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Hühner, Die Goldene Eier Legen Nicola Maria Vitola Mirta B. Bono HÜHNER, DIE GOLDENE EIER LEGEN Romantische Betrügereien, die das Herz brechen und den Geldbeutel erleichtern (Romance Scams) Originaltitel: Galline dalle uova d’oro Aus dem Italienischen von: Petra Stöber Urheberrechte© 2017 Mirta B. BonoErste Auflage: Juni 2017 StreetLib Write http://write.streetlib.com Deutsche Ausgabe Juli 2018 Übersetzer: Petra Stöber Herausgeber: Tektime - www.traduzionelibri.it Facebook: https://www.facebook.com/TruffeRomanticheTwitter: https://twitter.com/mirta_bono E-Mail: mirta.b.bono@gmail.com (mailto:mirta.b.bono@gmail.com) Alle Rechte vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers dürfen keine Teile dieser Veröffentlichung reproduziert, fotokopiert oder registriert, noch auf anderen Wegen vervielfältigt werden, weder mit mechanischer noch mit elektronischer Hilfe. Hühner, die goldene Eier legen Für die Frauen, die sich zu wehren wissen und für all diejenigen die es früher oder später noch lernen werden Romantische Betrügereien, die das Herz brechen und den Geldbeutel erleichtern Die hier erzählten Geschichten sind wahre Geschichten. Aus Gründen der Privatsphäre wurden einige Namen der Hauptpersonen geändert. Der Titel "Hühner, die goldene Eier legen" wurde gewählt, um somit die Verachtung zu verdeutlichen, mit der die Scammer die weiblichen Emotionen manipulieren, um sie zu ihrem Vorteil auszunutzen. Der Inhalt des Buches erhebt nicht den Anspruch, therapeutisch zu sein, sondern beabsichtigt, Frauen vor einer grausamen Realität der heutigen Zeit gegenüberzustellen, und es tut dies durch die Erzählung und Verbreitung der möglichen Verteidigungsmittel, die ihnen helfen, ihre Herzen zu schützen, ihre Brieftaschen festzuhalten und ihr Selbstwertgefühl wiederzugewinnen. Romantischer Liebesschwindel (Romance Scams) Annäherung im Netz Ohne irgendjemand beleidigen zu wollen, aber wir armen Single-Frauen haben es doch alle schon einmal erlebt, dass uns eine Nachricht im Netz besonders angesprochen hat und wir darauf hereingefallen sind, die eine mehr, die andere weniger. Das Herz fängt wie verrückt an, für diesen so schönen, galanten, leidenschaftlichen Mann zu schlagen, der auf uns aufmerksam geworden ist und von unserem Antlitz in der Fotografie verzaubert worden war, von unserer Geschichte erobert wurde oder von den wenigen bekannten Informationen, die selbst die Zurückhaltendsten im Facebook-Profil, Twitter oder andere soziale Netzwerken veröffentlicht haben. Man kann einfach nicht dagegen angehen, wir Frauen sind romantisch und "verfügbar" ohne Gleichen. Das heißt, wir sind dazu bereit zu glauben, dass Amor uns doch noch erblickt hat, unsere intimsten Liebeswünsche bemerkt hat und uns mit seinem Pfeil getroffen hat. Es schien uns ein fabelhaftes Zeichen des Schicksals zu sein, dass sich so ein bemerkenswerter Mann in Marine- oder Militäruniform sich für uns interessiert. Ein offener Blick, ein gewinnendes Lächeln, dunkle und tiefe Augen oder auch helle Augen, das spielt keine Rolle. Wenn man sich verliebt, ist auch die Farbe der Augen veränderbar und entspricht auf jedem Fall dem Idealbild, das man in seinem inneren Auge vor sich hat. Erinnern Sie sich an Proust und die Augenfarbe der kleinen Gilberte Swann, die er als Kind kennen lernte? Er beschreibt sie als ein so glänzendes Schwarz, dass sie ein helles blaues Licht abgeben, das so sehr strahlt, dass, wenn das kleine Mädchen keine so schwarzen Augen gehabt hätte - schreibt Proust - er ihre himmelblauen Augen nicht besonders geliebt hätte. Es ist die Begegnung von Begehren und wahrer Erscheinung, die das Idealbild mit Merkmalen füllt. Zwei Teile des Puzzlespiels, die sich ergänzen. Welch Zufall! Welch Glücksfall, denken wir, seit dem Beginn mit den wenigen freundlichen Phrasen des falschen amerikanischen Soldaten. Auch sein Alter ist genau das richtige für uns. Zwischen fünfzig und sechzig, wie so viele alleinstehende Frauen, die verwitwet, oder geschieden sind, die vor dieser glücklichen Begegnung alle Seiten wie Meetic,Lovoo, Badoo erfolglos ausprobiert haben, vielleicht weil der Gegenüber sich als 25 jünger ausgab, oder weil sie nicht korrigierbare Macken hatten, die sie einst zur Trennung von vorherigen Ehefrauen, Verlobten und Geliebten geführt hat. Als meine Schwägerin mich einmal fragte, warum ich mir nicht einen neuen Gefährten fürs Leben suchen würde, sagte ich, dass es schwierig ist, die richtige Person zu finden, denn als Erwachsene sind wir anspruchsvoller; wir verzichten nicht so leicht auf unsere Unabhängigkeit, und auch weil die Männer, die sich uns präsentieren, doch schon von ihrer Frau verlassen wurden und das wahrscheinlich, weil sie einen Defekt haben. "Defekt?" wiederholte meine Schwägerin und begann darüber zu lachen, indem sie wiederholte: "Ah, Defekt, Defekt... wie lustig!" Das Gleiche könnte man doch auch über uns sagen, also was soll's? Auch wir Frauen der Dating-Sites, stellen in unser meetic-Profil das Foto ein, das nur wenige Jahre nach der Erstkommunion aufgenommen wurde, und dann gehen wir zur Verabredung in der Hoffnung, dass der Unglückliche nicht merkt, dass die Person, die er vor sich hat, die Großmutter des Mädchens auf dem Foto sein könnte. Und, was macht man also in solch einem Fall? Die Höflichsten bieten einen Kaffee an und verabschieden sich. Die anderen sagen dir direkt ins Gesicht: "Warum versteckst du dein Alter? Es kann nicht sein, dass du vierzig Jahre alt bist, du bist bestimmt sogar noch zwanzig Jahre älter!" "Und du bist angeblich erst 55?" könnten wir entgegnen und eine unverschämt optimistische Antwort erhalten. "Ich bin 64, aber ich halte mich gut!" Was können wir angesichts einer so großen Eitelkeit tun? Ich glaube, dass es am besten wäre, das ganze einfach zu vergessen. Oder aus purer Rache könnten wir unserem Freund hier raten, sich mindestens einen Spiegel zuzulegen. Wie viele Freitagabende enden mit einem Streit oder manchmal mit einer ungehobelten Phrase desjenigen, der im Netz gar so aristokratisch erscheint, aber am Ende des Tages mehr mit dem Umgangston am Hafen vertraut zu sein scheint, aber nicht um die Segel zu setzen, sondern um sich als Dockarbeiter zu verdingen. Das ist jedoch nichts Dramatisches. Ist die Sprache des aktuellen Bösewichts unangenehm? Dann sollte jeder seines Weges gehen. Ich kann ihn allerhöchstens bannen und damit Schluss mit lustig! Der Bluff zahlt sich nicht aus. Nicht einmal eine Pizza, aus Freundschaft ist erlaubt, wenn man sich nach irreführenden Informationen trifft. Das sind die Risiken der Social Media. Bis vor kurzem noch alles in allem moderate Risiken: eine Blamage, eine Enttäuschung, eine verpasste Einladung zum Essen. Aber sonst nichts Ernstes. Honigsüßer Liebesschwindel Es hat so überhaupt nichts mit dem neuen Trend der virtuellen Online-Begegnungen zwischen romantischen Damen und Bösewichten zu tun, deren einziges Ziel ist, eine reife Frau zu täuschen und sie um den mehr oder weniger großen Betrag ihrer Ersparnisse zu erleichtern, den man bei einer Person, die sich dem Pensionsalter nähert, vermuten könnte. Kennen sie etwa die Geheimverstecke von Bargeld, das wir gewissenhaft im Safe, unter einer Fliese oder unter der Materasse verstecken? Sie wissen alles über uns! Und diese Hurensöhne sind dabei auch noch durchaus geschickt. Sie haben ihre Techniken verfeinert, als ob sie wirklich die Gentlemen wären, die sie behaupten, zu sein. Sie zerlegen alle diese Verteidigungstheorien über den "defekten" Mann in Einzelteile, weil sie im Gegensatz zu uns, sich vom Exmann-Versager unserer Nachbarin, der mit uns flirtet, unterscheiden. Ihre (virtuellen) Highlights sind der Glanz der Uniform, ein rechtschaffener Beruf, ein einsamer Mann ohne jegliche Zuneigung, Abenteuer, Mut, eine finanziell positive Situation. Und weil man dann doch eins und eins zusammenzählt und sich einmal online erkundigt, was so ein US-amerikanischer Marineoffizier, ein australischer Pilot oder ein englischer Offizier eines Hochseeschiffes verdient. Aber das Herz schlägt höher als alle Berechnungen und von ahnungslosen und romantisch verträumten Frauen wissen wir nicht, ob sie wirklich so anders sind als wir. Sie kommen nicht aus der westlichen Welt, aber sie üben sich darin, so zu wirken, als ob sie es wären. Sie lernen die Verhaltensweisen, die einer Frau den Kopf verdrehen. Sie sehen viele Filme, lesen Liebesromane und Handbücher über die Eroberung der Herzen. Sie lernen Phrasen, Komplimente, Aufmerksamkeiten, die das Herz einer Frau im mittleren Alter höher schlagen lassen, trotz aller Skepsis und Intelligenz. Im Gegenteil. Aus einer statistischen Studie geht hervor, dass das Intelligenzniveau bei den betrogenen Frauen stets gehoben ist. Ganz egal ob Ghanaer, Nigerianer oder Malaien, die Scammer verwenden jedmögliches Werkzeug, das die globalisierte Welt ihnen bietet, um mehr über Psychologie, Träume, Denkweisen einer westlichen Frau zu lernen. Und es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass der nette Mann auf der anderen Seite der Welt selbst eine Frau ist. Wahrscheinlich jünger als wir, aber ganz gewiss clever und geschickt. Ein Organisationsprofi für Romance Scams, die anspruchsvollen und lukrativen Betrügereien mit der Liebe. Geschichten von Frauen, die im Internet betrogen wurden Ein Beispiel für Sätze, die bei Kontakten mit Frauen im Netz mit Kopieren/Einfügen verwendet werden: „Ich vermisse dich so sehr, du bist das Wichtigste für mein Herz und meine Seele geworden. Du bist mein Tag, meine Nacht, mein Mond und meine Sonne. Du bist die einzige Königin in meinem Herzen. Ich vermisse dich so sehr, dass selbst die Tage traurig werden". Melania Was bringt eine Frau aus Rimini, die noch jung und attraktiv ist, dazu sich durch eine Liebesillusion zu einer Überweisung von 24 Tausend Euro auf das Konto eines Unbekannten verleiten zu lassen? Melania ist 40 Jahre alt und lebt in einer der "offensten" Städte Italiens, einem der berühmtesten Ferienorte Europas; lebendige Kultur, wo sich Touristen, Kongressabgeordnete, Geschäftsleute, Künstlern aller Art und jeden Alters aufhalten. Gibt es in Rimini keine Möglichkeiten? Das würde ich nicht unbedingt sagen. Doch Melania findet ihre romantische Liebe im Netz; aber es ist ein honigsüßer Schwindel, ein kybernetischer Schadensfall, der sie zur Plünderung ihrer Ersparnisse führt und ihr einen Dorn in ihr Herz bohrt, der sie noch lange Zeit quälen wird. Als Melania die Online-Nachricht von John von der US-Army liest, fragt sie sich nicht, warum sich der Mann in Uniform ausgerechnet an sie wendet. Ganz im Gegenteil, sie denkt: "Das ist die Macht von Facebook! Denn wann könnte ich jemals einen solchen Mann kennenlernen, wenn ich nicht hier im Netz?" Sie ist keine naive Melania, sie ist vierzig Jahre alt, hat einen Diplom-Abschluss in Biologie, einen Job in einer öffentlichen Einrichtung, einen Ex-Mann, der sie nicht mehr ertragen wollte und mit dessen Charakter sie nicht klar kam. „Ich habe dein Foto gesehen - schreibt John - und seit zwei Tagen wache ich nachts mit deinem Anblick vor meinen Augen auf. Mir gefällt, was du in deinem Profil zeigst. Ich denke an dich, ich denke, dass du eine faszinierende Frau bist. Darf ich dir eine Freundschaftsanfrage schicken?“ „Warum nicht - denkt Melania – eine höfliche Art und Weise von einem Mann mit bemerkenswerten Qualitäten, sich so zu präsentieren“. Die Freundschaft beginnt ihren Lauf mit dem Senden von Nachrichten, erst täglich, dann stündlich: morgens, mittags, abends. „Ich bin ein Soldat der US-Army, der seit vielen Jahren in Afghanistan Dienst leistet.“ John erzählt ihr von seinem Tagesablauf, den Gefahren, denen er ausgesetzt ist, dem Bedauern darüber, dass er sich eines schönen Tages von seiner Frau scheiden lassen musste, weil sie ihn betrogen hatte (die Treulose). Er träumt von einer traditionellen Familie, einer liebevollen Ehefrau, mit der er den Sonnenuntergang betrachten kann. Ein Leben voller Liebe, Leidenschaft, Werte und Respekt. Und Reisen und Spaß. Seltsamerweise fragt John sie wenig über sich selbst zu erzählen. Es scheint ihm nicht wichtig zu sein, wer Melania wirklich ist, wie sie lebt, an was sie glaubt, welcher Religion sie angehört. In dieser Hinsicht ist der Amerikaner sehr offen. Und wenn Melania anfangs etwas erstaunt ist, gewöhnt sie sich im Lauf der Zeit daran. Ein außen stehender Betrachter hätte sofort begriffen, dass John (der sogenannte) sich nicht um Melania kümmert, aber sie tat es nicht. Sie fängt an, sich von seinen Phrasen blenden zu lassen und sein offenkundiges Desinteresse als Aufgeschlossenheit zu rechtfertigen. Schließlich kann man von einem Amerikaner, einem Soldaten, der um die Welt gereist ist, nicht die eingeschränkte Mentalität eines italienischen Liebhabers erwarten. Melania hingegen ist er sehr daran interessiert, was er ihr zu sagen hat, die Worte, die er ihr schreibt: „Es fällt mir immer schwerer, Liebling, nachts in der Dunkelheit meines Zimmers einzuschlafen, ohne dich neben mir zu haben und an mein Herz drücken zu können. Zu sehen, wie sich deine wunderbaren Augen schließen und mit Lust auf zärtliches Streicheln deiner weichen Haut antworten, und dir mit meinen Küssen Glück und Ekstase zu schenken. Dieses Glück, das nur zwei Seelenverwandte erreichen, wenn das Schicksal sie zusammenbringt“. „Was machst du? Wie verbringst du deine Tage, lieber John? fragt Melania. Was erwartest du von einer Frau, damit du glücklich bist?“ und in der nächsten Antwort schreibt er: „Ich erwarte eine Frau wie dich! Ah, Melania, wunderbare Kreatur, wo bist du nur die ganze Zeit gewesen? Warum hast du mir nicht schon vorher Glück gebracht? Wo war der Duft deiner Haut? deines Körpers, deines Bauches, die Farben des Paradieses, die ich in deinen Augen sehe. Wo war dein Mund, von dem ich stets träume, ihn zu küssen? Wann werde ich glücklich und meine Sehnsucht gestillt sein? Ich kann nicht mehr. Darf ich dich Liebes nennen? Sag mir nicht, dass ich vorschnell bin, aber das ist mir noch nie passiert, dass ich so glücklich mit einer Frau war. Ich leide, weil du so weit von mir entfernt bist, ich bin glücklich, weil du in mein Leben eingetreten bist und ich spüre wie nah du mir bist. Du bist in meinem Herzen. Wir sind eine Einheit!“. Versteht ihr, welche Leidenschaft der Soldat John zu vermitteln vermag? Melania, die so weichgeklopft ist, senkt zunehmend ihre Abwehr und verringert damit die Möglichkeiten einer objektiven Beurteilung. Sie kümmert sich nunmehr sehr wenig um ihre Arbeit, ihre Freundschaften, ihre Hobbys. Johns Botschaften, Johns Versprechungen, die Aussichten auf ein glückliches Zusammenleben, führen sie zu intensiven Tagen voller Neuheiten, voller Glück, Reisen in die Vereinigten Staaten, um seine Familie kennenzulernen, und warum nicht, nach Afghanistan um ihn zu besuchen. Sie beginnt wie ein Teenager, der seine erste Liebe erlebt, zu fantasieren. Sie plant, ihn zu treffen, und beseitigt Hindernisse, die ihrem Glück im Wege stehen könnten, bevor sie überhaupt entstehen. Um ihn in Afghanistan zu besuchen, kann sie sich vom Arbeitsplatz freistellen lassen. Die Behörde, bei der sie arbeitet, erlaubt diese Art von Beurlaubung. Sie sieht sich schon jetzt, im Tarnanzug wüste und undurchdringliche Gebiete an Bord eines weißen Land Rovers durchqueren. Sie informiert sich, kauft Bücher, auch "Reise nach Kabul" , wo sich eine neue Welt vor ihr auftut: die schneebedeckten Berge des Hindukuschs, das Kobaltblau des Himmels, die ockerfarbene Farbe der antiken verlassenen Städte entlang der Seidenstraße, und der Lärm und die tausend Farben Kabuls. Und zu dem Ganzen, ihr fantastischer Soldat John. Was kann ihr falscher Geliebter an dieser Stelle von ihr verlangen? Vielleicht so ziemlich alles..... Die Fakten lehren uns, dass Melania allen Anfragen zustimmt. Ihre Verstrickung ist mittlerweile so komplett, dass keinerlei Anzeichen auf einen möglichen Betrug sie aus dem Zauber erwachen lässt. Sie ist in den (virtuellen) Händen von John, der sie bittet, für den Traum, den er ihr gegeben hat, mit (echten) Münzen zu bezahlen. „Ich habe dir gegeben, was du wolltest!“ wird er ihr später sagen, als er aufgedeckt wird. Aber schauen wir mal, wie die Geschichte weitergeht Während sie ihre Reise nach Kabul plant, beginnt er, seine Reise nach Italien zu organisieren. Er möchte Rimini kennenlernen, in ihren glücklichen Flitterwochen gemeinsam mit ihr im Meer baden, Rom und Venedig sehen. Melania lenkt seine Projekte exotischer Exkursionen auf kulturelle Entdeckungen in den Vatikanischen Museen und romantische Winkel in den venezianischen Straßen um. Was solls! Amerika und Asien können warten, das Wichtigste ist, den geliebten John in der Nähe zu haben! Tatsache ist, dass der Amerikaner anfängt, sehr begeistert von der Idee ist, nach Italien zu reisen und hier leben zu können, um mit seiner geliebten Melania ein neues Leben im Bel Paese zu beginnen; mit ihr zusammen sein, sich lieben, glücklich sein, eine Familie gründen. Er ist so von dieser Lebensperspektive zu zweit hingerissen, dass sein nächster Schritt von großer Bedeutung sein wird: der Abschied aus der amerikanischen Armee. Den Dienst quittieren, sich definitiv verabschieden. „Aber bist du dir wirklich sicher? fragt sie - Diese Entscheidung, die du da triffst, ist endgültig. Wirst du es auch nicht bereuen?“ Melania ist ein wenig beunruhigt, aber sie fühlt sich von der Tatsache, dass ein solcher Mann seine Lebenspläne für sie durcheinanderbringt, sehr geschmeichelt. „Ob ich es bereuen werde?“, sagt John. „Ich soll es bereuen ein Leben mit einer bezaubernden Frau in einem wunderbaren Land wie Italien zu wollen? Ich würde es tausend Mal bitterlich bereuen, wenn ich diesen Schritt nicht machen würde. Sofort. Und ich bin ausgelaugt und müde, diese trockene Erde unter meinen Militärstiefeln widert mich an. Ich habe genug von diesem Krieg, von all dem Blut! Ich möchte blauen Himmel sehen, das türkisblaue Meer Italiens, deine haselnussbraunen Augen mit diesem goldenen Schimmer, meine geliebte Melania!“. Die Bitte um Geld An diesem Punkt angelangt, wärt Ihr, die diese Zeilen lest, aus diesem Traum mit offenen Augen erwacht, wenn John Euch um Geld gebeten hätte? Melania wacht nicht auf; Aber betrachten wir ihren Wortwechsel im Chat: „Ich habe einen Antrag auf endgültige Freistellung gestellt. Sie haben mir gesagt, dass sie ihn akzeptieren werden, aber nur unter bestimmten Bedingungen.“ „Welche Bedingungen?“ „Sie wollen, dass ich eine Summe zahle. Eine Art Konventionalstrafe.“ „Wie viel?“ „Das, was 24 Tausend Euro in Dollar entspricht.“ „Und du hast die doch, oder nicht?“ „In den Vereinigten Staaten habe ich in Wertpapiere investiert, die Beträge sind fest angelegt. Hier habe ich den Betrag, den sie verlangen, nicht.“ Melania bedauert diese Bitte. Es gehört sich nicht für einen Mann, seine Frau um Geld zu bitten. Sie ist daran nicht gewohnt, denn ihr Ex-Mann hat in ihrer Erinnerung viele Fehler, aber nicht den, dass er nicht immer für die Familie gesorgt hätte. Es hat ihr nie an irgendwas gefehlt, während sie mit ihrem ersten Ehemann zusammenlebte. Eine klitzekleine Alarmglocke läutet in ihrem Gehirn, ganz schwach hörbar, aber das Herz ist jedem möglichen Zweifel gegenüber blind. Und das auch, weil er ihn gekonnt wegwischt. „Ich weiß nicht, ob ich diesen Betrag zusammenbekomme“, sagt Melania, während sie bereits ihre Vorsicht bedauert, denn sie hat Geld auf der hohen Kante, einen Betrag, der den von John geforderten sogar übersteigt. „Tu es nicht, wenn du Probleme hast, meine Liebe. Ich fühle mich als Versager, wenn ich dich darum bitte. Das ist nicht richtig. Auf meinen Konten in den USA habe ich genug für uns beide. Es ist immer der Mann, der für seine Frau sorgen muss! Vergiss, was ich dir gesagt habe. Wir werden eine andere Lösung finden. Ich bleibe hier und verschiebe unser Zusammentreffen bis ich freigestellt werde, so in einem Jahr.“ „Ein Jahr?“ Melania ist fassungslos über die Aussicht, ein weiteres Jahr darauf zu warten, dass John sie endlich in seine Arme nimmt. Nein, so lange kann sie nicht warten. Auch, weil er beharrlich überschwängliche Sätze voller Leidenschaft schreibt. Er erklärt ihr, wie sehr er sie liebt, wie einsam er sich in seinem Bett fühlt, wenn er sein kaltes Kissen umarmt; jede Nacht träumt er davon, sie zu küssen und mit ihr zu schlafen, während seine Seele am nächsten Morgen traurig und einsam ist. Dann bricht Melania zusammen. Sie greift auf ihre Ersparnisse zurück und machte eine Überweisung mit Western Union. John kassiert und verschwindet. Die große Liebe endet von heute auf morgen. John existiert eigentlich gar nicht. Melanias Gesprächspartner ist ein 23-jähriger Nigerianer. Er ist Teil einer Bande von Gaunern, die sich nach jedem romantischen Scam die Beute teilen . Melanie wendet sich an die Polizei, die ihr erzählt, dass sie die dritte Frau in Rimini ist, die innerhalb weniger Monate ausgeraubt wurde. Aber das tröstet sie nicht. Wann immer möglich, beleidigt sie den sogenannten John (immer online), nennt ihn Dieb, Betrüger. Er antwortet, dass er ihr das gegeben hat, wonach sie gesucht hatte, und schlägt vor, dass sie zu ihm nach Nigeria kommt, dann könnten sie ja „ein bisschen Spaß miteinander haben“. Melania nennt ihn „eine Bestie“ und bricht den Kontakt endgültig mit ihm ab. Ein Traum könnte nicht schlimmer enden. Arme Melania. Es tut ihr um das Geld leid, aber noch mehr leidet sie darunter, dass sie in eine Falle getappt ist, die ihr im Nachhinein so offensichtlich erscheint. „Ich bin ja so dumm!“, sagt sie sich jeden Morgen, wenn sie in den Spiegel schaut. Sie ging in Therapie, weil sie nicht mehr wusste, was tun. Sie löschte ihr Facebook-Profil. Der Psychologe hat ihr vorgeschlagen, den Computer zu meiden und sich wieder ihren schönen Fahrradtouren zu widmen, wie sie es als junges Mädchen tat, sich bei einer Umweltorganisation, einem Kunstverein oder was auch immer ihr gefällt, zu engagieren, um die virtuelle Welt zu verlassen und reale Menschen kennenzulernen. Luciana Als Luciana die Freundschaftsanfrage auf Facebook liest, denkt sie voll Neugier „Ein Franzose? Gar nicht so übel!“ Der Mann sagt ihr sofort, dass er verwitwet ist, ebenso wie Luciana, und dass er sie am nächsten Abend im Chat treffen möchte. Sie ist Witwe, er ist Witwer. Beide 50 Jahre alt mit Kindern. Und damit beginnen ihre täglichen Treffen online. Eine Verabredung, die der Frau sehr gefällt, bei der sie sich in Vincent (so lässt sich der angebliche französische Witwer nennen) verliebt. Nach den Erzählungen Lucianas wird ihr allabendliches Treffen bald zu einem angenehmen unverzichtbaren Ritual. Er schreibt immer sehr höfliche Nachrichten, schickt Küsse und Herzen, und sendet ihr einige Fotos mit oder ohne seine Kinder. Luciana macht das Gleiche, während sie diese jugendhafte Liebe durchlebt. „Es kommt mir vor, als ob ich die lang vergessenen Empfindungen meiner Jugend wieder aufleben lassen würde. Er schickte mir Phrasen voller Liebe, die ich nicht einmal in Büchern gelesen hatte. Am Ende hatte ich vollkommen meinen Verstand verloren, so dass ich mich nicht mehr von meinem Handy oder Computer loslösen konnte." Abfahrt in die Elfenbeinküste Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Elfenbeinküste, Senegal, Ghana fast immer etwas mit diesen falschen Liebesgeschichten zu tun haben, denn die Schwindler leben genau in diesen Ländern und dort lassen sie sich das Geld hinschicken. Der gute Vincent weist Luciana darauf hin, dass er bald eine Geschäftsreise in Sachen Kunsthandel in die Elfenbeinküste machen wird. Aber das ist für die Frau eine gute Nachricht. Nachdem er seine Afrikareise, bei der er Masken mit Holzintarsien kaufen wird, beendet hat, wird er nach Frankreich zurückkehren, aber nicht ohne vorher einen Zwischenstopp in Italien eingelegt zu haben, um seine wunderschöne Liebste in Rimini in den Arm zu nehmen. Was für eine Freude! Der Traum wird wahr. Luciana fängt an, sich das Treffen am Flughafen in ihrer Fantasie vorzustellen. Sie mit einem Schild in der Hand, auf das sie in großen Buchstaben ' VINCENT' schreiben würde. Er, schön und elegant, mit dem Koffer mit dem Abflugsaufkleber Abidjan, Sonnenbrille; vielleicht ein kleines Souvenir für sie und ihr Kind. Luciana hält es nicht mehr aus und organisiert im Detail die Begrüßung von Vincent. „Soll ich ein Banner am Eingang des Hauses anbringen? Vielleicht besser nicht, das ist banal.“ Sie möchte nicht, dass es aussieht, als ob sie sich zu sehr in die Sache hineinsteigerte und ihn so behandelte, als ober er der einzige Mann auf der Welt sei. Besser an konkretere Dinge denken, wie ein ganz spezielles Abendessen, eines ihrer persönlichen Spezialitäten: Safran-Lasagne, Heidelbeerkuchen und einen guten italienischen Wein. Es sollte ganz einfach sein, aber dennoch perfekt für die Begrüßung desjenigen, der ihrem Leben neuen Schwung geben wird. Luciana kann es nicht mehr erwarten, ihn in ihre Armen zu schließen. Sie fängt wieder an Gymnastik zu machen und zum Mittagessen isst sie Salat und Mozzarella. Sie möchte in der Zeit bis sie Vincent treffen wird, noch zwei, drei Kilo abnehmen. Luciana wird immer schöner und das bemerken auch ihre Freunde. Ihre Augen funkeln wenn sie ihre Geschichte erzählt, von dem Glück einen solch besonderen Mann auf Facebook getroffen zu haben. Manche Freundin lässt schon auch mal fallen: „Sei vorsichtig mit den sozialen Netzwerken! Da ist nicht alles Gold was glänzt!“ Aber Luciana hört ihr kaum zu. Sie erwartet derartige Warnungen, aber sie lässt sie außer Acht. Ihr Glück liegt darin, dass sie den Mann ihres Lebens getroffen hat und da hat das Gerede ihrer Freundinnen kein Platz. Aber einen Tag erreicht sie eine schlechte Nachricht, die ihrer Glückseligkeit, ihrer vom Schicksal Auserwähltsein einen herben Dämpfer verpasst. Vincent sendet ihr eine Nachricht von der Elfenbeinküste und bittet um Hilfe. Er ist verzweifelt. Man hatte seine Aktentasche gestohlen, mit Geldbörse und Kreditkarte, Handy und alles Geld, das er mitgebracht hatte. Die Räuber haben ihn außerdem auch noch mit dem Auto verfolgt und bei der Flucht hat er ein 8 Jahre altes Kind angefahren, das nun schwerverletzt im Krankenhaus liegt. Vincent droht jetzt eine Gefängnisstrafe, wenn er nicht sofort 2500 Euro für die medizinische Behandlung bezahlt. Das Bewusstsein von Luciana beginnt sich zu lichten Viele Frauen hätten bezahlt, so wie in vielen anderen Romance Scams, aber bei Luciana beginnt eine kleine Alarmglocke zu läuten und sie stellt tausend Fragen: sie möchte ein Foto des verletzten Kindes, seine Daten, Kontaktinformationen und Bankdaten des Krankenhauses, dem sie das Geld überweisen soll. Vincent ist über das Misstrauen ein bisschen beleidigt. Er sagt es ihr. Dann, mit viel Geduld erklärt er ihr, dass das Krankenhaus keine Überweisungen aus Europa akzeptiert. Der einzige Weg, zu zahlen ist eine Überweisung mit Money transfert. Der Nebel im Gehirn von Luciana löst sich auf und sie schreibt eine E-Mail an die Botschaft in Abidjan, in der sie um Auskunft über den sogenannten Vincent bitten, sie schickt sein FB-Profil und das wenige, was sie sonst noch von ihm weiß. Sie findet heraus, dass der Mann ein polizeibekannter Betrüger und Teil einer Gruppe ist, die auf romantische Betrügereien spezialisiert ist. Alarmglocke Luciana beginnt die Informationen in ihrem Besitz zusammenzureimen. Der angebliche Vincent gibt sich als Franzose aus, denn in der Elfenbeinküste, ist Französisch als ehemalige Kolonie noch Amtssprache. Er hat Abidjan nie verlassen, aber er hat so getan als ob er dort hingereist wäre, um in der Heimat die Geldüberweisung zu erhalten. Luciana schickt ihm das Geld nicht, denn sie ist so klug, den Betrug rechtzeitig zu bemerken. Es war die Bitte um Geld, die ihren inneren Alarm auslöste. Intuition und Vernunft gewinnen über Gefühle und der Betrüger verliert das Spiel, das er so mühsam gespielt hatte. Jede Frau, jeder Mensch sollte - bei einer Anfrage nach Geld - aus dem durch die Liebe vernebelten Bewusstsein auftauchen. Es sollte eine automatische Reaktion auslösen: Geld = Erwachen! Dann ein herzliches "Leck mich" an den skrupellosen Räuber. Aber es ist nicht einfach, einen Traum aufzugeben. Nachdem Luciana Anzeige erstattet hat, weint sie tagelang. Sie sagt, sie hätte sich wie eine arme Närrin gefühlt, wie eine Idiotin: „Er hat diese psychische Gewalt verwendet - erklärt Luciana in einem Interview - um mich buchstäblich in die Knie zu zwingen. Er machte sich sogar Sorgen um mich und fragte, ob ich gut geschlafen hätte, ob ich gegessen hätte und wie mein Arbeitstag war! Es ist offensichtlich, dass, wenn ich bei klarem Verstand gewesen wäre, es für unmöglich gehalten hätte, dass ein so netter und höflicher Mann sich in jemand wie mich verliebt, die weder hübsch noch jung ist; aber leider, macht, wie man so schönt sagt, Liebe blind“ . Mary Die Geschichte von Mary wird von ihrem Sohn Lucien erzählt. Eine schlimme Geschichte, aber mit Happy End, wenn man das so nennen kann, wenn man sein eigenes Geld wieder beschafft. Mary feierte gerade ihren 59. Geburtstag, als sie von einem amerikanischen Seemann kontaktiert wird, der ihr Glückwünsche und eine Freundschaftsanfrage schickt. Der Mann sagte, sein sei Name Michael Miller und er wäre 53 Jahre alt. Sie lebt seit zehn Jahren in Italien. Sie ist Französin, die mit einem italienischen Journalisten verheiratet war und von dem sie geschieden ist. Sie hat aus dieser Ehe einen Sohn, Lucien, der als Mathematiklehrer an einem Gymnasium in Rom arbeitet, wo sowohl er als auch seine Mutter lebt. Die Annäherung Michaels findet an ihrem Geburtstag statt. Er schickt ihr eine Freundschaftsanfrage, sie akzeptiert sie. Er schickt ihr einen großen Strauß roter Rosen (ein Foto) mit Glückwünschen in englischer Sprache. „Wie hast du deinen Geburtstag verbracht?" fragt sie Michael am nächsten Tag in einem Italienisch voll von grammatischen Fehlern. „Gut! Ich war mit meinen Freunden zum Essen und wir hatten einen schönen Abend.“ „Do you have a lot of friends? Who do you like? I'm jealous.“ „Sprichst du Französisch? fragt ihn Mary - ich kann nur ein bisschen Englisch." „Avez vous beaucoup d'amis? Qui aimez-vous? Je suis jaloux“, wiederholt er und gibt zu, dass er den Satz mit Google übersetzt hat, und setzt die Unterhaltung mit Kopieren-Einfügen von Online-Übersetzungen fort. „Also, wenn du Google benutzt, dann wähle gleich die italienische Sprache - drängt ihn Mary - weil in Französisch ich automatisch alle Fehler korrigiere.“ „Hast du viele Freunde? Wer gefällt dir? Ich bin eifersüchtig.“ „Sei nicht albern!“ „Ich denke nur an dich. Vor einem Monat habe ich dein Bild gesehen, aber ich bin schüchtern und erst an deinem Geburtstag fand ich den Mut, dich anzusprechen!“ „Wirklich?“ fragt ihn Mary geschmeichelt. „Und was gefällt dir an mir? Ich bin eine normale Frau.» „Normal? Say normal is false. Normal entspricht nicht der Wahrheit. Du bist schön.“ „Wie alt bist du, hast du gesagt?“ „53 Jahre, und du?“ „Ich bin gerade 59 geworden, ich bin älter als du. Ihr Männer seid immer auf der Suche nach jungen Mädchen. Was findest du an einer reifen Person so anziehend?“ „Auf deinem Foto sehe ich eine elegante Frau, you're a beautiful woman. Mary darf niemals schlecht über Mary denken. Schau dich mit den Augen der Liebe an, so wie ich dich anschaue, und du wirst sehen wie schön du bist!“ „Liebe? Du hast es ganz schön eilig!“ „Yes, ich habe es eilig, aber ich folge meinem Herzen, das es noch eiliger hat als ich!“ Eine Woche nach ihrem Geburtstag hat Maria das Gefühl, Michael schon seit langer Zeit zu kennen. Er meldet sich jeden Tag zur gleichen Stunde bei ihr, und bedrängt sie mit seinen Anträgen, seine Liebe zu erwidern. Er sagt schöne Sätze, wenn auch in seinem ungelenken Italienisch, gesteht, dass er noch nie solche überwältigende Gefühle erlebt hätte. Er hatte andere Beziehungen gehabt, die aber unbedeutend waren, weil er immer geglaubt hatte, dass er für eine aufrichtige Beziehung einen Seelenverwandten finden müsste. Er glaubt, dass Gott eine vollkommene Liebe für jedes Lebewesen auf der Erde geschaffen hat, und er hatte das Glück, sie zu finden und seinen Traum zu erfüllen. Zusammenleben, heiraten, vereint miteinander in einem einzigen Körper; das ist das menschliche Glück. Es gibt nichts Schöneres! Mary ist berauscht von seinen Worten, von der Aufmerksamkeit Michaels, der sie mit Bilder von schönen Landschaften bei Sonnenuntergang, Blumen, meist roten Rosen, mit der Aufschrift "Je t'aime,“ oder "Je t'aime beaucoup“, oder als Alternative auch "I love you" überflutet. Seltsamerweise sendet er keine Fotos von sich in anderen Posen oder in Situationen des täglichen Lebens. Mary hat von Michael nur zwei Bilder, eine Nahaufnahme und ein Ganzkörperfoto. Auf beiden Fotos ist er, ein gut aussehender Mann mit hoher Stirn, stolzem Blick, und einem angedeuteten Lächeln in Uniform zu sehen. Ein bisschen zu wenig zum Verlieben. Doch Maria ist so von den Phrasen, Versprechungen, Anspielungen auf ein perfektes sentimentales und sexuelles Glück eingenommen, dass sie nicht weiter fragt. Den Traum die bessere Hälfte zu finden, ist das, was sie will. Sie glaubt daran. Sie will nichts anderes. Michaels Worte sind ihre tägliche Dosis an Unterhaltung, eine erzählte und virtuelle Intuition, ein Vorgeschmack der realen Begegnung, die bald stattfinden wird. Michael will es, Maria will es, besonders nach Nachrichten wie diese: „Darling, ich vermisse dich so sehr, du bist für meine Seele, für mein Herz unerlässlich geworden. Du bist der Tag und die Nacht. Für mich bist du die Sonne und der Mond. Du bist meine Königin. Ich vermisse dich so sehr, dass die Tage, die mich von dir trennen, zu lang und grausam sind. Oh, wie würde ich gerne das Band durchschneiden, das uns vor unserem Treffen trennt! Liebe mich Mary! Mach mich glücklich und steh unserem Glück nicht im Wege!". Bald ist es soweit, aber zuerst fahre ich nach Abidjan! Die Zufälle des Lebens sind seltsam, denn auch Marys Geschichte führt in die Elfenbeinküste. Und es ist kein Zufall, Abidjan ist genau der Ort, wo Michael ein Geschäft abschließen muss. Er beabsichtigt, aus der Marine auszutreten, und plant, mit seiner Abfindung eine Import-Export-Firma für Diamanten ins Leben zu rufen. In der Elfenbeinküste werden pro Jahr Diamanten im Wert von einer Million Karat abgebaut! Dann wird Michael, der eine erfolgreiche geschäftliche Zukunft plant, einen Bergbaudirektor besuchen, der ihm die zu exportierenden Edelsteinmengen, die Einkaufspreise und die Verkaufspreise auf den europäischen Märkten darlegt. Die Aussicht auf enorme Profite ist gut, so gut, dass der Seemann all seine Ersparnisse zusammengekratzt hat um den Vorschuss zu zahlen, der nötig ist, um die Exportaktivitäten nach Europa zu beginnen. Er hat eine Menge Geld angespart, da er mehr als achttausend Dollar im Monat verdient. Und die vertragsgemäße Zahlung wird er dem Direktor mit der Ablösezahlung beim Austritt aus dem Militärdienst geben. Aber Vorsicht! Der aufregendste Teil des Projekts, erzählt Michael, ist, dass seine Reise nach Europa in Italien beginnen wird, in Rom, wo er Maria in seine Arme schließen wird und mit ihr die Zukunft planen wird, um sich den Traum einer glücklichen Beziehung zu erfüllen und - warum nicht - auch eine Hochzeit ist nicht auszuschließen. Nach einer weiteren Woche im Chat, mit Michaels gewohnter liebevoller Aufmerksamkeit, kommt der ersehnte Moment der Abreise an die Elfenbeinküste. Der Mann meldet sich bei ihr sofort nach seiner Ankunft in Abidjan und sagt ihr, dass die Reise gut verlaufen sei. Am nächsten Tag treffen sie sich erneut online. Danach vergehen drei lange Tage ohne Nachricht von Michael. Mary ist besorgt, sie weiß nicht, worauf dieses Schweigen zurückzuführen ist. Sie ist verängstigt. Dann erhält sie endlich einen Anruf von der Elfenbeinküste. Die Kontaktperson ist ein Klinikarzt, der ihr mitteilt, dass es Michael schlecht gehe. Sie haben ihn nach einem Angriff von drei Kriminellen ins Krankenhaus eingeliefert. Er musste sich einer Milzoperation unterziehen. Michael selbst hatte den Arzt angefleht, sie zu kontaktieren, denn vor der OP, dachte er (der sehr schwer verletzte arme Mann) an die sich um Angst verzehrende Mary, und bat ihn darum, seine Frau zu informieren. Der Arzt ist in seinem Gespräch mit Mary ziemlich ausschweifend (es scheint fast so, als ob er wenig zu tun hätte) und beendet seinen Anruf mit der Nachricht, dass Michael sie wahrscheinlich am nächsten Tag selbst anrufen kann. Mary, die sehr besorgt ist, sendet ihm Botschaften, allerdings erfolglos. Am nächsten Tag sieht sie ihn dann auf einem Foto, das per Smartphone geschickt wurde. Sein Gesicht ist geschwollen, er sieht aus, als ob er starke Schmerzen hätte. Der Eingriff war gut verlaufen, erklärt er, er spricht langsam und unter Schmerzen. Sie haben ihm die Milz entfernt. Er wird sich ausruhen müssen, bis er geheilt ist. Er sagt ihr, dass die Angreifer ihm 90.000 US-Dollar geraubt haben. Er hat nichts mehr, bis er seine Abfindung bekommen wird. Er hat nicht einmal das Geld, um die Klinik zu bezahlen. Außerdem hat er den Vertrag mit dem Minenbetreiber unterzeichnet und muss einen Scheck als Sicherheit übergeben. Er würde um nichts in der Welt sie um Hilfe bitten wollen, aber er ist verzweifelt! Mary versteht nicht, warum er mit so viel Geld unterwegs war und fragt ihn. Michael erklärt, dass er dabei war, das Geld in der Bank in Abidjan zu hinterlegen, um den Scheck von 50 Tausend Dollar für den Vorschuss des Vertrages über die Diamantenlieferung zu decken. Er erklärt ihr seine Situation und wird von Gewissensbissen gequält, weil er weiß, dass es nicht normal ist, sich an sie zu wenden. Er würde lieber sterben, aber er ist besorgt! Er muss eine Lösung finden, denn wenn der Scheckbetrag nicht gedeckt ist, platzt das Geschäft und er muss dazu auch noch eine Strafe zahlen. Der Rest der Geschichte, wie ihr euch vorstellen könnt, ist leider, wie die arme Mary zugunsten des Bösewichts verarmt, ein Bösewicht, der nicht Michael heißt, sondern ein junger Afrikaner und Mitglied einer Bande ist, die sich auf "Honigbetrug" spezialisiert hat. Die Geschichte aus der Sicht von Lucien „Meine Mutter hatte Michael in der Elfenbeinküste mehrere Überweisungen aus verschiedenen Gründen geschickt. Es begann mit 50 Tausend Dollar mit Western Union und Money Gram, weil der Mann, in den sie sich verliebt hatte, ihr nach den ernsten Verletzungen und Angriffen leid tat. Sie hat alle ihre Ersparnisse aufgebraucht, um ihm zu helfen, nicht zuletzt, weil er ihr zusagte, dass er den Kredit zurückzahlen würde, sobald er sich erholt hatte. Wenn die Lieferungen für den Verkauf von Diamanten beginnen würden, würde er persönlich nach Rom kommen, um ihr den Scheck zu bringen und ihre gemeinsame Zukunft beginnen. Aber der Mann hatte in dieser traurigen Situation viele finanzielle Verpflichtungen. Die Kosten für die Klinik, die Rehabilitation, die Hotelkosten und die zweite Tranche des Unternehmens für den Import/Export sind bekannt. „Meine Mutter", sagt Lucien, „verkaufte sogar ihre Wohnung, um den ständigen Forderungen des Mannes nachzukommen, der sie mit falschen, dringenden und zwingenden Rechtfertigungen überzeugte. Als ihr klar wurde, dass sie betrogen wurde, fiel sie in eine Depression. Traurig und ohne weitere finanzielle Mittel quälte sie sich jeden Tag, weil sie eine dumme Frau war, die den Betrug hätte bemerken und Rat suchen sollen. Das hatte sie nie getan. Ich habe meine Mutter zur Therapie geschickt, um sie von diesem moralischen Tiefschlag zu befreien. Aber in ihrem Altern heilen solche Wunden nur schwer...". Die glückliche Fügung der Quittungen der Überweisungen Mary hat glücklicherweise die Quittungen von Western Union und Money Gram aufgehoben. Außerdem hatte sie auch den Kontakt mit ihrem Betrüger aufrechterhalten, während ihr Sohn Lucien Informationen bei seinen Journalistenfreunden suchte, und eine Interpol-Niederlassung mit einem Ermittler in die Sache verwickeln konnte der die Bandenmitglieder verhaften ließ. Nachdem das Außenministerium der Elfenbeinküste die Beweise für die überwiesenen Beträge erhalten hatte, unternahm es Schritte, um das Geld zurückzuzahlen. Aber Marys Schmerz darüber, dass sie so sehr gekränkt wurde, wird noch lange andauern. Ab und zu wacht sie nachts auf, weil sie davon träumt, dass ihr jemand eine Tasche voller Diamanten stiehlt. Sie ruft um Hilfe und sieht einen Mann in Marineuniform, der sie auslacht. Für Mary jedes Aufwachen ist mit Schmerzen verbunden und sie denkt an Michael zurück. Sie hat ihn so vor Augen, wie auf dem Foto, das sie sich so oft angesehen hatte. Sie kann es fast nicht glauben, dass Michael nicht existiert; dass die Liebesschwüre nur kopierte Phrasen von irgendwelchen romantischen Texten waren, oder einfach so erfunden waren, um sie in eine sentimentale Falle zu locken. Der Computer in ihrem Haus ist jetzt ein Gerät, das immer ausgeschaltet ist und das sie nicht einmal abstauben kann, ohne sich unwohl zu fühlen. Das Internet ist ein Ort des Todes und des Leidens. Sie würden aus keinem Grund in der Welt auf die Seite eines Socials gehen wollen. Silvia Die Protagonistin dieser Geschichte möchte ihre Identität nicht preisgeben. Sie ist eine junge Frau von 32 Jahren, die im Frühjahr 2016 eine Freundschaftsanfrage von einem 40-jährigen Franzosen erhält, ein schöner Mann, der sich Henry Dupont nennt. Sie nennen wir Silvia: "Er schickt mir sofort eine Nachricht über Messenger - erzählt Silvia - und sagt mir, dass ich sein Typ sein und dass er sich in mich verliebt habe. Er schickt mir Herzchen und Küsse und schreibt honigsüße Schmeicheleien. Ich fühle mich ein wenig unwohl, weil es mir scheint, dass seine Leidenschaft übertrieben ist, wenn man bedenkt, dass ich ihn kaum kenne. Ich kenne ihn nicht, ich habe ihn nur in einem Bild gesehen, das, obwohl es schön ist, für mich nicht viel über die Person aussagt. Für ein paar Tage lasse ich das Ganze laufen. Ich möchte nicht von ungewünschten Zuneigungsbezeugungen in meiner Privatsphäre gestört werden. Henry kontaktiert mich immer wieder, ich antworte aus Anstand. Ich lese seine liebevollen Sätze und denke, dass ich mich Gianni gegenüber vielleicht nicht korrekt verhalte; Gianni ist mein Lebensgefährte, mit dem ich in letzter Zeit nicht sehr gut auskomme. Wir streiten über Kleinigkeiten und gehen nur noch selten aus. Jeden Abend erscheint Henry online, spricht mit Silvia und erzählt ihr von seinem Leben. Er sagt ihr, dass er Witwer mit zwei Kindern sei, einem Jungen und einem Mädchen. Dann berührt er das sehr traurige Thema des Todes seiner Frau, der bereits einige Jahre zurückliegt. Er erzählt ihr von seiner Einsamkeit, mit zwei kleinen Kindern, die ohne ihre Mutter aufwachsen. Er schickt ihre rührenden Fotos der Kleinen zusammen mit ihrem Papa (trauriger und trostloser Mann!). Silvia teilt ihm korrekterweise mit, dass sie bereits einen Lebensgefährten hat und sich nicht für andere Geschichten interessiere, vor allem nicht mit Leuten, die sie nicht direkt kennt. Aber Henry gibt nicht auf und schickt ihr Bilder mit Blumen, pulsierende Herzen, liebevolle Kuscheltiere und zärtliche Phrasen. Silvia ist vorsichtig das kann man ihren Worten entnehmen. Sie ist sicher keine Frau, die es gewohnt ist, leichtfertig Entscheidungen zu treffen. Wenn sie das täte, würde sie sich ihrem Lebensgefährten gegenüber schuldig fühlen, denn obwohl sie gerade eine Krise durchleben, ist sie sich bewusst, dass er es nicht verdient hat, abserviert zu werden. Der Widerstand der Frau gegen Henry ist wirksam, aber dennoch steigert sich das geheime Interesse ihrerseits täglich. Schließlich ist es schon ungewöhnlich, dass man Mittelpunkt von so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung ist. Da kann man sich nur geschmeichelt fühlen. An einem Abend schreibt ihr Henry, dass er am nächsten Tag in die Elfenbeinküste fliegen würde, wo seine Familie ein Immobilienunternehmen hat. Silvia wünscht ihm eine gute Reise. Zwei Tage lang hört sie nichts von ihm. Dann fängt er wieder an, ihr zu schreiben, um etwas Zeit mit ihr im Chat zu verbringen. Er sagt ihr, dass diese Momente die einzigen heiteren seines Tages sind. Seine Umgebung, in der er sich befindet, tut ihm nicht gut. Tatsächlich geht er abends nicht aus, trifft niemanden und traut vor allem niemandem, denn der Ort, an dem er sich befindet, ist gefährlich. Auf den Straßen trifft man Frauen von übelstem Ruf, Räuber und Diebe. Eines Abends erzählt er ihr, dass er mit seiner Tochter gechattet hat. Sie schickte ihm einen Kuss mit großen Buchstaben: "SMACK!”. Silvia wird weich und lächelt. Sie sagt ihm, dass es schön ist, Kinder zu haben, die so liebevoll sind. Nach Rosen und Blumen warten wir nun auf das Unheil Die Kontakte zwischen Henry und Silvia werden für etwa zehn Tage unterbrochen. Sie sucht nicht nach ihm. Alles in allem ist sie, abgesehen von den schmeichelhaften Liebeserklärungen, nicht sehr an ihm interessiert. Oder zumindest ist sie nicht so sehr an ihm interessiert, um ihn zu suchen oder sich über seine Abwesenheit Sorgen zu machen. Henry meldet sich plötzlich wieder und erzählt ihr, dass er kurz bevor er nach Hause kam ausgeraubt wurde. Ohne großes Drum Rum bitte er sie um Bargeld, weil er auf dem Trockenen sitzt. Er hat nichts mehr. Er erzählt ihr die Einzelheiten des bewaffneten Überfalls, wo er zwei Kriminellen zum Opfer gefallen war. Aus Angst, dass sie ihn töten, gab Henry ihnen alles, was er hatte: seine Brieftasche, seine Kreditkarte, seine goldene Uhr. Silvia antwortete, dass es ihr Leid tut. Henry bittet sie inständig ihm Geld zu schicken. Sie hat kein Geld und sagt es ihm, aber Henry erklärt weiterhin seine Schwierigkeiten. Er sagt, er hat nichts, nicht mal etwas zu essen. Silvia rät ihm, sich an die Polizei zu wenden und eine Anzeige zu erstatten. Er antwortet, dass er dies bereits getan hat, aber immer noch ohne Mittel ist. Nur sie kann ihm helfen. „Nein", wiederholt Silvia. „Ich habe kein Geld, um es irgendjemand zu geben. Ich komme kaum selbst über die Runden!" „Du bist herzlos!" schimpft er, „Ich brauche das Geld für meine Kinder!" Dann beginnt sie Fragen zu stellen. Die allgemeinen Fragen, die jedem von uns in den Sinn kommen würden. Sie fragt ihn, wo seine Verwandten, die mit dem Immobilienunternehmen. Sie will, dass er ihr erklärt, warum seine Kinder in der Elfenbeinküste und nicht in Frankreich sind. Henry wird wütend und sagt ihr, dass sie nichts von dem verstanden hat, was er ihr gesagt hatte. Er findet Ausreden für seine Widersprüche. Dann gibt er klein bei und bittet sie um einen niedrigeren Betrag. Eintausend Euro reichen aus. „Schicke, was du kannst! Ich werde dir jeden Cent zurückzahlen". Silvia unterbricht den Kontakt. Verbittert stellt sie Nachforschungen an und entdeckt, dass er ein Betrüger ist. Sie war kurz davor, auf ihn hereinzufallen, aber in diesem Fall hatte sie immerhin eine gute Dosis Vernunft bewahrt. Sie ließ sich nicht verzaubern, ein wenig wegen ihres Charakters, ein wenig auch, weil dieser unbekannte Mann sie nie ganz überzeugt hatte. Um genau zu sein, können wir sagen, dass der Honig von seiner Seite aus falsch war, von ihrer Seite hatte es ihn nie gegeben. Daria „Es ist auch mir passiert. Zwei Monate sehr zärtlicher Briefe und süßer Phrasen, die jede Frau gerne hören würde". So beginnt Darias Geschichte, indem sie die Person, die sie betrogen hat, als dubiose Person bezeichnet. Sie sagt, dass sie dachte, dass diese Dinge alten Rentnern oder naiven, einsamen Frauen passieren, und verwendet abfällige Worte, um diese Angelegenheit zu definieren, weil sie Verachtung für sich selbst empfindet. Sie fühlt sich dumm und ohne Ausreden, eine arme und schwache Frau. Daria schreibt ihre Geschichte im Blog von Massimo Cappanera, einem klinischen Psychologen und Experte für Web-Betrügereien, der Leute dazu einlädt, von ihren Erfahrungen zu erzählen, um sicherzustellen, dass Leser gewarnt werden und nicht in die gleiche Falle geraten. Ich schwebte zwei Monate lang auf Wolke sieben Marcello sagt, er sei Italiener, als er sich an Daria ranmacht. Aber man versteht sofort an seiner Ausdrucksweise, dass dem nicht so ist. Sie weist ihn darauf hin, dass er nicht gut auf Italienisch schreibt und er rechtfertigt sich damit, dass er in Italien geboren wurde, seine Mutter aber Deutsche ist. Sein Vater ist gestorben. Als er noch ein Kind war, beschloss seine Mutter nach dem Tod des Ehemannes, nach Großbritannien zu ziehen, wo sie viele Jahre lebten. Daria spricht viele Sprachen und sagt ihm, dass er eine auswählen soll: Spanisch, Englisch, Deutsch. „Ich bin Witwer und habe eine zwölfjährige Tochter - erklärt er - und reise viel für internationale Geschäfte. Ich nehme meine Tochter und das Kindermädchen mit auf die Reisen, weil ich das Mädchen nicht gerne allein lasse. Wir haben nur uns auf dieser Welt.“ An diesem Punkt beginnt Daria, Mitgefühl und Verständnis für diesen Witwer zu nähren, dem immer eine süße kleine Tochter folgt. „Mein Standort ist in Bristol - fährt Marcello fort - aber geschäftlich muss ich um die ganze Welt reisen. Ich arbeite im Bereich der öffentlichen Ausschreibungen und schließe beträchtliche Verträge ab". „Das ist ein anspruchsvoller Job!", sagt Daria. „Ja, aber ich bin es gewohnt zu arbeiten, zu reisen. Ich bin mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. Das einzige, was in meinem Leben fehlt, ist eine Frau, die mir den Kopf verdreht. Jetzt bin ich glücklich, weil ich sie gefunden habe, aber mein Glück wird erst komplett sein, wenn ich dich umarmen kann." „Wird dieser Tag bald kommen?" „Früher als du dir vorstellen kannst!" versichert ihr Marcello mit Nachdruck. „Wann?" „Ich hasse es über Zahlen zu sprechen, aber dir kann ich es sagen. Ich habe mich für den Vertrag von 7,5 Millionen statt der 12 Millionen entschieden, weil der von kürzerer Dauer ist und wir uns so früher sehen können. Ich freue mich darauf, dich zu treffen. Du bist so schön, so liebenswert (der Mann beginnt ihre Vorzüge und seine Gefühle für sie aufzulisten). Süße Daria, ich denke nur an dich!“ Marcello erklärt ihr weiterhin die Pläne für ihr Treffen, das nach seiner Rückkehr von einer Schiffsreise nach Zypern stattfinden wird, wo er im Begriff ist, die Ausrüstung zu kaufen, die zum Bau einer Brücke benötigt wird. „Es verläuft alles gut", sagt Daria, „auch wenn es in seinen Worten einige Widersprüche gibt, die ich aber nicht bemerke, weil mein Gehirn auf Standby steht". Und hier sind die tollkühnen Implikationen der Geschichte Marcello spricht oft von der mystischen Dimension ihrer Begegnung, die sicherlich eine Gottesfügung ist. Es ist das Schicksal zweier Herzen, die sich ähnlich sind, die sich suchen um gemeinsam das Glück zu finden. Sie finden sich durch göttliche Fürsprache und lieben sich für den Rest ihres Lebens. Dann ist ja alles in Ordnung! Aber auch hier kommt es - wie in einem schon bekannten Drehbuch - zu einer Katastrophe. Daria wird vor etwas Unerwartetem und Ungewöhnlichem gewarnt. Marcello befindet sich im Hafen von Zypern, als Piraten ein Schiff angreifen, das vor ihrem abgefahren war. Der Kapitän wurde getötet, während die Schüsse wie wahnsinnig durch die Luft fliegen, und unendlich viel Blut fließt. Die Piraten nehmen einige Geiseln. Marcello hat einen Koffer voller Bargeld und die wertvollen Dokumente seiner Verträge. „Meine Liebe - sagt er - du weißt, dass ich ohne dich allein auf der Welt bin. Ich vertraue nur dir allein. Tu mir bitte einen großen Gefallen und bewahre das Paket, das ich verstecken konnte, bis zu meiner Ankunft in Italien auf." „In Ordnung," antwortet Daria. „Gib mir deine Adresse!" sagt Marcello. Daria schickt ihm die Adresse und Telefonnummer. Er erklärt ihr, dass er bereits achttausend Euro für den Transport bezahlt hat und dass sie nur einen kleinen Betrag für nationale Steuern zahlen muss, den das Unternehmen nicht vor Ankunft des Pakets am Bestimmungsort abschätzen kann. Die Frau verbringt zwei verzweifelte und lange Tage, die Angst, die diese unerwartete Situation bei ihr verursacht, raubt ihr den Schlaf. Sie denkt an Marcellos Sicherheit. Sie hat Angst. Sie weiß nicht, was sie tun soll, während sie bis spät in die Nacht wartet, als sie per E-Mail den Lieferschein des Transportunternehmens Turkiye Diplomatic Security Company erhält. Der Lieferschein ist voller Stempel und sieht sehr wichtig und offiziell aus. Es fehlt jedoch ein wesentliches Teil um die Auslieferung durchführen zu können. Damit die Sicherheitsbeamten des Unternehmens das Paket zu Daria nach Hause liefern können, sind 2500 Euro an nationale Steuern und Mehrwertsteuer zu entrichten. Der Betrag ist vor Lieferung per Bankgutschrift zu begleichen. Daria ist terrorisiert von der Last der Verantwortung, und weiß nicht, welche Entscheidung sie treffen soll. Sie ruft Marcello an, aber er antwortet nicht. Dann versucht sie, seine Firma anzurufen und auch dort antwortet niemand. Dann sucht sie das Unternehmen im Internet und findet es nicht. Und so zerreißt sie sich tatsächlich vor Angst. Sie ist versucht, das Geld zu überweisen, aber sie verfügt nicht über eine ausreichende Summe. Sie denkt daran, ihre Schwester um Hilfe zu bitten. Sie geht zu ihr. „Ich habe ein ernstes Problem", sagt sie aufgeregt, „Ich brauche dringend 2500 Euro!" „Was?"". „Ja, ich muss damit eine Sendung freistellen lassen!" „Setz dich einen Moment und erklär mir alles von Anfang an," sagt ihre Schwester bestimmend. „Nun, ich habe Marcello im Chat kennengelernt. Er ist ein Geschäftsmann...". Daria spricht mit ihrer Schwester und merkt, während sie diese unglaublichen Fakten erzählt, wie sich der Nebel in ihrem Gehirn lichtet. „Es wurde mir von ganz alleine klar! Während ich spreche und mir selbst zuhöre, kann ich meinen eigenen Worten nicht glauben. Die Geschichte Darias endet an diesem Punkt. Mit ihrer Schwester, die ihr glücklicherweise geholfen hat, die Augen zu öffnen und die ihr in ihrem Kummer Trost gespendet hat. Aber sie will ihre Geschichte so beenden: „Zum Abschluss sage ich euch, dass solche Dinge, so intelligent und wachsam wir auch sein mögen, passieren können. Ein sehr wichtiger Punkt ist es, nicht alles für sich zu behalten. Wir betreten einen Tunnel, in dem die Realität leicht mit Fantasie verwechselt wird, wenn wir sie nicht mit jemandem teilen. Ich hoffe, ich habe Sie nicht mit dieser langen Geschichte gelangweilt, und ich hoffe auch, jemandem geholfen zu haben, wie Sie mir, danke". Serena Dies ist der Geschichte von Serena, frei entnommen aus dem Blog World Romance Scam . Diese Website sammelt unzählige Zeugnisse derer, die ihre Erfahrung mitteilen wollen, um anderen Frauen zu helfen, bevor den Gefühlsbetrügern ins Netz gehen, oder nach der Enttäuschung, die sie erlitten haben, um ihnen einen Weg aufzuzeigen, wie sie ihr Selbstwertgefühl zurückgewinnen können: "Ich heiße Serena und bin 31 Jahre alt, eines Tages lerne ich auf Facebook einen sehr netten und galanten Mann kennen, der mir eine Freundschaftsanfrage schickte. Ich wusste nichts von der Existenz von Fakes und deshalb vertraue ich ihm. Er ist gebildet, romantisch, aufmerksam; er sagt oft, dass er Gott dafür dankt, dass er uns zusammengebracht hat. Ich finde nichts Schlechtes dabei und mache einfach weiter. Er erzählt mir, was er arbeitet; er befindet sich auf einem Öltanker. Er ist Witwer mit einer Tochter. Ganz langsam vernarre ich mich in ihn und bitte ihn darum uns zu treffen. Er sagt, er kann im Moment nicht an Land gehen, wird dies aber so bald wie möglich tun. Eines Tages schreibt er mir, dass das Schiff ein Leck hat und sie andocken müssen. Er sagt mir, dass sie Probleme mit der Versicherung haben, die die Schäden nicht deckt und alle riskieren ihre Arbeit zu verlieren. Er bittet mich darum, ihm zu helfen, indem ich ihm fünftausend Euro schicke. Ich glaube ihm und tue es. Dann bittet er mich um mehr Geld für weitere Arbeiten auf dem Schiff. Er erklärt, dass sie Geld sammeln und dass er weitere fünftausend Euro braucht. Ich schicke sie ihm. Ich beginne für meine Finanzverhältnisse zu viel auszugeben und durch Zufall sehe ich eine Werbung des Vereins "World Romance Scam". Ich klammere mich daran. Ich schreibe. Dr. Ansaldi antwortet mir und bittet mich darum sie anzurufen. Seitdem steht sie mir bei. Sie hilft mir zu verstehen, in was für eine Sache ich hineingeraten bin, und sie sendet mir Fotos des Betrügers, die mir beweisen, dass diese Person bereits andere Frauen übers Ohr gehauen hat. Ich folge blind den Vorschlägen der Ärztin, die mich durch den Tunnel der Rückkehr zur Realität begleitet. Ich blockiere den Kontakt mit ihm. Ich beantworte seine Anrufe nicht mehr; ich weine, ich schlafe nicht, ich bin krank, aber ich weiß, dass ich das überwinden muss und die Ärztin ist immer in meiner Nähe. Am Ende verschwindet er und für mich endet ein Alptraum, der viel mehr Schaden hätte anrichten können, wenn ich nicht "Worldromancescam.org" kennengelernt hätte. Heute weiß ich, was Fake sind, und ich bin gefeit. Ich wollte, dass jeder weiß, dass man diese Abhängigkeiten heilen kann und ich bin der lebendige Beweis". Die Verbände, die Medien, die Institutionen, die sich mit diesem Problem befassen, das heute weit über alle Erwartungen hinaus verbreitet ist Der Verein World Romance Scam leistet gute Arbeit bei der Verbreitung und Prävention. Auf der Website und auf der entsprechenden Facebook-Seite interagieren Frauen, die solche romantischen Betrügereien durchlebt haben, und wollen Schutz und Hilfe bieten. Ihre Präsentation auf der Homepage der Website ist die folgende: „Vereinigung gegen sentimentalen Betrug, Assistenz und Beratung für Opfer; Ermittlungen, Information, Prävention;; Reporting gemäß dem Abkommen von Budapest, dem Budapest Cybercrime Act v. 23. April 2001 und allen nachfolgenden Versionen“. Betrachtet man die auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten Beiträge, kann man eine unendliche Anzahl von Bildern sehen, die als Fakes aufgedeckt werden. In einem steht eine Warnung: „Dies ist eine weiteres Fake mit Fotos eines italienischen Modells und er nennt sich Jean Marck Venus.“ Die Antwort eines Mitglieds der Seite lautet: „Mir hat er sich mit dem Namen Oliver Perret vorgestellt!" Wenn man die Seite überfliegt, findet man viele Personen, die von Betrügern geklont wurden. Man findet das Foto eines hochdekorierten und nichts wissenden Marineoffiziers, mit einem interessanten und energischem Gesicht und dem fiktiven Namen Ken Scaparotti. Weiter unten ein Video mit der Warnung: „Neues Fake, er nennt sich Miguel Pazamini oder Jean Marc Riviet". Der folgende Kommentar stammt von einer gewissen Martha: „Dieser Typ hieß im April Sebastien Perrot!" Die Seite sucht weiter nach der wahren Identität der Betrüger und zeigt die Fotos, die sich mit denen Lügengeschichten der listigen Betrüger verbinden lassen. Es sind Bilder von vielen verschiedenen Typen, schöne Männer, weniger schöne aber interessante, Sportler in moderner Kleidung, Offiziere in hoher Uniform, Lehrer und Ärzte. Bei genauerer Betrachtung der Beiträge findet man Fotos von Frauen, meist junge (auch diese ahnungslose Klone), die in den Socials mit falschen Profilen und wenig erfundenen Informationen eingesetzt werden, um - wie ein Köder auf hoher See - gewinnbringende romantische Betrügereien zu aktivieren. Einziges Ziel: den im Netz gefundenen Unglückseligen so viel Geld wie möglich abzuknöpfen. Die Fotografien sind alle echt, aber von Männern und Frauen, die nicht ahnen, dass sie so wegen ihrer wahren Züge und einer gefälschten persönlichen Geschichte, die von Berufsbetrügern mit Engagement interpretiert wird, geliebt werden. Rossana Auch Rossana enthüllt ihre Geschichte auf Cappaneras Blog. Sie schreibt, dass sie die Berichte anderer Frauen und die Ratschläge im Web sehr nützlich findet . Sie will darüber sprechen, um den Lesern zu helfen, nicht in die Falle zu tappen: „Seit kurzem habe ich angefangen Web-Marketing für mein Geschäft zu betreiben und auf der Suche nach Kontakten und Freundschaften auf Facebook bin ich auf diesen Mann gestoßen... Es ist zu beachten, dass ich die Freundschaftsanfrage mit vielen anderen geschickt habe. Nach einer Weile kontaktiert er mich über den Chat von Facebook". Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=40851557&lfrom=334617187) на ЛитРес. Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.
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