren können, und würde immer noch mehr wollen, und das machte ihr Angst. Seine Augen erzeugten in ihr den Eindruck, dass er wusste, wie sie nackt aussah. So wie sein Blick über ihren Körper wanderte und an bestimmten Stellen anhielt… meinte sie fast, dass seine Hände sie an diesen Stellen berührten. Der Drang, sich selbst gegen die Eisenstäbe zu werfen und ihn anzuflehen, ihre Hand zu nehmen, war fast zu stark um zu widerstehen. Indem sie ihren Blick von dem Anblick, der sie besessen machte, losriss, versuchte Envy sich daran zu erinnern, dass sie die Tanzfläche jederzeit verlassen konnte, wenn sie wollte. Trevor hatte keinen Spaß, obwohl er versuchte, sich von der Musik und dem Tanz treiben zu lassen und so gut er konnte normal zu agieren. Aber heiße Mädchen und Tanzen waren nicht die wahren Gründe, weshalb er hier war. Sein Blick klebte fest an dem Mann im Käfig, denn dieser war sein eigentliches Ziel. Der Name des Mannes war Devon Santos und er war der Letzte, der mit Kelly Foster, dem 20-jährigen Mädchen, das letzte Woche in einer nahe gelegenen Seitengasse gefunden wurde, gesehen worden war. Sie war mit Devon in demselben Käfig gewesen, in der letzten Nacht ihres Lebens. Bis jetzt hatte er herausgefunden, dass das Mordopfer gerade bei einem Club in der Gegend, der Night Light hieß, gekündigt hatte. Sie hatte nur für eine Nacht im Moon Dance gearbeitet… die Nacht, in der sie starb. Ihr Tod war nicht der einzige Mordfall, in dem er ermittelte, aber durch sie hatte sich eine Spur ergeben. Wer auch immer sich ihrer Leiche entledigt hatte, hatte das mit Bedacht in der Nähe der Pumas und der Jaguare getan, als wäre sie ein Geschenk. Devon war Teilinhaber des Clubs, gemeinsam mit seinen beiden Brüdern, Nick und Warren, und ihrer einzigen Schwester, Kat. Es gab Gerüchte, denen zufolge die beiden Clubs in einen kalten Krieg verwickelt waren, und dass die beiden Familien, seit beide Väter vor zehn Jahren verschwunden waren, eigentlich Rivalen waren. Trevors Augen wurden schmal, denn er kannte den wahren Grund, weshalb es den Zwist zwischen den beiden Clubs gab. Dieses waren keine normalen Clubs; ihre Eigentümer und Geschäftsführer waren Formwandler. Der Club, in dem Kelly gearbeitet hatte, wurde von Werpumas geleitet. Sie hatte dort gekündigt, und war am nächsten Tag hierhergekommen um für die Werjaguare zu arbeiten, nur um am nächsten Tag als Leiche aufzutauchen. Das waren zu viele Zufälle um sie zu ignorieren. Wenn die Menschen wüssten, dass Formwandler unter ihnen lebten, dann würde Panik ausbrechen… aber sie waren schon lange Zeit ein Teil der Gesellschaft, ohne dass das Geheimnis bekannt geworden war. Solange sie sich an die Gesetze der Menschen hielten, gab es keinen Grund, eine Massenpanik zu riskieren, indem man sie bekannt machte. Die menschliche Mentalität würde wieder ins Mittelalter zurückkehren, wenn das je geschehen sollte. Die Taktik, die man für die Schwarzen Operationen in der Abteilung für Paranormales des CIA anwendete, war dieselbe, mit der man auch mit UFOs und Sichtungen von Außerirdischen umging: lügen, verstecken und vertuschen. Es gab dort draußen noch viel schlimmere Dinge als Formwandler, die sich ausgezeichnet in die menschliche Gesellschaft einfügten… andere, gefährlichere Kreaturen, aus denen Menschen nur schlechte Horrorfilme machten, und einige, von denen die Menschen noch überhaupt keinen blassen Schimmer hatten. Aber wenn Menschen verschwanden oder starben, schwärmte sein Team aus, um herauszufinden, was vor sich ging. Als er sah, dass Devon die Frau im Käfig verließ, um sich den Gitterstäben zu nähern und auf jemanden hinunter zu starren, wandte Trevor seinen Blick dorthin. Er fühlte, wie sein Blutdruck sofort um ein paar Grad zunahm, als er Envy sah, wie sie sich mit dem Rücken gegen den Käfig lehnte, während sie umgeben wurde von einer schrumpfenden Masse Männer. Was, zum Teufel, machte sie hier? Ohne zu zögern ließ er seine Tanzpartnerinnen stehen und drängte sich durch die Menge zu ihr. Devon knurrte tief in seiner Kehle, als das Mädchen, das seine Aufmerksamkeit erregt hatte, ihre Hände hob und sich an die Gitterstäbe hinter sich klammerte. Er konnte riechen, dass sie läufig war, sie roch stärker als alle anderen im ganzen Club und der Geruch zog ihn an. Er legte seine Hände auf ihre und ließ zwischen den Eisenstangen seine Finger verführerisch über ihre Arme gleiten. Gerade als Envy zu dem erotischen Tänzer hochsehen wollte, ergriff jemand einen ihrer Arme und riss ihn vom Käfig los. Ihr Mund öffnete sich leicht, als sie sah, wer es war. Sie hatte Trevor völlig vergessen! Die verführerische Stimmung verflog sofort und sie wurde wieder wütend, als sie sich daran erinnerte, wieso sie überhaupt erst zum Moon Dance gekommen war… Rache. „Was, zum Teufel, machst du hier?“, fragte Trevor ein wenig zu barsch, während er versuchte, sie vom Käfig und Devons gefährlichen Armen wegzuziehen. Wenn der Jaguar der Mörder war, dann bedeutete die Art, wie er Envy betrachtete, dass sie sein nächstes Ziel war. Envy hielt sich mit ihrer anderen Hand am Käfig fest, einfach weil ihr die Art, wie Trevor mit ihr umging, nicht gefiel. Er benahm sich, als hätte sie etwas Verbotenes getan, und nicht er. Mit ihrem süßesten Lächeln erklärte sie ihm: „Ich bin gekommen um zu tanzen… ebenso wie du.“ Trevors Lippen wurden dünn, er wusste, dass sie gesehen hatte, wie er mit den anderen Frauen getanzt hatte, aber was sie nicht verstand war, dass er diese nur als Tarnung verwendete. Sie bedeuteten ihm nicht einmal genug, um sie nach ihren Namen zu fragen. Er und Envy starrten mehrere Herzschläge lang böse in die Augen des jeweils anderen, bevor er seufzte. Er beugte sich nahe zu ihrem Ohr hinunter und flüsterte: „Ich kann es erklären.“ Er hatte ihr nicht erzählen wollen, wer er wirklich war, weil er Angst hatte, dass sie, ebenso wie der Volltrottel, ihr Bruder Chad, denken würde, dass er sie nur verwendete, um Zugang zu den Lokalen zu erhalten, wo sie arbeitete. „Komm schon.“ Er versuchte sie noch einmal von Devons hitzigem Blick wegzuziehen. Er schielte noch einmal zu Devon hoch und wenn Blicke töten könnten, dann wäre er nun ein Blutfleck am Boden. Er erwiderte den Blick, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Freundin. Envy schüttelte ihren Kopf. Sie konnte sich vorstellen, dass er eine Erklärung parat hatte. „Ich bin hergekommen um zu tanzen. Ich kann mit diesen netten Jungs tanzen, oder du kannst deinen Arsch hochkriegen und mit uns tanzen.“ Sie hob eine elegante Augenbraue, als wollte sie sagen, dass es ihr egal war, wie er sich entschied. Trevor drehte langsam seinen Kopf und starrte über die Schulter wütend auf die geilen Männer, die sich immer noch in der Nähe aufhielten um zu sehen, ob sie eine Chance haben würden. „Zieht Leine!“, sagte er ihnen mit tödlicher Stimme und kam dann näher zu Envy. Wenn sie tanzen wollte, dann würde sie mit ihm tanzen, verdammt. Envy zeigte ihm einen Schmollmund aber insgeheim fragte sie sich, wieso er sich so eifersüchtig benahm, wenn er doch gerade noch so erotisch mit zwei anderen Frauen getanzt hatte. „Das macht keinen Spaß mit dir.“ Endlich ließ sie das Gitter los und strich mit ihren Händen über ihren Körper, wobei sie kaltblütig den Elektroschocker aus ihrer Tasche zog, dann streichelte sie mit ihren Händen über seine Rippen. Devon richtete sich hoch auf und starrte hinunter auf die kleine Rothaarige, die mehr als nur seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Ihm gefiel der Geruch des Typen nicht, der sie sich unter den Nagel reißen wollte. Er roch nach altem Schwarzpulver und das bedeutete, dass er irgendwo an sich eine Waffe versteckt hatte. Er hob seine Hand und öffnete die Käfigtür während er seiner Tanzpartnerin sagte, dass sie eine Pause machen sollte. Devon hob einen Finger zu seinem Ohr und hörte zu, wie sein Bruder ihn durch das fast unsichtbare Funkgerät informierte, dass das Mädchen bei seinem Käfig eine Elektroschockpistole hatte, und sie an einem Mann verwenden wollte. Er sah über die Tanzfläche hinüber zu dem schwarzen Licht, das die Stufen beleuchtete und erblickte Nick, der dort stand, bereit einzuschreiten, wenn es notwendig wurde. Im Funk hatte er Warrens Stimme gehört, also nahm Devon an, dass sein ältester Bruder durch eine der Infrarotkameras, die unter dem Geländer über ihm hingen, zusah. Als er seinen Blick wieder nach unten richtete und die kleinen Hände sah, die nun über den Körper des Typen glitten, fühlte Devon einen plötzlichen Drang, dem anderen den Kopf abzureißen. Zumindest bis er etwas silbern aufblitzen sah, als ihre Hand nach unten in Richtung seiner Hüfte glitt. Seine Lippen ließen einen leichten Anflug eines Lächelns vermuten und er entschied, noch nicht einzugreifen. „Lass mich das regeln“, flüsterte Devon in sein Funkgerät. Chad und Jason grinsten einander an, wissend, dass das Schauspiel gleich beginnen würde, und liefen dann zu den Treppen, die auf die Tanzfläche hinunter führten. Trevor wurde plötzlich klar, dass Envy ihm auch nicht gesagt hatte, dass sie herkommen würde, also wieso fühlte er sich so schuldig? „Ich habe gefragt, was du hier machst“, wiederholte er und dieses Mal war seine Stimme ruhig während er seinen Körper an dem ihren rieb. Das war ein Fehler, er konnte beinahe nicht mehr denken, als der Großteil seines Blutes in seine Hosen schoss und er zum ersten Mal, seit er den Club betreten hatte, eine Erektion bekam. Envy drückte ihren Körper verführerisch an den seinen, sodass sie sich dann schnell von ihm abstoßen konnte. „Ich bin gekommen, um dir etwas zu geben“, antwortete sie und brachte all die hitzige Lust der Tanzfläche um sie in ihre Augen, um ihn abzulenken. „Ich hoffe es passt zu dem, was ich für dich habe“, stöhnte Trevor, als er ihre Hand zwischen seinen Beinen fühlte. „Lass es uns herausfinden“, zischte Envy als sie den Elektroschocker gegen seine pulsierende Erektion drückte und drückte sich dann schnell von ihm weg, gerade als er zuckte und lautlos auf seine Knie sank. „Ups!“ Envy grinste und schob die Elektroschockpistole schnell zurück in ihre Tasche bevor sie sich umdrehte, um in die andere Richtung zu flüchten. Das Allerletzte, was sie wollte, war noch immer dort zu warten, wenn Trevor wieder genug Kraft hatte, um aufzustehen. Als Envy sich ihren Weg über die dunkle Tanzfläche bahnte, ergriff sie jemand fest am Arm. Nachdem sie dachte, dass es ihr Bruder war, sah sie nicht einmal hoch sondern folgte dem Mann vertrauensvoll. In dem Moment, als sie endlich doch kurz hochblickte, wurde eine kleine Tür geöffnet und sie wurde durchgeschoben. Envy hatte kaum die Zeit sich umzudrehen, bevor die Tür hinter ihr geschlossen wurde, und ein Schlüssel sich im Schloss drehte. Ein schwaches Licht wurde angeschaltet und sie erkannte Fernsehbildschirme und den Mann, der im Käfig gewesen war. Sie öffnete ihren Mund um etwas zu sagen, aber er ließ sie gar nicht zu Wort kommen. „Ich dachte, es ist besser, wenn du dein Kunstwerk in Sicherheit hier im Büro betrachtest“, grinste Devon und zeigte auf einen der Bildschirme. Envy schielte hinüber zu dem Bildschirm und erwartete, dass der Anblick von Trevor, der seine Hände zwischen seine Beine hielt, sie zum Lachen bringen würde… aber stattdessen hatte sie Mitleid mit ihm. Sie hatte das Gefühl, dass ihr Herz ein paar Zentimeter tiefer gesackt war. Als sie ihn mit so schmerzverzerrtem Gesicht sah, war sie plötzlich froh, dass die Überwachungskamera keinen Ton hatte, denn sie wollte bestimmt nicht hören, was er sagte. Sie beobachtete schweigend wie Chad und Jason aus der Menge auftauchten und ihm halfen aufzustehen. Sie konnte nicht erkennen, was gesagt wurde, aber als Trevor Chad mit mehr Kraft von sich weg drückte, als er so kurz nach einem Elektroschock haben sollte, richtete ihr Blick sich sofort auf die Tür, bereit hinaus zu rennen, bevor jemand verletzt wurde. Als sie sah, wie der Tänzer warnend seinen Kopf schüttelte, während er dort zwischen ihr und der Tür stand, schaute Envy wieder zurück auf den Bildschirm und war verwundert als sie sah, dass es Jason war, der Trevor festhielt, während Chad ihm Handschellen anlegte. Mittlerweile mehr als nur verärgert über sich selbst dafür, dass sie sich so kindisch benommen hatte, machte sie sich auf den Weg zur Tür um Chad zu sagen, dass er Trevor gehen lassen sollte. Wieder ergriff die Hand ihren Arm. Sie starrte böse auf seine Finger hinunter, weigerte sich, ihm in die Augen zu sehen, wo es doch offensichtlich ihre Schuld gewesen war, dass sie das angefangen hatte. Die Schuldgefühle erhöhten ihren Zorn nur noch und so fand sie neuen Mut. „Nachdem du mich gesehen hast, wie ich den Typen geschockt habe, meinst du, das ist eine gute Idee?“ Sie riss endlich ihren Blick hoch, sah in seine Augen und versuchte, durch die Wirkung davon nicht zu vergessen, zu atmen. Jetzt, wo sie einander so nahe waren, waren seine Augen sogar noch beeindruckender als vorhin hinter dem Gitter des Käfigs. „Wer auch immer diese Männer sind, du solltest sie ihn vielleicht aus dem Club schaffen lassen, bevor du zurückgehst, um zu tanzen“, warnte Devon wieder und beobachtete die Flamme, die in ihre Augen schoss. Er konnte beinahe sehen, wie ihr Fell sich aufstellte durch den Drang, dem Mann zu Hilfe zu kommen, den sie gerade verletzt hatte… nicht dass er vorhatte, sie gehen zu lassen. „Wie heißt du?“ „Wieso?“ Envy riss ihren Arm los. „Damit du den Besitzern sagen kannst, dass sie mir Hausverbot erteilen sollen?“ „Unwahrscheinlich.“ Devon knurrte finster als er daran dachte. „Aber vielleicht solltest du die Pistole die restliche Nacht in deiner Tasche behalten.“ Er sah wie sie zurück zum Bildschirm schielte, um zu sehen, dass ihr Opfer weg war. 'Verdammt', seufzte Envy innerlich als sie sich mit dem Rücken an die Tür lehnte und das Vibrieren der Musik durch das Holz fühlte. Sie biss sich auf die Unterlippe, wusste, dass sie zu weit gegangen war. Sie erinnerte sich an den anderen Grund, weshalb sie heute Nacht ins Moon Dance gekommen war und fragte sich, ob es ein guter Moment war, um einen Job zu fragen. Wieso sollte sie es nicht einfach versuchen? Sie zuckte gedanklich die Schultern. „Weißt du, ob sie hier offene Stellen haben?“ Devon konnte das langsame Lächeln, das sich über seine Lippen ausbreitete, nicht aufhalten. Was würde er darum geben, sie für kurze Zeit in diesen Käfig zu bekommen, sodass er versuchen konnte, das Feuer in ihr zu zähmen. „Tanzt du?“, fragte er hoffnungsvoll. Envys Augen wurden groß als sie sich daran erinnerte, wie sie ihn in dem Käfig beobachtete hatte, und ihre Oberschenkel begannen zu brennen… aber leider auch ihre Wangen. „Nein“, flüsterte sie ein wenig zu heiser. „Nicht zum Tanzen. Ich arbeite als Barfrau in einigen der anderen Clubs in der Gegend und ich wollte mich bewerben, wenn ich schon hier bin.“ „Schade“, grinste Devon als er auf einen Schreibtisch zuging und eine Schublade öffnete. Er zog einen Bewerbungsbogen heraus und gab ihn ihr. Sie hatte ihm immer noch nicht ihren Namen gesagt, aber wenn sie die Bewerbung ausfüllte, würde er alle Informationen haben, die er brauchte. Außerdem wollte er sichergehen, dass sie nicht im Night Light gearbeitet hatte. Er hatte es satt, dass sie Leute herüber schickten, um hier herumzuschnüffeln. Quinn war derjenige gewesen, der die Freundschaft zwischen den Pumas und den Jaguaren beendet hatte, also sollten die Pumas sie, zum Teufel noch mal, auch in Ruhe lassen, wenn man ihn fragte. Jemand von Night Light hatte die letzte Person, die sie angestellt hatten, hergeschickt und jetzt, wo sie ermordet worden war, suchten die Pumas Antworten im Moon Dance… ebenso wie die Polizei. So wie das Schicksal spielte, hatte sie in der einzigen Nacht, wo sie hier gearbeitet hatte, darum gebeten, mit ihm im Käfig tanzen zu dürfen. Devon zog den Stuhl von unter dem Tisch hervor, wusste, dass die beste Möglichkeit, sie dazu zu bringen, dass sie länger blieb, war, ihr zu geben, was sie wollte. „Du kannst es jetzt gleich ausfüllen. Vielleicht hast du am Ende der Nacht einen neuen Job.“ Envy setzte sich, aber runzelte dann die Stirn und sah wieder zu dem Bildschirm hoch. „Meinst du, der Besitzer hat gesehen, wie ich Trevor geschockt habe?“ Sie biss sich auf ihre Unterlippe und stellte sich vor, wie es ausgesehen haben musste. „Ich wünschte wirklich, dass ich es nicht getan hätte.“ Devon lehnte sich über dir Rückenlehne ihres Stuhls als würde er mit ihr auf den Bildschirm sehen. Seine Lippen nahe an ihrer Ohrmuschel fragte er: „Wenn der Besitzer es gesehen hätte und dich darüber befragen sollte, was würdest du ihm sagen?“ Er atmete langsam ein als ihr Geruch ihn umgab und sein Blut sich erwärmte. Envy begann, ihren Kopf zu drehen, um zu ihm hochzusehen, aber hielt dann inne. Die Gefühle, die seine Nähe bei ihr auslösten, breiteten sich über ihre Schulter und die Seite ihres Halses aus. „Ich war einfach nur gemein“, hauchte sie als sie fühlte, wie Hitze sich in ihrer Mitte sammelte. Dieser Mann war eine Gefahr für ihre Sinne. Sie wusste nicht, ob sie sich umdrehen und ihn küssen, oder ob sie wegrennen sollte. Devons Mundwinkel deuteten ein Lächeln an, aber er verließ seine Position nicht. „Also gehst du einfach rum und teilst ohne guten Grund Elektroschocks an Männer aus?“ Er konnte riechen, wie ihre Erregung stieg und das machte seine Hosen unbequem eng. „Nein.“ Envy war froh über die Ablenkung, griff nach einer Füllfeder in dem kleinen Glas vor sich und begann, die Bewerbung auszufüllen. „Nur an diejenigen, die es wirklich verdienen“, antwortete sie, sie wollte nicht darüber reden. Devon richtete sich wieder auf und kämpfte gegen den Drang an, sie aus ihrem Stuhl hochzureißen und sie ihm zugewandt auf den Tisch zu setzen. Tatsächlich rieb er schon ihr seidiges Haar zwischen seinen Fingern, wo es über die Rückenlehne des Stuhls hing. Er schwieg während sie ihre Bewerbung ausfüllte und las über ihre Schulter mit, merkte sich jedes Wort. Envy Sexton, und die Puma-und Vampir-Clubs fehlten zum Glück in der langen Liste von Clubs, wo sie arbeitete. Er wusste, dass er mit ein paar Anrufen den Großteil ihrer Zeit freimachen konnte, wenn er den anderen Clubs sagte, dass sie sie nicht zum Arbeiten einteilen sollten. Er wollte diese kleine Wildkatze nicht teilen. Envy füllte die letzten Zeilen aus und wollte wieder aufstehen, aber Devon legte seine Hand auf ihre Schulter, um sie aufzuhalten. Er nahm ihr den Zettel schnell weg und ging zur Tür. „Bleib hier. Ich komme gleich mit einer Antwort zurück.“ Devon streckte seine Hand nach dem Türgriff aus, aber hielt kurz inne, als sie sprach. „Wie heißt du?“, fragte Envy während sie überlegte, ob es nicht klüger wäre, dem Besitzer die Bewerbung selbst zu geben. Vielleicht konnte sie dann auch gleich das Vorstellungsgespräch hinter sich bringen. „Devon Santos“, antwortete er und verschwand dann durch die Tür ehe sie ihn aufhalten konnte. Er hatte gewusst, dass Nick direkt vor der Tür wartete, weil er ihn gerochen hatte. Devon gab Nick den Zettel und erklärte: „Wir haben eine neue Barkeeperin.“ Er wartete während Nick die Bewerbung betrachtete, wissend, dass sein Bruder auf dieselben Dinge achtete, die er selbst schon sichergestellt hatte. Nick hatte einige Vampir-Groupies und einen Vampir die doch hereingekommen waren, vertrieben und es hatte ihm für den ganzen Tag die Stimmung verdorben. Er hasste Vampire und jeden Menschen, der dumm genug war, um sich mit ihnen anzufreunden. Nachdem er kein Anzeichen dafür sah, dass das Mädchen mit ihnen zu tun hatte, und nachdem er die Erregung seines Bruders, die die Frau ausgelöst hatte, roch, entschied Nick, dass er Devon die Sache selbst regeln lassen wollte. Er gab ihm schließlich den Bewegungsbogen zurück. „Sag ihr, dass sie ihre Elektroschockpistole zu Hause lassen soll.“ Nick beäugte seinen Bruder einen Augenblick lang, ehe er hinzufügte: „Kat sagte, dass der Typ, den sie geschockt hat, ihr Freund war, und der Typ, der ihn mit Handschellen abgeführt hat, ihr Bruder.“ „Dieser Freund von ihr hatte eine Pistole. Ich konnte sie riechen.“ Devon zuckte die Schultern während seine Augen schmal wurden. „Vielleicht war er nicht so ein toller Freund.“ „Du solltest vorsichtig sein mit der.“ Nick schüttelte den Kopf als nur noch mehr Interesse in den Augen seines Bruders leuchtete. „Wenn du sie willst, dann bist du verantwortlich dafür, sie im Auge zu behalten, wenn sie hier ist.“ Nick knirschte mit den Zähnen als er den Hauch eines Vampirs roch. Ohne ein weiteres Wort ging er die Treppen nach oben und ließ Devon stehen. Envy schaute sich nervös um und sah einen Lift, der ihr vorhin noch nicht aufgefallen war. Sie hob eine elegante Augenbraue, als sie sah, dass daneben ein Ziffernblock war, anstatt eines einfachen Knopfes. Sie klopfte mit der Füllfeder auf den Schreibtisch und fragte sich, wie lange sie warten sollte. Sie musste noch herausfinden, ob Chad Trevor wirklich festgenommen, oder ihn nur aus dem Club geworfen hatte. Sie besah sich den Schreibtisch und versuchte, den Gedanken einen Moment lang zu verdrängen. Sie war eine geborene Ermittlerin, ebenso wie ihr Bruder, obwohl Chad versuchte, die Tatsache zu verbergen. Die Wahrheit war, dass Chad einen großartigen Detektiv abgeben würde. Er erzählte allen, dass er nur ein Prügel-Polizist war, aber das war weit entfernt von der Wahrheit. Er war der Leiter des Spezialeinheitskommandos. Schließlich sah sie hinunter auf den Zettel, den sie gedankenverloren in die Hand genommen hatte. Es war eine Rechnung einer Lagerbestellung. Ihr Blick glitt über das Papier und hielt am Adressfeld an. Sie klatschte das Papier wieder auf den Tisch. Devon Santos… verflucht sei er. Er war einer der verdammten Besitzer und hatte sie denken lassen, dass er nur ein Tänzer war. In diesem Moment öffnete sich die Bürotür und Devon kam wieder zurück. „Wann willst du anfangen?“ ***** Nick eilte über die Tanzfläche und die Treppe hinauf, die zum Eingang führte. Er drückte die Tür mit mehr Schwung auf als nötig und starrte böse auf den Mann, der versuchte, am Türsteher vorbeizukommen. Nachdem die meisten Türsteher Formwandler waren, konnten sie Vampire riechen, auch wenn sie an ihrem Äußeren nicht als solche zu erkennen waren. Der Modegeschmack der normalen Vampire in der Stadt schien stark angelehnt an die Gothic-Szene. In den letzten Monaten hatten allerdings etwa zehn mit Anzügen oder normalen Ausgeh-Klamotten versucht, in den Club zu kommen. Daher verließen sie sich nun mehr auf den Geruch als auf das Aussehen. Regel Nummer eins: keine Vampire durften ohne die Erlaubnis eines der Besitzer hinein. „Was wollen Sie hier?“, fragte Nick und versuchte professionell zu klingen, da sie menschliche Zuhörer hatten. Der Mann legte seinen Kopf zur Seite und ließ ein böses Lächeln sehen, durch das sich Nicks Magen verkrampfte. „Ich möchte hinein“, sagte Raven während seine Pupillen größer wurden und er die Macht anwendete, mit der er jeden, der für die Gedankenkontrolle der Vampire zugänglich war, unterwarf. Nick beäugte ihn von oben bis unten. Der Mann hatte schwarzes Haar mit neonpink gefärbten Enden, die ihm tief ins Gesicht hingen. Er war jung, wohl noch keine fünfundzwanzig mit sehr blasser Haut und starkem Eyeliner um seine Augen. Seine Lippen trugen schwarzen Lippenstift und sogar seine Fingernägel waren schwarz lackiert. „Es tut mir leid, Herr…“ Nick blieb ruhig stehen und beobachtete jede Bewegung des Vampirs. Egal wie groß oder wie alt, Vampire waren gefährlich und sollten nicht unterschätzt werden. „Raven, nennen Sie mich Raven“, antwortete der Mann und fragte sich, wie weit man einen Jaguar in die Ecke drängen konnte. „Es tut mir leid, Raven, wir sind voll“, erklärte Nick während er mit seinen Fingern die kleine Pistole umklammerte, die tief in der Tasche seiner Lederjacke steckte. Sie hatte hohle Silber-Kugeln, die mit heiligem Wasser gefüllt waren. Sein Mundwinkel hob sich leicht zu einem sadistischen Lächeln als er die Holzklinge des Knochenmessers, das er an seinem Unterarm befestigt trug, fühlte. „Wieso stehen diese Leute hier dann noch alle Schlange?“, fragte Raven, während er beobachtete, wie ein goldener Ton begann, die Iris des Jaguars zu verfärben. Nick lächelte, aber es schien mehr als würde er mit den Zähnen knirschen. „Sie haben reserviert.“ Ravens Augen leuchteten in dem schwachen Licht einen Augenblick lang, als würden sie durch ein inneres Feuer Unheil verkündend glühen. Nick kam die drei Stufen vom Eingang hinunter und stellte sich zwischen Raven und die Menschenmenge, dann beugte er sich vor zu Ravens Ohr. „Hau jetzt ab, Vampir“, flüsterte er mit kalter Ruhe während er die Spitze des Messers gegen Ravens Rippen drückte, wo niemand es sehen konnte. „Du kommst hier nicht rein.“ Nick richtete sich wieder auf und verschränkte seine Arme vor sich, sodass es nur eine kurze Bewegung brauchte, um ihn schnell mit dem Dolch zu erstechen. „Es tut mir leid, Herr Raven. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.“ Raven lächelte wieder, dieses Mal beinahe freundlich. „Oh, den werde ich haben.“ Er drehte sich von der Tür weg und begann, die Straße entlang wegzugehen, seine Hände vergraben in den Taschen seiner schwarzen Jeans während er eine Unheil verkündende Melodie pfiff. Als der Jaguar sich zu ihm gebeugt hatte, um in sein Ohr zu flüstern, hatte Raven gesehen, wie sein Meister an ihnen vorbei in den Club geschlichen war. Er hatte Kane schon eine Weile nicht mehr gesehen. Tatsächlich war dies das erste Mal seit mehreren Wochen, obwohl er den Blick seines Herrn oft auf sich gefühlt hatte. Was Raven überraschte, war, dass Kane freiwillig in die Höhle seiner Feinde gehen wollte. Der Meister hatte ihm die Geschichte davon erzählt, wie er vom Anführer des Jaguar-Klans lebendig begraben worden war. Hatte sein Herr seine eigenen Pläne? „Sie haben Sie für etwas verurteilt, was Sie nicht gemacht haben, mein Meister, aber dieses Mal werde ich dafür sorgen, dass das Blut an ihren Händen klebt“, flüsterte Raven zu sich selbst ehe er in den Schatten verschwand. Er wusste, er würde nicht lange warten müssen. Er konnte noch immer das Blut seines letzten Opfers riechen, dessen Geruch mit dem leichten Wind auf den Moon Dance zugeweht wurde. ***** Kat sah zu, wie Chad und Jason den unglücklichen Freund aus dem Club beförderten… in Handschellen. Man sagte immer, dass Neugier der Katze Tod war, aber sie musste einfach herausfinden, was sie mit ihm vorhatten. Und wenn es nur war, um zu verhindern, dass sie die restliche Nacht darüber rätselte. Sie ging durch eine der Seitentüren hinaus und blieb im Schatten als sie ihnen folgte. Aufgrund ihrer scharfen Sinne brauchte sie nicht allzu nahe zu sein, um zu hören, was sie sagten. Chad und Jason schlossen Trevor zwischen seinem und dem Polizeiauto ein, sodass der sitzen gelassene Freund nicht zurück in den Club und zu Envy gehen konnte. Chad nahm ihm die Handschellen ab, denn er wusste, dass er ihn nicht wirklich festnehmen konnte, wenn er keinen legitimen Grund hatte… außer wenn Trevor es darauf anlegen sollte. „Ich wette, du hast ihr gesagt, dass ich hier bin!“, knurrte Trevor Jason an. „Glaube nicht, dass ich nicht merke, wie sehr du auf sie stehst. Du musstest einfach deine Nase wieder in Dinge stecken, die dich nichts angehen.“ Chad streckte schnell seinen Arm aus, als Jason einen warnenden Schritt nach vorn machte. „Jason, ich übernehme hier. Wieso gehst du nicht wieder nach drinnen und versuchst, Envy zu finden? Ich will nicht, dass sie rauskommt, bevor Trevor weg ist.“ „Du kannst mich nicht davon abhalten, wieder hineinzugehen. Ich bin im Dienst!“, zischte Trevor ohne nachzudenken. „Ja, wir haben gesehen, was für einen verdammten Dienst du machst.“ Jasons Hände ballten sich an seinen Seiten zu Fäusten, aber ein eindringlicher Blick von Chad überzeugte ihn, dass er besser wieder hineingehen sollte, sonst würde Trevor heute Nacht nicht der einzige in Handschellen sein. Er drehte sich verärgert um und warf eine letzte Bemerkung für Trevor zurück über seine Schulter: „Wir sind dann auf der Tanzfläche… eng umschlungen.“ Trevor schoss nach vor, aber Chad drückte ihn gewaltsam zurück gegen das Auto. Zu Chads Überraschung war Trevor viel stärker als er aussah und es kostete ihn einige Anstrengung. „Ich habe dich davor gewarnt, mit meiner Schwester etwas anzufangen, solange du ihr nicht sagst, wer du wirklich bist, und den wahren Grund, wieso du immer in den Clubs bist. Verdammt, Mann, Envy denkt, du bist nichts als ein reicher Klugscheißer. Wenn du sie beeindrucken wolltest, hättest du ihr die Wahrheit sagen sollen. Die einzigen Typen, die garantiert keine Chance bei ihr haben, sind Lügner. Besonders wenn sie sie anlügen.“ Kat betrachtete Trevor genau. Was sollte das alles heißen? „Du weißt genauso gut wie ich, dass, wenn ich ihr gesagt hätte, dass ich als verdeckter Ermittler arbeite, sie immer denken würde, dass ich sie nur ausnutze, um mit ihr in die Clubs hinein zu können“, donnerte Trevor während er sich wieder aufrichtete, aber nicht mehr versuchte, zurück in die Richtung des Eingangs zu gehen. Wenn er seine wahre Kraft benutzen würde, wäre Chad ein toter Mann und Trevor wäre um nichts besser als die Leute, die er verfolgte. Das Wissen half, um ihn lange genug zu beruhigen, um die tierischen Instinkte in ihm zu zügeln, aber er konnte nicht verhindern, dass er noch immer verärgert war. „Sie hat mir einen verdammten Elektroschock verpasst!“ „Du hast es verdient, denn du bist ein niederträchtiger, fremdgehender Freund. He, das hat man davon, wenn man nicht die Wahrheit sagt. Du bist für heute Nacht fertig, außer du willst einen der anderen Clubs heimsuchen. Außerdem hat Envy die Elektroschockpistole immer noch“, grinste Chad. „Ich würde dir empfehlen, die restliche Nacht von ihr fernzubleiben… oder noch besser den Rest ihres Lebens, wenn ihr euch nicht aussprechen könnt.“ Trevor knirschte mit den Zähnen aber sagte nichts mehr. Chad konnte ihm nicht befehlen, sich von Envy fernzuhalten, aber ihr Zeit zu geben, um sich zu beruhigen, war wohl ein guter Rat. „Gut, aber das“, er zeigte mit dem Finger auf den Club, „ist kein sicherer Ort für deine Schwester, um da rumzuhängen, und das weißt du!“ Er riss die Tür seines Autos auf und zwang damit Chad einen Schritt zurückzumachen, um nicht getroffen zu werden. Nachdem er die Tür fest hinter sich zugeschlagen hatte, dauerte es nur noch wenige Sekunden, ehe er mit quietschenden Reifen den Parkplatz verließ. Als Trevor weit genug entfernt war, sodass Chad seine Rücklichter nicht mehr sehen konnte, ergriff er sein Handy und wählte die Nummer von jemandem, der ihm noch einen Gefallen schuldete. Er verließ beim nächsten Laden die Straße und parkte hinter einem Lastwagen, sodass er nicht bemerkt werden würde. Es störte ihn, sie dort zurückzulassen, nach dem, wie Devon sie angesehen hatte. Selbst wenn Devon kein Mörder war, dieser Blick verhieß nichts Gutes. Chad dachte, dass er ihm Vorschriften machen konnte, wenn es um Envy ging, ja? Mal sehen, wie er es findet, wenn er herausfindet, dass er der Schwächere ist. Und dann würde er auch Jason gleich in seine Schranken verweisen, wenn er schon dabei war. Kat zog sich weiter in den Schatten zurück als Chad sich umdrehte und in ihre Richtung blickte. Sie runzelte die Stirn, wusste, dass er sie unmöglich sehen konnte… er hatte nicht die Nachtsicht, die Formwandler hatten. Sie blies ihr Haar aus ihrem Gesicht und wartete, während er einfach nur in ihre Richtung starrte, dann seufzte sie, als er sich endlich umdrehte und zurück in den Club ging. Also war Trevor ein verdeckter Ermittler und Chads Schwester wusste nichts davon… offensichtlich Jason auch nicht. Die größte Sache war, dass Trevor gesagt hatte, dass er dienstlich hier war. Kat knirschte mit den Zähnen, wissend, dass es mit den Morden zu tun hatte. Sie musste Warren sagen, dass er sich beeilen musste damit, herauszufinden, wer die Blutspur hinterließ, bevor sie beschuldigt wurden. ***** Envy stand langsam auf und fragte sich, wieso Devon nicht einfach zugab, dass er der Besitzer war, und sie gleich selbst einstellen konnte. Sie hasste es, wenn Menschen sie belogen, aber sie kannte ihn nicht, und er war ihr nichts schuldig, als schluckte sie hinunter, was sie darüber zu sagen hatte. Zu dumm, dass es nicht unten blieb. „Das ging aber schnell.“ Sie beobachtete ihn erwartungsvoll während sie die Arme vor ihrer Brust verschränkte. „Ich habe ein gutes Wort für dich eingelegt. Manchmal hören sie auf mich.“ Devon beäugte sie neugierig, als er roch, wie ihr Duft sich veränderte. Sie war wütend auf ihn. Das roch gut. „Vielleicht, weil du der Besitzer bist.“ Envys Lächeln verschwand. Also darum war sie wütend. Es gefällt ihr nicht, wenn sie das Gefühl hat, dass jemand etwas vor ihr versteckt. Das musste er sich merken. Devon senkte langsam seinen Kopf zu einer kleinen Verbeugung. „Ich bin nur einer der Besitzer. Der Club gehört mir, meinen beiden Brüdern und meiner Schwester. Wir versuchen schon, die anderen zu fragen, wenn wir neue Leute einstellen.“ Envy schielte zu ihm hoch und schämte sich plötzlich. „Es tut mir leid, ich wollte nicht…“ Sie gab seufzend auf und ließ ihre Arme sinken. „Wenigstens blieb dein Elektroschocker in deiner Tasche“, grinste Devon in der Hoffnung, ihre Stimmung aufzuheitern. Envy errötete und fühlte den Drang, aus seiner Sicht zu verschwinden, bevor sie sich noch mehr zum Narren machte. „Ich habe hauptsächlich an den Nachmittagen gearbeitet und morgen habe ich frei, also wenn…“, informierte sie ihn nervös, während sie ihren Blick halb auf die Tür gerichtet hatte und begann, sich in diese Richtung zu bewegen, bevor dies der kürzeste Job der Geschichte wurde. „Also morgen Abend.“ Devon öffnete die Tür für sie, als sie sich zögerlich darauf zu bewegte. „Um sieben.“ Er sah zu, wie sie die Flucht ergriff und er ließ sie gehen, denn er wusste, dass er sie fangen konnte, wenn sie zu weit weglief. Er schloss die Bürotür und drehte sich zu dem Bildschirm um, um zu sehen, wie sie sich einen Weg entlang des Randes der Tanzfläche auf die Treppen zu bahnte. Seine Augen wurden schmal als einer der Männer von vorhin ihren Arm ergriff, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Devon machte sich auf den Weg zur Tür, aber Kat kam herein, ehe er Envys Verfolgung aufnehmen konnte. „Das Mädchen mit der Elektroschockpistole…“, begann Kat, aber ein ernster Blick ihres Bruders brachte sie zum Schweigen. „Ihr Name ist Envy und du darfst sie morgen einweisen. Ich habe sie gerade als Barfrau angestellt.“ Devon verschränkte seine Arme vor seiner Brust während er sich zurück an die Schreibtischplatte lehnte. „Zieh deine Krallen wieder ein.“ Kat legte ihren Kopf schief als Devon auf den Bildschirm starrte und sich anspannte. Sie folgte seinem Blick und grinste als sie Jason und Envy in der Mitte des Monitors sah. „Ach, hat sie heute Nacht nicht eine Menge Verehrer.“ Sie wusste, dass das nicht so ganz stimmte, aber sie wollte sehen, wie Devon reagierte. Sie erhielt ihre Antwort, als das dünne Plastik in der Rückenlehne des Bürostuhls knackte, wo er es etwas zu fest umklammerte. Devon warf Kat einen bösen Blick zu. „Wieso bist du in meinem Büro?“ Kat lächelte ihn nur an. Dies würde sehr lustig werden. Sie machte ein paar Schritte nach vorne und zeigte auf den Bildschirm. „Dieser Mann, sein Name ist Jason Fox und ich habe eine ganze Weile mit ihm geplaudert, bevor seine beiden Freunde aufgetaucht sind.“ Devon hob eine Augenbraue während er seine Schwester ansah und wartete, dass sie auf den Punkt kam. „Jason war derjenige, der sie angerufen hat, damit sie in den Club kommen würde. Tatsächlich hat er sie gefragt, ob sie mit ihm ausgehen wollte.“ Sie grinste, als das Plastik des Stuhls in Devons Hand ganz abbrach. „Ich weiß nicht, was sie ihm gesagt hat, aber Jason sagte: 'Und wieso, zum Teufel, knutscht Trevor dann mit einer anderen auf der Tanzfläche?'“ „Also ist er der Grund, wieso sie gekommen ist“, meinte Devon ungeduldig und legte das Stück Plastik auf den Schreibtisch. „Ich bin sicher, du hast noch irgendwo eine Pointe.“ „Ja, habe ich, aber es macht so viel Spaß, zuzusehen, wie du zappelst.“ Kat beschloss, mit ihrer Geschichte fortzufahren, als er ihr seinen patentierten Fahr-zur-Hölle-Blick schenkte. Eines Tages musste sie unbedingt die Rechte für diesen Gesichtsausdruck kaufen. „Auf jeden Fall war es alles ein falsches Spiel, soweit ich gehört habe. Ihr Bruder hat ihr die Elektroschockpistole gegeben, wissend, dass sie wütend genug war, sie an ihrem Freund zu benutzen, der sie betrogen hat, aber in Wahrheit hat Trevor sie gar nicht betrogen.“ „Was?“, knurrte Devon, es gefiel ihm nicht, wohin das führte. Kat verbrachte die nächsten zehn Minuten damit, ihren Bruder über die schmutzigen, kleinen Geheimnisse eines jeden aufzuklären. Nur zu ihrem Vergnügen vergaß sie auch nicht zu erwähnen, dass Jason schon jahrelang bis über beide Ohren in Envy verliebt war. Kapitel 3 Jason zog Envy in seine Arme. „Du schuldest mir einen Tanz.“ Er war so froh, dass sie nicht die Art Mensch war, die den Nachrichtenüberbringer erschießen würde. Wenn er nicht gewesen wäre, hätte sie noch immer einen Freund… zugegeben, es wäre ein fremdgehender Freund, aber gut, das war der Grund, wieso er den Anruf überhaupt erst getätigt hatte. „Tut mir leid“, flüsterte er in ihr Ohr, während er sie fester an sich zog und begann, sich zu der Musik zu bewegen. Envy verdrehte die Augen und ließ ihn ohne noch einmal darüber nachzudenken davonkommen. „Dir braucht nichts leid zu tun.“ Sie ließ ihre Finger über seinen Rücken gleiten, während sie sich mit ihm bewegte. „Ich bin wieder frei und ich habe dabei auch noch einen neuen Job bekommen.“ Sie lächelte als sie sich wieder auf der Tanzfläche umsah. „Dieses Lokal ist ein wenig anders als die Clubs, in denen ich bisher gearbeitet habe, aber ich denke, es kann interessant werden.“ Jason sagte erst einmal gar nichts, als er fühlte, wie das Leder, das ihre Brust verhüllte, über sein Hemd strich und wie sein bestes Stück zum Leben erwachte. Er war froh, dass sie nicht wusste, was sie mit ihm machte, denn er hatte das Gefühl, dass sie aufhören würde, wenn sie es wüsste. „Willst du Samstagvormittag klettern gehen?“ Er ließ seine Hände über ihre Seiten nach unten streichen und ergriff dann ihre Hüften. „Klettern? Das klingt toll. Das letzte Mal, ist schon eine Weile her.“ Envy nickte, dann wurden ihre Augen groß, als Jason sie nach vorne zog und sie mit etwas Langem, Hartem in Berührung kam, das sich gegen die weiche Haut ihres Bauches drückte. Sie schluckte schwer als sich ihr Blick ruckartig auf sein Gesicht richtete. „Wo ist Chad?“, fragte sie heiser, und wusste, dass sie es schon wieder getan hatte. Sie hatte es nicht gewollt. Jason war schon immer und immer noch einer ihrer besten Freunde. Das Allerletzte, was sie wollte, war, das zu verderben, indem sie mit ihm schlief. Sie mochte ihn zu sehr, um das zu tun. „Das letzte Mal, wo ich ihn gesehen habe, war er gerade dabei, den Müll raus zu tragen.“ Jason seufzte, als sie sich von ihm los machte. Er legte seine Finger unter ihr Kinn und richtete ihr Gesicht hoch zu seinem. „Trevor verdient dich nicht.“ „Chad hat ihn nicht wirklich festgenommen, oder?“, frage Envy während sie Jason an der Hand ergriff und ihn Richtung Treppen führte. Sie wich dieser Unterhaltung schon seit Jahren aus, und sie würde sich jetzt nicht dazu hinreißen lassen. „Nein, ich glaube der Elektroschock war schon Strafe genug… das, und dich zu verlieren. Chad wollte nur sichergehen, dass er den Weg zu seinem Auto findet“, grinste Jason. Oben an der Treppe sah er Chad an der Bar neben der Tür stehen und auf sie warten. Mit seiner Hand fest an Envys geklammert, führte er sie in diese Richtung. Die Schuldgefühle erzeugten Schmerzen in Envys Brust. Sie war wirklich nicht vom Herzen eine gemeine Person und was sie Trevor angetan hatte, war richtig schlimm gewesen. Sie hatte die Rache nur einen Moment lang genossen und der Moment war nun vorbei. Sie richtete ihren Blick zu Boden, zu beschämt um ihren Bruder auch nur anzusehen. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/amy-blankenship/moon-dance-42351203/?lfrom=334617187) на ЛитРес. 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